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Der im folgenden lückenhafte Text scheint zu besagen, daß Ea Anweisungen gegeben, durch Opfer die zürnenden Götter zu besänftigen. Aber offenbar haben die Menschen die Götter aufs neue durch ihre Sünden in Zorn versetzt, denn aufs neue sind die Götter versammelt, wieder klagt Bel: Die Sünden (?) haben nicht abgenommen, größer als vordem

sind sie geworden. Ob ihres Geschreis bin ich betrübt.

Wiederum werden dieselben Nöte, die schon am Anfang die Menschen bedrückt haben, über sie verhängt: Mißwachs und Teuerung, Unfruchtbarkeit auch des Mutterschobes. Das alles trifft ein, genau in derselben Weise wie vorher.

Nun folgt wieder eine große Lücke, über deren Inhalt sich kaum etwas vermuten läßt. Vielleicht aber war hier davon die Rede, daß auf abermalige Fürsprache des Atarchasis nunmehr eine Zeit der Fruchtbarkeit in der Natur und unter den Menschen anbricht. Wahrscheinlicher ist mir aber, daß es infolge des letzten Strafgerichts (oder durch eine sich daran anschließende Flut?) zu einer völligen Vernichtung des Menschengeschlechtes gekommen ist, daß aber die Götter doch Reue empfinden und beschließen, die Erde wiederum zu bevölkern durch ein neu zu erschaffendes Menschengeschlecht.

Da, wo der Text wieder einsetzt, tritt die Göttermutter Mami auf, die nach der Rezitation einer Beschwörungsformel sich anschickt, Menschen zu bilden. Vierzehn Stücke Lehm kneift sie ab, sieben legt sie zur Rechten, sieben zur Linken, und aus diesen Lehmstücken bildet sie sieben Männlein und sieben Weiblein.

Aus dem Schluß des erhaltenen Textes geht hervor, daß er in dieser Rezension als Einleitung einer Beschwörungsformel für schwangere Frauen gedacht war. Zum Inhalt vgl. S. 96.

$ 27. Das „Fragment Scheil“.

In enger Berührung mit dem eben besprochenen Texte steht das „Fragment Scheil“, aus altbabylonischer Zeit und vermutlich aus Sippar stammend.

Text: Rec. de Trav. XX S. 55 ff. Transkr. u. Ubers.: ib.; Jensen KB VI, 1 S. 288 ff. Zum Inhalt s. Zimmern, ZA XIV S. 277 ff., KAT S. 552.

Der Text ist außerordentlich lückenhaft, läßt sich aber aus dem vorhergehenden teilweise ergänzen. Hier wie im vorhergehenden spricht Ea mit Atarchasis, und es scheint, daß ähnliche (?) Plagen die Menschheit bedrücken. Deutlich ist aber hier von einer bevorstehenden Flut (abûbu) die Rede, wenn auch die Lückenhaftigkeit des Textes alle einzelnen Ereignisse dabei völlig dunkel läßt.

Der unleugbare Zusammenhang dieses Textes mit dem vorher besprochenen läßt erkennen, daß in den babylonischen Vorstellungen von dem Untergang einer Urmenschheit zwei Traditionsreihen nebeneinander herlaufen, die wohl auch gelegentlich zusammengetroffen sind, nämlich einmal die Zurückführung des Untergangs der ersten Menschheit auf eine allgemeine Flut und sodann die Motivierung desselben Ereignisses durch eine Reihe von verderblichen Plagen. Sicherlich handelt es sich dabei um ursprünglich verschiedene Sagenstoffe. So weiß sicher die Flutgeschichte des Gilgamesch-Epos und wahrscheinlich auch der Text DT 42 nichts von den über die Menschheit verhängten Plagen, während in dem Mythus von Ea und Atarchasis ausschließlich die Plagen zum Untergang der Menschheit geführt zu haben scheinen. In dem Scheilschen Fragment scheinen dagegen die Plagen und die Flut zusammenzuwirken, die ersten Menschen vom Erdboden auszutilgen.

Die Sonderexistenz der Sintfluterzählung als Motivierung des Untergangs der ersten Menschheit beweisen außer den babylonischen Rezensionen z. B. die biblische, syrische, indische und griechische Flutsage. Daß auch der dem Mythus „Ea und Atarchasis“ zugrunde liegende Gedanke als ein selbständiges Element der mythologischen Vorstellung im ganzen alten Orient in Umlauf war, beweist für Babylonien die Anspielung im GilgameschEpos am Schluß der Fluterzählung (Tafel XI, vgl. S. 84), wo Ea Bel geradezu vorwirft, er hätte auch andere Mittel anwenden können, die Menschheit auszutilgen, nämlich Löwen, Schakale Hungersnot, Pest. Zweifellos geht auch die Episode in Gen. 7 ff.

die sogen. ägyptischen Plagen – und das Strafgericht in Ezechiel 14, 12—20, bes. 21 () (Hungersnot, wilde Tiere, Schwert, Pest), aus dem nur wenige Fromme unversehrt hervorgehen, im letzten Grund auf dieselbe babylonische Vorstellung zurück. Beachtenswert ist der Wechsel zwischen 10 und 4 Plagen: 10 sind es in Ägypten, 4 bei Gilgamesch, 1. c., bei Ezechiel und – worauf mich Hommel aufmerksam macht wohl auch bei den Masai in Afrika.

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$ 28. Die Flutgeschichte nach Berosus 1.

Texte bei Eusebius, ed. Schöne I S. 19–24 nach Alexander Polyhistor; ib. S. 31 f. nach Abydenus; mit Übers.: Winckler, TB2 S. 92 ff. Übersetzt von Zimmern, KAT: S. 543.

Kronos erscheint dem Xisuthros, dem letzten der Urkönige, im Traum und offenbart ihm, daß am 15. des Monats Daisios die Menschen durch eine Flut zugrunde gehen würden; er solle alle Schriften nach Sippar bringen und dort vergraben. Für sich solle er ein Fahrzeug bauen, mit all seinen Angehörigen hineingehen, Speise und allerlei Tiere mit hineinnehmen. Auf die Frage, wohin denn die Fahrt gehe, wird ihm die Antwort: „Zu den Göttern, um für die Menschheit Gutes zu erflehen“. Die Überschwemmung tritt ein, und als die Wasser anfangen wieder zu sinken, habe Xisuthros ,,einige seiner Vögel losgelassen. Diese hätten aber keine Nahrung und keinen Ort zum Sitzen gefunden und seien wieder in das Schiff zurückgekommen. Darauf habe er sie nach einigen Tagen wieder hinausgelassen, und diese seien ins Schiff zurückgekommen mit lehmbeschmutzten Füßen. Zum drittenmal losgelassen, seien sie aber nicht wieder in das Schiff zurückgekommen". Da nun Xisuthros bemerkt, daß das Schiff auf einem Berge aufgelaufen sei, sei er mit Weib, Tochter und Steuermann herausgegangen, habe den Göttern geopfert, und sie alle drei seien entrückt worden. Die Zurückgebliebenen hätten sie dann gesucht, aber nur mehr eine Stimme vernommen, die ihnen zurief, sie sollten gottesfürchtig sein, denn er, Xisuthros, sei wegen seiner Gottesfurcht zu den Göttern entrückt worden usw.

Xisuthros ist natürlich identisch mit Chasis-atra, der Umkehrung des Namens Atrachasis. Auch sonst sind die Übereinstimmungen mit dem babylonischen Flutbericht offenkundig. Möglicherweise liegt eine spezielle Rezension (von Sippar?) zugrunde, in der Bel die Rolle spielt, die sonst dem Ea zukommt, wenn man der Wahl des Gottes Kronos, die aber auch erst einer späteren Überarbeitung zugeschrieben werden kann, besondere Bedeutung zumißt. $ 29. Der mythologische Charakter der Flutsage.

Zur Literatur vgl. Jeremias, ATAO S. 124 ff.

1 Ein weiterer durch babylonische Vorlagen beeinflußter Flutbericht liegt in Orac. Sib. I, 125 ff., vgl. dazu und besonders zu seinem Verhältnis zum Babylonischen: Geffcken in Nachrichten d. Gött. Ges. d. Wiss., 1900, S. 88 ff.; Bousset, ZntW, 1902, S. 31. Weber, Literatur,

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Es gibt wohl kaum einen Mythus, der mannigfachere Erklärungsversuche erfahren hat, als der Sintflutmythus. Sicher scheint das Ineinandergreifen von Erinnerungen an ein einmaliges oder häufiger eingetretenes Naturereignis und von mythologischen Vorstellungen. Die Möglichkeit, in den Flutsagen einen historischen Kern anzuerkennen, ist für ihre Beurteilung völlig belanglos. Die historische Erinnerung kann nicht weiter reichen als bis zu der Angabe, daß eine Springflut einmal eine große Verwüstung angerichtet hat; was über diese Angabe hinausgeht, ist auf jeden Fall ausschließlich mythologisch zu beurteilen.

Mythologisch ist vor allem schon die ungeheure, alle Lebewesen vernichtende Wirkung der Flut zu würdigen. Die Flut bildet den gewaltsamen Abschluß eines Äon, eines Zeitalters der Vergangenheit, wie elementare Ereignisse für die Zukunft als abschließende Katastrophen unseres gegenwärtigen Zeitalters vorgesehen sind. Und wenn tatsächlich die verheerende Wirkung der Wasserfluten den historischen -- allerdings unmöglich greifbaren — Hintergrund der Flutsagen bildet, so ist sie vom Mythus zur Datierung des Ereignisses verwendet worden. Für die babylonische Lehre war es nicht schwer, die Zeit festzustellen, in der die ganze Erde in das Wasserreich versunken war. Nach ihren Zyklen ergab sich diese Zeit als die Periode, in der das Frühlingsäquinoktium in der Wasserregion des Tierkreises stand. Der Sintflutheros des babylonischen Berichts, Utnapischtim, ist Chasisatra, der wiederum dem Demiurgen Adapa bezw. dem Marduk entspricht, der der Gott der Frühjahrssonne ist: er durchschifft in der Arche die Wasserregion, um dann nach der Landung die Herrschaft über die neue Erde anzutreten.

Neben diesen Grundzügen des Mythus treten eine ganze Reihe wichtiger Details entgegen. In Einzelzügen schließt sich die Schilderung eng an die bei Sturmfluten im Zweistromland beobachteten Vorgänge an, so, daß in unseren Tagen ein Naturforscher (Sueß) der babylonischen Darstellung das Zeugnis vorzüglicher Sachkenntnis zusprechen konnte.

Außerordentlich nahe liegt die Deutung der Arche auf den Mond, der den Himmelsozean durchsegelt und namentlich im ersten Viertel ein genaues Abbild eines Kahnes ist. Dazu stimmt auch die Chronologie der Fahrt. Daneben geht aber die Auffassung der Fahrt als des Sonnenlaufes in der Überlieferung unbeeinträchtigt nebenher und ist jedenfalls die ursprüngliche, während die Züge der Mondlegende vielleicht erst mit der Arche Eingang in den Mythus gefunden haben. Solches Ineinandergreifen mythologischer Vorstellungen hat durchaus nichts Verwunderliches, sondern beruht auf der Anschauung, daß die großen Gestirne alle dieselbe Bahn durchlaufen, dieselben siderischen Erscheinungen haben.

Wichtig ist auch noch die Rolle, die die Flutsage in der Literatur und in der Historiographie bei den Babyloniern und Assyrern spielt. Der Ausdruck „wie eine Sintflut“ ist eine stehende Figur in der Rhetorik geworden, namentlich wenn die Wirkung der Zerstörung einer Stadt oder eines Landes recht eindringlich geschildert werden soll.

Für die Geschichtsbetrachtung bildet die Flut einen wichtigen Abschnitt insofern, als sie zwischen Königen vor und nach der Flut unterscheidet.

Kap. 8: Unterweltmythen. $ 30. Die Höllenfahrt der Istar.

Text: 4 R$ 31 u. additions; CT XV pl. 45–48. Aus Assurbanipals Bibliothek. Transkr. u. Ubers.: A. Jeremias, Bab.-Assyr. Vorstellungen vom Leben nach dem Tode (1887), bei Roscher, III S. 258 ff.; Jensen, KB VI, 1 S. 80 ff. Zum Inhalt vgl. Zimmern, KAT: S. 561 ff.; Jeremias, AO. 1, 3 passim.

Inhaltsangabe. Istar, des Mondgottes Tochter, richtet ihren Sinn auf die Unterwelt, das „Land ohne Rückkehr“, das „Haus der Finsternis“, das „Haus, dessen Betreter nicht wieder herauskommt“, „dessen Betreter das Licht entbehren muß“, „wo Erdstaub ihre Nahrung, Lehm ihre Speise, wo das Licht sie nicht schauen, in Finsternis wohnen, wo sie bekleidet sind wie Vögel mit Flügelgewand, wo auf Tür und Riegel Erdstaub lagert“. Am Tor des „Landes ohne Rückkehr“ angelangt, fordert Istar gebieterisch Einlaß: „Pförtner, he!

öffne dein Tor! Öffne dein Tor,

damit ich hineinkomme! Wenn du dein Tor nicht öffnest, so daß ich nicht hineinkomme,

zerschmeiß' ich die Tür, zerbrech' ich den Riegel,

zerschmeiß' ich die Schwelle und reisse auf die Türen, bringe die Toten herauf, daß sie essen und leben, zahlreicher als die Lebenden sollen die Toten sein.“

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