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HARVARD COLLEGE LIBRARY

FROM THE LIBRARY OF PROF. HUGO MÜNSTERBERG

OCT. 26, 1927

Druck von Oscar Brandstetter in Leipzig

Vorwort

Dieses kleine Buch verdankt seine Entstehung einem sehr großen: der von P. Hinneberg herausgegebenen schönen und umfassenden Gesamtdarstellung aller Zweige unseres heutigen Wissens, der Kultur der Gegenwart. Als ich es übernahm, für diese eine kurze Skizze der Psychologie zu liefern, glaubte ich, im Rahmen der eigentlichen Aufgabe, einer Vorführung der wesentlichsten Züge der gegenwärtigen Psychologie, so wie sie sich mir darstellen, noch in einigen anderen Hinsichten nützliche Arbeit leisten zu können. So namentlich durch den Nachweis, daß auch die höchsten Erscheinungen des seelischen Lebens, die das dilettantische Denken aus einem metaphysischen Bedürfnis, einem religiösen Gefühl, einem angeborenen Rechtstrieb u. dgl. als aus letzten und nicht weiter erklärbaren Ursachen abzuleiten pflegt, durchaus und allein denselben Grundkräften der Seele gesetzmäßig entstammen, die schon in ihren elementarsten Äußerungen sich als wirksam erweisen. Allein, als die im Hinblick hierauf durchgeführte Arbeit vollendet war, erwies sie sich für die Ökonomie des Ganzen als viel zu lang; sie mußte auf etwa die Hälfte ihres Umfanges heruntergebracht werden und ist so in der Kultur der Gegenwart erschienen. Zugleich aber gaben mir deren Verleger und Herausgeber unaufgefordert und in höchst dankenswertem Entgegenkommen das Recht, auch das ursprüngliche Manuskript für eine Sonderveröffentlichung zu verwerten,

Von dieser Ermächtigung mache ich hier Gebrauch. Allerdings so, daß ich, durch beengende Rücksichten auf den Raum

nun nicht mehr gebunden, meine Darstellung noch etwas erweitert und vervollständigt habe, so daß sie, ohne ihren anfänglichen Charakter einer knappen Zusammenfassung des Wichtigsten zu verlieren, wohl als ein Abriß der ganzen Psychologie zu gelten vermag. Daß die im einzelnen getroffene Auswahl nicht jedermanns Billigung finden wird, und daß der eine dies, der andere jenes lieber durch anderes und ihm wichtiger Scheinendes ersetzt sähe, bedarf keiner Worte. In Zweifelsfällen habe

ich mehr danach gestrebt, die Dinge, die ich einmal erwähnte, nun auch so weit auszuführen und zu erläutern, daß sie allgemein verständlich würden, als durch Häufung von kurzen und bloß andeutenden Erwähnungen größere Vollständigkeit zu erreichen.

Ein Kritiker meiner Darstellung in der Kultur der Gegenwart findet, daß sie ganz auf materialistischem Standpunkt stehe, und verknüpft damit bewegliche Phrasen über die Unzulänglichkeit dieser Verirrung und entstellende Behauptungen über meine Absichten, wie man ihnen bei philosophisch interessierten Laien wohl begegnet. Was für eine Etikette man meiner Sache anheftet, ist selbstverständlich gleichgültig. Aber da das Wort Materialismus keineswegs nur für eine einzige und begrifflich scharf definierte, sondern wegen seines tadelnden Beigeschmacks für sehr erheblich verschiedene Anschauungen gebraucht wird, sofern man sie nicht mag, so läßt Klarheit des Denkens es nicht hinausgehen, ohne kurz anzudeuten, in welchem Sinne es gemeint ist. Und so sei der Leser also benachrichtigt, daß es der Materialismus Spinozas, Goethes, Fechners ist, den er bei mir findet.

H. E.

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Die Psychologie hat eine lange Vergangenheit, doch nur eine kurze Geschichte. Sie ist dagewesen und älter geworden jahrtausendelang, aber eines stetigen und anhaltenden Fortschreitens zu reiferer und reicherer Gestaltung hat sie sich in früheren Zeiten kaum je zu erfreuen gehabt. Im 4. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung errichtete die staunenswerte Kraft des Aristoteles sie als einen Bau, der den Vergleich mit jedem anderen Wissen der damaligen Zeit sehr zu seinem Vorteil zu bestehen vermochte. Aber dieser Bau ist dann ohne allzu bedeutende Veränderungen und Erweiterungen stehen geblieben bis in das 18., ja das 19. Jahrhundert hinein. Erst in so junger Vergangenheit finden wir eine zunächst langsamer und neuerdings rascher fortschreitende Entwicklung der Psychologie.

Woran das lag, dieses lange Stillestehen und naturgemäß also Zurückbleiben unserer Wissenschaft, vermögen wir in seinen allgemeinsten Gründen wohl anzugeben.

„Der Seele Grenzen kannst du nicht ausfinden, und ob du jegliche Straße abschrittest, so tiefen Grund hat sie,“ lautet ein Ausspruch He: raklits, und er trifft die Wahrheit voller, als sein Urheber nur entfernt ahnen konnte. Die Bildungen und Vorgänge unseres Seelenlebens bieten der wissenschaftlichen Erkenntnis die größten Schwierigkeiten, größere noch als die ihnen in mancher Hinsicht verwandten körperlichen Lebenserscheinungen der höheren Organismen. Bei ihrem unablässigen Wechsel und ihrer Flüchtigkeit, bei ihrer ungeheuren Verwicklung, bei der Verborgenheit vieler doch unzweifelhaft mitspielender Momente ist es schwer, sie auch nur einzufangen und ihrem wahren Inhalte nach zu beschreiben, schwerer noch, Einsicht in ihren ursächlichen Zusammenhang zu gewinnen und ihre Bedeutung zu verstehen. Die volle Größe dieser Schwierigkeiten beginnen wir eigentlich erst jetzt recht zu erkennen. Wo auch immer in neuerer Zeit die Forschung in intensiver Beschäftigung mit einem psychischen Sondergebiet in die Tiefe und zu sicherem Einzelwissen vorgeschritten ist, wie auf den Gebieten des Sehens, des Hörens, des Gedächtnisses, der Urteilsbildung u. a., das erste und übereinstimmende Ergebnis war überall, daß die Dinge unvergleichlich viel feiner und reicher und sinnvoller gestaltet sind, als selbst eine kühne Phantasie sich vorher hätte ausmalen können.

Ebbinghaus, Abriß

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