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gesunkenen Stämmen braucht man nicht vom Dasein Gottes oder von einem zukünftigen Leben zu reden, da dieses allgemein bei ihnen angenommen wird" (Livingstone, Missionsreisen I. S. 192).

Es gibt Gelehrte, die überall einen Ahnendienst wittern, wo die verehrten Wesen als in früherer Zeit lebend gedacht werden, und so hat man auch als das Charakteristische ber südafrikanischen Religionen den Ahnendienst bezeichnen wollen (v. Drelli, S. 748). Allein es scheint doch ein wesentlicher Unterschied zu sein zwischen dem chinesischen Ahnendienst, wo wirklich jeder Familienvater von seinen Nachkommen verehrt und mit Opfern bedacht wird, und den jüdafrikanischen Religionen, die wir vielleicht besser einen Heroendienst nennen dürften, denn es scheint nicht, daß hier jeder Verstorbene verehrt werde, sondern nur Gewaltige, die sich ausgezeichnet haben durch gute oder böse Taten und die nun als Geister die Zauberer und Medizinmänner in Besiß nehmen. Unter diesem Heroendienst scheint der eine Gott in den Hintergrund gebrängt worden zu sein, und er wird bei manchen Völkern nicht mehr Himmel, sondern Vater oder der alte oder Urvater genannt. Bei den Sulu heißt er Umkulunkulu, bei den südlichsten Kaffern Mulungu, bei den Suaheli in Deutsch-Ostafrika Muungu, bei den Betschuanen Morimo, bei ben Basuto Modimo.

Dagegen unter den Baronga im portugiesischen Gebiet bei der Delagoa-Bai hat Missionar Junod von der Mission Romande gefunden, daß sie den Himmel, Tilo genannt, als die Macht betrachten, welche nicht nur den ersehnten Regen schickt und im Gewitter fich offenbart, sondern auch plößliches Sterben, besonders ber finder durch Strämpfe und ebenso die Geburt von Zwillingen verursacht, was als Zeichen seines Zorns angesehen wird; aber der Himmel ist es auch, der mit Sicherheit den Dieb entdeckt und als Blißvogel, der sich auf dessen Hütte niederstürzt, bestraft. (Junod, Les Ba Ronga. Neuchâtel 1898, S. 408 ff.)

Von den Hottentotten hat schon Peter Stolbe 1745 gefunden, daß sie ein höchstes Wesen verehren, das mit einem sagenhaften Fürsten kombiniert sei. Bei Festlichen Tänzen zur Zeit des Neumonds und Vollmonds rufen sie dasselbe an: Sei gegrüßt! Mache, daß wir viel Honig bekommen, daß unser Vieh zu fressen habe und uns reichlich Milch gebe!" Bei den Namaqua heißt das höchste Wesen Heitsi-Eibib, bei den foranna Tsuikoab. Tänze im Mondschein spielen auch bei den Negervölkern eine große Rolle, und vielleicht wird der Mond als eine Offenbarung des Himmelsgotts betrachtet, in deffen Schein man in Afrika sich gemütlicher uma treiben kann als im Sonnenschein. – Selbst bei den Buschmännern hat man ein höchstes schöpferisches Wesen gefunden, das sie Kage nennen.

Auch die heidnischen Galla verehren ihren Gott Wak als Schöpfer der Welt und Geber alles Guten. Er wird die Toten nach ihren Werken richten. Sie haben keine Gößenbilder.

Die Massai am Kilimandjcharo glauben, daß ihr Himmelsgott Ngai sich oft auf dem Schneegipfel niederlasse. Sie verehren ihn stehend mit erhobenen Armen, Grasbüschel in den Händen haltend. Die Sterne find Ngais Augen. Sie sagen, in der großen Regenzeit, wo die Rinder fett werden, vergieße der Gott Freudentränen, in der kleinen Regenzeit, wo sie abmagern, weine er über die Gleichgültigkeit der Massai (v. Drelli, S. 751).

Auf Madagasfar nennt man an der Küste das höchste Wesen Zanahary, im Innern Andriamanitra. Aber die Vorstellungen der Madagassen von demselben sind sehr vag und unklar. Wenn auch nach den Überlieferungen der Väter dieser Gott alles sieht, die Bosheit straft, das Gute belohnt, alles regiert und bewirkt, was die Menschen unternehmen, so lebt doch dieser Glaube nicht im ganzen Volt. Der König war der sichtbare Gott, und jede Provinz hatte ihre besonderen Gottheiten. Dieselben wurden in geheimnisvollen Verhüllungen aufbewahrt, und in ihren geheiligten Umkreis durften gewisse Tiere und andere Dinge nicht kommen. Der Geisterdienst wird besonders an den Gräbern der Wasimba, der schwarzen Urbewohner der Insel, gefeiert (Miff.-Mag. 1865, S. 75 ff.).

So ist das Ergebnis für Afrika, daß die afrikanischen Völfer den einen Gott noch erkennen, das göttliche Wesen zerfällt ihnen nicht in mehrere Personen; aber von der Mehrzahl der Völker muß man sagen: sie dienen ihm nicht mehr, wie der Apostel Paulus es Röm. 1, 21 darstellt. Sie fürchten sich mehr vor Wesen, die sie selbst als Gott untergeordnet denken. Ist anzunehmen, daß sie durch eigenes Nachdenken auf die Idee der Einheit Gottes, des Schöpfers aller Dinge gekommen seien? – Nein, diese Idee erklärt sich gewiß viel einfacher als ein Rest aus der Urreligion.

Die Schöpfungsjagen der afrikanischen Völker unterscheiden häufig zwischen Schöpfung der Weißen und der Schwarzen, so daß fie in dieser Gestalt erst nach der Bekanntschaft mit den Europäern entstanden sein können; aber die Schöpfung wird nicht pantheistisch dargestellt, sondern auf den einen Gott zurückgeführt.

4. Der Fetisch- und Geisterdienst. Verfassung und Kultus

in den afrikanischen Religionen. Die Fetische werden, wie wir gesehen haben, als Geister betrachtet, welche da und dort in Naturgegenständen ihren Siß haben, aber auch Menschen in Besiß nehmen können. Der Neger glaubt sich von tausend Augen beobachtet," sagt schon Cruifschank, einer der ersten, der den Fetischdienst auf der Goldküste beschrieben hat. Auf der Soldküste werden Großfetische und Kleinfetische, Großväter und Väter, unterschieden. Dieterle sagt: Erstere sind mit dem Weltall geschaffen und zwar vor den Geschöpfen; sie sind deshalb Kinder Gottes ersten Rangs und ihm auch in allem am ähnlichsten. Sie können unter den Menschenkindern wohnen, wohin sie von Gott gesandt werden. Für gewöhnlich wohnen sie in der Luft, sind unsichtbar, nicht gebunden an einen Ort oder Raum, fast allwissend, allgegenwärtig und unsterblich. Ohne Gottes Willen tun sie den Menschen weber Gutes noch Böses, sondern sie harren allezeit seiner Befehle. Ihren Wohnfiß nehmen sie am liebsten tief in den Wäldern, unter großen Bäumen, in romantischen Gegenden, an Felsabhängen und in Höhlen. Wird irgend ein Plaß als Siß eines solchen Großfetisch angegeben, so darf derselbe nicht mehr betreten werden, ohne daß Opfer dargebracht werden. In Akuapem find vier solcher Großfetische: in Abiriw Bofombra, in Obojomase Ayenku, in Aburi Toa, in Berekufo Ototo. Man wendet sich an die Großfetische durch Opfer bei Krankheits- und Unglücsfällen“ (Heidenbote 1871, S. 18).

Bohier, der im Ga-Gebiet an der Küste gearbeitet hat, sagt: „Zum Kultus der Stammesfetische gehört: 1. daß in der Stadt ein kleiner Tempel für den betreffenden Fetisch erbaut ist; 2. daß ein Mann oder eine Frau oder beide zusammen als Wulomo (in der Tschi - Sprache Asofo), Priester oder Tempelwärter bestellt ist, der den Tempelhof kehrt, die Opfer darbringt, Weihwasser verabreicht und für alle diese Dienste ein gewisses Einkommen an Opfern u. bergl. hat; 3. daß er einen stehenden Wongtíchä (auf Tschi: Akomfo), Wahrsager, hat, in welchen er fährt und durch welchen er seinen Willen offenbart. Lagunen, Fluß- und Tierfetische werden gewöhnlich durch Frauen, Berg- und Baumfetische durch Männer, andere Fetische durch beide bedient. 4. Endlich muß jedem Hauptfetisch jährlich ein Fest gefeiert und bei dieser Gelegenheit ein Tieropfer (Schaf, Ziegenbod, Rind) dargebracht werden. Jeder Fetisch wird an seiner Stimme und seinem Wahlspruch oder Lobgesang erkannt“ (Miff.-Mag. 1886, S. 197 f.).

Wir werden im allgemeinen annehmen müssen, der Glaube an diese Großfetische knüpfe fich an gewaltige Naturerscheinungen. In Akuapem, dem Bergland der Goldküste, wohnenfte in Felfen und gewaltigen Bäumen, an der Stüfte vorzugsweise im Meer und den Lagunen. „Die See," sagt Bohner (a. a. D. S. 199), „wird von allen Städten als Fetisch betrachtet, hat aber nur in Affra einen öffentlichen Stultus, wo sie unter dem Namen Naji verehrt wird. Der ihr geweihte Tag ist der Dienstag." - „Bei allen Lagunen spielt die Fischerei eine große Rolle. Zu einer gewissen Jahreszeit pflanzt der Wulomo einer solchen Fetischlagune eine Art Strohwisch an derselben auf. Durch diesen Aft wird das Fischen darin verboten. Dieses Verbot dauert einige Monate, worauf fich die Stadtältesten zu einem Wongtíchä begeben und ihn ersuchen, den Lagunenfetisch zu fragen, ob es erlaubt sei, wieder zu fifchen. Der Fetisch erscheint in einem Topf Wasser und gibt nach einem in Gelb, Rum und Zeug bargebrachten Opfer die Erlaubnis. Ehe aber nun das Fischen beginnt, beräuchert der Wulomo die Lagune, indem er mit einem großen Feuerbrand darauf herumfährt“ (S. 198).

Die Großfetische werden wir als die Anfäße zur eigentlichen Vielgötterei betrachten müssen; aber es hat sich noch keine Mythologie an sie geknüpft, wenn sie auch durch Familienbande mit den Kleinfetischen verbunden gedacht werden. Ihre Verehrung erstreckt sich nicht auf ein ganzes Volt, sondern nur auf einen kleinen Streis, und ihre Abhängigkeit von Gott wird noch festgehalten. In Togo scheinen schon mehr Anjäße zur eigentlichen Vielgötterei sich zu finden, so daß von einem Striegsgott, Blißgott ut. dergl. die Rede ist; aber daß Mawu über allen steht, wird doch festgehalten.

Über die Kleinfetische fagt Dieterle (Heidenbote 1871, S.34): , Abosomma oder Kinder der Großfetische, diese zweite, niedrigere Art von Fetischen, sind der Sage nach nicht von Gott geschaffen, sondern, wie ihr Name sagt, finder der Großfetische. Während die leßteren unsichtbar sind, können die Kleinfetische erscheinen, aber nicht jedermann, sondern nur den Priestern, welche mit dieser Klasse von Fetischen zu tun haben. Ihre Wohnsiße nehmen sie gerne in einzelnen großen Bäumen oder erscheinen sie in kleinen glänzenden Gestalten. Nach der Meinung der Leute werden auch Fetische in Tierleibern, besonders in erlegtem Wild gefunden, wenn irgend ein ungewöhnliches Gewächs, eine Drüse oder derartiges gefunden wird. Außerdem werden noch besonders geformte Steine oder größere Stüde Erz oder Geräte, die aus alter Zeit stammen und an denen sich der ursprüngliche Zweď nicht mehr erkennen läßt, für Fetische gehalten. Wenn nun jemand etwas berartiges findet oder wenn eine Person, männlichen oder weiblichen Geschlechts, auch nur meint, von einem Fetisch dazu berufen zu sein, von ihm besessen zu werden, so geht sie zu einem Priester dieser Klasse, bringt ihm das Gefundene oder offenbart ihm, daß der Fetisch von ihr Besitz nehmen wolle. Der Priester ruft dann noch andere Priester zu sich und berät mit ihnen, ob der gefundene Gegenstand wirklich ein Fetisch sei. Wird derselbe als solcher anerkannt und ist die betreffende Person dem Rat der Priester annehmbar, so hat sie bei einem unter ihnen für etwa zwei Jahre oder auch länger in die Lehre zu gehen. Glaubt jemand von einem Fetisch besessen zu sein, ohne ihn in irgend einem Gegenstand gefunden zu haben, so verstellen sich solche Leute von Zeit zu Zeit, wie es auch die Priester tun, indem sie ihr Gesicht, oft auch den ganzen Körper, mit weißer Erde bestreichen, mit sonderbarem Gebärdenspiel Tänze aufführen, unverständliche Zeichen machen und sonderbare Laute von sich geben. Die Priester wissen dann einen Fetisch zu finden und übergeben ihn der betreffenden Person. Die Priester der Sleinfetische sind Wahrsager (akomfo) und als

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