Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub

folche so recht die Träger des heidnischen Aberglauben."

Die Kleinfelische find also das Wechselnde im Fetischdienst, doch nicht so, wie man fich's häufig in Europa vorstellt, daß jeder Mensch sich irgend einen Gegenstand zum Fetisch machen könnte. Die neuen Fetische müssen mit den älteren in Berührung gebracht werden, wie das Eisen am Magnet gerieben werden muß, um magnetisch zu werden. Sie bekommen häufig den Namen von älteren, und wenn ein Fetischbaum zu Grunde geht, wird ein anderer ausgesucht, in welchen der Geist übergesiedelt sein soll.

Wir müssen also unterscheiden Fetischpriester oder Fetischwärter (Wulomo, Asofo) und Fetischpropheten (Wongtschä, höhere Stufe: Gbalo; auf Tschi: Akomfo). Die leßteren haben einen weit größeren Einfluß auf das Volt als die ersteren. Sie sind die durch ganz Afrika gefürchteten Zauberer. Sie bilden allenthalben Geheimbünde, in welchen sie ihre Wissenschaft fortpflanzen. Nach den Aussagen eines zum Christentum bekehrten Fetischpropheten glauben sie selbst nicht an die Existenz der Fetische, betrügen also wissentlich das Volk. Diese Geheimbünde der Zauberer (in Togo der Jevhebund, in Kamerun der Losangobund) haben im sozialen und politischen Leben einen Einfluß, neben welchem vielfach die Häuptlinge kaum auffommen.

Die Zauberei spielt überhaupt im Leben der afrikanischen Völker eine größere Rolle als die regelmäßigen Feste und Dpfer, welche durch die Fetischwächter dargebracht werden. Nennen wir zunächst die leßteren! Es werden Erntefeste gefeiert, es werden Hühner, Schafe, Ziegen, zuweilen auch Ochsen geopfert, und das Blut gilt als das fühnende Mittel. In der Landschaft Afem auf der Goldküste wird auch jährlich ein Widder als Träger der Schuld in den Wald gejagt. Auch bei den füdafrikanischen Völkern spielt das Blut eine besondere Rolle. Die Barotse nehmen ein wenig vom Opferblut zwischen die Lippen und speien es mit dem Laute tsu! aus, der eine sakramentale Bedeutung für sie hat (Junod S. 396).

Durch ihre Menschenopfer sind namentlich die Keiche von Asante und Dahome in Westafrika berüchtigt geworden. Nicht nur gefangene Feinde wurden in Menge geschlachtet zur Sühne für die in der Schlacht gefallenen Stammesgenossen. Bei jedem Freudenfest, namentlich bei dem im Dezember stattfindenben Jams- oder Erntefest gab es Menschenopfer. In Bantama, dem Begräbnišort der Asante-Könige, pflegte der regierende König die mit Golddraht zusammengeflochtenen Skelette seiner Vorfahren mit Menschenblut zu waschen. Nicht eigentlich den Fetischen, sondern dem verstorbenen König wurden auch Weiber, Sklaven und Soldaten geschlachtet, damit er in der andern Welt einen Hofstaat habe, und zwar wurde dieses Gemegel nicht nur unmittelbar nach seinem Tode veranstaltet, sondern auch einige Wochen später, bei der sogenannten Kostüme, der Totenfeier, die auf der Goldküste eine große Rolle spielt. Mit Blut müssen auch der Königsstuhl, die Fetischtrommeln und Blasinstrumente bestrichen werden. Auch das Branntweintrinken ist bei den Kultushandlungen der Neger unentbehrlich geworden. Mit Branntwein muß der Priester und Wahrsager fleißig regaliert werden, durch Branntwein kommt das Volt in große Aufregung, so daß unter Trommellärm und betäubendem Geschrei alle Festlichkeiten gefeiert werden. Die Menschenopfer werden eingeschränkt, so weit der Arm der europäischen Obrigkeit reicht; aber weiter im Innern werden noch viele dargebracht.

Die Kasualien und die Zauberei fallen dem Fremden in Afrika mehr ins Auge als die regelmäßigen Feste und Opfer, und sie find bas Gebiet der Fetisch propheten, welche zugleich die Ärzte des Landes find, in Südafrika der Medizinmänner und Regenmacher. Da zeigt sich besonders, wie die afrikanischen Völker geknechtet sind in einem Aberglauben, der von Banden selbstsüchtiger Menschen ausgenüßt wird. Bei Krankheiten und Todesfällen, bei allen wichtigen Ereignissen im Leben wird der Fetischprophet zu Rate gezogen. Da diese Menschen untereinander einen Geheimbund haben und auch ihre Späher aussenden, können sie über die Familienverhältnisse allerlei erfahren, was sie dann in ihrer Besessenheit als merkwürdige Offenbarung des Fetisch fundgeben. In allerlei Taschenspielerkünsten haben sie sich in ihrer Lehrzeit geübt und die Kenntnis einiger Kräuter und wirklichen Heilmittel fich angeeignet. Aber auch diese natürlichen Mittel werden mit dem Fetisch in Verbindung gebracht, und jede Krankheit wird vom Volt als Besessenheit oder irgendwie als Werk eines bösen Geistes betrachtet, denn die ganze Natur wird beseelt gedacht. Warum müssen aber nach der Vorstellung der afrikanischen Völker die Fetischpropheten in ekstatische Zustände verfallen, um den Leuten zu helfen? -- Die Neger denken fich ohne Zweifel, der Fetischprophet sei in seiner Verzüdung in die Geisterwelt versegt und dadurch im stande, die Fetische zu zwingen, daß fie dem Menschen helfen. Es ist kein demütiges Bitten um Hilfe, fein Harren auf die göttliche Erlösung, sondern es muß bei der Zauberei alles ben Geistern in wildem Stampf abgerungen werden, was der Mensch bedarf und wünscht.

Statt der Besessenheit kommt in Südafrika auch ein Wahrsagen aus Fußfnöchelchen verschiedener Tiere vor, die wie Würfel aufs Geratewohl hingeworfen werden, und aus deren Stellung der Wahrsager auf allerlei Fragen antworten fann (Junod S. 455 ff.).

Die Amulette, welche die afrikanischen Völfer. an fich tragen, sollen, wie bei unsrem Volksaberglauben, vor dem Einfluß böser Geister schüßen. Aber wenn sich's auch die Leute viel kosten lassen, ist es doch kein allenthalben wirksamer Schuß, und der Wahrsager ist nicht verlegen um Gründe, weshalb das Amulett nicht geholfen hat.

Wenn schon alle Krankheiten und Unglüdsfälle auf den Einfluß böser Geister oder böser Menschen zurückgeführt werden, so gilt dies besonders vom Tod. Da ist auf der Goldküste die Unfitte des Totentragens oder Totenstoßens, um die Leute herauszubringen, welche den Tod dieses Menschen verschuldet haben und nun getötet werden sollen. Häufig sind auch in ganz Afrika die Gottesgerichte, daß der Angeklagte einen Gifttrant trinken muß. Die Märtyrergeschichte von Mabagaskar enthält dafür manche Beispiele.

Ein Leben nach dem Tode ist den afrikanischen Völkern nicht zweifelhaft, so wenig als das Dasein Gottes, aber ihre Vorstellung von demselben ist sehr roh nnd unklar. Jeder Mensch hat einen Schußgeist auf der Goldküste: Kla oder Kra). Ihm zu Ehren wird nach Genesung von Krankheit u. dgl. ein besonderes Opferfest veranstaltet. Aber daneben kann der Mensch auch einen bösen Geist (Gbeschi oder Okrabri) in sich aufnehmen, der ihn zum Bösen verleitet. Nach dem Tode fann der abgeschiedene Geist wieder einen andern Menschen in Besik nehmen und durch denselben reden. Dies scheint auch in Südafrita der Volksglaube zu sein.

Auf der Goldküste wird das neugeborene itind wie ein aus der Fremde gekommenes vom Familienhaupt angeredet: „wie steht es da, wo du herkommst?“ worauf die Mutter antwortet: , es ist Friede" u. . w. Der Fetischprophet fann dann den Schußgeist (Okra) des Kindes in einen Topf mit Wasser zitieren und erfragen, welche Seele in dem Neugeborenen wieder zur Welt gekommen sei, und mit veränderter Stimme wird dann die Antwort gegeben. Es wird gegessen und getrunken und ein Dankgebet gesprochen mit Anrufung Gottes, der Erde, der Hauptfetische und der abgeschiedenen Seele (Misl.-Mag. 1881, S. 409).

Die Mannbarkeitsfeier ist bei vielen Völfern mit der Beschneidung verbunden und wird für durchaus erforderlich erachtet für die Mannesehre. Die Beschneidung hat also hier eine andere Bedeutung als bei den Israeliten. Auch mit der mohammedanischen scheint sie nicht zusammenzuhängen, denn sie findet sich bei Völkern, die mit Mohammedanern noch in keine nähere Berührung gekommen sind. Auch für die Jungfrauen gibt es eine besondere Feier. Sie müssen eine Zeit lang abgesondert leben und von einer alten Fetischpriesterin in den religiösen Gesängen und Tänzen unterrichtet werden.

So werden die afrikanischen Völker ihr Leben lang durch die Fetischpriester in beständiger Furcht vor den Geistern erhalten, und die Mohammedaner, welche an der westafrikanischen Küste schon zahlreich sind, wirken diesem Aberglauben keineswegs entgegen; im Gegenteil: sie ziehen für sich Gewinn daraus, und es werden vielfach Koransprüche als Zaubermittel verwendet, denn alles Geschriebene erscheint dem Neger, wenn er zuerst mit der Kultur in Berührung kommt, als etwas Zauberhaftes.

II. Die Religionen der unkultivierten Völker in Asien und der finnischen Völker.

1. Übersicht Asieit, der größte Erdteil, ,, die Wiege der Menschheit", ist auch die Wiege der Kultur und der Stulturreligionen. Ja die am höchsten entwickelten Religionen, welche die Schranken der Nation überschritten haben: der Buddhismus, bas Christentum und der Islam sind jämtlich von Asien ausgegangen. Der Buddhismus hat im Dsten, der Islam im Westen und Süden eine ganze Anzahl von Völkerschaften in seinem Befenntnis vereinigt. Wie der Buddhismus aus seinem Heimatland Vorderindien vertrieben wurde, aber unter andern Völkern festere Wurzeln gefaßt hat, so ist auch das Christentum in Vorderasien zwar nicht ausgerottet, aber aus seiner herrschenden Stellung vertrieben und auf dürftige Reste reduziert worden durch den Islam; es hat dagegen in Europa festen Fuß gefaßt und Europa zum weltbeherrschenden Erdteil gemacht, so daß es erst von Europa aus durch die Arbeit der Missionare in Asien neuen Boden gewinnen muß. Neben dem Buddhismus und Gslam stehen noch in Vorderindien der Brahmanismus, in China und Japan die dortigen, vom Buddhismus beeinflußten, aber nicht verschlungenen Nationalreligionen als gewaltige Bolwerke der christlichen Mission gegenüber.

Unter solchen Umständen werden wir in Asien verhältnismäßig wenige Völker finden, welche von den Kulturreligionen unberührt geblieben sind. Das asiatische Rußland ist zwar auf der Karte ein sehr großer Länderstrich, aber im Verhältnis zu China, Japan und Ostindien schwach bewohnt. Es sind Völfer der mongolischen Rasse, welche hier in Betracht kommen. Man unterscheidet dabei die turko-tatarischen (Mongolen, Stalmüden, Buräten, Tungusen, Mandschu, Samojeben, Tataren, Türfen, Stirgisen u. a.) von ben ugro-finnischen Stämmen (Finnen, Esthen, Liven, Lappen im Norden, Magyaren und Bulgaren im Süden), welche nach Europa gewandert sind, mit kaukasischen sich vermischt und das Christentum angenommen haben. Mit Ausnahme der Lappen sind sie alle schon im Mittelalter Christen geworben.

Da wir später nicht mehr darauf zu sprechen kommen, heben wir es hier hervor, daß die eigentlichen Finnen kurz vor ihrer Befehrung zum Christentum ihre Religion zu einer Mythologie ausgebildet haben, welche in dem Epos Stalew â la enthalten ist (in das Deutsche übersekt von Schiefner 1852, von Comparetti 1892). Als das höchste Wesen erscheint im Stalewâla Jumala. Das entsprechende Wort bezeichnet bei den stammverwandten Wölfern den Himmel. Aber es tritt im Epos utko, der Donnerer, mehr hervor, der Patriarch der Götter, und Jumala wird mehr appellativisch für Gott im allgemeinen gebraucht. Ulkos weibliches Gegenbild ist Akka, die alte Mutter, welche wie die griechische Hera den Wider: spruch gegen ihren Gemahl liebt. Nächst den himmlischen Gott

« ͹˹Թõ
 »