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heiten werden die des Wassers am meisten verehrt: der Wassergott Ahti und seine Gemahlin Wellamo, ferner die Erde, die Waldgeister und auch die Götter der unterwelt. Jeder Naturgegenstand hat wie jeder Mensch seinen Schußgeist: Haltia, der namentlich beim Gang auf die Jagd und auf die Wanderschaft angerufen wird. Die Zauberei stand aber auch bei dieser mythologischen Religion noch in voller Blüte.

Zu der mongolischen Kaffe oder den turanischen Völkern gehören außer den genannten auch die Chinesen, die Japaner und die Völler von Hinterindien, vielleicht auch die ältesten Bewohner Babyloniens, die sogen. Akkadier. Mar Müller rechnet zu denselben wohl nicht mit Unrecht auch die drawidischen, überhaupt die nichtarischen Völker in Vorberindien. Ob die malayisch-polynesischen Völfer eine besondere Rasse bilden oder ebenfalls hieher ges hören, darüber sind die Gelehrten nicht einig. Die Sprachverwandtschaft gibt kein sicheres Zeichen. Schon zwischen chinefischer, mongolischer und japanischer Sprache besteht ein solcher Unterschied, daß man denselben, wie in Afrika, ohne wirkliche Sprachverwirrung kaum erklären kann, während der Störperbau auf gleiche Abstammung deutet.

Umgeben und beherrscht von den Kulturvölkern finden sich in Vorderindien, Hinterindien und dem indischen Archipel noch unkultivierte Voltsstämme, welche mehr oder weniger unberührt von der Religion des herrschenden Volkes ihren Geisterdienst treiben. Bei ihnen findet das Christentum gewöhnlich leichteren Eingang als bei den herrschenden Völkern.

2. Der Schamanismus der mongolischen Völker.

Mit dem Namen Schamanismus bezeichnet man gewöhnlich die Religion der unfultivierten Völker mongolischer Rasse. Der Zauberer (bei den Mandschu Saman, bei den Turkvölkern Kam) spielt eine so hervorragende Rolle, daß den Europäern bei der ersten Bekanntschaft mit diesen Völfern, wie in Afrika der Fetisch, so hier der Geisterbeschwörer als das Charakteristische ins Auge gefallen ist, obgleich derfelbe, wie wir gesehen, auch in Afrifa die Hauptrolle spielt. Man leitet das Wort Saman von dem buddhistischen Shramana (Mönch) her, so daß schon damit verraten ist, wie der Buddhismus

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keineswegs den alten Zaubereischwindel ausgerottet hat, daß im Gegenteil die buddhistischen Mönche das Geschäft der heidnischen Zauberer fortführen. Es sind also auch die Religionen der unfultivierten Völker in Asien nichts anderes als Animismus oder Geisterdienst.

Dabei ist auch hier die Idee des einen Gottes nicht bergessen, und er wird unterschieden von den Geistern. Der finnische Jumala heißt bei den Lappen Jubmel, bei den Esthen Jummal, bei den Ticheremissen Juma, bei den Samojeden Num und bezeichnet bei den leßteren den Himmel. Bei den tatarischen Stämmen ist der Name für den Himmelsgott Tengere Kaira Kan; die Jakuten nennen auch den sichtbaren Himmel Tengere.

Dichingiskhan und seine Nachfolger, welche das mongolische Reich im 13. Jahrhundert bis nach Europa ausgedehnt haben, waren tolerant gegen andere Religionen und proklamierten als ihre religiöse Überzeugung: es ist ein Gott im Himmel und ein Herrscher auf Erden, der han. Der armenische Geschichtschreiber Guiragos sagt: „Die Mongolen hatten keinen Gottesdienst und verrichteten keine Zeremonien. Doch führten fie bei jeder Gelegenheit den Namen Gottes im Munde und wiederholten oft, Gott habe fich den Himmel zum Besiß erwählt und die Erde dem Khan überlassen" (C. de Harlez, La Religion des Tartares Orientaux, S. 178 F.; v. Orelli, S. 90). Auch ießt noch wird Kaira Kan, der Himmelsgott, häufig angerufen, 3. B. um schönes Wetter. Andere tungusische Stämme nennen das höchste Wesen Buga.

Aber zu dem Himmelsgott gesellen sich noch verschiedene sekundäre Götter, die man mit Kniebeugung und Opfern verehrt: Sonne, Mond, Sterne, Bliß und Donner. Auch Berge, Flüsse und allerlei große Erscheinungen in der Natur werden von Geistern beseelt gedacht, von guten oder bösen. Auch werden viele Geister von abgeschiedenen Menschen hergeleitet. So findet fich hier ein Ahnendienst, aber noch nicht so organisiert wie in China. Die schlimmen Dämonen müssen durch Opfer begütigt und durch Zauberei abgewehrt werden. Die guten Geister erhalten Milch- und Speiseopfer und die Herzen geschlachteter Tiere. Sie teilen dem Zauberer die fünftigen und verborgenen Dinge mit. Die guten Geister werden im allgemeinen als überirdische gedacht, die schlimmen

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hausen in der Unterwelt, die von dem schrecklichen Erlik beherrscht wird. Daß der Himmel wie die unter welt in Schichten aufgebaut gedacht wird, entspricht so sehr der Anschauung des Buddhismus, daß man dies kaum als ursprünglich mongolische Vorstellung wird betrachten können. Auch die Sagen über Schöpfung und Entstehung des Bösen sind schwerlich vorbuddhistisch.

Eine anschauliche Beschreibung von schamanischer Beich wörung gibt v. Matiuch fin, der 1820 auf einer Nordpolerpedition bei den Tungusen eine solche Szene beobachtete: „In der Mitte der Jurta flacerte ein helles Feuer, um welches ein Streis mit schwarzen Schaffellen herumgelegt

Auf diesen schritt langsam, ganz in abgemessenem Taft, ein Schaman umher, indem er halblaut seine Beschwörungsformeln hersagte. Sein langes, schwarzes, struppiges Haar bedeckte ihm fast das ganze aufgedunsene, dunkelrote Gesicht; zwischen diesem Schleier blißten unter den borstigen Augenbrauen ein paar glühende, blutrünstige Augen hervor. Seine Kleidung, ein langer Talar aus Tierfellen, war von oben bis unten mit Riemen, Amuletten, Retten, Schellen, Stüdchen Eisen und Kupfer behängt; in der rechten Hand hatte er seine, gleichfalls mit Schellen verzierte Zaubertrommel in Form eines Tamburins und in der linken einen abgespannten Bogen. Sein Anblick war fürchterlich wild und grausenerregend. Die Versammlung faß schweigend und in der gespanntesten Aufmerksamkeit. Almählich erlosch die Flamme in der Mitte der Jurta, nur Kohlen glühten noch und verbreiteten ein mystisches Halbdunkel in derselben. Der Schaman warf sich zur Erde nieder, und nachdem er etwa fünf Minuten unbeweglich bagelegen, brach er in ein klägliches Stöhnen, in eine Art dumpfen, unterdrückten Geschreis aus, welches flang, als rührte es von verschiedenen Stimmen her. Nach einer Weile ward das Feuer wieder angefacht, es loberte hoch empor. Der Schaman sprang auf, stellte seinen Bogen auf die Erde, und indem er ihn mit der Hand hielt und die Stirne auf das obere Ende desselben stüßte, fing er an, zuerst langsam, dann allmählich immer rascher, im Streise um den Bogen herumzulaufen. Nachdem dieses Drehen so lange gedauert hatte, daß mir vom bloßen Zusehen der Kopf wirbelte, blieb er plößlich, ohne irgend ein Anzeichen von Schwindel, stehen und begann mit den Händen allerlei Figuren in der Luft zu machen; dann ergriff er in einer Art von Begeisterung seine Trommel, die er, wie es mir schien, nach einer gewissen Melodie rührte, worauf er bald rascher, bald langsamer umhersprang und mit unbegreiflicher Schnelligkeit seinen ganzen Körper auf die seltsamste Weise verzucte. Vornehmlich auffallend war dabei sein Kopf, der sich unaufhörlich und mit einer solchen Geschwindigfeit drehte, daß er einer an einem Bande umhergeschleuderten Kugel glich. Während aller dieser Operationen hatte er einige Pfeifen des stärksten tscherkeffischen Tabats mit einer gewissen Gierigkeit geraucht und zwischen jeder einen Schluck Branntwein getrunken, welches beides ihm auf seinen Wink von Zeit zu Zeit gereicht wurde. Dies und die Drehoperation mußte ihn doch endlich schwindlig gemacht haben; denn er fiel nun plößlich zu Boden und blieb starr und leblos liegen. Zwei der Anwesenden sprangen sogleich hinzu und begannen dicht über seinem Haupte ein paar große Messer gegeneinander zu wegen. Dies schien ihn wieder zu sich zu bringen; er stieß von neuem ein seltsames Klagegestöhne aus und fing an, fich langsam und krampfhaft zu bewegen. Die beiden Messerweßer hoben ihn auf und stellten ihn aufrecht hin. Sein Anblick war scheußlich, die Augen standen ihm weit und stier aus dem Kopfe, sein ganzes Gesicht war über und über rot; er schien in einer völligen Bewußtlosigkeit zu sein, und außer einem leichten Zittern seines ganzen Körpers war einige Minuten lang gar keine Bewegung, kein Lebenszeichen an ihm bemerkbar. Endlich schien er aus seiner Erstarrung zu erwachen; mit der rechten Hand auf seinen Bogen gestüßt, schwang er mit der linken die Zaubertrommel rasch und klirrend um seinen Stopf und ließ sie dann zur Erde sinfen, was, wie die Umstehenden mir erklärten, anzeigte, daß er nun völlig begeistert sei und daß man sich mit Fragen an ihn wenden könne. Ich näherte mich ihm; er stand da, regungslos mit völlig leblosem Gesicht und Auge, und weder meine Fragen, noch seine sogleich und ohne Nachsinnen darauf erfolgten Antworten brachten auch nur die mindeste Veränderung in seinen erstarrten Zügen hervor. Ich befragte ihn ben Verlauf und den Erfolg unsrer Erpedition, von der gewiß niemand in der ganzen Gesellschaft auch nur den entferntesten Begriff hatte, und er beantwortete mir jede meiner Fragen zwar etwas im Orakelstil, aber doch mit einer Art von Sicherheit, nach welcher man hätte schließen sollen, er sei ganz verWurm, Religionsgeschichte.

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traut mit dem Hauptzwecke sowie mit den Nebenumständen meiner Reise. — Als nach mir alle Neugierigen in der Gesellschaft befriedigt waren, fiel der Schaman wieder hin und blieb unter den heftigsten Verzudungen und inneren främpfen uns gefähr eine Viertelstunde lang am Boden liegen. Man erklärte mir, daß während dieser Zeit die Teufel wieder aus ihm herausführen, weshalb dann außer ihrem gewöhnlichen Wege, dem Rauchfang, die Türe geöffnet ward. Endlich war alles vorüber, der Schaman erhob sich, und auf seinem Gesicht lag der Ausbruck des Erstaunens und der Verwunderung eines Menschen, der aus einem tiefen Schlafe erwacht und sich in einer großen Gesellschaft befindet. Es schien, als erblickte er mich zum erstenmal.“ (v. Orelli, S. 92–94.)

Manche nehmen auf Grund solcher Beobachtungen ein reales efstatisches Hellsehen bei den Schamanen an, das durch sinnliche Reizmittel herbeigeführt wird. Immerhin wird, wie bei den Fetischpropheten der Reger, auch viel Betrug mit unterlaufen. Wir müssen z. B. im Auge behalten, daß der Herr v. Matjuschkin die Antworten des Schamanen durch seine Dolmetscher empfing, die mit dem Zweck der Erpedition bekannt waren.

Der Stultus der mongolischen Völker ist wenig ausgebildet und beschränkt sich wie bei den Negern mehr auf Kasualfälle. Die Verehrung von Ahnengeistern beweist, daß man am Fortleben nach dem Tode nicht zweifelt. Es kommt vor, daß man dem Toten sein Pferd mitgibt, indem man es ausstopft und an einen Baum hängt, und auf dem Grabe Branntwein spendet. Die Mandschu seben einen Weidenstrunk auf das Grab und hängen nach chinesischem Vorbild Papierstreifen in der Form von Geld geschnitten daran.

3. Die Religionen der unkultivierten Völker in Ostindien.

Wir wollen nicht alle hiehergehörigen Völfer aufzählen, welche einen Dämonendienst treiben, nur einzelne, welche durch die Missionare uns näher bekannt geworden sind.

Von den folg in den Gebirgen westlich von Stalfutta sprechen die li raos eine mit den jüdindischen verwandte Sprache, weshalb man sie zu den Drawiden zählt, dagegen die Mundaund Larka - Stols betrachtet man mit den Santals und den Marrias neuerdings als eine besondere Völkergruppe.

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