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leiteten, in welchen Kinder von 7-15 Jahren unterrichtet und durch asfetische Übungen erzogen wurden. Zur Priesterweihe wurde Kinderblut der Salbe beigemischt.

Eine Art Kindertaufe fand am fünften Tage nach der Geburt eines Kindes statt. Das Kind wurde feierlich um das Haus herumgetragen und dem Hausgößen vorgestellt. War es ein Anabe, so brachte man ihm Schild, Bogen und Pfeile; das Mädchen erhielt ein Unterrödchen und Geräte zum Nähen und Weben. Dann nahm die Hebamme das Kind, hielt es über ein Gefäß voll Wasser und sprach: „Mein Kind, die Götter O metekutli und Omeciuatl (Sonne und Mond) haben sich in diese Welt des Unglüds geschidt; empfange dieses Wasser, welches dich beleben wird!" Jedes Glied wurde im Wasser gerieben mit dem Ausruf: „Wo bist du, Unglück. Gehe weg von diesem Stind!" Darauf empfahl man es den Göttern, und es erhielt seinen Namen. Wenn es das vierte Lebensjahr erfüllt hatte, mußte es eine Feuertaufe empfangen, indem es raich durch ein Feuer geschoben wurde. Man durchbohrte ihm die Ohren, so daß Blut zu Ehren der Götter fließen mußte, und machte es betrunken durch starke Getränke (v. Drelli, S. 783—796).

So ist die merikanische Religion, wenn auch das Volk zu einer größeren Nation fich ausgebildet und manche Künste gelernt hat, gegenüber den Religionen der unfultivierten Indianer keineswegs auf eine fittlich höhere Stufe erhoben worden, sondern im Gegenteil in grob sinnlichen Gößendienst mit zahlreichen, grausamen Menschenopfern herabgesunken, bei welchem selbst Menschenfresserei vorkam.

In der peruanischen Religon tritt der Sonnendienst noch deutlicher hervor als in der merikanischen. Die Sonne (Inti oder Intip) war der Inbegriff aller Herrlichkeit und Herrschaft, und der König, der Infa, war der Sohn der Sonne. Man verehrte die Sonne selbst beim Sonnenaufgang und legte die Dörfer mit Vorliebe auf der Ostseite eines Hügels an. Das Bild der Sonne wurde aus Gold angefertigt in Gestalt einer Scheibe mit Gesicht und Strahlen. Der Mond, das silberne Gestirn (Mama Quilla), galt als Gattin und Schwester des Sonnengotts. Die Sonne erbarmte sich über die in Roheit versunkenen Menschen und schickte ihnen zwei ihrer Kinder, den Mango Kapak und die Mama Ollio, um bei ihnen den Sonnendienst und die Kultur einzuführen. Diese gingen vom See Titikaka aus. Eine goldene Rute, die sie mit sich führten, wies sie nach Norden in die Gegend von Stuzko. Diese Stadt wurde als Mittelpunkt der Erde angesehen, weil von hier aus das Geschwisterpaar nach allen Seiten ausgehend die Menschen beredete, ihre wilden Gewohnheiten zu lassen und die Sonne anzubeten. Von diesem Seschwisterpaar stammen die Inka, das Herrschergeschlecht, ab, bei welchem auch noch Geschwisterehe neben der Polygamie stattfand. Nach Vollendung ihres Werks auf Erden kehrten Mango Stapak und Mama Ollio in die Götterwelt zu Sonne und Mond zurück.

Neben diesen Göttern wurde noch andern Naturwesen Verehrung dargebracht, namentlich, wie bei den wilden Indianern, gewissen Tieren und den Nußpflanzen Mais und Kakao, auch Steinen, selbst fetischartigen Bildern von Metall oder Holz. Die Zauberei trieb ihr Wesen auch im Inkareiche.

Der Sonnentempel in stuzko war reich mit Gold ausgestattet; Weihgeschenke und Opfer wurden dargebracht. Eigentümlich ist der Brauch, beim Gang in den Tempel ein Haar aus den Augenbrauen zu raufen und es dem Gößenbild entgegenzublasen, ein Opfer vom eigenen Leib. Aber auch blutige Opfer waren häufig, Menschenopfer nicht so wie in Meriko, doch wurden der Sonne auch Kinder geopfert. Beim Tod eines Herrschers wurden seine Frauen und oft auch andere Personen in großer Zahl verbrannt. Ein milderer Brauch war, daß man dem Verstorbenen zum Ersas für seine Dienerschaft hölzerne Bilder ins Grab mitgab.

Die höheren priesterlichen Ämter wurden mit Angehörigen der Infafamilie beseßt. Es gab Sonnenjungfrauen, die aber nicht lebenslänglich Jungfrauen bleiben mußten, sondern der Inka und die Vornehmsten wählten sich die schönsten unter ihnen zu ihren Gemahlinnen. Aber so lang fie im Kloster waren, standen sie unter strenger Aufsicht und Zucht. Sie hatten das heilige Feuer zu pflegen und Gewänder und Zieraten für das königliche Haus und die Tempel zu fertigen.

Dem Herrscher als dem Sohn der Sonne mußte das ganze Land unbedingt gehorchen. Gefeßmäßigkeit und Ordnung war streng durchgeführt; die Ehe und die Arbeit wurde hoch geachtet. Unnatürliche Daster wurden bestraft, während noch bei den Inka die Geschwisterehe herrschte. Der Herrscher zog nicht selten im Rand umher, um die Anliegen seines Volkes kennen zu lernen. Seinen Beamten mußten alle Türen offen stehen. Die Verwaltung wurde kontrolliert durch die Quippu, 8. h. Schnüre, welche aus verschiedenfarbigen Fäden zusammengeseßt und mit Knoten versehen waren. Jede Farbe, jeder Knoten hatte seine Bedeutung. So konnte man Verzeichnisse über Vorräte, Abgaben u. dergl. führen. Sie vertraten in dieser Beziehung die Stelle der mexikanischen Bilderschrift, aber konnten natürlich noch weniger als diese die Stelle einer Buchstabenschrift vertreten (v. Orelli, S. 803-813).

IV. Das Heidentum in Ozeanien.

1. Übersicht Der zuleßt entdeckte Erdteil wurde in Deutschland in früheren Zeiten Australien genannt, neuerdings in Übereinstimmung mit andern Sprachen Ozeanien, so daß der Name Australien nur noch für das Festland gilt. Neben diesem isolierten Festland und der großen Insel Neuguinea breitet sich gegen Often eine Inselwelt aus, wie sie sonst nirgends in so großer Ausdehnung und in so viele kleine Eilande zerteilt uns begegnet. Die meisten dieser Inseln sind bewohnt bis zu der einsamen Osterinsel oder Waihu, welche noch durch eine weite Strecke des Großen Ozeanz vom amerikanischen Festland getrennt ist.

Woher sind die Bewohner dieser weit entlegenen Inseln gekommen? Sie sind nicht alle von einem Stamm. Wir fönnen in Bezug auf Hautfarbe, Sprache und Sitten Schwarze und Braune unterscheiden. Zu den Schwarzen gehören die Australneger, welche in geringer Zahl das Festland bewohnen und auf der südlich vorgelagerten Insel Tasmanien ganz ausgestorben sind, und die zahlreicheren Papua& oder Melanefier, d. h. schwarze Inselbewohner auf Neuguinea und dem Kranz von zum Teil größeren Inseln, welche dem australischen Festland im Osten am nächsten liegen, bis hinüber zu den Witi(Fidschi-)Inseln, aber nicht auf Neuseeland. Auf der Südostküste von Neuguinea und auf den Witi-Inseln sind die Papuas mit Braunen gemischt. Die Australneger sollen am meisten verivandt sein mit den Bewohnern der Andamanen, einer Inselgruppe füdwestlich von Hinterindien, find also ohne Zweifel aus Asien gekommen.

Die braunen Bewohner der Inseln des Großen Ozeans werden wieder unterschieden in Polynesier, d. h. Bewohner der vielen Inseln, und Mikronesier, d. h. Bewohner der kleinen Inseln, welche sich östlich von den Philippinen in der Richtung gegen die Hawaii- oder Sandwich-Inseln ausbreiten. Unter diesen kleinen Inseln sind viele durch Korallen entstanden, welche in so großer Menge fich angesammelt haben, daß sie ein ringförmiges Riff bildeten. Innerhalb desselben entstand eine Lagune und in derselben manchmal mehrere Inseln, oft auch nur eine, deren Vegetation den dahin verschlagenen Menschen den nötigsten Lebensunterhalt bot. Aber auch die hohen, durch vulkanische Erhebungen entstandenen, sehr fruchtbaren, in einem beständigen Frühling prangenden Inseln sind meistens von Korallenriffen umgeben, so daß größere Schiffe nicht ans Ufer kommen können. Gleichwohl find die Bewohner von Insel zu Insel gegen Osten vorgedrungen, viel weiter als die Melanesier.

Die Polynefier und die Mikronesier sind verwandt mit den Malay en auf der Halbinsel Malakka und den niederländisch-ostindischen Inseln. Die Mikronesier find nach der Ansicht von Oerland, welcher diesen Teil von Wais, Anthropologie der Naturvölker, bearbeitet hat, eine selbständige Abteilung der malayischen Kasse, den Melanefiern näher stehend als die Polynesier. Sie zerfallen in einen westlichen Stamm, der die Marianen bewohnte, mit den Tagalen auf den Philippinen im Verkehr stand und höher entwidelt war als die übrigen Mikronesier, aber von den Spaniern fast ganz ausgerottet wurde, soweit fie fich nicht mit denselben vermischt hatten, und einen östlichen Stamm, der über die Starolinens, die Marschallund Gilbert-Inseln sich verbreitete (Maiß V, 2, S. 43. 45).

Während bei den Papua eine solche Verschiedenheit der Sprachen herrscht, daß in Kaiser - Wilhelmsland auf der Nordküste von Neuguinea nur wenige Dörfer zusammen dieselbe Sprache reden, und es auf den Neuhebriden vorkommt, daß auf einer Insel mehrere Sprachen gesprochen werden, findet fich auf der ganzen polynesischen Inselwelt eine solche Verwandtschaft der Sprachen, daß die Mission, welche hier im 19. Jahrhundert ihre größten Triumphe feiern durfte, auch darin ein mächtiges Förderungsmittel fand, wie einst die apostolische Mission in der Ausbreitung der griechischen Sprache. Die polynesischen Sprachen dehnen sich von Samoa, das nach der Ansicht von Gerland auch historisch ein Mittelpunkt war, nicht nur nach Dsten und Süden über die gleichartigen Inselgruppen aus (Tonga-, Hervey-, Gesellschafts-, Austral-Inseln, Paumotu- und Markesas-Inseln), sondern sie finden sich auch auf mehreren Gruppen von kleinen Koralleninseln nördlich von Samoa (Ellices, Tokelaus, Manihili - Inseln), so daß nicht alle Bewohner von kleinen Inseln zum Stamm der Mikronester gehören. Ja, weit im Süden ist Neuseeland von Polynesiern, nicht von Melanestern bewohnt, und ebenso die Sandwich- oder HawaiiGruppe im Norben.

As Cook im 18. Jahrhundert die polynesischen Inselgruppen entdeckt hatte, da schwärmten viele Europäer für diese paradiesischen Inseln und ihre im Urzustand lebenden Bewohner, denn S. J. Fousseau hatte die Wilden als Ideal der Menschheit den verbildeten Europäern gegenübergestellt, und es schien eine leichte Sache zu sein, diesen harmlosen Völklein die Segnungen des Christentums und die europäischen Künste zu bringen. Aber als im März 1797 das Missionsschiff Duff der Londoner Missionsgesellschaft die ersten 30 Missionare nach Tahiti gebracht hatte, erwartete dieselben eine große Enttäuschung.

Die üppige Natur nötigte die Bewohner nicht zur Arbeit. Sie führten ein wollüstiges Leben, schliefen wie Schafherden zusammen; die im Ehebruch eines niedergestellten Mannes mit einer höher gestellten Frau erzeugten Kinder wurden getötet; dem Häuptling war alles erlaubt; Dieberei und Grausamkeiten aller Art konnten den Europäern das Leben entleiben. Erst 1812, als König Pomare II die Taufe verlangte, brach das Eis auf Tahiti und den Nachbarinseln, und mit John Williams, dem Apostel der Südsee, kam 1818 ein ganz neuer Zug in die Londoner Mission. Während bis dahin viele Miffionare, zum Teil Handwerfer, auf eine Insel gesandt wurden, manche wenig vorbereitet für den Missionsberuf, so daß des Volts zu viel war, erklärte Williams: „Ich kann mich nicht mit den Grenzen eines einzigen Riffs begnügen, während ringsum Tausende noch Menschenfleisch effen." Von der Gesellschaftsinsel Raiatea ausgehend, machte Williams die Herveyinsel Rarotonga und die Samoa-Inseln zu Mittelpunkten des Christentums. Aber als er auch auf melanesisches

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