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Gebiet seinen Fuß gelegt hatte, auf die Neuhebrideninsel Eromanga, wurde er von den durch die Schandtaten weißer Sandelholzhändler erbitterten Einwohnern erschlagen und sein Leichnam aufgefressen (1839). – Mit der Londoner Missionsgesellschaft wetteiferten die Englisch-kirchliche auf Neuseeland, die Wesleyaner auf den Tongas und Witi - Inseln, die Amerikaner auf den Hawaii-Inseln in der Christianisierung der Polynesier. Seit 1845 trang die römisch-katholische Mission, durch französische Kriegsschiffe unterstüßt, fast in alle evangelischen Missionsgebiete ein, doch ist die große Mehrzahl der Polynesier heutzutage evangelisch, das Heidentum im eigentlichen Polynesien so ziemlich überwunden, freilich auch viele europäische Laster eingeführt.

Die Miffionare der Londoner Gesellschaft haben bei der Einführung des Christentums, da die Häuptlinge damit vorangingen, auch die Einführung eines Gefeßbuches durchgeseßt, durch welches der Widfür der Häuptlinge gesteuert und christliche Sitten und Ordnungen im Volk hergestellt wurden. Die englischen Missionare hatten von ihrem Heimatlande her mehr politische Schulung und ein Auge für dieses Bedürfnis, mehr, als es wohl damals deutsche Missionare gehabt hätten.

In Mikronesien sind die Bedingungen für die äußere Eristenz nicht so günstig, wie die ersten Missionare fie auf Tahiti trafen. Die niedrigen, nur mit Stokospalmen bewachsenen, und auch die kleinen hohen Inseln, welche neben dem steil ansteigenden Vulkan oder ehemaligen Vulkan nur einen schmalen Küstenstrich haben, bieten oft nicht die genügende Nahrung für eine fich vermehrende Bevölkerung, und daraus werden wir es wohl erflären müssen, wie die Bewohner dieser ganzen Inselwelt troß ihren mangelhaften Stenntnissen und trop der gefährlichen Schiffahrt doch Tausende von Inseln bevölkert haben. Der Hunger hat sie dazu getrieben, und manchmal mochte auch die Übersiedlung eine unfreiwillige sein, indem ein Schiff nach einer entlegenen Insel verschlagen wurde, und die Insassen nicht mehr zurüdfehren konnten. So ist im 19. Jahrhundert das Evangelium nach den kleinen Inseln der Ellice-Gruppe durch schiffbrüchige eingeborene Christen von der weit entlegenen Manihiki-Gruppe gekommen, ehe ein europäischer Missionar etwas davon erfuhr. Den Völkern vom eigentlich inifros nesischen Stamm auf den östlichen Inseln ist hauptsächlich durch eingeborene Christen von der Hawaii-Gruppe mit Unterstüßung amerikanischer Missionare das Christentum gebracht worden. Die Marianen sind fatholisch. Auf den Karolinen hatten die Evangelischen zur Zeit der spanischen Herrschaft einen schweren Stand. Melanesien zählt noch weit mehr Heiden als Polynesien und Mikronesien, aber auch da arbeiten evangelische und katholische Missionare nicht ohne Erfolg, wohl am mühsamsten im nördlichen Neuguinea.

2. Die Religionen der Australneger und der Melanesier.

Den Auftralnegern hat man längere Zeit alle Religion abgesprochen. Aber seit Missionare unter ihnen arbeiten, ist man auch mit ihren religiösen Vorstellungen bekannter geworden. Dieselben sind jedoch so wenig zusammenhängend, daß es schwer ist, allgemeine Gesichtspunkte aufzustellen. Die Verehrung des Himmelsgottes ist im Süden und Südosten nachgewiesen. Er heißt Koyan oder Peiamei, wohnt im Himmel und hat alles geschaffen. Er ist leicht zum Zorne gereizt, und man beschwichtigt ihn durch Tänze. Anderswo unterscheidet man zwei Brüder, den guten Peiamei, der auf einer Insel im fernen Osten wohnt, den Schöpfer aller Dinge, der im Februar durch Lieber und Tänze gefeiert wird, und den bösen Dararwigal, der im Westen wohnt und die Blattern ins Land geschidt hat. Auch wird erzählt, der Gott der Australier, Pungil, sei vom Gott der Weißen besiegt und in die Unterwelt hinabgestürzt worden. Die Sterne sind ein früheres Menschengeschlecht, das zuerst die Erde bewohnte, aber durch eine allgemeine Flut weggerafft wurde. Diese Sterngeister besuchen die Erde oft in Tiergestalt und wirken auf das Menschenleben ein. Auch von vielen kleinen Geistern (Ingna) wird der Mensch belästigt. Solche Geister zünden das Feuer in den Vulkanen an, werfen glühende Steine in die Luft u. dergl. Die Zauberer follen glänzende, durchsichtige Steine im Magen tragen und imstande sein, Splitter derselben in die Adern der Leute zu bringen, welche bezaubert werden. Heilung von Krankheiten ist Entzauberung, wobei aber auch Waschungen, Aderlässe u. dergl. angewendet werden. Regelmäßiger Kultus ist, wie bei den afrikanischen Negern, weniger als gelegentliche Zaubereien. Dem Jüngling werden beim Über: gang ins Mannesalter zwei Vorderzähne ausgebrochen, welche die Mutter in einem Baumstamm verbirgt. Die Knaben dürfen kein Aasuar- und Kängurufleisch effen. Dem Toten gibt man seine Waffe zerbrochen in das Grab mit und zündet über demselben längere Zeit ein Feuer an, damit die Seele fich wärmen kann. Dem getöteten Feind wird die rechte Hand abgehauen, damit er keinen Streich mehr gegen die Lebenden führen kann (v. Orelli, S. 816 ff.).

Auch die Religionen der Melanesier sind ein Geisterdienst, über welche die Idee des Himmelsgottes in ziemlich sinnlicher Form hervorragt, bald mehr mit der Sonne verknüpft, bald mehr das Licht im allgemeinen bezeichnend. Auf Eromanga heißt Nobu der Hauptgott der Insel, zugleich Gott im allgemeinen. Auf verschiedenen Inseln werden die Weißen mit demselben Namen bezeichnet wie Gott. Es wird also wohl die Gottheit als ein lichtes Wesen vorgestellt worden sein. Auf vielen Inseln wurden die Europäer bei ihrem ersten Erscheinen als Wesen höherer Art, als Götter empfangen. Die Weiber, welche für unheiliger gelten als die Männer, durften mit den Weißen in keine Berührung kommen. Auf einer Insel wollten die Eingeborenen keine Speise von den Europäern nehmen, weil sie meinten, diejenigen Menschen, welche Speise von Göttern nehmen, müssen sterben (Waip VI, S. 667). Über die in verschiedene Stämme zerspaltenen Papua in Kaiser-Wilhelmsland hat man noch keine so eingehenden Nachrichten, daß man ein Gesamtbild von ihrer Religion geben könnte.

Auf den Witi-Inseln, deren Bevölkerung mit polynesischen Elementen gemischt ist, war der oberste Gott Ndengei, halb Fels, halb Schlange, und immer heißhungrig. Er schict seinen Diener aus, um Opfer zu holen. Derselbe kommt aber leer zurüd, da er keinen Opferkult genießt. Nach anderer Überlieferung steht sein Sohn vor der Höhle, wo er haust, um ihm alle Gebete zu vermitteln. Ndengei trägt die Welt auf seinem Rüden. Wenn er sich umwendet, so gibt's Erdbeben. Er nimmt die Seelen der Menschen zu ihrer Läuterung in fich auf. Einer seiner Söhne hat die Menschen das Feueranzünden gelehrt. Er selbst hat die Götter und die Menschen geschaffen. Das erste Menschenpaar hat er aus den Eiern einer Habichtart hervorgebracht, nachdem verschiedene Versuche mißlungen waren (v. Drelli, S. 819 f.).

Auch eine Flutfage haben die Witi-Infulaner: „Zwei unglüdliche Anaben, die Enkel des Gottes Ndengei, hatten sich gegen diesen empört und seinen Lieblingsvogel Turukawa getötet. Sie befestigten mit Hilfe ihrer Freunde die Stadt, in welcher fie lebten, und forderten Ndengei tropig heraus. Dieser sammelte nun feine dunkeln Wolken, und sie barsten und gossen fich in Strömen auf die Erde. Städte, Hügel und Berge, alles versank. Als nun endlich die Flut in die Burg der Empörer drang, da riefen sie um Hilfe, und der Gott lehrte sie ein Floß, nach andrer Sage zwei aneinander befestigte Boote bauen. Das Fahrzeug landete auf der Insel Mbengya. Daher betrachteten sich die Häuptlinge von Mbengya als die ersten unter den Witis Insulanern. Die Seretteten waren acht Personen. Der höchste Punkt der Insel Koro heißt Ngginggi-tangithi - Koro, 6. h. der Vogel, der da fißt und über das ertränkte Eiland jammert" (Lüfen, Traditionen des Menschengeschlechts, S. 262 f., nach Williams, Fiji and the Fijians).

3. Die Religionen der Polynesier und der Mikronesier.

In Polynesien tritt uns ein Name des höchsten Gottes fast überall entgegen: Tangaloa. Er findet sich auf Samoa, auf Tonga, auf Hawaii (unter dem Namen Stanaloa), auf den Gesellschaftsinseln, den Hervey- und Australinseln (als Taaroa), selbst auf den kleinen Tokelau- und Elliceinseln. Fast überall in dem weiten Gebiet, das er beherrscht, fand dieser Gott die höchste Verehrung, galt er für höher und heiliger als alle seine übrigen Mitgottheiten. So vor allen Dingen auf Tahiti. Dort hörte ihn Cool schon auf seiner ersten Reise als höchsten Gott nennen, von dem alle übrigen Götter sowohl als die Menschen geschaffen seien. Auch aus dem Namen, den ihm Wilson beilegt, ,, der Vogel, der Geist“, geht seine höhere Stellung hervor: er schwebt als Geist über den andern Göttern, welche persönlicher, menschlicher gedacht werden. Daher ist es auch begreiflich, daß man zu ihm nicht häufig betet, da er in seiner Abgezogenheit zu hoch und heilig war. Nur in höchster Not wandte man sich an ihn, wie man auf Vaitupu feinen Namen, da er zu heilig sei, niemals aussprach. Die Tahitier und die übrigen Gesellschaftsinsulaner nannten ihn gerade den größten Gott, der unerschaffen am Anfang aufgetaucht sei aus der Urnacht und alle Dinge geschaffen habe. Er sol mit seinem Weibe 0-de-Papa, einem Felsen, alle Götter gezeugt haben, von denen

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dann Mond, Sterne, Meer, Winde entstanden, so daß auch diese von Taaro a abstammen“ (Waiß VI, S. 232 f.).

Auf Neuseeland ist Tangaloa von der Stelle als höchster Gott degradiert. Dort hat der dichterische Sinn der Maori eine Mythologie geschaffen, wonach die ersten Menschen von Rangi und Papa (Himmel und Erde) abstammen, welche früher fo fest aufeinander lagen, daß alles in dichteste Finsternis gehüllt war. Schon lange waren ihre Kinder damit unzufrieden und endlich sagte Dumatauenga, der stolzeste unter ihnen: laßt uns Kangi und Papa erschlagen! Tanemahuta aber, der Vater der Wälder, sprach: wir wollen sie nicht erschlagen, nur trennen. Ihm stimmten alle bei, nur Tawhirimatna nicht, der Vater der Stürme, der Tag und Nacht bläst. Seine fünf Drüber, unter denen hier Tangaloa als Vater der Fische und der Reptilien erscheint, suchten umsonst Erde und Himmel zu trennen, bis zulegt Tanemahuta fich mit dem Rüden gegen

Mutter, mit dem Bein gegen den Vater stemmt und so die Trennung bewirkt. Noch heute streďt er daher die Beine (die Waldbäume) gen Himmel empor. Nun ward es helle, und die Kinder Rangis und Papas kamen zum Licht. Allein der Gott der Winde zürnte seinen Brüdern. Er verabredete fich mit seinem Vater, feßte seine Kinder, die Winde, in die verschiedenen Himmelsgegenden fest und begann nun einen furchtbaren Kampf mit den Geschwistern, zunächst mit Tanemahuta, dessen Wälder er zertrümmerte, dann mit Tangaloa, bem Gott des Meeres und seinen Kindern. Der leßtere entzweite fich auch mit Tanemahuta, so daß mit Holz und Bast, den Erzeugnissen des Waldes, Tangaloas Brut, die Fische, gefangen werden, und Tangaloa mit seinen Fluten die Wälder zu zerstören und die Holztähne zu verderben sucht. Die Väter der zahmen und der wilden Nahrungspflanzen verbargen sich vor dem Winde in der Mutter Erde; nur Tumutauenga, der Mensch, blieb mit seinen Kindern unbesiegt. Aber den Windgott kann er sich nicht untertan machen. Er lehrte die Menschen Zauberformeln und Gebete für günstigen Wind, gutes Wetter, reichliche Ernte und dergl." (Waip VI, S. 245 f.).

Diese von Grey (Polynesien Mythology, Lond. 1855) erzählte Sage hält Gerland (S. 247) wohl nicht mit Unrecht für eine spätere Dichtung. Tangalo a ist hier zum Gott des Meers degradiert. Aber vielleicht liegt darin eine Erinnerung,

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