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viehhütende Israel als ein verachtetes, in sich abgeschlossenes Völklein über 400 Jahre lang lebte. Die Denkmäler Ägyptens haben sich bei dem trođenen Klima besser bis in unsre Zeit erhalten als die assyrischen und babylonischen, welche nur unter dem Boden sich fanden. Aber die Hieroglyphen konnte man bis ins 19. Jahrhundert nicht entziffern und man war daher für die Geschichte des Landes nur auf die Berichte auswärtiger Völker, namentlich der Griechen, angewiesen. Da wurde 1799 bei der Stadt Rosette ein Stein entdeckt mit einer Inschrift in dreierlei Schriftzeichen: hieroglyphisch, ägyptisch kursiv und griechisch. Aus dem griechischen Tert fonnte man entnehmen, daß es ein Dekret der ägyptischen Priester zu Ehren des Ptolemäus Epiphanes war. Es wurde entdeckt, daß in dieser wie in andern Hieroglyphenschriften eine Gruppe von Hieroglyphen eingerahmt war, welche offenbar einen Eigennamen enthielten. Man fand also hier die Zeichen, welche als Buchstaben den Namen Ptolemäus bildeten. Bisher hatte man gemeint, die Hieroglyphen seien wie unsre Bilderrätsel, so daß z. B. das Bild eines Vogels das ganze Wort für Vogel bezeichne. Jeßt war erwiesen, daß der Vogel auch einen bestimmten Buchstaben bedeute. Der Franzose Champollion fand nun 1822 auf einem Obelisken auf der Insel Philä neben dem Namen Ptolemäus auch den Namen Kleopatra, später den Namen Alerander, und überzeugte sich, daß die in den Eigennamen vorkommenden Zeichen auch in der sonstigen Schrift wiederkehrten, daß die Hieroglyphen überhaupt keine symbolische Schrift, sondern eine Lautschrift seien. Aber man kannte ja die Sprache der alten Ägypter gar nicht. Glüdlicherweise ist das Koptische, welches jeßt noch von den ägyptischen Christen gesprochen wird, mit dem Altägyptischen so nahe verwandt, daß man die Bedeutung mancher Wörter feststellen konnte, und als Champollion 1832 starb, hatte er den Inhalt ganzer Inschriften der Papyrusblätter im wesentlichen richtig überseßt und die Grundzüge einer Grammatit der alten Sprache gegeben, auf welche Lepsius und andere Gelehrte weiter bauen konnten. Die Denkmäler wurden planmäßig ausgegraben und mit unermüdlichem Fleiß weiter gearbeitet, um die Geschichte des alten Ägyptens zit erforschen.

Die Entzifferung der babylonischen und assyrifchen Keilschrift machte noch größere Schwierigkeiten, gelang aber etwas später durch den unermüdlichen Fleiß der Gelehrten des 19. Jahrhunderts. Sie begann nicht in Babylonien oder Assyrien, sondern in Persien, wo in den Trümmern der Hauptstadt Persepolis ebenfalls Keilschriften gefunden wurden. Man hatte schon im 18. Jahrhundert erkannt, daß auf diesen Trümmern drei verschiedene Arten von Reilschriften sich fanden. Der Gymnasiallehrer Grotefend in Göttingen entzifferte 1802 in der einfachsten, der altpersischen Schrift, die Namen Darius Hystaspes und Xerres und das Wort für König. Der Engländer Rawlinson entdeckte 1835 in Behiftun im medischen Bergland an einer mächtigen Felswand auf schwindelnder Höhe eine 400 zeilige Inschrift in drei verschiedenen Sprachen mit verschiedenen Reilschriftzeichen. Die erste Schrift war die altpersische Buchstabenfeilschrift, welche man schon angefangen hatte, zu entziffern; über die zweite waren die Gelehrten uneinig, ob man sie medisch oder elamitisch nennen soll, man hält sie jeßt für elamitisch; die dritte aber ist die babylonisch - assyrische. Unter unsäglichen Schwierigkeiten und mit großen Kosten hatte Rawlinson bis 1839 die Hälfte der altpersischen Schrift kopiert, welche sich auf Darius bezog. Bei seinem zweiten Aufenthalt im Orient gelang es ihm, auch den babylonischassyrischen Teil abzuzeichnen, so daß er denselben 1851 herausgeben und durch Vergleichung mit einer einsprachigen assyrischen Inschrift auf einem schwarzen Obelisken Salmanassars II die Entzifferung versuchen konnte. Aber es war eine schwierige Arbeit, nicht nur weil ein Teil der Inschrift durch einen über den Felsen herabgelaufenen Bach unleserlich geworden war, sondern auch weil die assyrische eine Silbenschrift ist wie die hebräische ohne Vokale, und man die assyrische Sprache noch gar nicht kannte. Es stellte sich jedoch heraus, daß es eine der sogenannten femitischen, mit der hebräischen verwandte Sprache ist. Aber man mußte über 300 Zeichen fich merken und war seiner Sache noch nicht sicher. Mittlerweile wurden durch neue Ausgrabungen in Assyrien und Babylonien immer mehr Inschriften entdeckt. Das wichtigste war dabei, was Layard und Rassam 1850 bei der Ausgrabung der Paläste Assurbanipals (des Sardanapal der Griechen, des Asnaphar der Bibel, Esra 4, 10, der von 668 v. Chr. an regierte) in Kujundichik fanden: Überreste einer Bibliothek von Tausenden von Tontäfelchen, welche der Erneurer des von Sanherib I gebauten Palasts, fer fein gebildete König Assurbanipal, hatte anlegen lassen und hier und in andern Palästen deponiert hatte. Zum Teil waren dieselben zerbrochen, namentlich solche mit der Sintfluterzählung, aber manche auch unversehrt. Ja, diese Täfelchen enthielten eine Art Wörterbuch zur Erlernung der fumerisch-akkabischen Schrift, einer Hieroglyphenschrift, durch welche wieder eine ganz andere, mit der hebräischen nicht verwandte Sprache erschlossen wurde, die Sprache des eigentlichen Babyloniens, welche nach Hommel mit den Turfsprachen verwandt ist. Der Franzose Halévy hat allerdings die Ansicht aufgestellt, die sogenannte sumerische Schrift und Sprache sei nur ein fünstliches ideographisches System, in den Priesterschulen gelehrt und fortgepflanzt, ein Mittel zur Erhaltung des priesterlichen Einflusses; allein andere Gelehrte haben dem entgegengehalten, daß der Lautwert der fumerischen Zeichen sich nicht aus der semitisch-assyrischen Sprache erklären lasse. Immerhin ist man mit der sumerischen Forschung noch vielfach im unklaren; aber das bezeugt dieselbe, daß schon 4–3000 Jahre vor Christi Seburt am unteren Euphrat und Tigris eine Kultur bestanden hat, welche bedeutende Bauwerke ausführte und welche von dort nach verschiedenen Richtungen ausgegangen ist, daß Babel in alten Zeiten ein Mittelpunkt war, daß die vorderasiatische Kultur nicht von Ägypten, sondern von Babel abzuleiten ist, ja daß die Ägypter felbst vom Euphrat hergekommen sind. So wird die Grunds anschauung der Bibel von der ersten Verbreitung des Menschengeschlechts, welche man eine Zeitlang ganz verworfen hatte, durch die Ausgrabungen im 19. Jahrhundert bestätigt.

An der Erforschung der Keilschriften haben sich außer den schon genannten Männern beteiligt: der Jrländer Hinds, in Frantreich Lenormant und Oppert, die Deutschen Schrader, Friedr. Delißsch, Hommel u. a.

Arabien stand auch schon frühzeitig mit Babylonien in Verbindung. Die Dynastie Hammurabis in Babel, des großen Gefeßgebers, der nach Hommel um 1900, nach andern um 2250 v. Chr. regierte, ist arabischen Ursprungs, und wir finden minäische und fabäische Inschriften in Arabien, welche beweisen, daß auch die Söhne der Wüste nicht so unkultiviert waren, wie einzelne alttestamentliche Theologen sie darstellen. Hommel nimmt sogar an, daß „das phönizisch genannte Alphabet auf babylonische Vorbilder zurüdgehe und eine Erfindung ostarabischer Beduinen sei, die schon damals, wie später in christlicher Zeit auf der Sinaihalbinsel und im Hauran, das Bedürfnis fühlten, ihre Namen an Felswänden und auf Tongefäße einzufrigeln oder ihren Kamelen und Schafen aufs Fell zu brennen. In ähnlicher Weise entnahmen diese Nomaden die Namen der wichtigsten, für die praktische Zeitbestimmung dienlichsten Sternbilder von der babylonischen Gestirnkunde, welche schon im dritten vorchristlichen Jahrhundert in vollster Blüte stand" (Hommel, Geschichte des alten Morgenlands, Sammlung Göschen. 2. Aufl. S. 65).

Von den Religionen, welche wir in diesem Abschnitt behandeln, existiert keine mehr, und trop den vielen Inschriften und Denkmälern ist es uns nicht möglich, eine zusammenhängende, sichere Geschichte derselben zu geben, denn es fehlen zusammenhängende Religionsbücher; aber immerhin bekommen wir aus diesen uralten Denkmälern einige Anhaltspunkte für die erste Entwidlung von Nationalreligionen, über deren Charakter im allgemeinen wir schon S. 23 gesprochen haben.

2. Die babylonische und assyrische Religion.

Wir müssen also am untern Euphrat und Tigris zwei Elemente der Bevölkerung unterscheiden, welche nebeneinander wohnten: die nichtsemitischen, nach der Bibel hamitischen, nach Hommel mit den türkisch - mongolischen Stämmen verwandten Sumerier (Sinearer) oder Akkadier (nach der Stadt Akkad, 1 Mol. 10, 10), aus welchen die Könige stammten und von deren Palästen und Tempeln in neuerer Zeit in mehreren Städten die Ruinen ausgegraben wurden, und die Semiten, welche ohne Zweifel großenteils mit ihren Herden hin und her zogen und aus deren Mitte Tharah mit seiner Familie stromaufwärts wanderte.

In Assyrien, auf dem linken Ufer des oberen Tigris, treffen wir eine ganz oder überwiegend semitische Bevölkerung mit der Hauptstadt Ninive. Zwischen den beiden Strömen oberhalb Babylonien, in Mesopotamien, war die Bevölferung ebenfalls semitisch, sprach aber nicht die assyrische, sondern die aramäische oder syrische Sprache (Aram naharajim in der Bibel). Troß der Stammesverschiedenheit der BabyIonier und Assyrer sind sie doch allmählich zu einer Nation verwachsen, zu einem gemeinsamen Königtum und zu einer gemeinsamen Religion.

Die älteste Religion der nichtsemitischen Sumerier war nach Hommel ein Schamanismus, ein Geisterglaube, wie bei den andern mongolischen Stämmen; denn die Zaubersprüche find auch auf den ausgegrabenen Denkmälern besonders zahlreich. Doch dachten sie sich über den Igigi und Anunnaki, den Geistern des Himmels und der Erde, den Gott des Himmels, Anu oder Ana, der auch In-lille, Herr der Dämonen genannt wird, und den Gott der Erde, Ea, auch In-kiâgi genannt. Gewöhnlich treten die Geister in Gruppen von sieben auf und kommen von der Wüste her (so besonders die Sturmdämonen), oder aus dem Innern der Erde und der Wassertiefe hervor oder endlich herab aus den weiten Regionen des Luftraums. Alles nur erdenkbare Unglüd, was die Menschen und ihre Habe trifft, veranlassen sie. – Ea wurde schon in ältester Zeit zur Hauptpersonifikation der Wassertiefe, des Urwassers oder feinsten Urschlamms (Chaos) gemacht und so neben dem Gott der Erde recht eigentlich ein Gott des Meeres; zugleich wurden ihm eine ganze Reihe neugeschaffener Gottheiten, welche sämtlich nur Modifikationen desselben Urwassers sind, beigesellt und in verwandtschaftliche Beziehung geseßt. In der Stadt Eribu wurde neben Ga seine Mutter Ba'u (hebr. Bohu) berehrt, welche nichts anderes als das Urwasser ist, seine Gemahlin Damgalnunna (die große Gemahlin der Wasserwohnung), seine Schwester Nin-agha-kuddu (auch Herrin der glänzenden Wasser genannt wie die Herrin der Beschwörungen), seine Tochter Shanna (Fisch) und sein erstgeborner Sohn Murru oder Mini-Dugga, welcher stets die Vermittlerrolle zwischen Ea, dem zu beschwörenden Geist der Erde und dem im Bann der bösen Geister befindlichen Menschen übernimmt" (Hommel, Geschichte Babyloniens und Assyriens, S. 254 f.).

Wir finden überhaupt, daß in den verschiedenen babyIonischen Städten verschiedene Gottheiten als Schutpatrone der Stadt verehrt wurden. Auch die politische Einheit war nicht immer hergestellt. Es regierten in den einzelnen Städten die Patisi, welche priesterliche und königliche Würde in sich vereinigten, aber zeitweise von den Königen von

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