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Almanach ?) etc. die VolksDichtelei setzen, die mich von Herzen mit ihrem Eia, Popeia! ärgern. Ich glaubte nur, den Engländern, z. E. Spenser, Shakespear, Pope, Mallet 3), Gray u. a. zu Folge, hie und da Goldkörner aus Unrath ziehen zu dörfen und hoffte mit einem kleinen Versuch solcher Sammlung theils ältere, gute und zu sehr vergessne Dichter unsers Vaterlandes wieder ins An. denken zu bringen, theils durch die treuherzige, wahre Sprache, die damals das deutsche Lied hatte, von manchem Geklingel neuerer sogenannter Poesie und lyrischen Schwunges, zur Einfalt und Natur zurückzuführen, ohne das Rauhe und Unpassende aus solchen Zeiten wiederbringen zu wollen. Ist meine Absicht fehlgeschlagen, so hat sie dies Schicksal mit vielen andern guten Absichten gemein Ich bitte diese Zeilen nicht als Rechtfertigung anzusehen, sondern nur als Bestreben, mich auch nur in einer Sache, die mich fern betreffen könnte, cinem Manne, wie H. Prof. Fronhofer, nicht gern im unrechten Lichte zeigen zu wollen. Ich werde das versprochene Geschenk der Abhandlungen aus den Händen der Akademie zugleich als ein Zeichen ihrer Gewogen heit und der Güte E. Hochwürden ansehen; und immer mit gröster Ergebenheit seyn

Euer Hochwürden
gehorsamster Diener

Herder.
Ich nehme mir die Freiheit, beiliegendes Avertissement auf
Bilte des Verf. zu übermachen; ob sich in Ihren Gegenden viel-
leicht dazu Subscribenten finden?

Weimar den 27. December 1779.

*) bei Weigand 2. Th.

9. Hochwürdiger, hochgelehrter,

besonders hochzuehrender Herr! Ich habe das Vergnügen Euer etc. den ersten Band unserer Abhandlungen der schönen Wissenschaften zu übersenden. Wenn er Dero approbation erhält, sind wir versichert, einen nicht geringen Schritt in diesem Fache gethan zu haben. Von Euer etc.

2) Nicolais Feiner kleiner Almanach voll schöner, echter, lieblicher Volkslieder, lustiger Reihen und kläglicher Mordgeschichten (1777-1778).

3) Paul Henri Mallet (1730—1807), der sich besonders durch französische Übersetzungen aus der altnordischen Litteratur bekannt machte, stammte freilich nicht aus England, sondern aus Genf. Vierteljahrschrift für Litteraturgeschichte II

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Verdiensten dabey darf ich nichts sagen; sie liegen der ganzen Welt vor Augen. Wir wünschen nur, selbe wollen uns noch ferner mit Hilfe und Gewogenheit an die Hand gehen und beehren. Ich habe die Ehre mit Verehrung stets zu seyn

Euer etc.

Kennedy.
München, den 7. May 1781.

München.

Franz Muncker.

Zwei Probleme des Urfaust.

1. Die Datirung der Scene in Auerbachs Keller.

In der Vorrede zum Urfaust hebt Erich Schmidt S. XXII f. die Schwierigkeiten hervor, die sich der Datirung der Scene Auerbachs Keller' entgegenstellen. Bis zum Erscheinen des Urfaust theilte man wohl allgemein die Ansicht Kuno Fischers (Faust S. 103), dass die Scene im September 1775 gedichtet sei. In der That musste die Mittheilung Goethes in dem Brief an die Gräfin Stolberg vom 17. September (Briefe 2, 292), dass er eine Scene an seinem Faust gemacht habe, im Verein mit den darauf folgenden, das Rattenlied umschreibenden Worten: 'mir wars in all dem wie einer Ratte, die Gift gefressen hat, sie läuft in alle Löcher, schlürpft alle Feuchtigkeit u. 8. w., der Annahme einen Grad von Wahrscheinlichkeit verleihen, der nach philologischen Begriffen sie der Wahrheit schon recht nahe brachte. Jetzt aber nach der Entdeckung des Urfaust und der Auffindung eines Tagebuchblattes der Schweizerreise vom 15. Juni 1775 (Tagebücher 1, 1) müssen wir von neuem erfahren, wie unvollkommen noch immer alle philologische Berechnung ist und wie sie weit hinter thatsächlicher Sicherheit zurückbleibt.

Drei Bedenken stellen sich der Annahme entgegen, dass die Scene im September 1775 gedichtet sei. Einmal der Stil, in dem die, wie wir nun wissen, ursprünglich in

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Prosa entworfene Scene abgefasst ist. Er scheint für das Jahr 1775 gar zu jugendlich - burschikos. Doch ist das ein Punkt, der eine durchaus eingehende Erörterung verlangte, in die wir hier nicht eintreten können. - Das zweite Bedenken ergibt sich aus der 'pedantischen Erwägung, die der weitere Inhalt des Briefes vom 17. September uns aufdrängt. Jeder wird Schmidt selbst hier, wo es sich um eine dichterische Natur von so einzig sprudelnder Kraft handelt wie der junge Goethe es war, Recht geben, wenn er S. XXIII es bezweifelt, dass ein Dichter, der ein paar Stunden vergängelte, ein paar verliebelte, ein paar verspielte, ein paar verruderte' gleich nach dem Aufstehn eine Scene von dem Umfang der in Auerbachs Keller spielenden gedichtet haben könne. Stärker noch als diese beiden Bedenken ist endlich das dritte, auf das gleichfalls Schmidt hingewiesen hat und das sich aus einer Notiz im Tagebuch vom Juni 1775 ergibt. Die Verse, die hier erscheinen:

Ohne Wein kan's uns auf Erden
Nimmer wie dreyhundert werden
Ohne Wein und ohne Weiber
Hohl der Teufel unsere Leiber

enthalten eine unverkennbare Beziehung auf die Stelle in Auerbachs Keller:

Uns ist gar kannibalisch wohl

Als wie fünfhundert Säuen! und haben somit zur Voraussetzung, dass die Scene schon im Juni 1775 gedichtet war. Damit aber wird die Annahme, dass sie am 17. September dieses Jahres abgefasst wurde, hinfällig.

Wenn sie aber an diesem Tage nicht entstand, wie, müssen wir fragen, erklärt es sich, dass zu der Mittheilung in dem betreffenden Briefe: ich machte eine Scene am Faust, die augenfällige Umschreibung des Rattenliedes tritt? Sollte das Zusammentreffen beider Momente ein Zufall sein? d. h. könnte mit der Scene' eine andere gemeint sein als die in Auerbachs Keller und sollte die Paraphrasirung des Rattenliedes eine Reminiscenz an ein längst verfasstes Gedicht sein? Das wird man schwer glauben und weil das nicht sein kann,

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erscheint mir Schmidts Entscheidung S. XXIII nicht befriedigend. Schmidt stellt die Alternative: entweder ist Auerbachs Keller vor der Schweizer Reise gedichtet oder Goethe hat am 17. September der neuen Scene einen älteren Spass einverleibt. Die erste Annahme lässt die Beziehungen unberücksichtigt, die der in Rede stehende Brief auf jene Scene offenbar enthält, während die zweite, wobei mit dem älteren Spass der Vers mit den fünfhundert Säuen gemeint ist, die oben entwickelten Bedenken vom Stil wachruft, ausserdem aber noch die Unwahrscheinlichkeit mit sich führt, dass die umfangreiche Scene an jenem so wenig arbeitfreudigen Tage gedichtet ist.

Ein anderer Ausweg ist darum unerlässlich. Er bietet sich, wie mir scheint, in folgender Annahme. Die Scene in Auerbachs Keller war am 17. September 1775 allerdings schon gedichtet, aber erst an diesem Tage fügte Goethe die Episode vom Rattenlied ein. Alles erklärt sich aufs beste bei dieser Auffassung. Es bleibt die Thatsache der Umschreibung des Rattenliedes verständlich, während zugleich die Schwierigkeit wegfällt, dass Goethe an jenem Tag eine grosse Scene gedichtet haben solle. Es behält das Urtheil über den jugendlichen, das Stück vor das Jahr 1775 weisenden Stil für den weitaus grössten Theil der Scene seinen Spielraum, während zugleich die Beziehung der Tagebuchnotiz vom Juni 1775 in ihr volles Recht tritt. Nur die eine Ungenauigkeit ergibt sich, dass in der Stelle des Briefes: ich machte eine Scene Faust das Wort Scene nicht buchstäblich interpretirt, sondern in einem freieren Sinne genommen wird.

Wenn aber irgendwo, so dürfte das hier, bei diesen hingewühlten Zeilen gestattet sein.

Ausser durch den Vorzug, dass sie alle Schwierigkeiten hebt, ohne selbst eine eigentliche zu bereiten, empfiehlt sich die Annahme aber noch besonders, wenn wir auf die Situation blicken, in der Goethe sich befand an dem Tage, da er die Episode einfügte und die Stimmung bedenken, die ihn damals erfüllte. Kuno Fischer hebt hervor, wie Goethe in dem Spottlied auf Siebel seine eigene gequälte Gemüthsstimmung, in die ihn das Verhältniss zu Lili brachte, parodirt

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habe. Wie viel schärfer tritt dieser Gedanke heraus, wenn wir annehmen, dass er damals von der Scene nur dieses Stück gedichtet hat! Und welche Pointe erhält die Einleitung zum Vortrag des Liedes Urfaust Z. 23: 'Ein neu Lied Kameraden, ein alt Lied, wenn ihr wollt! Auch die zeitliche und innere Verwandtschaft, die zwischen dem Lied und dem Gedicht Lilis Park besteht (Dichtung und Wahrheit, Hempel 23, 94), wird nun deutlicher.

Immerhin aber könnte ein schwer zu überredender noch die Probe auf das Exempel verlangen d. h. die Prüfung, ob nach Weglassung der eingeschobenen Episode die Scene eine existenzfähige Gestalt behält. Doch auch diese Probe besteht die Annahme. Jeder sieht, dass Faust und Mephistopheles ebensogut nach den Worten Z. 22: Keinen Grus sag ich als die Fenster eingeschmissen!' erscheinen konnten wie nach Z. 54: 'Ich mögte den Schmeerbauch so am Heerde sein Seelgen ausblasen sehn!' Durch die eingeschobene Episode wird die Scene nur drastischer und voller, aber ihre einstige Existenz ohne das Lied und den dadurch bedingten Dialog erscheint durchaus möglich.

War aber die Scene, abgesehen von diesem Einschub schon vor dem Juni 1775 vorhanden, so muss man weiter fragen, wann vor dieser Zeit sie gedichtet ist. Darauf eine Antwort zu geben soll hier nicht versucht werden. Vielleicht dürfen wir nach einer Andeutung Schmidts im ersten Hefte dieser Zeitschrift hoffen, dass ihr Herausgeber die Frage demnächst beantworten wird.

2. Zum Bestand des Urfaust.

In der Deutschen Litteratur-Zeitung 1888 Sp. 1218 f. habe ich darauf aufmerksam gemacht, dass das im Fragment überlieferte Stück der Vertragsscene ("Und was der ganzen Menschheit zugetheilt ist u. s. w.) einer Partie angehört, die schon vor dem Jahre 1776 vorhanden gewesen sein muss.

Den Beweis der Behauptung habe ich damals auf eine Argumentation beschränkt, die ich aus dem Beginne der Scene herleitete, wonach das Stück nicht als selbständig und neu concipirt, sondern als aus einem Zu

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