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unvergesslich gemacht haben, ein Gegenstand der lebhaftesten Bewunderung. Unter andern ist uns folgendes Sinngedicht zugeschickt worden: Jupiter an die Götter und Menschen (folgt das Epigramm, ohne Variante, mit der Unterschrift L.). Dass Lessing, der mehrjährige Mitarbeiter der Vossischen Zeitung, der zu derselben kaum drei Wochen vorher seine Recension von Gleims Siegeslied nach der Schlacht bei Rossbach beigesteuert hatte, nicht in dieser seltsamen Weise den Berlinern vorgestellt werden konnte, wird jedermann zugeben, und dies negative Ergebniss stimmt vortrefflich zu dem weiteren Factum, dass unser altes Hamburger Wochenblatt in seinen ersten vier Theilen unter derselben Chiffre L** noch elf andere, theils poetische, theils prosaische Stücke enthält, deren Art und Kunst jede Möglichkeit ausschliesst, sie Lessing zuzuschreiben. Andererseits verbot die Erwähnung der Auswärtigen', noch länger an die beiden Friedrichsänger zu denken, die ich bis dahin im Verdacht gehabt hatte, Verfasser des fraglichen Sinngedichts zu sein : Lange oder Lieberkühn. Des Räthsels Lösung hing also nun davon ab, ob sich der geheimnissvolle L** des Wochenblattes sonst irgendwo auftreiben liesse.

Eine andere, etwas ältere periodische Schrift hat den lange vergeblich gesuchten Aufschluss gegeben, die 'Hamburgischen Beyträge zu den Werken des Witzes und der Sittenlehre', welche in zwei Bänden zu je drei Stücken 1753—1755 herausgekommen sind. Es ist nicht schwer nachzuweisen, dass drei Persönlichkeiten in Hamburg und Altona diese kurzlebige Sammlung unternommen haben ; die etwa 30 mit Chiffern versehenen Artikel des ersten Stücks – die folgenden fünf Stücke haben keine Chiffern mehr vertheilen sich mit Ausnahme von vieren auf die Chiffern X., L. und J. C. U. g. Z., das ist Johann Dieterich Leyding (1721-1781), Johann Friedrich Löwen (1729 bis 1771) und Johanna Charlotte Unzerinn geb. Zieglerinn (1724-1782). Ihre 'Beyträge enthalten von den im Wochenblatt Zum Vergnügen mit L** bezeichneten Stücken zwei, und von diesen steht glücklicherweise das eine im ersten Stücke, nämlich S. 178: "Anacharsis Mittel wider die Hässlichkeit unter X Zum Vergnügen Bd. 3 Stück 12 vom 31. August 1758 unter L** Darnach ist L** = Johann Dieterich Leyding, und dieser ist also auch der Verfasser von “Jupiter an die Götter und Menschen’.

Dass dieses Sinngedicht sich auf solche Weise als ein Hamburger Product entpuppt, kann freilich nicht den poetischen Ruhm unserer guten Stadt erhöhen, und der auswärtige Leser wird auch nicht viel Freude davon haben, dass er genöthigt gewesen ist, mit ihren alten Poetastern Bekanntschaft zu machen oder zu erneuern. Da es aber darauf ankam, aus Lessings Garten ein fremdes Unkraut auszugäten, konnte die Aufmerksamkeit nicht auf Veilchen und Rosen, sondern nur auf Quecken und Mieren gerichtet werden. Hamburg

Carl Redlich.

Zu Halms Hölty. Unter den Verbesserungen und Ergänzungen, die Redlich zu Halms Hölty in seiner Recension des Buches (Zeitschrift f. deutsche Philologie 2, 234 ff.) gegeben hat, sind keine Nachträge aus den beiden im Besitz des H. Gymnasialdirector Klussmann in Rudolstadt befindlichen Hainbüchern. Und doch hatte ich in meinem Exemplar eine Reihe correcturbedürftiger Stellen angezeichnet, die ich hier, nochmals gegen die Handschriften gehalten, mit freundlicher Erlaubniss des H. Klussmann mittheile. Natürlich bezieht sich das meiste davon auf die Anmerkungen bei Halm, auf dessen Ausgabe meine eingeklammerten Seitencitate verweisen.

1. Zu: Adelstan und Röschen (S. 14) ist zu bemerken, dass es sich handschriftlich im Bundesbuch = Bb. S. 75-81 unter dem in Halms Anm. angegebenen Titel findet. Laura (S. 79), An die Grille (S. 83), Der Tod (S. 138) stehen sowohl in Bb. wie in Voss) Stammbuch Stb., an beiden Orten genau auf denselben Seiten.

1) Zu Voss Stb. vgl. Herbst, Voss 1, 287 und meine Ausführung im Archiv für Litteraturgeschichte 11, 449 f.

2. In der Elegie auf ein Landmädchen (S. 59), an deren Stelle das Bb. ein anderes Gedicht hat, heisst es im Stb. Z. 1 Schwermuthvoll ohne s, Z. 48 Liebten statt Lieben.

3. Ruhe (S. 74) Z. 42 muss natürlich: Allgefällige Ruh, bis du mich, an der Hand lauten.

4. Zu Laura (S. 78). Z. 9 Anm. lies traff statt treff, wie der Sinn sofort ergibt und in beiden Handschriften deutlich steht.

5. An die Grille (S. 83) ist aus dem Bb. zuerst abgedruckt, das aber Z. 18 Küssen statt Kissen hat. Voss Stb. bietet Z. 4–7 in ursprünglicherer Gestalt:

Wand aus rothen und weissen Blumen Kränze,
Sang, wie Engel im Paradiese singen,
Ach, und lächelte, dass ich einen Engel

Und das Himmelreich zu erblicken wähnte.
6. Im Minnelied (S. 146) hat die dritte Strophe

Freude fliesst aus ihrem Blick

Auf die bunte Weide,
Aber fliehet sie zurück,

Ach, so flieht die Freude. in der Handschrift deutlich flieht statt fliegt. Höltys h sieht aus wie g, sein g wie lateinisches y.

7. Mailied (S. 156) in Z. 23 hat das Bb.: Geniesst der Zeit. Da Voss und der Musenalmanach dasselbe geben (Redlich a. a. 0. S. 235 Z. 9 v. u.), so fragt sich nur noch, wie es mit dem in Halms Anmerkung erwähnten Einzelblatt steht.

8. Zum Traumbild (S. 128). Z. 6 in der Anm. lautet der Ausruf meiner Ehre, Z. 29. Anm. muss heissen: die weisse Brust, den rothen Mund. Die erste Anmerkung zur zweiten Strophe des Gedichts ist nicht recht verständlich. So sei hier Str. 2 und 3 nach dem Bb. mitgetheilt:

Nun such ich dich, mit Harm erfüllt,

Bald bey des Dorfes Linden,
Bald in der Stadt, geliebtes Bild,

Und kan dich nirgends finden.
Ich wandre, wenn die Sonne sticht,

Wenns stürmet oder regnet,
Und schaue jeder ins Gesicht,

Die meinem Blick begegnet.

So irr ich armer für und für

Mit Seufzern und mit Thränen,
Und mustr' an jeder Kirchenthür

Am Sonntag alle Schönen.
Nach jedem Fenster blick ich hin,

Wo sich ein Halstuch blähet,
Und habe dich, o Lieblingin,

Noch nirgends ausgespähet. Str. 3 und 4 der Halmschen Fassung bilden somit Str. 4 und 5 im Bb. Warum Z. 5–12 von Hölty später getilgt worden sind, ist klar genug: wegen der anscheinend dreimaligen Tautologie.

9. Im Frühlingslied (S. 150) hat Str. 2 der ursprünglichen Fassung in Z. 4: Sint der Lenz erschienen. Anfangs wollte ich an dieses sint auch nicht recht glauben, aber ein Zweifel ist unmöglich. In ihren nach den Minnesingern gefertigten Gedichten, worüber ich nächstens an anderer Stelle ausführlicher zu handeln gedenke, brauchen die Göttinger gern alte Worte; am charakteristischten ist hierfür Vossens germanistisches Exercitium vom 7. April 1773 ?), das zuerst so lautete: Der Holdseligen

Ach! bin inniglich
Sonder Wank

Minnewund!
Sing' ich fröhlichen

Gar zu minniglich
Minnesang.

Dankt ihr Mund;
Denn die Reine,

Lacht so grusslich
Die ich meine,

Und so kusslich
Giebt mir lieblichen Habedank. Dass mirs bebt in des Herzens

Grund!
Gleich der sonnigen

Ihrer Wängelein
Veilchenau,

Lichtes Roth
Glänzt der wonnigen

Hat kein Engelein,
Augen Blau;

So mir Gott!
Frisch und ründchen

Eya säss' ich
Ist ihr Mündchen,

Unablässig
Wie die knospende Ros' im Bey der Preisslichen bis zum
Thau,

Tod! Man weiss, wie auch Hölty, allerdings nicht entfernt in solcher geschmacklosen Weise, diese Richtung mitgemacht hat. In der Erinnerung (S. 142) lautet die 1. und 25. Zeile

2) Bb. 2, 42. Sämtliche Gedichte von Johann Heinrich Voss. Königsberg 1802. 4, 24.

im Bb. Wie war ich doch so seldenreich. Die ausgedehnteste Anwendung minnesingerischer Worte fand im Januar und Februar 1773 statt. Das Frühlingslied trägt das Datum des 12. Februar; mit demselben Datum ist im Bb. bezeichnet Vossens Übersetzung von Horaz Ode (III, 3) Aequam memento rebus in arduis; auch hier finden wir sint Str. 6:

: . Denn sint des bedungnen Lohns

Laomedon die Götter getäuscht
Von einem ungedruckten Liede Joh. Mart. Millers,
Frauen Wahl (datirt den 18. Februar; Bb. 1, 199) lautet Str. 3:

Sint der hochgelobten Frauen
Kann man auch nichts schöners schauen;

Drum erköhre 3)

Ich die hehre Mir vor allen Frauen. 10. An den Mond (S. 154). Ich begreife nicht, warum in Z. 6 Mir frohen Knaben in frohem geändert ist; dadurch wird etwas grammatisch wichtiges verdeckt. In der Nachtigall (S. 158) lautet Str. 3 in der ersten Vossischen Umdichtung auch:

Doch schwer und bang
Tönt ihr Gesang

Mir armen Bübchen.
11. In Z. 3 des Frühlingslieds (S. 157) hat das Bb.:
Und Veilchenglocken drunter; in Z. 8 des Traumbilds (S. 170)
Vossens Stb.: Auf jedem Blumenrasen.

12. Es bleibt noch übrig sorgfältig anzugeben, welche Gedichte von Hölty die im Bb. jetzt fehlenden Blätter enthielten. Für S. 88 gibt das Verzeichniss ein laut des Bundesjournals am 28. November 1772 vorgetragenes Gedicht An Damon, von dessen Anfang etwa 20 Zeilen fehlen, während S. 89 und 90 die letzten 22 noch heute aufweist:

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Auf die Erde zu kommen, Mädchenbildung
Anzunehmen, und unsre Heimathsfluren
In ein blühendes Eden umzuzaubern.
Lebt' ich tausend und tausend Jahr, ich würde
Nie was Schöners erblicken. Ihre Wange

3) erköhre soll erkür, das Bodmer für ein Präsens hält, wiedergeben.

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