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Rückblicke auf die Uganda-Katastrophe.

Obgleich die traurigen Vorgänge, welche im vergangenen Jahre sich in Uganda abgespielt und die monatelang in der ebenso einseitigen wie rhetorischen Berichterstattung der französischen Missionare die Runde durch die Zeitungen Europaß gemacht, durch die später eingetroffene englische Darstellung bereits ziemlich aufgeklärt worden sind (vgl. A. M.-3. 1892, 254. 326. 377. 424. 475), so ist doch ein abschließender Rüdblic auf dieselben um so mehr geboten, als das Bedürfnis vorhanden ist, auß diesen Erlebnissen allerlei Lehren zu ziehen.

Die ausführliche Berichterstattung über den gesamten Verlauf der friegerischen Ereignisse, welche Kapitän lugard gegeben, war ganz ohne Renntnis der seitens der französischen Batre& erhobenen Beschuldigungen und darum auch ohne jede Bezugnahme auf dieselben und ohne jede Absicht der Verteidigung geschrieben. In ihrer ruhigen, sachlichen Haltung mußte sie sofort auf jeden unbefangenen Leser den Eindruck der größeren Glaubwürdigkeit vor den leidenschaftlichen und schon durch ihre Maßlosigkeiten den Stempel der Übertreibung an der Stirn tragenden französischen Bulletins machen. Während diese Bulleting wimmeln von beschimpfenden Brädikaten der rohesten Art: 1) „Räuberhauptmann," ,, Räuber," „Mordbrenner," „Ehrloje," ,,Schurken," ,,Banditen," ,, Aussauger", ,,infames Werf," „nichtswürdige Anschläge," „unverschämtestes Raubsystem", ,,satanisch" und dergleichen, sind die Shriftstücke lugarde frei von allen persönlichen Inveftipen, so daß man schon aus dieser vornehmen Objektivität den Schluß ziehen darf: der Mann hat redt, denn er ichimpft nicht.?)

3eßt ist nun endlich auch die von dem englischen Rapitän schon vor zwei Monaten in Aussicht gestellte „abschließende Widerlegung der wilden und bittern Anklagen der französischen Priester“ veröffentlicht worden. Die Berzögerung ist dadurch eingetreten, daß die Antwort Cugards – und zwar bereits Ende Oktober -- zunächst der französischen Regierung

1) Die katholische Zeitschrift: „Gott will es“ überbietet in diesen Beschimpfungen noch die französischen Missionare. Kapitän Lugard und Genossen sind ihr lediglich Leute, denen sie „das Recht einräumt, sich hersauszu lügen“. Kein Wort von ihren Berichten drudt sie ab.

2) Schon die Weser-Zeit. vom 9. Nov. 1892 macht das mit Nachdruck geltend.

ale offizielles Aftenstüc ausgehändigt und jegt erst seitens des englischen Auswärtigen Amtes der Times (vom 13. Dezember) zur Veröffentlichung zugestellt worden ist. Durch Vermittlung des Kardinal Lavigerie waren nämlich die Berichte des Msgr. Hirth an den französischen Minister des Auswärtigen) behufe diplomatischen Austragø der Sache und einer Schadenersagbeantragung von

mindestens 400 000 MI." über: geben worden. Die französische Regierung hatte darauf der englischen eine offizielle Beschwerde, die in neun Artikeln durch die Aussagen des genannten Bischofe substantiiert waren, zugestellt. Das in der Times und noch ausführlicher im Record (vom 16. Dezember) mitgeteilte Schriftstück ist die Antwort Cugarde auf diese neun Anklagepunkte. Auf die vielen in den sonstigen zahlreichen Briefen der Batres enthaltenen Beschuldigungen, Entstellungen und Übertreibungen geht der Kapitän nicht ein, jedenfalls darum nicht, weil er sie durch die Widerlegung der ihm offiziell übergebenen Beschwerdepunkte für abgethan hält, vielleicht auch, weil er sie gar nicht alle fennt.) Jedenfalls hätte er ein dickes Buch schreiben müssen, wenn er diese massenhaften Verdrehungen hätte richtig stellen wollen.3) Überdies hatte sein vorhergegangener langer Bericht durch seine positive Darstellung des gesamten Verlaufe der Dinge bereits alles Wesentliche erledigt.

Wir reproduzieren aus dem jeßigen offiziellen Aktenstüd die Hauptsachen. .

1. „Die katholische Bevölkerung Ugandas ist den Drohungen der Mohammedaner und Protestanten, welche von den Agenten der Ostafrika-Kompanie protegiert worden, ausgefeßt gewesen.“

1) Bekanntlich drehte dieser Herr in der französischen Kammer die Thatsache, daß die Sendboten des Kardinals Lavigerie sich in die evangelische Mission in Uganda eingedrängt, in ihr Gegenteil um, eine Dreistigkeit, die wohl in dem Berichte des Migr. Hirth selbst ihre Quelle hat: „der Protestantismus ist gekommen, um alles zu vernichten“ („Gott wil es“ 1892, 663).

2) SO z. B. ist er auf den famosen Brief Pater Achtes (A. M.-3. 1892, 258) erst durch meine Hinweisung aufmerksam gemacht. 3rrtümlicherweise nennt er mich einen German missionary inspector und der Times passiert der Druďfehler, mich als Dr. Waldeck zu bezeichnen, der dann natürlich auch in den Record 26. über: gegangen ist. Lugard bestätigt ausdrüdlich die Richtigkeit meiner Darstellung und beruft sich auf sie.

3) Wir sind in dieser Beziehung ja an starte Leistungen der ultramontanen Presse gewöhnt und es ist noch in frisch Erinnerung, wie es eine stehen Bhrase zur Zeit des Kulturkampfes war, von einer „diokletianischen Verfolgung“ zu reden. Aber alles das wird weit übertroffen durch die Maßlosigkeiten, zu welchen im ver: gangenen Jahre die Ugandakatastrophe die römischen Federn gereizt hat.

Antwort. Migr. Şirth erklärte: „in kurzem wird Uganda ein katho: lisches Königreich sein.“ In diesen bemerkenswerten Worten verrate er sich selbst. Dieses , in furzem" hofften sie an dem 24. Januar (an welchem der Rampf ausbrach) zu bewerkstelligen; sie scheiterten, weil er als der Administrator des Landes verpflichtet war, alle Sektionen der Bevölkerung in gleicher Weise zu beschüßen. Bei ihrer Hoffnung, Uganda werde bald ein katholisches Königreich sein, konnten sich die Batres nicht in einer bedrückten und gefährdeten Lage befinden. Ja, es bestand eine scharfe Spannung und fanden wiederholt Rämpfe statt, die ebensowohl von der katholischen wie von der protestantischen Seite ausgingen. Er habe wiederholt die Ratholiten aufgefordert, jeden Menschen ihm anzuzeigen, der ihnen etwa unrecht thue, er werde ein Erempel an ihm statuieren. Kurz vor Ausbruch der Katastrophe seien die vereinigten Armeen der Baganda gegen die Mohammedaner ausgerüdt, ein Beweis, daß es in der Hauptstadt ziemlich ruhig gewesen; daß die Ratholiken ohne Grund zurüdkehrten, verursachte die erste Aufregung. Er wiffe nichts davon, daß gegen irgend einen Ratholiken eine Gewaltthat geschehen, bevor die katastrophe ausbrach. Der Mord eines Protestanten seitens der Katholiken in den Straßen von Mengo und die herausfordernde Haltung derselben samt der Weigerung, den Mörder behufs gerichtlicher Untersuchung auszuliefern, habe den Kampf herbeigeführt. Die Mohammedaner waren so gut die Feinde der Protestanten wie der Ratholiken. . . Er selbst habe ja beide christliche Parteien gegen dieselben geführt .. aber zweimal haben die Ratholiten den Broteftanten den Kampf gegen sie allein überlassen. Die Unwahrheit, daß er die Protestanten bevorzugt, ergebe sich schon daraus, daß die protestantischen Missionare ihn der Parteilichkeit für die Ratholifen beschuldigt und erklärt, mit Hilfe der katholischen Priester wolle England seine Herrschaft aufrichten. Auch werde durch die beigelegten Briefe der Väter selbst bewiesen, daß vor dem Januar 1892 der Vorwurf der Parteinahme für die Protestanten nicht zutreffe. 1)

2. ,Die ostafrikanische Rompanie hat die Wirksamkeit der französischen Missionare anerkannt und ausgesprochen, daß sie keine Beschwerden wider fie habe."

Antwort. Die Priester beabsichtigten ein katholisches Königreich aufzurichten. Nachdem sie sich Muangas bemächtigt, haben sie denselben zur Stärkung ihres Einfluffe gegen die Protestanten ausgebeutet. Lugard habe

1) Immer wieder zieht sich durch die Berichte der Patres die Verleumdung, die englischen Offiziere (und auch die Missionare) hätten gemeinsame Sache mit den Mohammedanern gemacht, sie wollten das Land mohammedanisch machen, hätten einen mohammedanischen König eingeseßt, ja schon früher hätten die englischen Offiziere das Heer Muangas nur zu dem Zwecke begleitet, um die Mohammedaner vor der Vernichtung zu retten. Sogar Toweit geht die Verdächtigung, daß die Engländer der beidnischen Bevölkerung geheime Anweisung zu einer Erhebung gegen die Katholiken gegeben hätten. Es ist tein Wort von dem allen wahr. Lugard hat nach der Katastrophe freilich mit den Mohammedanern unterhandeln müssen, et befand sich damals in der kritischsten Lage. Aber selbst dann hat er es durch juseken gemußt, daß der mohammedanische König Mbogo fallen gelassen wurde. Es ist dies einer der ergreifendsten Teile seines Berichts.

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