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darüber Ausdruck, dass die gegen die Schismatiker verfasste, auf dem Reichstage zu Augsburg übersehene Konfutation nicht gedruckt sei, da die Gegner aus diesem Umstande grossen Mut schöpften: in seinen Augen war sie noch immer hinreichend, die ketzerischen Ansichten piederzuschlagen 1.

Das werden die letzten amtlichen Verhandlungen über den Druck der Confutatio gewesen sein und es sollten noch vierzig Jahre vergehen, bis sie als historisches Dokument veröffentlicht wurde. So lebhaft man auf katholischer Seite die Notwendigkeit fühlte, den Angriff auf das römische Kirchentum abzuwehren, welcher in der so überaus milden Augsburger ,, Apologie“ und in deren Schutzschrift enthalten war, nicht minder lebhaft war in den einsichtigen Kreisen das Gefühl, dass die Augsburger Widerlegungsschrift ihrem Zwecke nicht entspreche: die Evangelischen hatten letztlich Recht mit ihrem Vorwurf, dass

1) S. den Bericht Briarde's über seine Mission, Mecheln 29. Juli 1533 (bei Lanz, Staatspapiere, S. 102–110, im Auszuge bei v. Bucholtz IX, 119-121), Š. 106 f.: Le meisme jour estant au disner le dict seigneur electeur dit que les scismaticques prendoient grand couraige de ce que la confutacion faict entre (2) eulx, veue et visitee en la journee d'Auspourg, n'auoit este imprimee, disant qu'elle estoit souffisante pour debattre leurs oppinions, adjoustant qu'il eust bien voullu qu'elle fut este imprimee. Surquoy apres le disner, et que les gentilz hommes et autres s'estoient retirez, respondiz en presence du nunce selon la teneur de mes instructions, allegant les causes pourquoy la dicte confutacion se differoit a imprimer, et depuis n'en tint le dict seigneur marquis aucun propos.“ Vgl. Maurenbrecher a. a. 0. S. 367.

2) Der Dominikaner Peter von Ansbach, welcher Ostern 1532 aus Dessau weichen musste und sich nun in Frankfurt a. 0. niederliefs (s. Jöcher-Rotermund), kommt noch einmal auf die Sache zurück. S. „Antithesis Der Lutherischen Bekenthnis odder Beicht, Bo sie tzu Äugspurgk vor Kayserlicher Maiestat vnd dem Heyligen Römischen Reich Im Dreyssigsten Jar, angegeben .. Durch Petrum Anspach“ (a. E.: Gedruckt zu Franckfurt an der Oder durch J. H.“ ohne Jabr, aber 1532 oder 1533, vgl. Bl. D3; „itzund nach dem Reichs tag zu Regensburg“; Mensing erwähnt die Schrift in der vom 24. Juni 1533 datierten Vorrede zum ersten Teil seiner Antapologie), Bl. A1b: „Aber Got erbarmes, die vorlegung solcher artickel durch Sathanam vnd seyne lyst wirt gewaltig zu rugke gehalten, vnangesehen Das Keyserlich Ma. sampt allen gehorsamen des Reichs Stenden sie in truck zubrengen befholen, Hab ich vormerckt, das solcher verzug vnd vntherdruckung der selben vorgenanter bekentniß vorlegunge oder, wie eß die Lutherischen nennen, Confutation den gewissenn vieler frommer Christen sehr beschwerlich, ergerlich vnd schedlich, auch der ehre Christi, dem heyligen vnbefleckten glauben vnd gantzer gemeyner heyligen kirchen nachteylig, schimpflich vnd spöttlich ist, do durch sich die veynde der warheyt rhumen, als hetten sie gar vnd gantz gewunnen vnnd in yhrem synne eytel Gloria in excelsis singen.“

die Gegner das Licht scheuten 1 das zeigen gerade diese vielfachen Verhandlungen über den Druck der Widerlegung. Es hat ja in der That des grossen, schweren Apparates eines ökumenischen Konzils bedurft, um das Bekenntnis von Augsburg wenn auch nicht zu widerlegen, so doch zu beantworten.

7.

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A n h a n g Mensing's Mitteilungen aus der Konfutation der Theo

logen. Schon in dem ersten Teil seiner „Antapologie“? kommt Mensing wiederholt auf „die Theologi zu Augspurgk" zu reden (so Bl. 8, 434, 60, 61). Stärker berücksichtigt er sie im zweiten Teile dieser Schrift 3, indem er mehrfach auf ihre Konfutation Bezug nimmt und man sieht gleich bei der ersten Mitteilung aus dieser, dass er, statt auf die zur Verlesung gekommene Widerlegungsschrift zurückzugehen, sich auf ein früheres Stadium derselben bezieht. Um so beachtenswerter sind die bisher übersehenen Bruchstücke aus der Widerlegung des vierten Artikels, welche der zu Augsburg wenigstens anfänglich an den Arbeiten der Kommission beteiligt gewesene Theologe aus seinen Papieren liefert.

Zum dritten Artikel der Konfession merkt Mensing Bl. 1* f.

1) Vgl z. B. Luther, Warnung an seine lieben Deutschen (1531), E. A. 25?, 13 f. 15f. 17—20. 21. Desgleichen Glosse auf das vermeinte kaiserliche Edikt, ebenda S. 55. Darauf antwortete Franciscus Arnoldi (1531): ,,Aber wahr ist es dennoch, wie man, ab Gott will, kürzlich sehen wird, dass man sich der Vorlegung mit den Evangelien und heiliger Schrift nicht wird schämen, wie Luther vorsetziglich leuget, sonder zu gelegener zeit wohl an tagk bringen.“ Ebenda S. 94.

2) ,, Antapologie | Erst teyl, des anderen artickels Lutherscher confession, sampt der krafftlosen vnd vn | gegrundten Philippi Melanchtonis Apologiae | Die Erbsunde vnd etliche ander seyner falschen | lehrstuck belangend. Confutation.“ U. 8. w. (1533).

3) ,, Vom vordienste ynd | rechtfertigungen : des glaubens: lie ben, vnd guter werck, vnd vielen do zu dienstlicb lehr stucken | Vnd auff den Drytten vnd Vierden artickel Lutherisch | er confession, Sampt Philip Melanthonis Apologia / vnsers gegenworths Ander teyll“ u. 8. w. A. E.: ,Volendet Anno 1535. Vicesima Januarij."

an: „Hie rhumet sich Philips, das die unseren diesen artickel vor recht angesehn vnd zugelassen haben, wie er dann an yhm selber recht vnd vnstrefflich ist. Aber er schweygt, das die vnsern haben angetzeygt zweyerley, Erstlich das die Lutherischen diesen artickel ane grundt bekennen, die nichtes gleuben dan alleine was mit hellen worten auß der heiligen geschrifft beweislich vnd verachten die heylige kirchen, also das sie auß dieser vrsachen allein vil stuck Christlicher lehr .. vorwerfen" n. 8. W. Was Melanthon angeblich verschweigt, war aber in der öffentlich verlesenen Schrift mit keiner Silbe gesagt.

Bl. 3b lesen wir zum vierten Artikel: „Auff diesen artickel haben die Theologi geantworth vnd so vil ich noch wol ingedenck vnd etzliche vortzeychniß bey mir behalten, mher auff der Lutherischen vorige ynd vorfurische lebro gesehen, dan vff diese yhre worth, die fast anders lauten, dan sie biß her geleret, do sie die guten werck Bo gantz hönlich vorachtet und das einfeldig volck dar von abgeschreckt, als weren sie zur seligkeyt nichts dinstlich, sondern schedlich dem glauben an Christom, darzu gantz vnuordinstlich zum ewigen leben. .. Derhalben baben zu Außpurgk die Theologi sich nicht vil an die wort dieses artickels gekeret, sundern von dem vordinst geantwort vnd beweyst, wie die schrifft sagt, das vnser guthe werck vordinstlich seyn, welche meynung wir hernach auch mith gottes hulff antzeygen wollen.“

Bl. 52: „Wer kanß doch den Theologen zu Außpurgk vordencken, ob sie diesen vierden artickel, do sie sagen: ,EB konde der mensche durch sein vordinst vor got nicht gerechtfertiget werden', nicht Bo schlecht vbergangen, Bo bey yhn noch ynuergessen, do die Lutherischen alle guthe werck gantz vnnütz zur seligkeyt geachtet, vff welche lere (wie ytzt gesagt) die Theologi yhre confutation geordnet. ... Wiewol die Theologos Philips alhyr in seyner Apologien nach seyner weiße fast gröblich ane warheit beschwert.“

Letzteres wird weiter ausgeführt und widerlegt, worauf es Bl. 6a heisst:

„ Vnd das alle welt sehe, wie Phillips hie ane warheyt clagt, die ynsere haben yhre lere in dem vordampt, so sie sagen: wir werden ane ynseren vordinst vor got gerechtfertiget, setzen wir etliche worth, Bo ich stuckweyß behalten, der confutation dieses artickels.

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Confutatio. Zcum Ersten ist ku wissen, das keyn rechtglaubiger yhe gesagt habe, das wir durch vnseren vordinst ane gnaden selig

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werden, sonderen muß die gnade vns sampt unseren (Bl. 66] wercken fur ghen vnd nachfolgen, wie vns die heylige kirche im gebeth leret : , Got kom ons eu vor und gib uns guts zuthun vnd hilff volfuren, das alle vnsere werck von dyr ein anfang haben, vnd was angefangen durch dich, möge volendet werden.' Wyr wissen was Johannes saget: Der mensch kan nichtes haben, es sey ihm dan von oben herab gegeben' 1. Vnd , alle guthe vnd volkommen gaben seindt von oben gegeben, nidersteygent vom vater der lychter. 2. Wyr wissen, das vnser gnugsamkeyt auß Got ist, und der herre sagt: Nimandt kompt cu mir, ef teyhe dan yhn der vater 4. Und Augustinus sagt: ,Wan got verlonet vnser vordinste, krönet er seyne gaben'. Darvmb sal niemandt meynen, er möge etwas bey got vordienen auß eygen krefften, ader gutes thun ane gottes gnade, wie die veynde der gnaden, die Pelagianer, gesagt haben 5. Wan aber die gnade dem menschen furgeht und volendet seyn werck, wirt das werck, das sunst nichts were, auß beywesen der gnaden etwas und ist vordinstlich. Also reden die catholici, die gemeyne christen, vom vordinste, wiewol die newen dogmatisten sie hie wollen straffen.

Dyß seynt die worth der confutation, do sie noch vnter der Theologen handen war, nicht weyß ich, wie sie darnach gemacht, Dar mit du offentlichen sehn mögest, wie die Theologi disen vierden artickel nicht vordammen, wie Phillips ane warheyt claget. Wer do wil halte diese worth der confutation gegen der Lutherischen vierden artickel, vnd erwege woll, wie weyt sie boyde voneinander seyn.

Weyter sagt die selbige confutation:

Das aber vnser vordinst etwas sey bey got durch gnade vnd barmhertzikeyt vnd vordinst des leydens Christi, beweyst S. Paul. sprechend 6: Ich [Bl. 7a] hab ein guthen streyt erstritten, den lauff hab ich volendet, den glauben hab ich gehalden, hyn furt ist mir behalten die coron der gerechtikeyt, die mir geben wirt der herre in dem Tage, ein gerechter richter. So hat Christus die seligkeyt vorheyschen denen, die gutes thun. Vnd Paulus spricht ?: ,Wyr mussen alle erscheynen fur dem richterstul Christi, uff das ein itelicher seyn lohn bekomme, wie

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1) A. R.: Joban. 3. 2) A. R.: Jacobi 1. 3) A. R.: 2. Cho. 3. 4) A. R.: Johan. 6. ) 5) A. R.: A Pelagianis procul sunt theologi catholici. 6) A. R.: 2. Thi. 4. 7) A. R.: 2. Chọ. 5.

ehr getrieben hat. Das selbig betreuget der Herr 1. Vnd zu Abraham sprach got: , Forche dich nicht, ich bin deyn beschirmer und deyn lohn sehr groß. 2. Deß gleichen Sprach Godt zu Cayn: ,Wo du guts wirts thun, saltu nicht wider entphahen? 3 Der haußvater dinget arbeyter in den weynbergk und sprach: hastu dich nicht mit mir vmb den teglichen groschen vortragen? Nym was dein ist 4. Vnd S. Paul sagt: ,Ein itzlicher wirth seyn eygen lohn bekommen noch seyner arbeyt. 5.

Hactenus confutatio ....

Weyter sagt die selbig confutatio, ER sey war, de wir in der schrifft nicht eynerley meynunge der vordinste spüren dan etliche guthe werck seyn vordinstlich, die do geschehen auß gotlicher bewegung durch die gnade, die do heyst preueniens, die furgehende gnade, und ist noch nicht die gnade, durch welche der mensche got wolgefellig wirt, vnd darumb wirt der selbige durch solche werck nicht wirdig der ewigen seligkeit. Alßo vordienet der häuptman Cornelius mith seynen almosen und gebethen, das der engel gottes zu yhm sprach: Dein gebeth und almosen seyndt kommen in gedechtniß vor got. Etliche thun guthe werck vnd seyndt wirdig zum ewigen leben nicht auß krafft der werck in sich, dan in dem wissen wir die stymme Christi: ,Wan yhr gethan habt alles was euch geboten ist, sprecht: wyr seyndt vnnütze knechte, (Bl. 7b) was wyr gethan, waren wyr schuldig. Aber solche vordinste seindt wirdig auß der gnaden gottes, wie die gerechten fromen sich durch gute werck wirdig machen zum ewigen Leben, wie Johannes spricht : , Sie werden mit mir wanderen inn weyssen kleyderen, dan sie seyndt op wirdig.' Und S. Paul spricht 6: , Mit freuden dancksaget godt dem vater, der vnß wirdig hat gemacht zum teyl des erbfalles der heiligen im lichte'. Diß haben wir kurtzlich vom vordinst antzeygen wollen wider alle die, bo wider solche offenbare schrifft unser vordinst leugknen. Darumb irret vngötlich Luther vnd Riger, die do sagen, das S. Paul sall niderstossen der Theologen meynunge vom vordinste, das sie heyssen congruum vnd condignum.

Hactenus confutatio.
Hie hastu, christlicher leser, was die Theologi vff den vier-

1) A. R.; Math. 16.
2) A. R.: Geness. 15.
3) A. R.: Geness 4.

R.: Math. 20.
5) A. R: 1. Cho. 3.
6) A. R.: Colloß. 1.

Zeitschr f. K.-G. XII, 1.

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