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der Seele eingeprägt hat. In der religiösen Phantasie ist das einst auf Golgatha gewesene Kreuz,

das Kruzifix der Vergangenheit, stetig gegenwärtig. Ja das Herz des Herrnhuters gleicht dem Altar, auf welchem dasselbe seit dem ersten Aufdämmern seines religiösen Bewusstseins aufgerichtet worden ist. Das Versöhnungsopfer wird in dem Gedächtnis wiederholt anders als nach der Lehre des römischen Katholicismus; wiederholt, nicht um durch Betrachtung dieser Marter sich selbst zu martern, dern um sich den Genuss der Seligkeit zu geben, der Seligkeit, welche in der Anschauung der sich erbarmenden, der in Blut und Wunden sich offenbarenden Liebe sich zu sättigen hat. - Es ist der sterbende Erlöser, in dessen geheimnisvollem Kreuzestode die ganze unendliche Spende der Erlösung ausgegossen ist.

Die Anschauung vom Christentume" - sagt ein neuerer Schriftsteller hat sich von seinem allgemeinsten Umfange auf einen immer engeren zusammengezogen, bis sie an das Konkreteste, Schärfste, Ergreifendste sich angeheftet hat,

an den Schlussakt des Dramas der Erscheinung Christi, welcher unmittelbar und vor aller Erklärung auf den Beschauer wirkt.“

8. Zinzendorfs eigene Reden kommen in mannigfachen Variationen auf dies eine Thema zurück, oder sie gehen von demselben aus. Er beschreibt das Beseligende dieses einen Seelenblicks, aber nicht in der Meinung, durch dieses Beschreiben das bis dahin noch geschlossene Auge Nichteingeweiheter sicher öffnen zu können. Hat er doch oft genug dargelegt, dass keinerlei Wort darauf vorbereiten, keinerlei Bekenntnis das selbst Geschaute auf andere übertragen könne. Weder die Wissenschaft mit ihrer Theorie, noch das Gesetz mit seinem Zwange, noch die methodistische Übung können dazu verhelfen. Alle Theologie gilt als ein lediglich gelehrtes Wissen ; sie vermag das Heiligtum des Glaubens nur zu behüten, nicht aufzuschliessen.

Gleichwohl hat Zinzendorf in Widerspruch hiermit theologisiert -- nicht in der glücklichsten Weise. Zur Strafe dafür, dass er versucht den Gedanken zu ächten: sind seine eigenen (Gedanken) denn wie hätte er ohne diese lehren können? — unter den Bann eines unreinen Mysticismus geraten.

Jenes hochheilige Geheimnis des Glaubens, seiner Natur nach geistlich, nach Zinzendorfs Urteil unsagbar, wird nichtsdestoweniger den Sinnen nahe gebracht in Bildern der derbsten Sinnlichkeit, noch dazu zuweilen ohne klares Bewusstsein von der Bildlichkeit.

Dies hat man ihm vorgeworfen zum Teil schon während seines Lebens. Ja man hat ihn verhöhnt, verfolgt, als der gefährlichsten Sektierer einen verlästert. Gleichwohl ist er, auf der anderen Seite mit schwärmerischem Enthusiasmus gefeiert, in der That ein Beweger der Seelen gewesen, wie wenige. Nicht bloss die Brüdergemeinde trägt – beziehungsweise – noch heute seine Signatur, sondern viele Tausende sind durch ihn überwältigt, welche darum doch nicht Herrnhuter geworden sind.

Indessen liest man heute diese Reden, so kann der Erfolg dessen, welcher sie dereinst gehalten hat, unbegreiflich erscheinen. Der Gedankeninhalt ist weder reich noch tief. Der Gegenstand wird in überaus ermüdender Breite unter schwer erträglichen Wiederholungen erörtert. Die Sprache ist ungelenk, - das geschmacklose Deutsch der Autoren dieser Zeit. Nirgends bemerkt man eine Spur der Anmut, nirgends den Schwung. Und doch berichten glaubwürdige Zeugen, dass Zinzendorf ein Redner gewesen ist – hinreissend und rührend, beschwichtigend und anziehend, sammelnd und zerstreuend wie nur einer in diesem Jahrhundert.

Diesen Widerspruch können wir uns nur lösen, wenn wir die Macht der Persönlichkeit erwägen.

Zinzendorf war ein Individualmensch, - als solchen offenbarte er sich auch als religiöser Improvisator. Seine Reden waren nicht durchdacht, sondern die in der frischesten Ursprünglichkeit erlebte, bewegte Seelenstimmung durchwogte noch das gesprochene Wort in dem Grade, dass man meinen konnte, sozusagen, das Rauschen derselben zu vernehmen. „Man hörte nicht einen Redner“, urteilt ein Augenzeuge, man sah in das Innere eines Menschen“ 1.

1) Schrautenbach, S. 65.

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20 REUTER, ZINZENDORF UND DIE BRÜDERGEMEINDE.

Auch das äussere fährt derselbe fort die Aktion, die Beredsamkeit des Leibes sowohl die Stimme als die Geberden war ihm so vollkommen natürlich eigen als der Effekt, den er zu erreichen bestimmt war.“ schwere Kunst den Accent zu legen, jede Stelle in ihrer Art zu sprechen und mit dem ihr eigenen Ausdruck des Anblicks, der Stimme und der gelegentlichen Bewegung des Körpers zu begleiten, ohne dass von dem allen auffallend etwas hervorstach, alles das lag in seinem Charakter. Leben, Seele, Harmonie bezeichnete alles, was er that.“

Wenn er einen Bischof weihete oder eine Ordination verrichtete, und die Hand auf hob, den Segen des Herrn und der Kirche auf den Mann zu legen, fuhr eine Bewegung durch die Gemeine.“

Soweit Karl Freiherr von Schrautenbach.

Man darf vielleicht sagen, Zinzendorf sei ein religiöser Virtuos gewesen, um damit das Bedeutende, aber zugleich das bedenklich Irrige, das Irrig - Exzentrische auszusagen. Denn die gesunde christliche Frömmigkeit soll niemals zur Kunst des Virtuosen werden, ihre Äusserung nie den Genuss bereiten, welcher durch eine künstlerische Leistung bewirkt werden kann.

Aber in diesem Virtuosen sahen wir doch das andächtige Gotteskind. - Ohne dieses Gotteskind, ohne Zinzendorf keine Brüdergemeinde, ohne die Brüdergemeinde kein „Herrnhuter höherer Ordnung“, wie Friedrich Schleiermacher sich selbst genannt hat.

Kritische Übersichten
über die kirchengeschichtlichen Arbeiten

der letzten Jahre.

1.

Geschichte des spanischen Protestantismus im

16. Jahrhundert.

Die Litteratur der Jahre 1848-1888.

Von

C. A. Wilkens,
Dr. theol. et phil. in Kalksburg bei Wien.

III. Bearbeitungen 1. A de Castro, Historia de los protestantes españoles y de la per

secucion por Felipe II. Cadiz 1851. 82. 2. B. B. Wiffen, Life and writings of Juan Valdes, otherwise Val

desso, Spanisch Reformer in the XVI Century. With a translation from the Italian of his CX considerations by J. T. Betts.

London 1865. 8. 3. E. Stern, A et J. de Valdes. Fragments de l'histoire de la

Reformation en Espagne et en Italie. Strassbourg 1869. 8. 4. Bibliotheca Wiffeniana. Spanish Reformers of two Centuries

1) Vgl. oben Bd. IX, S. 105 ff. u. 341 ff.

2) Unter dieser Nummer behandele ich die einschlagenden Abschnitte der Werke von Stirling, Mignet, de la Fuente, Lafuente, Ticknor, Prescott, Gachard.

from 1520. Their lives and writings according to the late B. B. Wiffens plan and with the use of his materials described by

E. Boehmer. Strassburg and London I 1874, II 1883. 8. 5. Firmin Caballero, Conquenses ilustres, T. IV. Alfonso y Juan

de Valdes. Madrid 1875. 8. 6. J. H. Merle d’Aubigné, Les martyrs de l'Espagne in der Hi

stoire de la Reformation en Europe au temps du Calvin. T. VIII.

Paris 1878. 8. 7. M. Carrasco, Alfonso et Juan de Valdes. Leur vie et leurs écrits

religieux. Genève 1880. 8. 8. M. Droin, Histoire de la Reformation en Espagne. Lausanne

et Paris 1880. 2 T. 8. 9. M. Menendez y Pelayo, Historia de los heterodoxos españoles.

Madrid I, II 1880, III 1882. 8. 10. H. Tollin, Cassiodoro de Reina. Etude biographique: Bulletin

historique et litteraire de la Société de l'Histoire du Protestan

tisme français. T. XXXII. Paris 1883. 8. 11. J. Lassalle, La Reforme en Espagne au XVI siècle. Etude hi

storique et critique sur les Reformateurs espagnols. Paris

1883. 8. 12. A Morel - Fatio, Recherches sur Lazarille de Tormes in den

Etudes sur l'Espagne. Paris 1888. 8. 13. C. A. Wilkens, Geschichte des spanischen Protestantismus im

16. Jahrhundert. Gütersloh 1888. 8.

Wie die Maurenkönige den toten Cid fürchtete das heilige Gericht die besiegten Reformistas. Der Eifer, alle Spuren ketzerischer ,,Schelmerei“ zu tilgen, verfolgte selbst eine Spukgeschichte in Cardans Subtilitates, weil Doctor Constantino sie erzählt hatte. Die Grossmacht war klein geworden. Der Name des Grossinquisitors hatte die Subskribentenliste der französischen Encyklopädie geschmückt. Der Verstörer war selbst verstört. Da wagte J. A. Llorente die Histoire critique de l'inquisition de l'Espagne 1817, 4 T. Das Standardwork ist noch nicht antiquiert. Ergänzendes geben A Millares, Historia de la Inquisicion en las Islas Canarias 1874, 4 T; J. T. Medina, Historia del tribunal del santo oficio de la Inquisicion de Lima 1886, T. I; I Melgares Marin, Procedimientos de la Inquisicion, persecuciones religiosas, origen y caracter eclesiastico de la

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