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kann dem Text dieser Ketzergesetze keine Bedeutung für die Stellung der Arnoldisten zugeschrieben werden.

Ferner werden die Arnoldisten als selbständige Sekte von Stephan von Bourbon erwähnt. Der Herausgeber Lecoy de la Marche weist in der Einleitung darauf hin, dals Stephan sein Werk zwischen 1249 und seinem Tode 1261 verfasst habe, dass seine Nachrichten aber über die Ketzer der Zeit zuzuschreiben sind, in welcher er etwa fünfundzwanzig Jahre vorher als Prediger und Inquisitor im östlichen und südöstlichen Frankreich gewirkt hat'. Stephan erzählt, dass ein in Jonvelle an der Saône im heutigen Departement Saône-haute gefangener Waldenser der französischen Stammgruppe, der achtzehn Jahre von seiner Heimat abwesend war, um in der Gegend von Mailand die waldensische Lehre zu studieren, ihm mitgeteilt habe, dass er siebzehn verschiedene Sekten in der Umgebung Mailands kennen gelernt habe. Unter den elf namentlich bezeichneten befinden sich auch die Arnoldisten. Die auffällige Unterscheidung der pauperes de Lugduno, der pauperes de Lumbardia und der Leonistae in diesem Berichte wollen wir keiner Kritik unterwerfen 3; aber die hier vertretene Auffassung von der Selbständigkeit der Arnoldisten gegenüber den pauperes de Lumbardia kann nichts gegen unsere Ansicht beweisen, denn die Mitteilung des Waldensers bezieht sich auf eine Zeit, als der Vorgang der Vereinigung zwischen Arnoldisten und lombardischen Armen sich eben vollzog, die Auffassung der Arnoldisten als selbständiger Sekte also immerhin noch möglich war.

1) Vgl. was Stephan S. 294 selbst sagt: Cum ego praedicarem in civitate Valenciae, antequam ego multum scirem de factis eorum et antequam mihi esset commissum officium inquisicionis eorum, jam viginti quinque annis elapsis.

2) S. 279: Prima, de qua ipse erat, dicebatur pauperes de Lugduno Item pauperes de Lumbardia . . Item alii dicti Tortolani Alii communicati dicebantur Alii rebaptizati ... Item Arnaldiste, Speroniste, Leoniste, Cathari, Paterini, Manichei sive Burgari.

3) Vgl. Ha upt, Waldensia in dieser Zeitschrift für Kirchengeschichte X (1889), S. 312.

Dagegen stimmt mit unserer Auffassung der zwischen 1256 und 1272 von dem wohlunterrichteten Franziskaner David von Augsburg auf Grund seiner als Ketzerrichter gemachten Erfahrungen für Inquisitoren niedergeschriebene Traktat überein, in dem die Arnoldisten neben den Ortliebern und Runkariern ganz bestimmt nur als Zweig der Waldenser bezeichnet werden ".

Auffallend ist es, dass in dieser Schrift der Name der Arnoldisten in das sinnlose Arnostuste verwandelt erscheint. Demnach war dem Schreiber der Handschrift diese Sekte unbekannt, und es ist anzunehmen, dass die Sekte als solche überhaupt keine Verbreitung in Deutschland gefunden habe, wenn auch der Schüler David's von Augsburg, der Minorit Berthold von Regensburg in seiner Predigt ,,Saelic sint die reines herzen sint“ neben anderen auch die Arnolder nennt ?, deren Namen er vielleicht, wie Charles Schmidt vermutet 3, aus den Ketzergesetzen Friedrich’s II. kennen gelernt hat.

Wie kommt es aber, dass Durandus, dessen Werk zu einer Zeit, da die Arnoldisten sich längst mit den lombardischen Armen vereinigt hatten, vollendet wurde, noch von Arnoldisten sprechen konnte? K. Müller führt die Ansicht aus, dass unter diesen Arnoldisten vielleicht die lombardischen Armen mit ihren Verzweigungen überhaupt zu verstehen seien 4. Abgesehen davon, dass diese Ansicht durch keinen Quellenbeweis gestützt werden kann, Durandus vielmehr, wenn er die Eigentümlichkeiten der Lombarden darstellen wollte, doch gewiss noch von anderen Dingen als von der Taufe und Wirkung der Sakramente allein zu reden gehabt hätte, widerspricht sie auch der Thatsache, dass des Durandus' Bericht mit dem übereinstimmt, was

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1) S. 216: Cum olim una secta fuisse dicantur Pouve: Leun et Ortidiebarii et Arnostuste et Runcharii et Waltenses et alii. Auch bei Döllinger II, 317 ff. abgedruckt.

2) Pfeiffer-Strobl, Berthold von Regensburg (Wien 1862 u. 1880) I, 208.

3) a. a. 0. II, 293.
4) a. a. 0. S. 58.

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Otto von Freising, der unbekannte Dichter der gesta di Frederico I über Arnold selbst und Bonacursus über die Arnoldisten mitteilen. Es ist nicht anders, wenn Durandus die Arnoldisten erwähnt, so redet er von der durch Arnold von Brescia gestifteten Sekte. Die Antwort auf die Frage muss also anders lauten; sie ist gegeben, wenn wir uns über den Zweck klar werden, welchen Durandus mit seinem Buche verfolgte. Er giebt eine Darstellung des sogen. jus liturgicum; dabei kann er geschichtliche Rückblicke nicht vermeiden, und wenn er von den Arnoldisten spricht, so ist die Annahme, dass er von einer zu seiner Zeit noch verbreiteten Sekte redet, nicht nötig. Er teilt eben Anschauungen über sakramentale Handlungen mit, welche durch die Arnoldisten unter der abendländischen Christenheit verbreitet worden sind. Daraus folgt, dass Durandus die Existenz der arnoldistischen Sekte zu seiner Zeit nicht behauptet, unserer Ansicht also nicht im Wege steht.

Die mangelhafte Beschaffenheit des Quellenmaterials hat die Beantwortung aller Fragen, welche sich über die Arnoldisten aufdrängen könnten, nicht ermöglicht. Doch bat die Untersuchung ergeben, dass die in den Quellen des 12. und 13. Jahrhunderts mehrfach erwähnte Sekte der Arnoldisten unzweifelhaft von Arnold von Brescia und zwar in Rom gestiftet worden ist. Von hier verbreitete sie sich auch über Oberitalien, wo Arnold durch seine friihere Thätigkeit bereits Anhänger erworben hatte. Hier wurden durch ähnliche Bestrebungen und gemeinsame Not gewisse Kreise der Humiliaten veranlasst, sich nach 1179 dem Verein des Waldes anzuschliessen. Aus dieser Verbindung entstand ein neuer Zweig, der sich von der französischen Stammgenossenschaft trennte. Während der vor sich gehenden Trennung nahm der Zweig der lombardischen Armen die Arnoldisten in sich auf, indem er dieses Element nicht einfach aufsog, sondern von demselben ein bestimmtes Gepräge empfing und in eine noch schroffere Stellung gegen Rom gedrängt wurde.

Zeitschi, f. K -G. XII, 3. 4.

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Antonius von Padu a.

Von
Eduard Lempp,
Pfarrer iu Oberiflingen, Württemberg.

III 1.
Leben und Wirken.

1. Jugend und Zeit der Verborgenheit. Als im Jahr 1231 der Bruder Antonius von den Minoriten in Padua starb, wusste man über seine Herkunft und seine Familienverhältnisse wohl fast nichts, als dass er aus dem fernen Lissabon stammte. Seit seinem Eintritt in den Orden hatte die Heimat für Antonius nicht mehr existiert. Man wandte sich daher nach seinem Tode an den Bischof von Lissabon, Soeiro Viegas II., der damals gerade in Italien bei der Kurie weilte, und konnte dort einiges erfahren, aber offenbar wusste auch er wenig: die ältesten Nachrichten, die wir über Antonius' Jugend haben, sind kurz.

In einem durch die Maurenkämpfe und vor allem damals durch die grossen Siege bei Santarem und Navas de Tolosa leidenschaftlich erregten Lande ist Antonius geboren und aufgewachsen. Seine Eltern gehörten dem vornehmen Ritterstande Portugals an? Überliefert ist uns von ihnen nur

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1) S. diese Zeitschrift Bd. XI, S. 177 ff. und 503 ff.

2) Rolandin (Muratori, Scr. it., T. VIII) I. III, cap. 5: „ qui fuit de genere nobilium“, vgl. Legende S. c. I.

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der Name des Vaters Martin und der Mutter Maria, sowie einer Schwester des Heiligen, Maria Martini. Über das Todesjahr der Eltern besteht keine Tradition (vom Grab der Mutter nur eine sehr unsichere), aber sicher ist, dass sie sehr frühe starben; die Schwester ist 1235 gestorben und in S. Michael zu Lissabon begraben ? Ob die auf undatierte Einträge in Lissaboner Anniversarien und eine späte portugiesische Quelle gegründete Vermutung, dass der Name des Geschlechts Bulhom (portug. Form für Bouillon) gewesen sei, historischen Grund hat, ist kaum auszumachen ? Ein

1) Legende S. c. I. Es ist freilich die Frage, aus welcher Zeit diese Notiz stammt, doch dürfte in solchen einfachen Zusätzen auch einer eventuell etwas späteren Tradition zu glauben sein.

2) Azevedo hat der zweiten Auflage seines Buches S. 425 ff. die Arbeit eines portugiesischen Domherren über die Genealogie des Antonius angehängt, in welcher verschiedene Dokumente aus Totenbüchern und Jahrzeitbüchern Lissabons beigebracht sind. In derselben wird eine Grabinschrift der Mutter des Antonius aus der alten Kathedrale zu Lissabon erwähnt, die aber durch einen falschen Bischofsnamen verdächtigt wird. Nach Pacheco war das Grab der Mutter des Heiligen im Augustinerkloster, S. Salvagnini S. 9 Anm. 1. Dass die Eltern des Antonius schon frühe gestorben waren, dafür spricht schon das Fehlen jeder Tradition über sie und ihr Grab, es wird aber noch ausdrücklich bezeugt durch Leg. B., c. I, num. 1: „venerabiles B. Antonii parentes non longe manentes“. Wenn Sicco Polentone bei dem im 15. Lebensjahr des Heiligen erfolgten Übertritt ins Augustinerkloster sagt „jam diem parentes obierant“, so kann er dafür vielleicht noch eine andere Quelle als B gehabt haben. Jedenfalls sind die Gründe, mit denen Azevedo Diss. XXXVII die Behauptung Sicco's bestreitet, nicht der Widerlegung wert (vgl. Azzoguidi fol. XLII, not. 12). Über die Schwester des Antonius 8. Azevedo S. 433 den Eintrag im Totenregister zu S. Michael: duodecimo Kal. Martii obiit Maria Martini, soror Sancti Antonii, Era MCCLXXIII.

3) Das Patronym Martini (port. Martins) scheint mir für Antonius genügend bezeugt durch die Chronik der XXIV Generale (ca 1374), s. die Stelle bei Salvagnini S. 13 Anm. 1 und den Namen seiner Schwester. Es findet sich nun nach der angeführten Arbeit in Azevedo S. 426 ein Anniversar an der Kathedrale zu Lissabon für einen Vincenz Martins, genannt Bulhom, gestiftet von seinem Sohn Martin Bulhom. Ausserdem sind in den Kirchenbüchern der Kathedrale Einträge, welche einen Martin Martins und seinen Bruder Do

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