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lassung gewesen, die frühere Anwesenheit des Heiligen zu vermuten, und man weiss ja, dass die Mönche wenig skrupulös gewesen sind, wo es galt, ihrem Kloster die Ehre zuzuschreiben, von einem Heiligen besucht oder gegründet gewesen zu sein, in vielen Fällen giebt aber der Urheber Angelico als Quelle auch einfach eine ferma tradizione“ oder valide conghietture“ an; die eigene Phantasie war jedenfalls für ihn die fruchtbarste Quelle, vgl. z. B. die Schilderung 1. I, c. 15.

Über Hans Denck

von

Dr. Ludwig Schwabe 1.

Die letzte umfassendere Monographie, welche sich mit dem Leben und den Schriften des reformationszeitalterlichen Wiedertäufers Hans Denck befasst, ist die von Ludwig

1

1) Der Verfasser dieses mir am 15. November v. J. übersandten Beitrages, Sekretär am königl. Hauptstaatsarchiv in Dresden, ist uns am 2. Januar durch einen frühen Tod entrissen. Geboren am 16. Juli 1861 als Sohn des Diakonus Wilhelm Schwabe zu Theuma bei Plauen i/V., bezog er 1880 die Universität Leipzig, wo er unter der Leitung von Karl von Noorden und Wilh. Arndt Geschichte studierte. Nach Abschluss seiner Studien erhielt er als Privatsekretär Anstellung bei dem Prof. Freiherr Karl von Richthofen in Berlin, dem er bei Fertigstellung seiner Untersuchungen zur friesischen Rechtsgeschichte“ an die Hand gehen sollte. In dieser Stellung blieb er über zwei Jahre, während er zugleich an den historischen Übungen Julius Weizsäcker's teilnahm. 1886 promovierte er in Leipzig mit seinen wertvollen „Studien zur Geschichte des zweiten Abendmahlsstreites“ (s. diese Zeitschrift X, 485). Dem Hauptstaatsarchiv in Dresden gehörte er seit dem Jahre 1887 an. Das , Dresd. Journ.“ schreibt unter dem 5. Januar: „Plichttreue im Amte, stete Bereitwilligkeit, wo es galt, wissenschaftliche Bestrebungen zu unterstützen, vielseitige Bildung, persönliche Liebenswürdigkeit - solche Züge

, werden sein Andenken allen denen wert bleiben lassen, die dienstlich oder ausserdienstlich mit ihm in Verkehr traten. Ein grösseres wissenschaftliches Werk, welches das urkundliche und aktliche Material zur Geschichte Herzogs Georg des Bärtigen enthalten sollte, hat er leider unvollendet hinterlassen. Dass er auf dem Gebiete der kirchlichpolitischen Geschichte Sachsens im 16. und 17. Jahrhunderte in hohem Grade zuhause war, beweisen seine Aufsätze ,Kursachsen und die

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Keller, Ein Apostel der Wiedertäufer, Leipzig 1882. Keller giebt S. 253 diejenigen Archive und Bibliotheken an, die er nach Schriften Denck's und sonstigen Materialien zu seiner Geschichte durchforscht hat: unter ihnen fehlt die Königliche Öffentliche Bibliothek zu Dresden. Der Zweck der folgenden Blätter ist, nach den dortselbst vorhandenen Drucken Denck'scher Schriften die bibliographischen und sonstigen Angaben Keller's zu ergänzen und teilweise zu berichtigen, und namentlich einen von Keller zur Zeit der Abfassuvg seiner Monographie noch nicht gekannten, in mancher Hinsicht jedoch besonders wichtigen Traktat Denck's dem Wortlaut nach bekannt zu machen.

Auf der Dresdener Bibliothek werden im ganzen vier Bändchen aufbewahrt, welche Drucke Denck'scher Schriften enthalten. Davon können wir zwei unerörtert lassen, sie sind beide bereits nach anderweiten Exemplaren von Keller benutzt und eingehend beschrieben. Das eine (Hist. eccles. E. 251, 4) ist eine Einzelangabe des im Jahre 1526 erschienenen Traktats „Vom gsatz gottes“ (vgl. Keller a. a. 0. S. 242, No. 4), das andere jener Sammelband vom Jahr 1550, welcher neben dem soeben genannten Traktat auch die Schrift „Von der waren Liebe“ und den kleinen Aufsatz

Wellicher die warhait warlich lieb hatt mag sich hierinn brüfen" enthält (vgl. Keller a. a. O., S. 241-243, No. 1. 4 und 5).

Wichtiger ist ein drittes Bändchen (Theol. cath. B. 862), welches drei Ausgaben Denck'scher Schriften in sich vereinigt, die nach Druckweise, Orthographie und Format offenbar derselben Offizin entstammen. Sie sind mit drei Traktaten eines anderen Wiedertäufers, des Johannes

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Verhandlungen über den Augsburger Religionsfrieden' und , Kursächsische Kirchenpolitik im Dreissigjährigen Kriege' im 10. und 11. Bande des N. Archivs für sächs. Geschichte, die dauernden Wert beanspruchen können. Die vaterländische Geschichtsforschung hat den Verlust des jungen Gelehrten schmerzlich zu beklagen Ihm ist auch sonst ein dankbares Andenken gesichert. Leipzig, den 12. Januar 1891.

Th. Brieger.

Bünderlin von Linz ', zusammengebunden und ebenso wie diese durchweg von einer Hand des 16. Jahrhunderts mit Randbemerkungen in niederdeutscher Sprache versehen. . Mehrere Notizen auf den Titelblättern beweisen, dass das Bändchen im 16. und 17. Jahrhundert sich in Besitz der niederdeutschen Theologenfamilie Baring befand: im Jahre 1651 besass es Henning Baring, vielleicht ein Bruder, jedenfalls ein Verwandter des als Bekämpfer der Mennoniten bekannten Pfarrers Nicolaus Baring in Hannover? Die in dem Sammelband enthaltenen Ausgaben Denck'scher Schriften sind folgende:

1. Ein Oktavbändchen von sechs Bogen (48 Blättern) mit der Aufschrift:

Innhalt diss büchlins,
Ob Gott eyn ursach sei des bösens.
Wie das Gesatz auffgehabenn sei
und doch erfüllet werden muss.

Hans Dengk.
Ordnungk der ankunfft des waren

glaubens.
Jörg Haugk von Juchsen.

M.D.XXVII. Es enthält also die von Keller S. 241 f. unter 2 und 4 angeführten Schriften „Was gered sei, das die Schrifft sagt, Gott thue und mache guts und böses“ und „Vom Gesatz Gottes“, ausserdem die gleichfalls von Keller p. 246 angeführte Schrift des Jörg Haugk von Juchsen „Eyn Christliche Ordenung eynes warhafftigen Christen zu verantwurten die ankunfft seines glaubens“. Soviel ich erkennen kann,

1) Es sind die drei schon bekannten Bünderlin’schen Schriften, darunter der Traktat über die Taufe, welcher, so viel ich sehe, bislang nur in einem einzigen Exemplar, dem auf der Universitätsbibliothek zu Utrecht, benutzt worden ist. Vgl. Zur Linden, Melchior Hofmann (Leipzig 1885), S. 25, Note 2.

Zur Litteratur über Bünderlin s. Keller, Joh. v. Staupitz, S. 339, Note 1.

2) Über die Barings vgl. Schmersahl, Zuverlässige Nachrichten von jüngstverstorbenen Gelehrten (Zelle 1748), I, p. 199 ff.

ist Keller dieser Druck unbekannt geblieben. Von Wichtigkeit ist er insofern, als hier wohl zum erstenmal das Werkchen des Jörg Haugk, das sonst des öfteren dem Denck selbst zugeschrieben worden ist, mit Schriften des letzteren zugleich genannt und abgedruckt wurde. Keller, Johann von Staupitz und die Anfänge der Reformation, S. 212, giebt an, dass die erste Ausgabe der Haugk'schen Schrift im Jahre 1526 erschien.

2. Ein Einzeldruck der von Keller S. 242 unter Nr. 3 genannten Schrift Denck's: „Ordnung Gottes und der Creaturen werck“. Es scheint dieselbe Ausgabe zu sein, die Keller beschreibt: wenigstens stimmt der von ihm angegebene Titel und die Blätterzahl mit der des Dresdener Exemplars überein.

3. H. Dencken wid'ruff“, vgl. Keller, S. 244, Nr. 6. Der Titel stimmt mit dem von Keller angegebenen nicht buchstäblich überein: ich vermute, dass wir es hier mit der von ihm erwähnten aber nicht eingesehenen Augsburger Ausgabe von 1532 zu thun haben. Es ginge daraus hervor, dass auch die beiden anderen Drucke unseres Sammelbandes einer Augsburger Druckerei entstammten, eine Annahme, für die auch sonstige Anhaltepunkte sprechen dürften.

Das nach dem heutigen Stand unserer Kenntnisse über Denck ungleich wichtigste Stück der Dresdener Bibliothek ist nun aber ein viertes Bändchen (Sect. Christ. 958), welches eine vollständige Sammlung aller bis jetzt bekannt gewordenen Schriften Denck's enthält, zugleich mit dem soeben erwähnten Schriftchen des Jörg Haugk von Juchsen, und ausserdem jenen verloren geglaubten Traktat Denck's, von dem wir schon oben sprachen. Es erschien im Jahr 1680 angeblich in Amsterdam und führt den Titel: „Geistliches Blumengärtlein bestehend in sechs erbaulichen alten Theologischen Tractätlein deren Verzeichnus auf folgendem

1 Blat zu finden. Ambsterdam | Gedruckt im Jahr 1690". Direkt benutzt worden ist es bisher nur durch Füsslin, Beiträge zur Reformationsgeschichte des Schweizerlandes I, 298; III, 317 und V, 371 und von Arnold, Kirchen

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