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Liecht für ein Gemeinschafft mit der Finsternus, wie stimmet Christus mit Belial, oder was für einen theil hat der Glaubige mit dem Unglaubigen, was hat der Tempel Gottes für ein Gleichnus mit den Götzen? Wir aber seynd der Tempel des lebendigen Gottes; wie Gott spricht: Ich will in euch wohnen und wandeln, und will euer Gott seyn, und ihr solt mein Volck seyn; gehet aus mitten von ibnen, absondert euch, spricht der HErr, und rühret kein unreines an, so will ich euch annehmen, und euer Vater seyn, und ihr sollet meine Söhne und Töchter seyn, spricht der allmächtige HErr. Von diesem Ausgang oder Beschneidung ist je das glaubige Ehetheil nicht ausgenommen, sondern gleich mit einander begriffen, solches zu thun. Wilt du aber sagen, dass das Ausgehen geistlich geschehen solle, und nicht mit den Füssen sondern mit dem Hertzen, so wisse, dass welcher Geist von der Welt und ihrem gottlosen Leben auskebret, und sich mit dem Volck Gottes vereinbahret, der wird mit den Füssen dasselb auch nicht spahren, weil sich gleich und gleich zusammen gesellet, auch ein jeder gleichet zu seinem Nächsten. So wird ein solcher Mensch sich auch zum Volck Gottes verfügen, so viel er kan und mag; hat er nun das grössest geistlicher weiss gethan, so wird er leiblich, als das kleinest auch nicht unterlassen, weil es zusammen gehöret, und beedes beysammen seyn muss; wie dann auch Abraham that, da er von Gott beruffen ward, ob er schon mit dem Hertzen vorbin von den Caldeischen Götzen sich abgewendet, und ein Scheu vor denselben gehabt hat, dessgleichen Loth an dem Leben der Sodomiter, wie auch der Apostel Paulus an dem falschen Gottesdienst der Epheser und ihren Aberglauben, welche als die Verstockten wider die Lebr Christi and Pauli ūbel redeten und lästerten, da giengen sie alle aus, und absonderten die Jünger; welches je noch seyn soll und muss. Will man nach Gottes Geheiss und Willen leben, und seelig werden, so müssen sich die Glieder des Leibs Christi zusammen halten und mit ihm gen Himmel fabren. Das ist der Grund heiliger Schrifft aufs kürtzest dieses Artickels halben, und hat, wie auch vorgemeldet diesen Beschluss: Dass der Bund mit GOTT tausendmal mehr gilt, dann der Bund mit der Ehe, zwischen den Menschen.

VI. Eine schöne Bekandtnus der drey Artickeln des Christlichen Apostolischen Glaubens, Gesangs

weiss Wir glauben in den einigen GOTT | und lieben ihn von Hertzen der in den Himmel Wohnung hat | sih't allen unsern

1) Wackernagel a. a. 0. III, S. 548, Nr. 597. 598 giebt den

Schmertzen , der alle Ding allein erhält , vor ihm muss alles seyn gütig und mild | gegen aller Welt ein Vater aller Frommon niemand der je auf Erden kam möcht seinem Gwald entrinnen; Allmächtig ist sein hoher Nam | kein Stärck thut ihm zerrinnen. Er siehet des Hertzens Heimligkeit gar tieff in das verborgen | ja tausend Jahr vor ihm geraith | ist wie der gesterig Morgen; | Mit einem Wort hat Er gemacht, den Himmel und die Erden | das Meer wie Er das hat bedacht | und was immer mocht werden, das Firmament zu allerhöchst | der Wasser unterscheiden | alles was aus der Erden wächst das Blümlein auf der Heyden auch Sonn und Mond und alle Stern | die Tag und Nacht beleuchten | was fliegt und schwimt im Wasser gern und wohnet in der Feichten | das Vieh und die menschlich Figur wie uns die Schrifft versehen / die Geist- und Englisch Creatur | und was man nicht kan sehen | ist als von ihm geschehen.

Wir glauben auch in JEsum Christ | den HERRN auserkohren der warlich ein Sohn Gottes ist | und heist der Eingeboren | sein Ursprung längst vom Vater war | eh dass die Welt angefangen vom Liecht ein Glantz gar hell und klar | von GOtt ist er ausgangen geboren, doch beschaffen nie | dem Vater gleich im Wesen | durch den alle Ding gemachet je | in ihm solt alles genesen | Er kam vom Himmel auf die Erd | umb unser aller Willen | niemand hat das von ihm begehrt den Jammer wolt Er stillen; Er ward ins Fleisch vom Heiligen Geist aus Maria der Reinen | in armer Gestalt am allermeist | ein Mensch wie andere gmeine für unser Sünd ans Creutz gehenckt | bei Pontio Pilato | gestorben in ins Grab gesenckt und wieder von dem Tod erstanden an dem dritten Tag | wie das vorhin geschrieben / gestiegen auf, wie Er vermag | gen Himmel und da blieben. | Er sitzt za dos Vatern rechten Hand | bald wird Er wieder kommen | herrlich zu richten alle Land | die Bösen und die Frommen seins Reichs wird seyn kein Sonnen.

Wir glauben auch in Heiligen Geist | die heimlich Gottes Kraffte , der aller Heiligen Hertzen weist | gibt ihn geistlichen Saffte. | Er kommt vom Vater und dem Sohn / und würkt in uns das Leben | dass wir zugleich anbeten thun | Göttliche Ehr ihm geben | Er ist, der etwan hat geredt | durch die heiligen Propheten vom Heyl das jetzt auf Erden geht durch Christum den getödten. Bekennen auch in allgemein | ein Apostolische

ursprünglichen Text des Liedes unter dem Titel: „Der Gelaub gesangs weyss“. Es entstammt nach ihm der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, der Autor ist unbekannt: in veränderter Form ist es in das Gesangbuch der Wiedertäufer übergegangen. Unser Text steht der ursprünglichen Fassung bedeutend näher wie der Überarbeitung des wiedertäuferischen Gesangbuchs.

Kirchen, die durch den Heiligen Geist allein | besteht | und last ihn würcken / ein Glaub, ein Tauff, durch den wir soyn gewaschen von den Sünden mit gutem Gewissen gehen einher | mit Gott wir seyn verbunden | ein Leib, ein Geist, ein HErr, ein GOTT | durch seine Wort, die zarten zu einer Hoffnung beruffen hat uns all, die wie wir jetzt warten | auf die verheissne Herrligkeit nach der thut uns verlangen / den wird der Tod in Ewigkeit | verschlungen und gefangen; / die Todten werden auferstehn die in der Erd allsammen jetzt liegen, werden fürher gehn der erkennt all ihr Namen und ewiges Leben, Amen.

Zeitschr. I. K.-G. XII, 3. 4.

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Wiklif als Bibelübersetzer.

Von

Cand. theol. Erich Förster

in Berlin.

Lechler hat bekanntlich in seiner Wiklif biographie behauptet, dass Wiklif in seiner Beurteilung und Anwendung der heiligen Schrift wenigstens in der letzten und bedeutsamsten Periode seines Lebens fast völlig auf dem Boden der lutherischen Reformation gestanden habe. Er meint, es finde sich bei Wiklif unverkennbar schon das formale Prinzip des Protestantismus ausgesprochen, er lasse sich bei der Auslegung der Schrift weniger durch den consensus patrum als durch die Leitung des heiligen Geistes bestimmen, d. h. er lege die Schrift aus der Schrift aus U. S. w. 1. Lechler hat diese Behauptung durch eine grosse Zahl von Citaten aus Wiklif's Schriften zu begründen gesucht.

Abgesehen von der Frage, ob diese Betonung des Schriftprinzips als des formalen Grundprinzips des Protestantismus ganz ohne Rücksicht auf den Inhalt der aus der Schrift geschöpften Erkenntnis wirklich ein richtiges Bild von der reformatorischen Schätzung der Schrift giebt, dürfte zweifelhaft sein, ob Lechler's Urteil dem Sachverhalt entspricht. Ist Wiklif's Auffassung von der Schrift wirklich eine neue, von der der „Väter“ und der mittelalterlichen Gegner des Papsttums prinzipiell unterschiedene, oder ist sie

es

1) Johann von Wiklif und die Vorgeschichte der Reformation I, 478 ff. Leipzig, Fleischer, 1873.

nicht wesentlich nur eine aus verschiedenen Elementen der im Mittelalter herrschenden Schriftauffassung zusammengefügte, also im Grunde katholische ?

Auf diese Frage wird man auf drei verschiedenen Wegen Antwort zu suchen haben. Erstens werden alle die Stellen zu sammeln und zu beurteilen sein, an denen Wiklif selbst über die Schrift handelt. Das ist im ganzen der Weg, den Lechler verfolgt hat. Zweitens

wird man

sich fragen müssen, inwieweit der praktische Schriftgebrauch Wiklif's seiner Theorie entspricht, d. h. ob er die Schrift anders anwendet und auslegt als die Väter. Es giebt aber noch einen dritten Weg: Man wird Wiklif's Bibelübersetzung zu prüfen haben, ob sich nicht daraus eine neue Erkenntnis einzelner Schriftstellen ergiebt. Dieser Weg wäre freilich dann wenig aussichtsvoll, wenn Wiklif's Bibelübersetzung nur eine wörtliche Übertragung der Vulgata wäre, denn dann böte sie keinen Raum für Wiklif's eigenes Urteil. In Wahrbeit ist es aber nicht so. Sondern die Wiklit'sche Bibelübersetzung ist, wie wir noch genauer sehen werden, überaus reich an erläuternden Zusätzen, in denen sich des Übersetzers eigenes Bibelverständnis klar wiederspiegelt.

Es ist das Verdienst eines römischen Theologen, W. Bender, in einer zum Wiklifjubiläum erschienenen Schrift diesen letzten Weg zur Beantwortung der Frage nach dem Charakter des Wiklif'schen Schriftverständnisses eingeschlagen zu haben. Das Ergebnis, zu dem er so gelangt, ist im wesentlichen dasselbe, wie das Lechler's: Er findet in der Bibelübersetzung, wie Lechler in den anderen Schriften ein neues, von den Lehren der Väter und der mittelalterlichen Kirche völlig abweichendes Schriftverständnis niedergelegt. Nur darin weicht er von Lechler ab, dass er gemäss seinem ultramontanen Standpunkte diese neue Anschauung als revolutionär und äusserst verderblich, ja, als eine dem richtigen Schriftverständnis straks zuwiderlaufende absichtliche Fälschung Wiklif's kennzeichnet, während der evangelische

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1) Der Reformator Johann Wiklif als Bibelübersetzer. Mainz, Kirchheim.

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