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Sache gehört, scheinen mir kein Unglück. Gern hätte ich den Lesern noch mehrere bereitet. Leider konnte ich für diesen Zweck K. Justis Diego Velasquez und sein Jahrhundert 1888, 2 Bde., F. A. von Langg's El Dorado 1888, C. Balan's Clemente VII. e l'Italia de' suoi tempi 1888, nicht mehr benutzen. Wer eine so geradlinige Schreibweise wünscht, wie sie eine Arbeit über die Pandektenfragmente des Modestinus oder den römischen Formularprozess fordern würde, muss sie bei mir schmerzlich vermissen. Ehrlich habe ich mein christlich - kirchliches Urteil ausgesprochen. Mag es mir immerhin Ungunst eintragen. Es wäre eine schlimme Arbeitsteilung für die Reformationsgeschichte, wenn wir das Lob, die Katholiken den Tadel besorgten. Freilich eifrig genug widmen sich diese, scharfsinnig für den Splitter in des Bruders Auge, dem Geschäfte. „Das Evangelium“ missbilligend oder missverstehend, betrübt durch erlittenes Unrecht, zürnen sie über Unthaten, womit die Sünde die Reformation hundertfältig befleckt hat. Um der historischen Treue willen habe ich Polemisches im Stile Fischarts nicht zurückgehalten, so wenig es auch Billigung verdient. Unser Arsenal trage die Inschrift: sie freut sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freut sich aber der Wahrheit. Es enthalte kein Kriegsmaterial, das nicht im Feuer der Kritik siebenmal erprobt ist. Was helfen den katholischen Streitern die erlogenen Schmutzanekdoten aus Luther's und Calvin's Leben? Was helfen uns pikante Geschichten von spanischen Professoren der Theologie, die nie von einem Römerbriefe hörten, wie sie G. Borrow's Bible in Spain auftischt? Kardinal Wisemann hat bewiesen, dass sie erlogen sind. Wohl wird uns Gerechtigkeit, Billigkeit, Milde nicht mit Gleichem vergolten. Das darf uns nicht irre machen. Ich wollte, dass ich so einfältig auf Jesu Sache wäre wie Ignatius Loyola, hat Oetinger gesagt. Dieses Wortes haben wir uns nicht zu schämen. Droin hatte die Hoffnung ausgesprochen, die Archive des Vatikan, des Jesuitenordens, der Klöster würden noch einen Schatz wichtiger Dokumente zur Geschichte des spanischen Protestantismus gewähren. Sie ist nicht erfüllt. Menendez hat die übrigen Brocken gesammelt, dass nichts umkomme. Dem Defensor fidei war alles Vorhandene zugänglich. Verglichen mit den urkundlichen Funden in Pastor's Geschichte der Päpste, oder Schottmüller's Untergang des Templerordens, erscheint der Erwerb an neuen Resultaten nicht sehr gross. Es wäre ein Irrtum zu meinen, durch Usoz, Wiffen’s, Böhmer's, Menendez' Entdeckungen sei uns ein überreiches Material geworden und eine Kenntnis der Entstehung, des Fortganges, der Führer, der Mitglieder, der Gottesdienste der spanischen Protestantenkreise ermöglicht, wie sie etwa der Grossinquisitor besass. Auf eine lange Reihe Fragen fehlt jede Antwort. Über ein wichtiges Jahr in Luther's Leben wissen wir mehr als über die ganze, spanische Episode. Lutherische Flüchtlinge aus Sevilla sind in Genf Calvinisten geworden. Über Motive und Detail dieser Konversionen erfahren wir nichts. So kommt man oft in die Lage, dem heiligen Bernard nachzusprechen: haec a me ad id, quod quaeris, suspensive responsa sufficiant. Neque enim possum, ubi certus non sum, certam proferre sententiam. Es ist treffend bemerkt, in Spanien sei der Protestantismus nicht über das Stadium einzelner Funken hinausgekommen, die nie als mächtige Flamme aufloderten. Man nehme dazu die Beschaffenheit des Materials. Es besteht aus biographischen Notizen, Skizzen einzelner Ereignisse, polemischen und asketischen Schriften. Jeder erkennt die Schwierigkeit, diese disjecta membra gut zu gruppieren. Man mache es wie immer, Mängel werden bleiben. Will man nur biographische Bilder geben, so drückt die Dürftigkeit der Kunde über manche Personen, und der Zusammenhang ist schwer herzustellen. Oder man zerlegt das Ganze in zahlreiche Abschnitte, um recht übersichtlich zu verfahren. Dann leidet unter solcher Zerbröckelung die Totalwirkung. Lästige Wiederholungen werden nötig. Ermüdende Eintönigkeit droht. Einen künstlerischen Aufbau in vielen Büchern und Kapiteln würde ich versucht haben, wenn ich so ausführlich hätte sein können wie Menendez. Merle d'Aubigné hat einem einzigen Erlebnisse des Enzinas fünfzig Seiten eingeräumt. Das durfte ich nicht nachmachen. Mein Plan wies mich an, Gleichartiges und parallel Verlaufendes zusammenzufassen. Gehindert hat mich das nicht, biographische Bilder einzulegen und die Analyse der Schriften da zu geben, wo sie wirksam in die Entwickelung eingreifen. Die Überschrift des ersten Kapitels könnte nur Übelwollen dahin missverstehen, es sei der „Eingang" des Protestantismus erzählt, wovon kein Wort vorkommt. Die Einleitung soll einen Beitrag zur Erklärung des Faktums geben, dass eines der ernstesten, kirchlichsten Völker Europas den Erwerb der Reformation mit solcher Entschiedenheit und Einmütigkeit abwies. Sie charakterisiert deswegen den mittelalterlichen Katholicismus Spaniens, der im 16. Jahrhundert noch in ungebrochener Kraft stand. Er wird geschildert in erhabenen Gestalten und abstofsenden Missbildungen. Nach beiden Richtungen erscheint er in Königen, Kirchenfürsten, Entdeckern, Missionaren, in der Volkspoesie, den Chroniken, Legenden, in den Werken der Architektur und Malerei, im Volksleben. Dann hatte ich die katholische, litterarisch - politische Opposition vorzuführen, die sich von Erasmus den Blick für Kirchensünden schärfen liefs. Das zweite Kapitel „Aufgang“ eröffnen Diaz, Enzinas, San Roman. Ausserhalb Spaniens, noch unter dem Kaiser, haben sie offen das Evangelium bekannt. Es folgt die Entsagung Karl's V., der Feierabend in San Yuste, dessen Ruhe die Entdeckung der beiden Ketzerherde durchbricht. Ihre Geschichte, die parallel verläuft, ähnliche Ereignisse bietet, um ein Zentrum sich bewegt, wird fortgeführt bis zur Katastrophe. Diese erzählt Kapitel III , Untergang“. Gezeichnet werden zunächst die Urheber der Zerstörung, der sterbende Kaiser, Philipp II., die Inquisition. Der Prozess Carranzas leitet die Verfolgungen ein mit ihren Konfessionen, Abschwörungen, psychologischen Rätseln, Disputationen, peinlichen Fragen, Autosdefé und Martyrien. Die Folgen der Abweisung des Protestantismus für Kirche, Staat, Poesie, Kunst werden angedeutet. Die Schrift schliesst mit dem erschütternden Blicke auf das qualvolle Ende des Monarchen, von dem A Cabanillo, der fromme Verfasser der fünf bändigen Historia de la España, an die Fernan Caballero schrieb:

Zeitschr. f. K.-G. XII, 1.

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WILKENS, GESCH. DES SPAN. PROTESTANTISMUS.

ein grosser König, aber zum Freunde hätte ich ihn nicht haben mögen. Sehr leicht ist es, besonders wenn man die Quellen nicht kennt, ein Ideal einer Geschichte des spanischen Protestantismus zu entwerfen, dessen Höhe jede Leistung erdrückt. Man muss das Vollkommene anstreben, aber sich gleichzeitig auch mit dem Guten begnügen. Mit diesem königlichen Worte unseres gekrönten Todfeindes seien mein Buch und diese Revue der Nachsicht geneigter Leser empfohlen 1

1) Von Menendez y Pelayo's Werke erscheint, wie der Verfasser mir schreibt, demnächst die zweite, umgearbeitete, verbesserte und vielfach bereicherte Ausgabe.

Der dritte Band der oben genannten Correspondencia de Felipe II con sus embajadores en la corte de Inglaterra 1888 bietet S. 97. 185. 220 Nachrichten über den uns fast völlig unbekannten Gonzalez Montes. Die Gesandten Guzman de Silva und Gerau de Spes melden dem Könige 1568 und 1569 aus London: hier ist ein Prädikant, Sohn eines Spaniers, in Holland geboren, der in Spanien Mönch war und vor der Inquisition floh, gegen die er ein gotteslästerliches Buch geschrieben hat, das hier in drei Sprachen – die englische Übersetzung ist anonym - öffentlich feil geboten wird. In Bridgewell predigt er täglich spanischen Matrosen. Einige hätten geantwortet, er möge nach Calahorra gehen und da seine Sachen predigen. Er verteilte eine doctrina cristiana, wie es heisse, von Dr. Juan Perez verfasst, in London mit dem Druckorte Venedig gedruckt, sehr schlau eingerichtet, um die Ketzerei zu verbergen. Von diesen Büchern sollten viele nach Sevilla gehen. Philipp hat an den Rand des Berichtes geschrieben: Achtgeben, dem Kardinal sagen! Gerau de Spes hat auch mit Almosen entgegengewirkt und die Entfernung » des Schurken“ aus Bridgewell betrieben. Lord Cecil verbot Montes zu predigen, bis er eine neue Licenz habe, da der Betreffende Arianer sein solle. Im vierten Bande von Gallardo's Ensayo de una Bibliotheca Española, den mit Hilfe und unter Leitung von Menendez y Pelayo 1889 Zarco del Valle und Rayon herausgaben, ist der wichtige Abschnitt über die Lutheraner in Sevilla aus Martin de Roa's handschriftlicher Primera parte de la Historia general de la provincia de Andalusia de la Compañia de Jesus mitgeteilt S. 507-536.

ANALEKTEN.

1. Drei altchristliche Inschriften mit EIVS kritisch sicher gestellt gegenüber Reinesius und Mommsen.

1. 2. ET CHRISTO EIVS. 3. ET FELICITATIS EIVS.

Von
Dr. F. Piper 1.

Es ist ein besonderer Reiz epigraphischer Aufgaben, dass an wenigem, - an einzelnen Wörtern, Silben, Buchstaben ihres Themas viel hängt: wie man überhaupt in diesem Gebiet es mit kurzen, aber meist vielsagenden Überlieferungen zu thun hat. Und ich hoffe, dass eben dieses Reizes die vorliegende Frage nicht entbehrt, deren Erörterung weitere Arbeiten zur Sicherstellung bedeutsamer epigraphischer Texte folgen sollen.

Beide Texte sind an dem in der Überschrift verzeichneten Teil missverstanden, demnach irrtümlich korrigiert worden. Es verlohnt sich diesen Vorgängen Aufmerksamkeit zu widmen, da es Fragen von prinzipieller Bedeutung betrifft: wobei auch die Grenzen philologischer und theologischer Kritik in Betracht kommen.

1) Der am 28. November 1889 aus seinem thätigen Leben abgerufene Altmeister der christlichen Archäologie übersandte mir diesen Beitrag am 31. Oktober, eine nachträgliche (von mir eingefügte) Bemerkung am 7. November. Am 26, Oktober schrieb er mir: Eine andere Abhandlung könnte bald folgen über die Frage: , Sind in Inschriften des christlichen Altertums bäretische oder antihäretische Kundgebungen zu erkennen ?" Doch hat sich, wie mir Herr Dr. Hans Achelis mitteilt, in dem Nachlass Piper's der Aufsatz nicht gefunden.

Brieger.

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