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entsprechende Bezeichnung von Tierkreisbildern aus der vorgriechischen Zeit hat Epping festgestellt ':

Der babylonische Name des Tierkreises ist šupuk šamê (eigentlich „Aufschüttung des Himmels“)?. Ein Zweifel daran ist unbegreiflich angesichts der Tatsache, daß wir für šupuk šamê geradezu eine inschriftliche Definition haben. Es heißt IV R 5: Bel habe, als die Weltordnung durch feindliche Mächte bedroht war, Sonne, Mond und Venus eingesetzt, den šupuk šamê zu regieren (šupuk šamê ana šutešuru ukinu). Und Sm 954 Rev i f. heißt es: „Ištar, die am šupuk šamê aufleuchtet.“ Was regieren Sonne, Mond und Venus? Den Tierkreis; er stellt die Bahn dar, über die sie mit den andern Planeten wandeln. Dazu vergleiche man wiederum die Grenzsteinbilder; unter den Bildern, die oben von

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Sonne, Mond und Venus regiert werden, befinden sich Tierkreisbilder. Und wo leuchtet die Venus auf? Am Horizont im Tierkreis.

Eine andre Bezeichnung des Tierkreises ist vielleicht AN-TIR-ANNA. Von dem Halbkreis über dem Palasttor, der mit Rosetten 3 und Genien geschmückt ist, die zwischen je zwei Rosetten entweder aufsteigen oder niedersteigen, heißt es z. B. Asarh. VI, 6, er sei „gleich AN-TIR-AN-NA" (vgl. Meißner u. Rost A B III, 214). Es kann dabei an den Halbbogen des Tierkreises ebensogut wie an den Regenbogen gedacht sein, der mit dem Tierkreis mythologisch verwandt ist (s. Register „Regenbogen“). Die Regenten des Tierkreises sind

Sin
Šamaš

Ištar. Nach dem Gesetz der „Entsprechung" ist die in ihnen offenbarte göttliche Macht identisch mit der von

Anu
Bel

Ea.

1) Astronomisches aus Babylon 182. 190. Wiedergegeben bei Hommel 1. c. 238 ff. 358.

2) Die Ekliptik heißt „Pfad der Sonne“, s. Hommel, Aufs. u. Abh., S. 356 (Sayce), z. B. III R 53, 56 f.

3) Die Rosetten dienen auf Grenzsteinen häufig zur Markierung der nicht besonders dargestellten Planeten.

Sin, der Mond, ist wie Anu Götterrater und summus deus; Samas regiert wie Bel den Tierkreis und offenbart sich in dem Gestirn, , nach dem die Menschenwelt blickt“. Ištar (bei Betonung der Wettererscheinungen ersetzt durch Adad-Ramman) entspricht Ea, denn Unterwelt und apsû fällt zusammen. Wenn man den Ozean hinausfährt, kommt man hinunter in die lnterwelt.

Der Tierkreis repräsentiert den Weltkreislauf im Jahr und im Weltenjahr. Die Tierkreisbilder tauchen in den Ozean und steigen empori. Darum kann jeder der drei Regenten die gesamte göttliche Macht repräsentieren, die sich im Kreislauf offenbart. Bei mythologischen Erscheinungen, die den Kreislauf des Lebens oder der Welt widerspiegeln, muß man stets untersuchen, ob die betreffende Erscheinung Sonnen-, Mondoder Ištar-Charakter zeigt. Das wechselt je nach Ort und Zeit und Kultus. Aber wenn auch jeder Teil das Ganze der göttlichen Macht widerspiegeln kann, so treten die drei doch mit Vorliebe als Trias auf. Der Weltkreislauf erscheint dann als Kampf, bei dem Sonne und Mond beteiligt sind, während Ištar „danach strebt, Himmelskönigin zu sein“ 2.

Zu den drei Regenten des Tierkreises kommen die vier weiteren, dem Altertum bekannten Planeten: Marduk, Nebo, Ninib, Nergal, d. i. Jupiter, Merkur, Mars, Saturn 3.

Da nun die sieben Planeten (Sonne, Mond, Venus und die vier genannten,'s. Abb. 7) * in verschiedenen Entfernungen und Umlaufszeiten über den šupuk šamê, den Tierkreis, wandeln", so erscheint dieser Tierkreis wie eine Auftürmung von sieben

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1) Der obere Teil ist nach Enuma eliš V das Reich des Nibiru (d. i. hier Anu, s. S. 20), der südliche das Reich der Ea (vgl. amphora pisces), cin dritter Teil gehört Bel. Eine andre Spekulation spricht vom Weg des Anu, Bel, Ea am Tierkreis, s. Winckler F. III, 179. 304 und Mahler in OLZ 1903, 159.

2) Näheres zu diesem Abschnitt S. 35f.

*) Vgl. Hommel, Aufs. u. Abhandl. 373 ff. Zur Reihenfolge und zum Verhältnis der Planeten zu den Wochentagen s. S. 39f. „Die sieben Planeten regieren die Welt“, sagen die ,,Ssabier“ nach Dimeški c. 10 Chwolsohn 11, 400); vgl. vor allem die Vabatäerschrift Maqrîsi ib. S. 609ff.

*) Es sind die Planeten, nicht die „sieben Hauptgötter" (Hommel).

*) Rich. Redlich verteidigt im Globus 1903, Nr. 23 f. das hohe Alter einer exakten Himmelskunde in Babylon, sucht aber den Nachweis zu führen, dats man den Weg der Sonne, des Mondes und der Wandelsterne ursprünglich nicht auf die Ekliptik bezog, sondern daß man alle diese Bewegungen in der Himmelsmitte an dem größten Kreise der täglichen Himmelsdrehung mais, dats also auch die vermeintlichen Tierkreisbilder auf den sog. Grenzsteinen (s. Ibb, 2. 5. sich auf den Himmels-Äquator

übereinander liegenden, sich verjüngenden Stufenkreisen, wie eine kreisförmige Treppe, ein riesiger Stufenturm. Diese sieben Stufenkreise sind die sieben UB (tubuķâti)?, denen dann die sieben Parallelzonen auf dem als Berg vorgestellten irdischen Erdreich entsprechen.

Die siebente Stufe führt in den obersten Himmel, den Himmel des Gottes Anu. Da die Stufenkreise nach dem Tierkreise zwölf Stationen haben, so wird hiermit die Vorstellung

Abb. 7: Die babylonischen Planeten - Götter auf den Felsen von Maltaja.

von den zwölf Toren am Himmel zusammenhängen. Wenn von acht Himmeln die Rede ist, wie beim Tempel des Bel, so wird der Anu-Himmel, bez. später der Fixsternhimmel mitgezählt 3;

beziehen. Dagegen spricht von vornherein die Existenz des ganzen Göttersystems, die eben auf den Veränderungen beruht. Wohl aber halten wir es für möglich, daß volkstümliche Vorstellung an Stelle des Tierkreises den Himmels-Äquator setzte. Denn auf dem Äquator stünde der Himmelsberg und Etagenturm fest, während er auf der Ekliptik für das Auge des Beobachters schief steht.

*) So erledigen sich m. E. die von Delitzsch, Handwörterbuch unter šubuk aufgeworfenen Fragen. Diese Stufenkreise finden sich in den Sephirot der Kabbala wieder, von denen sieben (drei entsprechen der Gottheit) ausdrücklich mit den Planeten verbunden werden. Diese sieben Sephirot heißen auch die sieben „Laute". Es sind die Töne der Oktave. Der Wandel der sieben Planeten bildet die Harmonie der Sphären.

2) Die tubuķâti entsprechen den sieben ţabaķât des Korans, wie sprachlich schon Jensen, Kosmologie S. 175, Anm. 3, erkannte, obwohl er die Vorstellung des Bildes nicht hatte. Winckler, Gesch. Israels II, S. 108, Anm. 6 hat die wesentliche Gleichheit erkannt. Die Ausführungen von Zimmern KAT3 615 sind hiernach zu modifizieren.

3) Die sidratu 'l muntahâ der Araber s. OLZ 1904, Sp. 103 (= Krit. Schr. III, 110); vgl. F. III, 312. 418. MVAG 1901, 306 u. Hommel, Aufs. u. Abh. 373f. Abstufungen 9, 8, 7 etc. bei den „Ssabiern“ s. Chwolsohn II, 34. 243. 673.

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bei neun Himmeln, z. B. in der Edda 1 und beim chinesischen Porzellanturm, ist der Südhimmel mitgerechnet. Deshalb gibt es neben den siebenstufigen Tempeltürmen, die den Planetenhimmel abbilden (S. 15) auch drei-, bez. vierstufige Tempeltürme, s. Abb. 8. Die Stufen sind die drei Reiche des Weltalls, durch die man in den obersten Himmel kommt.

Der gesamte Orient kennt die sieben Himmel und die drei

Himmel 2. Muhammed reist durch
Abb. 8: Drei- bez. vierstufiger
Tempelturm.

sieben Himmel. Der babyloRelief aus Kujundschik.

nische Talmud und die Fragmente des Celsus kennen sieben Himmel 3 Das Nabatäerbuch ElMaqrîsi kennt die Leiter der sieben Planeten mit ihren Himmelskreisen als Zugang zur Gottheit. Das dreistöckige Weltbild

ist aus den orientalischen Mysterien in die gnostischen Systeme übergegangen und hat sich bis in die dramatischen Mysterien des Mittelalters vererbt.

Unklar bleiben mir die sieben nagu der „babylonischen Weltkarte“, s. Abb. 9 u. vgl. Peisers Ausführungen in ZA IV, 361 ff. Der Situationsplan hängt irgendwie mit der Sintflut zusammen. Jedenfalls stellen die sieben Dreiecke die sieben entsprechenden Teile des

den Himmelsdamm und die Erde Abb. 9: Babyl. Weltkarte. Brit. Mus. 82-7-14, 509.

umströmenden Meeres dar und sie

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1) So fasse ich auch die nio heimar in Völuspa, trotz Golther, German. Mythologic 519f. „Wer die neun heimar durchfuhr, weiß alles."

2) Vgl. mein Babylonisches im Neuen Testament, Kap. VII: Die drei und sieben Himmel. Vgl. ferner zu i Mos. 28 (Ilimmelsleiter).

3) Origenes c. Celsum c. VI, 22 S. E. Bischoff, Im Reiche der Gnosis 131. Zu Maqrisi s. Chwolsohn II, 609 ff. Die ägyptische Leiter des Osiris und die Leiter von sieben Metallen im Mithraskult entsprechen der gleichen Anschauung. Fünf Himmeln (5 Planeten, S. 35) entsprechen die fünf Stufen der manichäischen Bîmâ, s. Bischoff 1. c. 79. 90.

hängen mit den sieben Kreisen des šupuk zusammen, der in den Himmelsozean taucht. Vielleicht sind auch die sieben Meere in Betracht zu ziehen, die in der indischen Kosmologie hervortreten, und die sieben Inseln im Meere bei Henoch c. 77, vgl. Jensen, Kosmologie 179 ff. und dazu Winckler, Gesch. Isr. II, 109.

Die sieben Dolmetscher (équnveis) werden übrigens auch anders gruppiert: 2 + 5 statt 3 + 4. Diodorus Siculus spricht II, 30, bevor er die Dekane behandelt, von den fünf Planeten, die die Chaldaer von Sonne und Mond sorgfältig unterscheiden und die ihnen als Dolmetscher der Gottheit erscheinen. Dabei verliert die Venus ihren Charakter als große Gestirngottheit neben Sonne und Mond und tritt in die Reihe der übrigen Planeten, wie sie z. B. in unsrer Wochentagsordnung die vorletzte Stelle einnimmt: Freitag, vendredi (Veneris dies) zwischen dem Tage Merkurs (mercredi) und Saturns (saturday). Eine babylonische Planetenliste zählt auf:

Sin (Mond)
Šamaš (Sonne)
Dunpauddua (Merkur oder Jupiter)
Dilbat (Venus)
Kaiwan (Mars oder Saturn)
Gudbir (Jupiter oder Merkur)

Zalbatanu (Saturn oder Mars). Zum besseren Verständnis sei hier an einige astronomische Erscheinungen erinnert, vgl. dazu Abb. 10. Der Aufgang der Sonne verschiebt sich täglich durchschnittlich um vier Minuten. Das ergibt für den Sonnenlauf eine Spirallinie von 180 Kreisen von Sonnenwende zu Sonnenwende. Der Auf- und Untergangspunkt der Sonne beschreibt eine Kreislinie am Horizont, der Mittagspunkt eine entsprechende Kreislinie am Himmel. Die gleichen Erscheinungen zeigt zwölfmal im Jahre die Mondbahn. Der Vollmond steht in Opposition zur Sonne. Darum steht der Vollmond im Winter, wo die Sonne durch untere Tierkreisbilder wandert, in den oberen Tierkreisbildern und im Sommer umgekehrt.

Wenn zur Zeit der Sommersonnenwende Vollmond um Mitternacht ist, so steht die Sonne in ihrem tiefsten Punkte. Wenn die Sonne im Winterpunkt steht und zugleich Schwarzmond eintritt, so begegnen sich gleichsam Sonne und Mond in der Unterwelt. Bei Sonnenaufgang in der Frühlingstagesgleiche, früh 6 Uhr, geht der Vollmond im Westen unter. Bei Sonnenuntergang in der Herbsttagesgleiche, abends 6 Uhr, geht der Vollmond im Osten auf.

) Diese fünf Planeten und ihre entsprechenden Elemente und Farben sind in der chinesischen Geomantie wichtig, s. S. 48, 50 u. a. (Register unter China). Jede der fünf wird als „männlich“ und „weiblich“ bezeichnet und doppelt gezählt, z. B. bei den in China noch heute gebräuchlichen Dekaden, bei denen jeder Planet zwei Tage hat.

Jeremias, A. Test. 2. Aufl.

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