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Jedes Land als Mikrokosmos hat seinen doppelgipfligen Weltberg. In der biblischen Vorstellungswelt ist das besonders deutlich bei Ebal und Garizim, 5. Mos 27, 12 f., wo je sechs Stämme (sechs Tierkreiszeichen, die Hälfte der Sonnenbahn symbolisierend) auf dem Berge des Segens (Garizim) und des Fluches (Ebal) sich gegenüberstehen 1.

IV. Die vier Weltpunkte. Mondbahn und Sonnenbahn sind durch Tages- und Nachtbogen gleich der Bahn der nicht circumpolaren Sterne in zwei natürliche Hälften geteilt, s. Abb. 10. Die Schnittpunkte sind charakterisiert nach dem Frühlingspunkt und Herbstpunkt der Sonne und ebenso durch bestimmte Stationen der Mondbahn. Im Stierzeitalter, d. h. in der Kalenderrechnung, die vom Frühlingspunkt der Sonne im Stier ausgeht, gilt als Ostpunkt der Sonne der Stier, genauer wohl der Aldebaran als leuchtendster Stern in den zum Stier gehörigen Plejaden, und als Westpunkt der Skorpion?, und zwar der fast genau um 180 Grad vom Aldebaran entfernte Stern Antares. Diese beiden Sterne gelten in der antiken Astronomie als 1. und 14. Mondstation, teilen also auch die 28 Mondstationen, die sonst in verschiedener Entfernung stehen, in gleiche Hälften.

Dieser Zweiteilung nach Mondlauf hälften und Tagesgleichenpunkten (šitkulu d. h. „sich die Wage halten“, z. B. III R 51, ist der technische Ausdruck für Tagesgleiche) entspricht eine Vierteilung, die durch die entsprechenden Mittags- und Mitternachtspunkte des Mondlaufs gewonnen wird. Beim Mondlauf ist der Vollmondspunkt im Höhepunkt des Tierkreises bei der Winter-Sonnenwende und im Tiefpunkt bei der SommerSonnenwende. Beim Sonnenlauf gelten der Sommer-Sonnenwendepunkt und der Winter-Sonnenwendepunkt.

In den vier kritischen Punkten offenbart sich die göttliche Macht". Da nun jede der drei großen Gestirngottheiten, die

zu

1) Zum Land als Mikrokosmos s. S. 48 ff. ; Tierkreisbilder als Symbole der 12 Stämme s. 1 Mos 49 und zur Symbolik der „Stiftshütte“. Mond und Sonne als Lebens- u. Todespunkt (S. 27. 31 ff.) entsprechen beim Sonnenlauf je sechs Tierkreisbilder des Sommers und Winters. Zur Bedeutung für Sinai und Horeb, Ebal und Garizim s. Winckler F. III, 360 ff. Die Spaltung der Überlieferung ist vielleicht entstanden, als man den Sinn des Doppelberges (Sinai Mond, Horeb Sonne) nicht mehr verstand.

2) Im Gilgameš-Epos bewachen Skorpionmenschen die Unterwelt.

3) Bei Weglassung des Unterweltspunkts 3, z. B. die drei Himmelspfähle der „Ssabier" (Chwolsohn II, 6): Osten, Mitte des Himmels, Westen.

den Tierkreis beherrschen, sich in zwei Hälften oder vier Viertelerscheinungen offenbart (Mond und Venus als innere Planeten haben je vier Phasen, als Phasen der Sonne gelten die Stellungen in den Jahreszeiten), so eignen sie sich zur Verkörperung der göttlichen Macht an den vier Teilpunkten. Und wie Sonne, Mond, Venus je einen kritischen Punkt haben (Höhepunkt oder Endpunkt der Laufbahn), so gehört jeder der vier ,,Phasen“ ein Punkt des Tierkreises als besondere Offenbarungsstätte im Weltall.

Da die Konstellation innerhalb der dreitausend Jahre Geschichte, die wir kennen, große Veränderungen erfuhr, so ergab sich mit Naturnotwendigkeit, dass eine auf den Erscheinungen der Gestirnwelt beruhende Götterlehre auch Umänderungen erfahren mußte. Und da es sich um einen Kreislauf handelte, der sich in den Gegensätzen Tag und Nacht, Sommer und Winter (Weltensommer und Weltenwinter) vollzieht, so ergab sich der Grundsatz: die Gegensätze gehen im Laufe der Zeiten ineinander über. Für die Hammurabi-Zeit (Blüte Babylons) sind die vier Hauptpunkte der Sonnenbahn folgendermaßen besetzt:

Marduk: Morgen, Frühling | Ost und Nord, die beiden Licht-
Ninib: Mittag, Sommer | hälften des Jahres und Tages.
Nebo: Abend, Herbst I West und Süd, die beiden Nacht-
Nergal: Nacht, Winter | hälften des Jahres und Tages.

Danach gehören also: Marduk der Morgen der Frühlings-Tagesgleiche (Aufgang der Frühlingssonne am 21. März früh 6 Uhr); Nebo der Abend der Herbst-Tagesgleiche (21. September abends 6 Uhr); Ninib der Sommer-Sonnenwendetag (21. Juni 12 Uhr mittags; von da an sinkt die Sonne in das Winter- und Totenreich; hier ist der kritische Punkt, der Tammuzpunkt); Nergal der Winter-Sonnenwendepunkt (21. Dezember Mitternacht; von da an steigt die Sonne wieder empor).

In der der Hammurabi-Zeit vorhergehenden Periode war, wie in der Epoche nach dem Erlöschen der Vorherrschaft Babylons, die Ordnung die umgekehrte (aus Gründen, die aus den folgenden Ausführungen klar werden dürften):

Jupiter (Gudbir-Marduk) vertritt die Stelle Merkurs (Nebo).
Merkur (Dunpauddua - Nebo) vertritt die Stelle Jupiters

(Marduk).
Mars (Keiwan-Ninib) vertritt die Stelle Saturns (Nergal).
Saturn (Zalbatanu-Nergal) vertritt die Stelle des Mars (Ninib).

Diese Hauptpunkte des Tierkreises gelten nach dem Gesetz der Entsprechung (Tierkreis als himmlischer Mikrokosmos) als die

vier Weltecken!. Sofern sie dem Tierkreis angehören, der im Sitz des summus deus gipfelt, sind sie die vier Thronträger des Thrones des summus deus, und sie erscheinen verkörpert in den entsprechenden Gestalten des Tierkreises: taurus (Stier), leo (Löwe), Adler, Mensch.

Hier liegt die Erklärung für die Merkaba Ezechiels, vgl. Winckler, F. III, 299 ff., und für den Thron mit den vier Tieren, umgeben vom gläsernen Meer Apk 4, 2 ff. vgl. mein BNT, 13ff., und für die Symbolisierung der vier Evangelisten (nach Irenäus, adv. haer. 3, II die vier Säulen der Welt, s. BNT 87ff.). Die Reihenfolge Matthäus-Stier, Markus-Löwe, Lukas-Mensch, Johannes-Adler entspricht der Ordnung: rechts, links, unten, oben. Bei Ezechiel ist der Stier links, also soll die Kibla nach Süden gerichtet sein (vgl. S. 29); vorn der Mensch (Weltanfang s. S. 6 ff.), hinten der Löwe

Feuerfiut im Löwen, dem Nordpunkt), rechts Abb. 13: Griechische Gemme, Tetraktis dodekapyrgos aus Adler.

Kircher, Oedipus Aegyptiacus II, 2. 214. III, 248. Abb. 13 zeigt Tierkreis und Weltecken aus griechischer Zeit: Jupiter i als höchster im Nordpunkt), Vulcanus, Mars, Merkur. Das S. 58 wiedergegebene koptische Bild zeigt in der Mitte des durch die Schlange und vier Tiere symbolisierten Weltkreises Mond und Sonne, s. hierzu S. 22,

"; Die Erde hat entsprechend 4 Ecken, aus denen die Winde kommen, s. Apk 7,1.

3) Adler ist der Vogel des summus deus; vgl. den Adler auf dem Wappen des Ningirsu (Register unter Adler), den A. auf d. kosmischen Bilde Abb. 13, den Jupiter-Adler der klassischen Zeit, den Adler in den MithrasMysterien, s. Monotheist. Strömungen S. 17; ferner den Adler Apk 8,12 beim Schall der 4. Trompete (Marduk-Jupiter-Motiv, s. BNT 25f.). Adler liegt zwischen Schütze und Steinbock. Vielleicht lag vor 4000 Jahren der Adler im Bereich des Tierkreises. Infolge Schwankung der Achse weicht der Bereich des Tierkreises im Laufe der Zeiten ab. Anders übrigens Winckler F. III, 297.

*) amphora, Wassermann (aquarius bei Manilius und Ovid). Beachte, daß der Urmensch (Adapa) aus dem Ozean emporsteigt und das Ea ilu amelu, göttlicher Mensch, ist, s. Kap. III unter Menschenschöpfung.

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Anm. 4.

4

Urkundliche Beweise für die Ordnung der Weltecken"

im Stierzeitalter. Es gibt keinen Text. der sagt: Marduk-Jupiter entspricht Osten, Seto Westen usw. Der Beweis ergibt sich aus dem Sinn des Kalenders und der Astral-Mythologie. Und doch lassen sich auch im einzelnen keilinschriftliche Sachweise bringen.

1. Marduk im Frühlings- oder Ostpunkt. Jupiter gehört der Frühlings- oder Ostpunkt, denn Marduks Fest ist das Neujahrsfest, das Fest der Frühlingstagesgleiche. Die inschriftliche Bestätigung bietet obendrein der unten zitierte Text.

2. Xebo im Herbst- oder Westpunkt'. In einem Texte, der aus der Arsacidenzeit stammt, aber sicher alte Vorstellungen widerspiegelt denn in den späteren Zeiten hat man dergleichen nicht erfunden, sondern nur darüber spekuliert, heißt es,

daß beim Wintersolstitium die „Töchter von Ezida“ Nebo-Tempel in das „Haus des Tages" übersiedeln (d. i. der Marduk-Tempel von Babylon), „um die Tage zu verlängern“, und daß die „Töchter von Esagil“

Marduk-Tempel im Sommersolstitium in das „Haus der Nacht“ (d. i. der Nebo-Tempel von Borsippaübersiedeln, „um die Tage zu

kürzen“, das heißt: Marduk gehört die lichte Jahreshälfte, Nebo die dunkle; in den Tagesgleichen tritt einer dem andern feierlich die Herrschaft ab?

Dieselbe astralmythologische Vorstellung überliefert uns Theokrit (Id. XV, 103. 106), wenn er von Tammuz-Adonis, der altorientalischen Gottheit der Jahres- bez. Halbjahrsnatur (Marduk + Nebo 3 sagt, „er vollende sein Auf- und Niedersteigen in zwölf Monaten, und die Horen (das erklärt zugleich was im obigen Text die „Töchter des Hauses des Tages“ und „die Töchter des Hauses der Nacht“ bedeuten, ihn aus dem Reiche der Proserpina (Ištar der Winterhälftei in die Wohnungen der Venus (Ištar der Sommerhälfte) geleiten, wobei die Wohnungen die „Häuser“ bedeuten, die nach den Tierkreisdarstellungen der Babylonier

ver

, Vgl. Hermes (Merkur) biformis mit der halb weißen, halb schwarzen Mütze und Hermes als Führer in die Unterwelt. Die Wage gehört zum Herbstpunkt; sie symbolisiert aber nicht die Herbsttagesgleiche, sondern die Totenwage, sonst müßte sie auch am Frühlingspunkt erscheinen. Sol exaltatur in ariete, in libra dejicitur (Firmicus). Libra ariesque parem reddunt noctemque diemque. Neben der Wage erscheint die Schlange, weil die Aquinoktien mit dem Schlangengestirn aufgehen. Darum hält in der römischen Mythologie Aequitas die Wage in der Rechten und hat Schlangen zu Füßen, und Proserpina Libera (Venus in der Unterwelt) ist schlangenumgürtet.

2) Gegen H. Zimmerns Bedenken KAT 3 400 vgl. jetzt Winckler, F. III, 278 ff. Zimmern macht übrigens mit Recht geltend, daß auch die Verbindung Nabūs mit dem Steinbock Ziegenfisch) V R 46, 38 a b für die Verbindung dieser Gottheit mit der Winterszeit (Herbstpunkt) spricht; daß diese Verbindung „ursprünglich“ ist, darf nicht gesagt werden.

3) S. S. 32.

die Sterne und Sternbilder auf dem Tierkreis besitzen (Abb. 2), der durch den Äquator und die Äquinoktialpunkte in seine zwei Hälften geteilt ist. Vgl. ferner die Stelle in der Mithrasliturgie (Dieterich S. 7):

„Du wirst schauen die göttliche Ordnung (!), die tagebeherrschenden Götter gehen zum Himmel hinauf und die andern gehen hinab d. h. er wird die Tierkreisbilder auf- und untergehen sehen); und der Weg der sichtbaren Götter wird durch die Sonne erscheinen.“

3. Nergal im Winter- oder Südpunkte. Nergal hat Unterweltscharakter, die Unterwelt heißt nach seinem Kultort auch Kutha. Unter den kritischen Punkten des Tierkreises kann ihm deshalb bei der im Stierzeitalter herrschenden Tag- und Nachtgleichenstellung nur der unsichtbare, d. h. der „unten“ gelegene Südpunkt gehören. Denn ausdrücklich wird bei den Babyloniern Nergal-Saturn mit der Sonne gleichgesetzt. „Am 18. Tammuz steigt Nergal in die Unterwelt, am 28. Kislev steigt er herauf. Šamaš und Nergal sind eins“, heißt es in einem astronomischen Texte'. Die Sonne gilt als Unterweltsgottheit, weil die Sterne in ihr verschwinden, untergehen; der Mond gilt im Gegensatz dazu als Oberweltsgottheit, weil er in seinem fortwährenden Aufleben (inbu ša ina ramanišu ibbanû, d. h. „Frucht, die sich aus sich selbst erzeugt“) aus dem Tode die Auferstehung repräsentiert. Darum sagt der Ägypter zur Mumie: Du bist Osiris! d. h. du wirst leben!

4. Ninib im Sommer- oder Nordpunkte. Wenn die Sonne im Südpunkt, in der Unterwelt, an dem ihr im Weltall zukommenden Platze steht?, so steht der Vollmond ihr diametral gegenüber in Opposition am Nordpunkt, am entgegengesetzten Punkte des Tierkreises: Dieser Punkt ist also in diesem System der Mondpunkt, wie wir ihn bereits als Anu - Punkt erkannten (Anu Sin, s. S. 13 vgl. S. 33). Daß er auch dem Ninib gehört, wird zu erwarten sein, da die übrigen drei Weltecken an Marduk, Nebo, Nergal vergeben sind. Wir können es aber noch besonders beweisen: Dieser Punkt heißt der Nibiru, d. i. der Paß, den jeder durchschreiten muß und über den er nordwärts nicht kommen kann, s. S. 20. Das Epos Enuma eliš schildert auf der V. Tafel (KT S. 122f.) die Festsetzung des Nibiru-Punktes. Wir versuchen die schwierige Stelle zu analysieren:

„Er machte die Standörter der großen Götter; Sternbilder, gleich wie sie, setzte er als Tierkreisbilder ein. Er bestimmte das Jahr, bezeichnete die Grenzen; zwölf Monate, die Sterne in drei Abteilungen stellte er fest (die sog. 36 Defane, die in drei Abteilungen mit je vier Stationen geteilt sind, von denen wiederum je cine Anu, Bel, Ea im besondern Sinne gehört? oder ist hier die Einteilung in Dritteljahre nach Analogie der drei großen

", S. Zimmern KAT 3 388; dazu jetzt Winckler, F. III, 286 ff. Die oft angeführte Stelle bei Diodor II, 30 setzt Kronos und Helios gleich

2) Das geschieht in der babylonischen Kalenderrechnung bei Betonung der Sonnenwenden. Anders liegt es bei Betonung der Tagesgleichen (Mitte der Saison, Vierteilung des Jahres). Dann ist Marduk Sonne, Nebo Mond. So in dem S. 29 zitierten Texte.

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