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an den Himmel reicht, damit wir uns nicht über die ganze Erde zerstreuen.Sie wollen eine feste Organisation bilden. Hammurabi Cod. II, 42 ff. ,,machte hoch die Spitze (des Tempelturms) von An-na (in Uruk) und häufte Vorräte auf für Anu und Ištar (die Göttin von Uruk); er war der Schirm seines Landes, der wieder zusammenbrachte die zerstreuten Einwohner (mupahhir niši šaphâtim) von Isin usw." Hier sind die beiden Gegensätze bei einander. Turmbau (bez. migdal, d. i. Burg mit Tempelturm) als Symbolum der staatlichen Organisation; Gegensatz dazu die „Zerstreuung“ der Einwohner ! Darum gehört auch das „Sammeln der Zerstreuten“ (mupahhir šaphậti) zu den Motiven des erwarteten Erretters. Merodachbaladan II. läßt sich auf dem im Berliner Museum aufgestellten Grenzstein als den von der Gottheit berufenen Erretter verherrlichen, von dem das Orakel verkündet: ,, dieser sei der Hirte, der die Versprengten zusammenbringt" (mupahhiru šaphậti). Darum heißt es auch von dem Jes 44, 24 ff. als Erlöser begrüßten Cyrus: ,,er werde die Städte Judas wieder ausbauen, er werde der Hirte sein, der von Jerusalem spricht: es werde wieder aufgebaut! und vom Tempel: er werde neu gegründet!", und Ez II, 17 u. ö. ist das ,,Sammeln der Zerstreuten" Motiv der erwarteten Erlösung 2. „Migdal, dessen Spitze bis an din Himmel reicht.Ein echt babylonischer Bauplan. Im Tempelbezirk jeder Stadt bildete der Tempelturm den Mittelpunkt 3. Vom Turm von Babylon heißt es wiederholt bei Renovationen:

1) S. Winckler I. c. 404f.

2) Wie im Babylonischen: Sammeln und Zerstreuen in dem Bilde des Hirten Ez 12, 15; Mt 26, 31 u. ö. Zum Zerstreuen (Motivwort bez. 1'5:) vgl. noch Jes 33, 3, vielleicht auch Ze 3, 10. Zum Sammeln vgl. den Namen še’ar jašûb, „der Rest wird gesammelt“ (die passivische Bedeutung halten wir mit Erbt, Ebräer 133 für sekundär); und den Namen Josep-el, „Sammler ist El“ (ib. 37).

3) Der dreistufige oder siebenstufige Tempelturm (s. S. 16) gehört zu den charakteristischen Stücken der ältesten uns bekannten vorderasiatischen Kultur. Die ägyptische Pyramide scheint im Stufenturm ihren Ursprung zu haben (s. Hommel, Geschichte, S. 17, Aufs. u. Abh. 391 ff., Grundriß 126 f.). Die aus Backsteinen erbaute Stufenpyramide von Sakkara (Pharao Zoser von der 3. Dynastie s. Abb. 81) ist ursprünglich siebenstufig, ebenso wie die Medum - Pyramide des Snofru (4. Dynastie). Daneben gab es dreistufige Pyramiden, wie in Babylonien, vgl. das Vasenbild bei de Morgan, Recherches sur les origines de l'Egypte II, 236. Die Ägypter bauten seit Cheops Zeiten Pyramiden an Stelle der früheren Mastabas.

seine Spitze soll bis an den Himmel reichen? Nebukadnezar erhöht die Spitze des Stufenturms Etemenanki, „daß sie mit dem Himmel wetteifere“. Der Verfasser schildert babylonische Bauart. Wir wollen Ziegel streichen(vgl. 2 Mos 1, 14, assyrisch dieselben Worte labânu libittu, vgl. Na 3, 14 malbên, Ziegelform). Nebukadnezar sagt ausdrücklich, daß er den Turm von Babylon mit Ziegeln und Erdpech erneuern ließ; ein andermal berichtet er, er habe ihn mit emaillierten Ziegeln überzogen und die Spitze von uknû-Stein (KB III, 2, S. 15. 31) gemacht. Die ältesten Baureste des Turmes in Nippur aus roh bearbeiteten, rechteckigen Backsteinen zeigen noch heute die Reste des Erdpechs

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(1 Mos II, 3 hemar, „Asphalt“, assyrisch kupru wie bei der Arche i Mos 6, 14 kopher, aram. kuphrâ), das als Bindemittel benutzt wurde.

Herodot beschreibt I, 179 die Bauart ganz richtig bei der Schilderung des Mauerbaues von Babylon. Er schildert die Mauer, die bereits abgetragen war, irrt sich aber in den Größenverhältnissen, s. Billerbeck, AO I, 4, S. 7 Anm.:

„Sie fertigten Ziegel aus der Erde, die aus dem Graben geworfen wurde; und nachdem sie eine hinreichende Zahl von Ziegeln gestrichen hatten, brannten sie dieselben in Öfen. Nachher aber nahmen sie als Mörtel heißes Erdpech und stopften zwischen je dreißig Schichten von Ziegeln eine Lage von Rohrgeflecht."

Die Beschreibung ist genau. Die Zwischenlagen von Rohr hat man in den Bautrümmern von Babylon gefunden.

1) Nabopolassar I, 36 f. (KB III, 1, 5) und Neb. Hilpr. (Tonzylinder) II, 5, s. BA III, 548.

2) MVAG 1904, 191.

Die Trümmer solcher Tempeltürme finden sich auf allen großen Tells des Zweistromlandes. Der Aufstieg ging in Windungen oder auf Stufen empor; oft beides zugleich, s. S. 187. 281. Der Neboturm von Borsippa (s. Abb. 82) ragt noch heute 48 Meter über den Hügel Birs Nimrud empor. Er bestand aus sieben Etagen entsprechend den sieben Planeten, und noch heute sind die Reste der Planetenfarben zu sehen ?. Es ist selbstverständlich, dass diese gigantische Ruine auch in nachbabylonischer Zeit von Sagen umwoben war. So erklärt es sich wohl, daß die jüdische Tradition (vgl. Beresch. Rabba 42, 1) I Mos 11 mit dem Borsippa-Tempel statt mit dem Bel-Merodach

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Tempel von Babylon in Verbindung brachte, und daß Alexander Polyhistor und Abydenus an die gigantischen Trümmer von Birs Nimrud eine der Genesis-Erzählung entsprechende (von ihr abhängige?) Überlieferung knüpften?

Rekonstruktionen solcher Tempeltürme nach Herodot und den Keilinschriften stellte der Architekt Chipiez 1879 im Salon in Paris aus; sie sind beschrieben und abgebildet bei Perrot et Chipiez, Histoire de l'art dans l'Antiquité II, 379 ff. Eine authentische Abbildung findet sich auf

1) Näheres darüber S. in meinem Kampf um Babel und Bibel", S. 40, und vorher in meiner Monographie Nebo in Roschers Lexikon der Mythologie. Vgl. auch Hommel, Aufs. u. Abh. 38+f. u. 457 f. und Zimmern KAT 3 616f., Anm. 7.

2) Andere Tempeltürme wurden bereits früher S. 28 und 126 erwähnt, s. auch unten S. 281 Anm. 2.

einem Alabasterrelief in Niniveh, s. Abb. 8 und auf dem S. 10, Abb. 3, wiedergegebenen Merodachbaladan-Stein, wo der Stufenturm mit unter Schlangen- und Drachenungeheuern steht. Zu Abb. 8 vgl. Bischoff, Im Reiche der Gnosis S. 80. Zu den von der amerikanischen Expedition bloßgelegten Trümmern des Tempelturmes von Nippur s. Abb. 83 und vgl. Hilprecht, Die Ausgrabungen im Bêl-Tempel zu Nippur; zu den Trümmern des Stufenturmes von Assur s. MDOG 1905.

Eine nach dem Befund der Ausgrabungen im allgemeinen zuverlässige Schilderung des Marduk-Tempels von Babylon gibt Herodot I, 181f.:

„In jedem der beiden Teile der Stadt befindet sich in der Mitte, in dem einen Teile die königliche Burg innerhalb einer großen und starken C'mfassungsmauer, in dem andern das Heiligtum des Zeus Belus mit ehernen Toren; dieses war noch bis zu meiner Zeit vorhanden, ein Viereck im Umfang von zwei Stadien auf jeder Seite; in der Mitte des Heiligtums ist ein Turm gebaut, sest von Stein, in der Länge und Breite eines Stadiums; auf diesem Turm erhebt sich ein anderer Turm, auf diesem wieder ein anderer, bis zu acht ! Türmen; man steigt hinauf auf einer Treppe, die von außen ringsherum um alle diese Türme (!) angebracht ist. In der Mitte ungefähr beim Hinaufsteigen ist ein Ruhepunkt mit Sitzen zum Ausruhen, auf denen die Aufsteigenden sich niederlassen, um auszuruhen; in dem letzten Turme ist ein großer Tempel: in diesem Tempel befindet sich eine große wohl gebettete Lagerstätte, und daneben steht ein goldener Tisch; ein Götterbild ist aber dort nicht aufgerichtet, auch verweilt kein Mensch darin des Nachts, außer einem Weibe, einein von den Eingeborenen, die der Gott sich aus allen erwählt hat, wie die Chaldäer versichern, die Priester dieses Gottes sind.

Eben dieselben behaupten auch, wovon sie jedoch mich nicht überzeugt haben, daß der Gott selbst in den Tempel komme und auf dem Lager ruhe, gerade wie in dem ägyptischen Theben auf dieselbe Weise, nach Angabe der Ägypter. Denn auch dort schläft in dem Tempel des Thebanischen Zeus ein Weib. Diese beiden pflegen, wie man sagt, mit keinem Manne Umgang. Ebenso auch verhält es sich in dem Lycischen Patara mit der Priesterin des Gottes zur Zeit der Orakelung; denn es findet diese nicht immer daselbst statt; wenn sie aber stattfindet, so wird sie dann die Nächte hindurch mit dem Gott in den Tempel eingeschlossen."

Welchem Zwecke dienten die babylonischen Tempeltürme? Wie alle Tempelheiligtümer waren sie Abbild eines himmlischen (kosmischen) Heiligtums. Wie die astrologischen Bilder auf den Grenzsteinen ,, Häuser" (bez. Throne) für die planetarischen Gottheiten darstellen, so zeigt der Grenzstein MerodachBaladáns? einen Etagenturm am Himmel. Die siebenstufigen Tempeltürme sind das Abbild des himmlischen Etagenturmes 3,

1, l'gl. z. B. S. 10 Abb. 2. 2) S. 10 Abb. 3, s. oben.

3. Auch die anderen Tempeltürme haben Namen, die sich auf den kosmos beziehen. „Haus der 50“ das ist der Weltzyklus, s. oben S. 28) hieß der Tempel in Girsu. Der Marduktempel in Babylon hieß E-temen

den die Planetenbahnen (tubukati) über dem Tierkreis bilden, und die, welche hinaufsteigen, tun ein dem Gotte wohlgefälliges Werk, s. 52.

Wir dürfen annehmen, daß dieser kultische Zweck auch später betont wurde. Die Tempeltürme würden dann den Versuch einer Annäherung an die Gottheit bedeuten. Das scheint auch der Erzähler i Mos II anzunehmen, nur daß er ein solches Vorhaben als heidnische Tollkühnheit und als frevelhaften Übermut brandmarkt.

Daß die Tempeltürme, deren Spitze den Zugang zum Himmel darstellt, mit einem Heiligtum gekrönt gewesen sind, darf von vornherein angenommen werden. Nebukadnezar berichtet, er habe auf der Spitze der Tempeltürme von Babylon und Borsippa ein strahlendes Heiligtum als „wohlbestellte Kammer" erbaut. Wie weit die Schilderung Herodots zutrifft, läßt sich mit dem vorhandenen Material nicht entscheiden. Es ist sehr wohl möglich, daß der Dienst der „Weiber Marduks“, von denen der Cod. Hamm. spricht, mit der Tempelkapelle zusammenhängt.

Bei der hohen Bedeutung, die der Astronomie in Babylonien zukam, wird man fernerhin erwarten, daß die Türme auch astronomischen Zwecken dienten. Die Inschriften verraten bisher nichts davon. Aber Apollonius von Tyana (I, 25), der bei seiner Beschreibung Babylons aus guten Quellen zu schöpfen scheint, hat vielleicht den Tempelturm im Auge, wenn er von einem großen Gebäude aus Ziegeln, mit Bronze belegt, spricht und sagt, daß sich darin eine von Gold und Saphir strahlende Kapelle befand, die das Firmament (den Sternhimmel:) darstellte.

Endlich wäre zu erwarten, dass die Türme Begräbniszwecken gedient haben. Der Bel-Tempel von Nippur (s. Abb. 83) ist von Gräbern umgeben, gleich den Pyramiden; einer seiner Namen ist E-gigunû ,, Haus der Gräber". Bekanntlich behaupten die Klassiker, der Tempel von Babylon habe ein Grabmal des Gottes Bel enthalten. Dazu stimmt, daß der Turm zu Larsa in einer Nabonid - Inschrift ,,Grab des Sonnengottes“ genannt

an-ki „Haus des Fundamentes Himmels und der Erde“, der Tempelturm von Nippur hieß u. a. E-sag-aš „Haus der Entscheidung“, wohl im Sinne der Schicksalsbestimmung. Der siebenstufige Bel - Tempel von Nippur (s. Abb. 83) hieß u. a. Dur-an-ki ,,Band Himmels und der Erde" (Hommel, Grundriß 351, Anm. 2).

1) maštaku taknî KB III, 2, 31.

2) Ebenso hatten nach neueren Feststellungen die Pyramiden Richtkanäle zur Feststellung der Sonnenwenden.

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