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dem die Reise eines Mahar (Bevollmächtigten Ramses II., Namens Nechtsotep, durch Syrien erzählt wird. Er hat Denkmäler für den König transportiert, Obelisken in Syene gebrochen und mit 4000 Soldaten in den Brüchen von Hammamat einen Aufruhr niedergeschlagen. Der Mahar hat seinem Freunde, einem „Künstler der heiligen Schriften, einem Lehrer im Saale der Bücher“ seine Reise geschildert. Der Freund findet den Brief nicht stilgerecht und wiederholt ihn im rhetorischen Stil mit satirischen Seitenhieben auf die Abenteuer des Freundes. Wir geben ein Stück des Textes wieder und vergegenwärtigen uns dabei, daß die Erzählung uns Einblick in geographische und kulturelle Verhältnisse Kanaans um 1400 tun läßt.

Er begleitet seinen Freund in Gedanken durch alle Stationen der Reise:

„Ich bin ein Schreiber und Mahar, so sagst du wiederholt. Nun wohl, was du sagst, ist wahr. Komm heraus. Du siehst dein Gespann nach, die Pferde sind schnell wie die Schakale, einem Sturmwind gleich, wenn sie losgehen. Du faßt den Zügel, nimmst den Bogen wir wollen nun sehen, was deine Hand tut. Ich werde dir schildern, wie es einem Mahar geht und werde dir erzählen, was er tut.

Kommst du nicht zum Chetalande und siehst du nicht das ’Eupaland? Haduma, kennst du nicht seine Gestalt? und ebenso Ygadîy, wie ist es beschaffen? Das D’ar des Königs Sesostris auf welcher Seite von ihm liegt denn die Stadt Charbu? und wie ist seine Furt beschaffen?

Ziehst du nicht nach Kadeš? und Tubache? Kamst du nicht zu den Beduinen mit Hilfstruppen und Soldaten? Betrittst du nicht den Weg nach dem Magar? wo der Himmel am Tage finster ist, denn er ist bewachsen mit himmelhohen Eichen und Zedern (?), wo die Löwen häufiger sind als Schakale und Hyänen, und wo die Beduinen den Weg umringen.

Steigst du nicht auf den Berg Schana 3?... Wenn du nachts zurückkehrst, so sind alle deine Glieder zermahlen und deine Knochen zerschlagen, und du schläfst ein. Wenn du aufwachst, ist es die Zeit der traurigen Nacht, und du bist ganz allein. Ist nicht ein Dieb gekommen, um dich zu bestehlen? ... Der Dieb hat sich in der Nacht davongemacht und hat deine Kleider gestohlen. Dein Stallknecht ist nachts aufgewacht, hat gemerkt, was geschehen war und hat mit sich genommen, was noch übrig war. Er ist dann unter die Bösen gegangen, hat sich unter die Stämme der Beduinen gemischt und hat sich zum Asiaten gemacht. ... Ich will dir auch von einer andern geheimnisvollen Stadt erzählen, die Kepuna (Gubna, Gebal) heißt. Wie ist sie? ihre Göttin ein anderes Mal. Hast du sie nicht betreten?

1, Das syrische Kadeš, nicht das israelitische Müller, l. c. 173), ist wohl gemeint.

2, Tubich der Amarna-Briefe (Dbhu der Thutmes-Liste:).
3, Sa’na in den Inschriften Tiglatpilesers III.?

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Ich rufe: Komm nach Barut’e (Beirut), nach D’ilduina (Sidon) und D’arput'e (Sarepta). Wo ist die Furt des Nat’ana ?? Wo ist 'Eutu?? Sie liegen über einer andern Stadt an dem Meere, D'ar (Tyrus) der Küste heißt sie; das Wasser wird ihr auf Schiffen zugeführt, sie ist reicher an Fischen als an Sand ..... Wohin führt der Weg von ‘Aksapu"? nach welcher Stadt:

Ich rufe: komm zum Berge User. Wie ist sein Gipfel? wo ist der Berg von Sakama ? Wer wird ihn besetzen? der Mahar. Wo marschiert er nach Hud aru? Wie ist seine Furt? Zeige mir, wo man nach Hamat'e (Hamathgeht“, nach Degar und Degar-'ear, dem Ort, wo sich der Mahar ergeht.“

Weiter heißt es, nachdem in der üblichen Weise gefragt ist, wo die Furt des Jordan sei, wo Megiddo liege und ob es etwa noch einen ebenso tapferen Mahar gebe:

„Paß auf, auf die Schlucht mit dem Abgrund von zweitausend Ellen Tiefe, die voll ist von Blöcken und Geröll. Du machst einen Umweg. Greifst du nach dem Bogen ... und zeigst dich den guten Fürsten (d. h. den Verbündeten Ägyptens), so ermüdet ihr Auge an deiner Hand. ,’Ebata kama 'ear mahar n'amu“ sagen sie und du erwirbst dir den Namen eines Mahar, des besten der Offiziere Ägyptens. Dein Name wird berühmt bei ihnen wie der des Qad’ardey, des Fürsten von ’Esaru, als ihn die Hyänen fanden innen im Dickicht, im Engpass, der von den Beduinen versperrt war; sie waren unter den Büschen verborgen, und manche von ihnen maßen vier Ellen von der Nase bis zur Ferse, sie hatten wilde Augen, ihr Herz war unfreundlich, und auf Schmeicheleien hörten sie nicht. Du bist allein, kein Späher ist bei dir, kein Heer folgt dir, und du findest niemand, der die Wegrichtung zeige. Du mußt allein gehen und weißt doch den Weg nicht. Da faßt dich die Angst, dein Haar sträubte sich und deine Seele liegt dir auf der Hand. Dein Weg ist voll von Blöcken und Geröll, du kannst nicht auf ihm vorwärts kommen wegen der ’Esbururu- und Qad'apflanzen, wegen der Nahapflanzen und wegen des Wolfssohlenkrautes. Auf einer Seite hast du die Abgründe, auf der anderen die Bergwand, so gehst du bergab.“

Das Ende dieser bösen Fahrt ist, daß die Pferde scheuen und ihre Stränge zerreißen; in der Sonnenglut muß der arme Mahar zu Fuße wandern, von Durst und Angst vor lauernden Feinden gequält. Überhaupt wird er vom l'nglück auf seiner Reise verfolgt.

201.

?) Nahr el Kasimije, der Leontes, heute im Oberlauf Litani.
2) Usu, Palätyrus, s. Winckler, Gesch. Isr. I,
3) Akzib in der Thutmes-Liste S. 195; bei Eusebius Ekdippa.
*) Muß die Scala Tyriorum sein.
3) Sichem, also der Ebal oder Garizim? S. Müller, 1. c. 394.

*) Paß, „wo man nach Hamath geht“, die Grenze des hetti tischen dann des ägyptischen, dann des assyrischen Machtgebietes, der nördlichste Punkt des Reiches Israel.

„Wenn du nach Joppe hineinkommst“, berichtet spottend der Verfasser, „so findest du den Garten grünend zu seiner Zeit. Da dringst du ein, um zu essen und findest darin das schöne Mädchen, das die Weinberge bewacht, die schließt sich dir als Genossin an und gewährt dir ihre Reize."

Ein Dieb benutzt die Stunde, um dem Mahar die Pferde vom Wagen zu schneiden und seine Waffen zu stehlen. Am Schlusse heißt es:

„Sieh dies freundlich an, damit du nicht sagst, ich hätte deinen Namen bei andern Leuten stinkend gemacht. Sieh, ich habe dir ja nur geschildert, wie es einem Mahar ergeht; ich habe Syrien für dich durchlaufen, ich habe dir die Länder zusammen vorgeführt und die Städte mit ihren Gebräuchen. Sei uns gnädig und sieh es mit Ruhe an.“

Aus dem ägyptischen Material1 ist noch eine überaus wichtige von Flinders Petrie entdeckte Inschrift aus der Zeit um 1250 hervorzuheben, die ,,Israel" als Landesbewohner, die zu Kanaan gehören, nennt, und in der Merneptah als ein König verherrlicht wird, der Länder erobert und ,,beruhigt" hat (Abb. 105):

Die Fürsten sind zu Boden geworfen und sagen šalôm ?, niemand unter den Fremdvölkern erhebt sein Haupt. Verwüstet ist Libyen, Cheta ist zur Ruhe gebracht, das Kanaan ist erobert in allem Bösen (:), fortgeführt ist Askalon, überwältigt ist Gezer, Y-nu-'m' ist vernichtet, Y-si-r-'-1° ist verwüstet (?) ohne Frucht 5; alle Länder insgesamt sind in Frieden; jeder, der umherschweifte, ist durch den König Merneptah . ge

züchtigt worden. Es läßt sich nicht mit Sicherheit entscheiden, in welchem Verhältnis das hier genannte Israel zu den unter Moses und

1) Abb. 101f. stellen Gefangene aus dem Amoriterlande dar.

2) Semitisches Fremdwort im ägyptischen Text (Spiegelberg). Der bekannte Gruß, hier um Frieden bitten, assyr. ša’alu sulmi.

3) Ist wohl das Janoah Jos 16,6 f., das heutige Janûn, südöstlich von Sichem. Ist es dieselbe Stadt, deren Eroberung durch Sethi auf der Außenwand des Säulensaales in Karnak verherrlicht wird? S. Abb. 109 links oben.

*) „Israel“ mit Determinativ für Menschen.

5) Die letzten Zeilen nach der Übersetzung Steindorffs. Spiegelberg 1. c. S. 39: „Palästina ist eine Witue (vgl. Klagel 1, 1 für Ägypten geworden.“

Jeremias, A. Test. 2. Aufl.

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es

Josua aus Ägypten gewanderten Stämmen steht. Merneptah soll nach einigen der Pharao der Unterdrückung sein (s. S. 407). Wenn das richtig ist, so sind die hier erwähnten Israeliten Hebräer in dem S. 313 angedeuteten Sinne, mit denen sich die aus Gosen einwandernden Stämme auf Grund alter Zugehörigkeit hernach verbanden, oder sind die aus Gosen ausgewanderten bene Jisrael selbst. Irgendein Zusammenhang mit den Israeliten der mosaischen Zeit, die im Streit mit dem Pharao standen, dürfte bestehen 1

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Die wichtigsten Auskünfte über die Zustände Kanaans in vorisraelitischer Zeit gewähren uns, wie bereits angedeutet, die im Jahre 1887 in den

Abb. 106: Amenophis III. Ruinen von Chut-Aten,

Relief aus einem thebanischen Grabe. Berlin. dem heutigen Tell-elAmarna aufgefundenen Tontafeln. Es sind Staatsurkunden aus der Regierung der Pharaonen Amenophis III. und vor allem Amenophis IV. (Chuenaten, s. Abb. 106 und 107), also aus der Zeit um 1450 v. Chr.?, bestehend in Briefen vorderasiatischer

1) Vgl. Erbt, Ebräer S. 1 ff., der bestimmte Beziehungen nachweisen zu können glaubt.

2) Soweit sie bisher bekannt geworden sind (ca. 300 Bruchstücke), werden sie im Berliner Museum, im Museum von Gizeh (Kairo) und im Britischen Museum aufbewahrt, einige sind in Privatbesitz. Den in Berlin und Kairo befindlichen Teil veröffentlichten Winckler und Abel, „Der Tontafelfund von el-Amarna“ 1889–90; die Tafeln des Britischen Museums gab C. Bezold heraus: „The Tell-el- Amarna Tablets in the British Museum“ 1892. Transskription und Übersetzung gab H. Winckler KB V. Eine neue vollständige kritische Ausgabe in Transskription, Übersetzung

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