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diente gleich einem anderen in Fragmenten gefundenen Altar offenbar dem Räucheropfer des Privatkultus. S. Abb. 114 und 115 und 116.

Neben der babylonischen und ägyptischen Kultur will Sellin auch eine originell kanaanitische Kultur konstatieren, vor allem an gewissen Erzeugnissen der Keramik, die durch Schraffierungen, eigenartig gewölbte Handgriffe und bestimmte Dekorationen sich kennzeichnen. Was sich aus der israelitischen

Ära (also etwa seit 1200) als originell erweist, ist ungeschickt und plump und entspricht der Erwartung: Israel war in allen kulturellen Dingen abhängig

Sellin glaubt beobachtet zu haben, das in der israelitischen Ära der babylonische Einfluß aufhört. Wir können das kaum für möglich halten. Gewiss, die babylonische Macht sank damals, aber die assyrische war in kultureller

Beziehung mit der babylonischen identisch. Übrigens sind der babylonische Löwe auf dem Siegel von Me

giddo, ferner der in Abb. 115: Räucheraltar von Ta'annek. Original im Museum zu Konstantinopel.

Gezer gefundene Keil

schrift - Kontrakt 1 und die in Sebaste gefundenen assyrisch-babylonischen Siegelzylinder Zeugen für das Gegenteil. Wir werden auch biblische Spuren finden, nach denen das Babylonische noch später seinen Einfluß geltend machte, auch in Sprache und Schrift.

Die Ausgrabungen in Palästina haben übrigens neben dem babylonischen und ägyptischen noch einen dritten Kulturfaktor für das Bibelland erwiesen, der seit dem 14. Jahrhundert sich geltend inacht, nämlich den sog. mykenischen? Wir haben

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1) Palest. Explor. Fund 1904, 229 ff., vgl. Sellin I. c. S. 28.

2) Ein solcher Einfluß erklärte sich auch mit der Einwanderung der Seevölker, zu denen die Philister (Kreta-Kest-Kaphtor) gehörten.

S. 290 f. an einem Beispiel gezeigt, welche nahe Verwandtschaft auch hier mit Babylonien sich zeigt. Wenn übrigens eine gewisse Emanzipation von Babylonien und Ägypten zutage tritt, so entspricht das der Tatsache, dass in dieser Zeit i seit dem 13. Jahrhundert) die palästinensischen Staaten für eine freiere Entfaltung Raum hatten. Es ist ja zugleich die Zeit, in der die hebräische Buchstabenschrift eingedrungen sein muß 1, die die Keilschrift in Kanaan verdrängt hat. Kenntlich ist diese Kultur an Krugscherben mit sog. Leiterdekoration, geometrischer Dekoration, Fischen, Vögeln, Tieren, besonders Steinböcken (s. Abb. 117 und 118). Solche Krüge wurden auch auf Cypern und in Ägypten gefunden und

Abb. 116: Räucheraltar von Ta'annek. als phönizische bezeich- Original im Museum von Konstantinopel. net; sie ähneln aber Scherben von Mykenä und Rhodus, die als hier fabrizierte Ware angesehen werden dürfen .

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Abb. 117 und 118: Siegelzylinder aus Tell Hesy (BliB, A Mound of many cities S. 79).

Die Grabungen des Deutschen Palästinavereins in Mutesellim (Megiddo) haben ebenfalls wichtige mächtige altkanaanäische Burganlagen und wichtige Einzelfunde zutage ge

1) Zu ihrer Entstehung in viel älterer Zeit s. Hommel, Grundriß S. 28. 2) Nach Sellin, Ertrag der Ausgrabungen S. 26f.

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fördert. Zu diesem Funde gehört das Abb. 119 wiedergegebene althebräische Siegel des ,,Šema', des Dieners Jerobeams": Wir heben noch folgendes hervor:

Ein ägyptisches Räuchergerät (abgebildet MDPV 1904, S. 55), ein babylonischer Siegelzylinder aus Jaspis, ein

babylonischer Siegelstein mit Lebensbaum und Greifen und anderen Tierfiguren, Lebensbaum mit Greifen auch auf einem weißen Email-Amulet, Astarte-Figuren, behauene Malsteine, wie in Ta‘annek, Trümmer eines Felsenaltars.

In beiden Hügeln fand man Krüge mit Resten von massenhaften Kinderleichen. Sellin u. a. schließen auf Kinderopfer. Wir möchten dieser Hypothese entschieden widersprechen. Man wird die Kinder im Hause begraben haben, wofür auch die jüngst in Assur gefundenen Grab

anlagen sprechen, und, wenn Abb. 119: Das Siegel des „Šema', des Dieners Jerobeams“ (in doppelter Größe). ,

möglich, in der Nähe von Nach MDPV 1904, S. 2.

Heiligtümern. Auch das

,,durchs Feuer Gehen" des Erstgeborenen ist nicht Menschenopfer, sondern Zeremonie des Sonnenwendfestes gewesen. Menschenopfer, wie sie mit Entsetzen vom Moabiterkönig berichtet werden (2 Kg 3, 27), werden zu den grausigen Seltenheiten gehört haben.

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Die Religion im vorisraelitischen Kanaan. Die Geschichte der Kulte spiegelt wie überall so auch in Kanaan die Schichten der Eroberungen wieder. Politische Umwälzungen identifizieren die Kulte. Dabei ist aber auf vorderasiatischem Gebiete zu beachten, daß hinter sämtlichen Kulten die gleiche religiöse Lehre steht. Wenn für Tammuz Osiris, für Ištar die Ba'alat von Gobal, für Ba'al Amon erscheint, so ist das nur ein Wechsel der Namen. Von „Mischreligion“ darf nur unter diesem Gesichtspunkt geredet werden? Der oben

“) Kautzsch, Mittlg. u. Nachr. des DPV 1904, 1 ff. In den Jahrgängen 1904 ff. findet man die ausführlichen Berichte über Mutesellim.

?, Vgl. Frdr. Jeremias bei Chantepie de la Sassaye, Religionsg.: 348 ff. 359 ff. Auch Sellins Darstellung von den kanaanäischen Religionen auf Grund der Ta‘annek-Funde I. c. S. 105 ff. ist noch von der alten Anschauung beherrscht, die die innere Einheit der Kulte verkennt. Verhängnis

S: 316 abgebildete Siegelzylinder mit babylonischem Bild und babylonischer Legende und Segenswunsch in Hieroglyphen entspricht dem politischen Zustand: Ägypten und Babylonien kämpfen um die Oberhoheit in Syrien.

Die in der Bibel bezeugten kanaanäischen Götter Ba'al und Molek entsprechen wahrscheinlich der Oberwelt- und UnterweltErscheinung der kanaanäischen Astral-Gottheit 1; es sind Sonnengottheiten in den beiden Hälften des Kreislaufs, die eine segenbringend, die andere verderbenbringend.

Nach den Amarna-Urkunden 2 tritt in allen Gebieten Kanaans Addu hervor (s. S. 78). Er ist die Repräsentation des Naturkreislaufs unter Betonung der Wettererscheinungen (S. 113), entsprechend dem babylonischen Adad-Ramman, oder, was im letzten Grunde dasselbe ist, Marduk nach gewissen Seiten seiner Erscheinung, und dem hettitischen Tešup (S. 112, Abb. 44 u. 45). Die Griechen würden sagen: Jupiter Dolichenus (S. 113). Br. 149, 13 ff. 3: „Der König läßt seine Stimme am Himmel wie Addu ertönen, so daß das ganze Land vor seiner Stimme erzittert.“ Es ist der Ramman von Halmân (Aleppo), dem Salmanassar II. opfert, als er Syrien betritt*.

Die weibliche Entsprechung ist Ištar, die an jedem Kultort unter einem besonderen Typus verehrt wird. In Ta‘annek fanden sich 19 Fragmente von Ištar-Statuetten in gleichem charakteristischen Typus, vier von anderen Typen. Die Göttin heißt Aštarti oder, wohl in der speziellen Kultform des Pfahles,

voller aber ist der Irrtum von , ursprünglich“ primitiven religiösen Zuständen: Steinkultus, Baumkultus, Tierkultus (Sellin S. 107 „ältere religiöse Verehrung der Tiere“, S. 109 „uralter Baumkultus“). Das sind Eierschalen der evolutionistischen Auffassung.

1) Baʻal ist der babylonische belu, „Herr“. In Molek (1 Kg 11, 7, sonst immer mit Artikel) verbirgt sich wahrscheinlich das „babylonische“ Götterattribut malik „Entscheider“. Die Vokalisierung von Molek ist absichtliche Verderbung nach Analogie von bošet. Die Opferbrandstätte Jes 30, 33 gilt nicht dem Molek sondern der malkâ, d. i. Ašera, s. Erbt, Die Ebräer S. 235. Der greuliche Moloch verschwindet endgültig in der Versenkung.

2) S. Trampe, Syrien vor dem Eindringen der Israeliten, Wissensch. Beilage zum Jahresbericht des Lessing-Gymnasiums 1898 und 1901. Eine sehr tüchtige Bearbeitung der Briefe nach ihrer kulturellen Seite; in bezug auf die Religion herrscht auch hier die alte Auffassung, die vom „,spätern Baal“ etc. spricht.

Zitiert noch nach der Ausgabe in KBV. 4) KB I, 172 f.

5) Man denke an die verschiedenen Marien im katholischen Kultus, die alle dieselbe Himmelskönigin darstellen.

Jeremias, A. Test. 2. Aufl.

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an:

der in das Bild der Göttin ausläuft (S. 110 und Abb. 41), Ašera, Aširta, Ašratum 1. In besonderem Ansehen steht die Ba'alat von Gobal (Byblos) Br. 57, 4 etc. Ihr Verhältnis zu TammuzAdonis wurde S. 115f. besprochen.

Ferner erscheint in Eigennamen der S. 335 besprochene Gottesname Ilu (bez. Ilâni), ferner in theophoren Namen Ninib (Bît-Ninib Stadt bei Gebal 55, 31 und bei Urusalimmu Br. 183, 15), Dagon Br. 215f. in Dagan-takala. Von ägyptischen Gottesnamen erscheint Amon (Am-mu-nira heißt ein Einwohner von Berut Br. 128, 3 und Amanhatbi Br. 134f.). Die Briefschreiber rufen ihn dem Pharao zuliebe Amana, der Gott des Königs“ Br. 54, 4. Als seine Partnerin erscheint Bêlit von Gobal Br. 67, 5, sie entspricht ja Isis. Br. 87, 64 ff. schreibt Rib- Addi: „Dein Vater war Ilâni (Plur. von Ilu, wie Elohim, s. S. 336) und Šamaš und Bêlit für Gobal." Babylonisch entspricht Amon-Re einerseits Marduk, andrerseits Šamaš; Abimilki von Tyrus sagt Br. 150, 6 ff.: „O König, wie Šamaš, wie Addu am Himmel bist du.“ Der Pharao erscheint als Inkarnation der Sonne und heißt als solcher in den Briefen Šamaš. Br. 144, 16 ff.: ,,Mein Herr ist die Sonne am Himmel, wie auf das Aufgehen der Sonne vom Himmel, so warten die Diener auf das Hervorkommen des Wortes aus dem Munde seines (!) Herrn.“ Br. 138, I nennt den Pharao mar Šamaš, „Sohn der Sonne“, Br. 208, 18 ff. : ,,Der König, die Sonne vom Himmel, Sohn der Sonne, den Samaš liebt" 2.

Die Gottheit erscheint ja als summus deus, als Ba'al, in ihrem Gebiet. Dabei gilt der Grundsatz, daß man Sukkurs von anderen haben kann, wie in der Jonas - Geschichte anschaulich dargestellt ist Jon 1, 5 f. Br. 146, 14 ff. schreibt Ittakama: ,,Wenn deine Götter und dein Samaš vor mir einherziehen, will ich die

1) Ašrat auf der Inschrift Hammurabis als des Herrschers über das Westland, s. S. 294. Am.-Br. 40, 3 Abd-as-ta-[ar)-ti (Schreibfehler: aštati), var. Br. 38, 2: Abd-(ilu)-aš-ra-tum, 124, 6: Abdaširta, Varianten 58, 19; 137, 60; 65, 10 Abd-ašratum und Abd-ašrati.

2) Als Stadtgottheit von Tyrus erscheint Šalmajâti (Br. 152, 31f. 40. 51 f.) Trampe hat l. c. die ansprechende Vermutung ausgesprochen, daß Melkarth nur Epitheton ist: Melek-karth „König der Stadt“; vgl. Hommel, Altisr. Überl. 223f.; Grundriß 160 Anm. 4 und Šargânî-šar-ali (ilu šar ali schon bei Urnina). Winckler hat die Benennung Jedidjas, des Sohnes Davids (Salomo, Vasall von Tyrus) damit in Verbindung gebracht, s. Winckler, KAT195. 236, Erbt, Hebräer S. 74 und 152. Nach Hommel wäre Šalmajâti Pl. maj. von Šalmai (vgl. Nabajâti von Nabiu), auch der arabische Frauenname Salmai wäre zu vergleichen.

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