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Städte zurückbringen." Die Vasallen haben deshalb die Pflicht, die Götter ihres Oberherrn zu verehren. Br. 213,9 f. aus Askalon: ,,Ich bewache für meinen Herrn (?) die Götter des Königs, meines Herrn." Eroberungen werden dadurch besiegelt, daß man wie in Babylonien und Assyrien die Götterstatuen wegführt und damit das Land herrenlos macht, oder dadurch, dass der König seinen Namen auf die Götterstatue setzt (Beispiele: Br. 138, Rev. 18 ff. 29) Die zürnende Gottheit verläßt das Land (vgl. die Ansicht im jüdischen Volke: Jahve sieht uns nicht, Jahve hat das Land verlassen Ez 9, 9).

Br. 71, 61 spricht von Tempeln (bît-ilâni) und Tempelschätzen. Der Kultus von Gobal wurde von Priesterinnen verwaltet, von denen Br. 61, 54; 69, 85 zwei mit Namen nennen.

Die Funde von Ta'annek und Mutesellim zeigen natürlich die gleichen Erscheinungen. Von den Ištar-Typen war S. 316f. die Rede. Der Siegelzylinder mit dem Nergal-Bild (Abb. 112) kann kaum als Zeuge für Nergal-Kult gelten. Neben Ištar, bez. Aširat, deren Kult hier ausdrücklich bezeugt wird und deren Orakel gern befragt wurden, erscheinen auch hier Bel, Adad und Amon (Amuna bez. Aman in dem Namen Ama-anan-ha-sir).

Ein religionsgeschichtlich höchst interessantes Dokument ist der S. 316 wiedergegebene Brief des Ahi-Jami an Ištarwašur. Ob der spätere israelitische Gottesname in Jami stecken kann, bleibe dahingestellt? Die tiefe Religiosität des Briefes läßt vermuten, daß es sich um einen Gottesverehrer handelt, der den „Kindern Israel“ nahe steht, sei es nun, daß er zu den ,,Hebräern“ gehört, unter denen sich altes religiöses Gut erhalten hat (S. 328) oder daß es sich um den Angehörigen eines israelitischen Stammes handelt, der zeitiger eingewandert war,

als das Gros unter Josua 3. „Der Herr der Götter möge dein

1) S. OLZ Mai 1906.

2) mi (nicht wi steht da) ist Variante des postpositiven ma, das sich auch sonst bei Eigennamen findet; die Vermutung Zimmerns bei Sellin trifft sicher das Richtige. Zum Namen vergleicht Sellin DX178 2 Sa 23, 33.

3) Asser? (Hommel, Altisr. Überl. 228; W. M. Müller, Asien und Europa 236 f.; Erbt, Hebräer 46.) Oder bereits einer der Lea-Stämme, die aus Ägypten kamen (Steuernagel, Die Einwanderung der israel. Stämme 115 ff.). Vgl. Ri 5, 17f. (Sellin I. c. 108f.). Zur religiösen Würdigung des Briefes s. Fr. Jeremias bei Chantepie de la Saussayes 1, 353; Baentsch, Monotheismus S. 57.

Leben behüten; über meinem Haupte ist einer, der da ist über die Städte, sieh, ob er dir Gutes erweisen will wenn er sein Angesicht zeigt, so werden die Feinde zuschanden." So hätte Elias an den König von Tyrus, und Elisa an den König von Damaskus schreiben können. Der Schreiber dieses Briefes kennt den Herrn der Herren, der Götter Gott, der über seinem Haupte waltet, und den Sieg verleiht, wenn er sein Angesicht zuneigt. Darin liegt mehr, als monotheistische Unterströmung. Das führt uns zum folgenden Kapitel.

Vierzehntes Kapitel.

Abraham als Babylonier.

Die Geschichten i Mos geben von II, 26 an auf Grund verschiedener Quellschriften die Überlieferung wieder, die in frommen Kreisen Israels in bezug auf die Urzeit Israels im Umlauf waren. Außer i Mos kommt noch in Betracht Jos 24, 2; Jes 63, 16; 51, i f.; Jer 33, 26 und (Sodom und Gomorrha betreffend) Am 4, IT; Jes 1, 9.

Die Erzvätergeschichten sind in der uns vorliegenden Gestalt unvollständig und idealisiert. Wir wissen nicht, wie die Quellschriften, aus denen die Erzählungen geschöpft sind, ursprünglich ausgesehen haben, und was sonst mündlich erzählt wurde. Dem Verfasser der sog. Priesterschrift haben zwei in der Hauptsache übereinstimmende Quellen vorgelegen. Er hat sie nach gewissen Gesichtspunkten exzerpiert, wohl auch außer seinem genealogischen Abriß einiges aus andern Quellen selbständig hinzugefügt. Aber seine Exzerpte sind unvollständig!

*) Ergänzungen zur Überlieferung werden wir in den Sagenstoffen der außerbiblischen und islamischen Tradition suchen dürfen (die islamische Religion wird auf Abraham zurückgeführt, wie die biblische). Auf beiden Gebieten finden wir Traditionsstoff, der unabhängig von den biblischen Quellen ist und nicht einfach erfunden sein kann. Auch die neutestamentlichen Schriftsteller (eine Übersicht über solche Stellen s. BNT 112, vgl. auch zu Hbr 11, 21 S. 376) benutzen für die Väterzeit Quellen, die neben der Bibel hergehen, und die das gleiche Recht haben, gehört zu werden, wie die durch den Redaktor uns aufbewahrten Überlieferungsstücke. Es ist z. B. im einzelnen Falle nicht ausgeschlossen, daß sie Teilen der Quellschriften entstammen, die bei der Arbeit des Redaktors unter den Tisch gefallen sind, vgl. ThLBI 1906, Sp. 348.

Auf Grund der Voraussetzungen, die in der Überlieferung aus der inosaischen Zeit liegen, müßten wir z. B. lebhaftere Beziehungen zu Arabien erwarten, vor allem würden wir Berichte über eine Kultstätte des „Gottes der Hebräer“ erwarten!. Das Beziehungen zur arabischen Steppe vorhanden waren, zeigt die Geschichte Lots und die Wanderung Abrahams mit Sarah in Notzeiten. Der Schauplatz der Opferung Isaaks i Mos 22, 2 war wohl nach dem ursprünglichen Text „auf einem Berge im Lande Musri“ (der mas. Text schreibt Morijah, s. S. 368!), auf dem Sinai-Horeb. Aber die Tradition ist verwischt. Auch von dem Blutritus, den die Passah-Feier 2 Mos 12, 7 doch wohl als bekannt voraussetzt, wissen die Vätergeschichten nichts; er ist aber für die vorisraelitische Zeit Kanaans bezeugt durch die Auffindung der Masseben an den Häusern (S. 317), die an Stelle der Türpfosten mit Blut bestrichen wurden.

Sodann trägt die Vätergeschichte die Spuren der Idealisierung. So wird bei P die Beschneidung in die Vätergeschichte eingetragen, um dieser Vorschrift eine besondere Weihe zu geben, während ja von Moses und seinen Söhnen ausdrücklich bezeugt ist, daß sie unbeschnitten waren? Aber grade der Umstand, daß die Idealisierung nicht Selbstzweck ist, spricht für geschichtlichen Kern der Erzählung. Eine idealisierende Legende ohne tatsächlichen Hintergrund würde gewiß die Väter nicht als Fremdlinge im Lande haben wohnen lassen, die mit den Barbaren um einen Begräbnisplatz handeln müssen. Sie würde ferner die Zweischwestern-Heirat des Jakob, die 3 Mos 18, 18 widerspricht, unterdrückt haben 3. Auch mancher stark menschliche Zug, der arge Flecken an den sonnenhaften Volksheroen zeigt, würde bei Sagenbildung über Idealgestalten des Volkes unerklärlich sein. Vor allem aber bezeugt die Echtheit des Milieus, daß es sich um Überlieferung, nicht um Dichtung handelt. Der zeitgeschichtliche Hintergrund und die Einzelheiten der Sitten und Gebräuche stimmen zu dem, was uns die Denkmäler aus jener Zeit berichten.

Man wendet ein, es sei unmöglich, daß sich eine solche Vätergeschichtsüberlieferung durch Jahrhunderte fortgepflanzt habe. Zum

?) S. 2 Mos 3, 18; 10, 3, 9, vgl. 1 Kg 19, 8, wo die 40 Tage nicht nach der Landkarte zu messen sind (s. S. 86); 5 Mos 32, 2; Ri 5, 4.

2) 2 Mos 4, 24 ff. Diesen Widerspruch zwischen Tradition und Gesetz benutzt einmal Jesus in den Streitgesprächen mit den Pharisäern auf eigenartige Weise, s. Jo 7, 22.

3) Vgl. S. 358.

Beweis hat man Versuche angestellt, wie weit etwa in Bauernfamilien eine mündliche Überlieferung über Kriegsereignisse u. dgl. zurückverfolgt werden könne. Weder Einwand noch Beweis sind stichhaltig. Man kann das Einzelgedächtnis der Gegenwart nicht mit dem Volksgedächtnis für entscheidende religiöse oder vermeintlich religiöse Ereignisse vergleichen. Der Odenwald z. B. steckt noch heute voll von altgermanischen Erinnerungen. Aber es muß einer (etwa als alter Pfarrer) jahrzehntelang das Vertrauen der alten Odenwaldbauern, die ihre Söhne gern Siegfried nennen, gewonnen haben, ehe sie heimlich erzählen, was sich von den Urvätern her vererbt hat. Und in der Wendei oder in Ostpreußen kann man noch heute „unheimliche“ Weiber finden, die in der Hexensabbathnacht oder in der Sonnenwendenacht die alten heidnischen Opfer darbringen und die Geheimnisse bewahren, die sie von den Müttern der Vorzeit geerbt haben. Man bedenke, daß immer drei Generationen zugleich leben und daß bei zähen Völkern nicht allzuviel Generationen zu einem Jahrtausend gehören. Und dazu handelt es sich hier um orientalisches Gedächtnis. Wer als Kenner des alten Orients 1001 Nacht liest, sieht mit Staunen, welche Zähigkeit die Tradition im Orient besitzt. Übrigens dürfen wir annehmen, daß den Quellschriften des Elohisten und Jahvisten nicht nur mündliche, sondern auch schriftliche Überlieferung zugrunde lag, wie ja auch die babylonischen Erzählungen, die in neubabylonischer Zeit von den Helden aus Hammurabis Zeit berichteten, sich als Abschriften oder Umdichtungen alter Urkunden darbieten, vgl. S. 215 ff.?

!) Vgl. jetzt Erbt, Die Ebräer S. 61 ff.: „Abraham erscheint als eine Gestalt von Fleisch und Blut aus der Zeit Hammurabis.“ Erbt glaubt, daß geschichtliche Urkunden aus kanaanäischer Zeit vorgelegen haben. Die Heiligtümer von Penuel - Mahanaim und Sichem können Archive gehabt haben mit Urkunden aus der Hammurabi -Zeit. Auch Jerusalem kann Traditionen schriftlich aufbewahrt haben (vgl. Malkisedek in Ps 110, s. S. 351).

2) Nach den Gesetzen der ethnographischen Forschung kann Familiengeschichte nicht Ausgangspunkt einer Völkergeschichte sein. Völker und Stämme entstehen durch Verschmelzung von Familien und Geschlechtern, nicht durch Vermehrung und Spaltung von Familien. Aber auch die Familien sind nicht vom Himmel gefallen“ (Nikel, Genesis u. KF 211). Die meisten israelitischen Stammnamen sind ursprünglich Personennamen (Hommel, Grundriß, S. 185f.). In Arabien leiten sich noch heute viele Stämme von einem Stammvater ab (vgl. Cornill, Geschichte des V. I. 37f., wo auf türkische Statistiken über Beduinenstämme des Dscholan und Hauran gewiesen wird, und ZDPV XXIII, 58). Die Gesetze der Ethnographie würden uns übrigens keinesfalls abhalten, die Herkunft Israels von einem Stamme anzunehmen, wenn nicht andre Gründe dagegen sprechen würden. Dieselben Gesetze schließen ja auch die Abstammung des Menschengeschlechts von einem Paare aus, die wir vom Standpunkte der christlichen Weltanschauung aus festhalten. Gesetze sind Kategorien des menschlichen Denkens. In der Geschichte Israels ist vieles in Religion und Geschichte ohne Analogie. Man könnte für den Volksanfang der Israeliten sehr wohl eine Ausnahme zugestehen, wenn man die besondere Rolle anerkennt, die Israel in der Geschichte der Erziehung des Abraham erscheint in der vorliegenden Darstellung als ,,Stammvater". Es ist ein Charakteristikum aller semitischen Geschichtsdarstellung, daß das Volk gleich dem Stamm als eine Familie erscheint, die ihren Ursprung auf einen Stammvater zurückführt. Aber die Überlieferung läßt selbst durchblicken, daß die Familiengeschichte nicht im Sinne einer ethnologischen Spaltung verstanden sein will. Es will nur insofern geschichtlich sein, als das Familienschema Traditionen von hervorragenden Häuptern der Kinder Israel" in ihren Anfängen aufbewahrt, unter denen es auch einen Jakob mit ca. zwölf Söhnen gab. Die Stammbäume sind später künstlich gemacht. Jeder wollte vom Adel der Crzeit stammen. Weiteres hierzu s. S. 363 ff.

Abraham ist nicht Stammvater im ethnologischen, sondern im religiösen Sinne, ,,Vater der Gläubigen". Wenn er „zum großen Volke gemacht werden soll“, so ist das von der religiösen Gemeinde zu verstehen, wie 4 Mos 14, 12, wo Moses Stammvater eines neuen Volkes werden soll, wenn etwa das alte ausgerottet werden muß. Das ethnographische Mißverständnis, e lumbis Abrahae, ist das Unglück der Juden geworden. Johannis der Täufer und Jesus haben damit zu kämpfen gehabt. Um so nachdrücklicher betonen wir die religiöse Bedeutung der Abstammung von Abraham. Die Religion Israels, die sich später um den Namen 110schart, beginnt nicht erst mit Moses. Sie ruht auf Offenbarung. Moses ist im besonderen Sinne Träger der Offenbarung. Aber die Offenbarung hat Vorstufen in der vormosaischen Zeit. Und auch hier kann sie nur auf Persönlichkeiten gewirkt haben. Die führenden religiösen Persönlichkeiten und Offenbarungsträger der Lrzeit Israels sind die Erzväter.

Die biblische Überlieferung läßt durchblicken, daß die Anfänge der religiösen Gemeinschaft, die später „Kinder Israels" heißt, aus einer Wanderung? hervorgegangen sind, die aus

Menschengeschlechts zukommt. Auf Grund von Axiomen, nach denen die Urprobleme der Menschheit als unlösbar gelten, pflegt man freilich dergleichen Deduktionen von vornherein als unwissenschaftlich zu brandmarken. Vielleicht ändert sich das einmal. Aber wie gesagt, die Behauptung einer autochthonen Herkunft der „Kinder Israel“ stimmt gar nicht zum Sinne der Überlieferung.

*) Daß Klostermann, Gesch. Isr. 31, eine ähnliche Auffassung von der Wanderung Abrahams als einer historischen Volkswanderung hat, sah ich nachträglich, durch eine Zuschrift D. Klostermanns aufmerksam ge

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