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Dein, dein Wort, wenn es im Himmel erschallt, werfen die Igigi sich

auf das Antlitz nieder; dein, dein Wort, wenn es auf Erden erschallt, küssen die Anunnaki den

Boden. Dein, dein Wort, wenn es droben wie der Sturmwind dahinfährt, läßt

es Speise und Trank gedeihen; dein, dein Wort, wenn es auf die Erde sich niederläßt, so entsteht

das Grün. Dein, dein Wort macht Stall und Hürde fett, breitet aus die Lebewesen ; dein, dein Wort läßt Wahrheit und Gerechtigkeit entstehen, so daß

die Menschen die Wahrheit sprechen. Dein, dein Wort gleicht den fernen Himmeln, der verborgenen Unter

welt, die niemand durchschaut; dein, dein Wort, wer verstände es, wer käme ihm gleich? O Herr, im Himmel an Herrschertum, auf Erden an Herrschaft hast

du unter den Göttern, deinen Brüdern, keinen Rivalen; König der Könige, erhabener, gegen dessen Befehl niemand ankommt,

dem an Göttlichkeit kein Gott gleicht.

Über die religiösen Motive, die zur Wanderung der Abrahamsleute geführt haben, können wir natürlich nur Vermutungen aussprechen. Nach Analogie anderer religionsgeschichtlicher Erscheinungen auf dem Gebiete des alten Orients dürfen wir annehmen, daß es sich um eine reformatorische Bewegung handelt, die gegen religiöse Entartung der herrschenden Kreise protestiert'. Nach Lage der Sache könnte es sich um Entartung im Bereiche des Mondkultus handeln oder um einen Protest gegen den durch die Hammurabi-Dynastie zur Geltung gebrachten Kult des neuen astronomischen Zeitalters (MardukKult, s. S. 66 f.)? Weder in diesem noch in jenem Falle würde es sich um eine völlige Negierung des betreffenden astralreligiösen Systems handeln, sondern nur um einen Protest gegen den auf der Lehre ruhenden polytheistischen Kultus. Die Lehre selbst haben die Träger der Jahve - Religion in der Väterzeit ebenso wie auf späteren Stufen (mosaische Religion, prophetische Religion) sehr wohl gekannt. Das zeigt sich in den astralmythologischen Motiven und vor allem, wie

) Die jüdische und die islamische Legende machten Abraham zum Märtyrer unter Nimrod. Wir sind auch hier der Meinung (vgl. S. 324 Anm. 1 BNT 65. 67), daß es sich nicht um Hirngespinste und Spintisierungen handelt, sondern um eine legendär vorgetragene mit mythologischen Motiven ausgestattete religionsgeschichtliche Wahrheit.

2) So jetzt Winckler, Abraham als Babylonier S. 24 ff., die Gesetze Hammurabis S. XXXI.

3) Für die Abrahamsüberlieferung s. S. 338 ff. Baentsch I. c. S. 60 überschätzt m. E. die religiöse Bedeutung dieser poetischen Motive, wenn er

wir später sehen werden, in der Symbolik des Kultus, in der sich die Elemente der astralen Lehre erhalten haben.

Wir sehen also in Abraham einen Mahdi. Der Auszug aus Babylonien erscheint uns als Hedschra. Die religiöse Bewegung unter Muhammed bietet in vielen Punkten eine religionsgeschichtliche Analogie. Wie die Religion Muhammeds, so knüpfte die Religion Abrahams an die vorhandene Ideenwelt an im Sinne eines reformatorischen Fortschritts2. Die Überlieferung weiß von visionären Erlebnissen in Ur (Neh 9, 7) wie in Harran (1 Mos 12, 1). Auf höhern Befehl führt er die Seinen nach dem Westlande; wie es scheint, nach dem Gebiet, das jenseits des Herrschaftsgebietes des babylonischen Herrschers lag. In Kanaan ist sein ganzes Leben durch visionäre und ekstatische Erlebnisse charakterisiert: 1 Mos 12, 7; 13, 14; 15, I ff.; 17, 1 ff.; besonders 15, 12 ff.

Hier tritt nun eine Tatsache in Kraft, die mit den Mitteln historisch-kritischer Untersuchung weder bewiesen noch widerlegt werden kann. Abraham machte die Erfahrung von dem Eingreifen des lebendigen Gottes der Urzeit, der Himmel und Erde gemacht hat, in das eigne Leben und in die Erziehung des Menschengeschlechts? Gott hat Abraham seine Wege wissen

annimmt, daß sie das Anzeichen dafür bilden, daß die Väterreligion noch keinen prinzipiellen Bruch mit der Astralreligion hat bedeuten wollen, wenn sie auch einen Schritt über die altbabylonische Religion hinaus vorstellt.

1) In den Kreis dieser Symbolik würden wir auch die Nomenklatur des Berges der Gottesoffenbarung als Sinai rechnen, der nach 2 Mos 3 (hier Horeb genannt) bereits für die Väterzeit als Kultort angenommen wird.

2) AG 7, 2 scheint eine Überlieferung anzudeuten, nach der Abraham bereits von Ur aus religiöse Propaganda nach Mesopotamien hin getrieben hatte. Die Stelle sagt, Abraham habe ,,in Mesopotamien, ehe er in Harran war“, den Befehl zur Auswanderung erhalten. Harran kann selbst bei der mißbräuchlichsten Anwendung des Namens Mesopotamien nicht in Gegensatz zu Mesopotamien gesetzt werden, dessen Hauptort es ist. Die Abraham - Apokalypse scheint nun in der Tat von einer früheren Reise Abrahams nach Fandana, d. i. Paddan Aram, zu wissen (s. Apok. Abrahams, ed. Bonwetsch in Studien zur Geschichte der Theologie und Kirche I, 1); vgl. meinen Artikel Mesopotamien in Hauck, RPTh'.

3) Die Kritik sagt natürlich: Das ist im Sinne der späteren prophetischen Religion zu verstehen. Aber das ist petitio principii

. Übrigens: wenn Gott sich den Propheten kundgab, muß er dann in den Anfängen der israelitischen Religion untätig gewesen sein? Wenn man fragt: wo war denn dann seine Öffenbarung vor Abraham? so sagen wir mit AG 14, 16: „Er ließ die Menschen ihre eignen Wege gehen“, aber im Sinne von

lassen und die Abrahamsleute sein Tun. Er erweist sich als der barmherzige Gott, der Gebete erhört und Sünden vergibt. Das ist der Anfang der „Offenbarung“ im biblischen Sinne, die im Christentum ihr Ziel hat, und die in ihren Anfängen und Fortschritten immer nur auf Personen wirken konnte. Das Wie? bleibt ein Rätsel, das nur die religiöse Erfahrung lösen kann. Aber ein Gesetz dieser Offenbarung kennen wir. Sie fällt nie vom Himmel, sondern knüpft immer an Gegebenes an und wirkt läuternd auf eine allmähliche religiöse und sittliche Entwicklung. Über das Nähere können wir nur Vermutungen aufstellen.

Es erhebt sich zunächst die Frage, ob die uns erhaltenen Überlieferungsstücke einen Rückschluß auf die Religion der Abrahamszeit gestatten.

Es finden sich charakteristische Gottesnamen in der Väterüberlieferung, die nicht auf Rechnung späterer Überarbeitung gesetzt werden können. Der Gott Abrahams heißt ’el, 1 Mos 21, 33 beim Heiligtum von Beerseba ? 'el ‘olam, „Gott der Urzeit“ und 'el šaddai i Mos 17, 1, 2 Mos 6, 3, vgl. i Mos 49, 25f., was noch keine befriedigende Erklärung gefunden hat. Die Gottesbezeichnung ilu an sich besagt nichts über den Gottesbegriff. Der gleiche Gottesname ist als Zeugnis monotheistischer Neigung auch sonst auf babylonischem und kanaanäischem Gebiete vielfach zu finden 3; der Plural ’elohîm findet sich als

Rö 1, 19ff. Mit dem „Vater der Gläubigen“ trat das Novum ein, eine auf Heilsgeschichte abzielende Offenbarung.

1) Baentsch I. c. 56: „Sie würde kaum einen 'el šaddai oder einen abstrakten elohim eigens für Abraham konstruiert haben. Gerade in diesem Punkte müssen wir daher eine alte, gut historische Überlieferung sehen, die man nicht so leichten Kaufes drangeben darf, und die gerade von einer Theologie, die sich selbst so geflissentlich als eine religionsgeschichtliche bezeichnet, mit besonderer Gewissenhaftigkeit gewürdigt werden sollte."

2) Brunnen der „Sieben“, d. h. der Plejaden, die die Unterweltsmacht repräsentieren.

3) Delitzsch, BBI 4, 75: Ilu-amranni, „Ilu, sich mich an“, Ilu-tûram, „Ilu, wende dich wieder zu“, Ilu-ittia, „Ilu mit mir", Ilu-amtahar, ,,Ilu rief ich an“, Ilu-abi, „Ilu ist mein Vater“, Jarbi-ilu, „groß ist Ilu“, Jamlikilu, „Ilu sitzt im Regiment“, Ibši-ina -ili, „durch Ilu trat er ins Dasein“, Avel-ilu, „Knecht Ilus“, Ilûma-abi, „Ilu ist mein Vater", Ilûma -ili, „Ilu ist Gott“, Šumma - ilu-lâ - ilia, „wenn Ilu nicht mein Gott wäre“ usw. In den Amarna-Tafeln kommen Namen vor, wie: Šabi -ilu, Milki-ilu, llimilku, Jabni - ilu. (Vgl. hierzu Hommel, Altisr. Überl Kap. III und jetzt vor allem Ranke, Early Babyl. Personal Names, Philadelphia 1905.)

Bezeichnung für Gott im pluralis majest. (ilâni) auch in den Amarnabriefen. Einen Wink für die Qualität des Gottesbegriffes gibt vielleicht das Epitheton 'el 'olam, das Abraham seinem Gotte unter dem Eindruck des Bundesschlusses mit Abimelech beilegt?. 'El solam kann heißen: ,,Gott der Lrzeit“ oder „Gott der Welt" ('olam für Zeit und Raum gebraucht), speziell die Gottheit, die (als summus deus) am Nordpunkt des Weltalls ihren Sitz hat?. Charakteristisch ist auch die Begegnung mit Malkişedek. Malkisedek, der Priester von Jerusalem (zur geschichtlichen Würdigung dieser Gestalt s. S. 349 ff.), nennt den Gott Abrahams 'el 'eljon, Schöpfer (np., nicht bs) von Himmel und Erde 14, 19. Abraham bedient sich des gleichen Namens im Gespräch mit dem König von Sodom. Es ist also der Kultname des Gottes Abrahams in Sichem, s. 14, 22.

Wie verhält es sich mit dem Namen Jahve in den Abrahamsgeschichten? Man kann ihn natürlich mit gutem Recht auf die Traditionsform der einen Quellschrift zurückführen. Gleichwohl muß konstatiert werden, dass ein entsprechender babylonischer Gottesname auch in der babylonischen Nomenklatur existiert hat, in der Form Ja'u'. An Stellen, wie 2 Mos 15, 2 („der Gott meines Vaters ist Jah!"), Jes 12, 2 (Jah neben Jahve), im Ruf Hallelu-jah, in den Eigennamen mit 7 zusammengefügt scheint diese babylonische Form des Gottesnamens vorzuliegen. Aber auch wenn die Gottesbezeichnung bereits für die Väterzeit zu reklamieren wäre, würde sie nichts über den Gottesbegriff der Urzeit Israels aussagen.

Übrigens: ,,Name ist Schall und Rauch“. Der Name sagt nichts über den Inhalt des Gottesbegriffs aus 6. Den Hauptnach

^) S. Klostermann, Gesch. Isr. S. 35, der mit Recht der Konjektur von ob in joasu widerspricht und in dem Namen die Erkenntnis von dem uranfänglichen Gott aller Menschen vermutet.

2) folam Gegensatz zu ķedem als Südpunkt (Urmcer, aus dem die Welt hervorging), s. Winckler F. III, 305 f. (auch zu Zeit Raum). Das ist auch der Sinn von ‘olam in Ps 24, 7.

3) Vgl. den Namen El-kana, und zur Sache den Gottesnamen bei J 24, 3, bei dem Elieser schwören muß. Oder op = Besitzer. Es ist Motivwort.

*) S. Delitzsch, BB I, 74 f.; vgl. mein Kampf um Babel und Bibel S. 20.

5) Im Tetragramm 777 sehen wir eine feierliche Differenzierung vom „heidnischen“ Namen, die am Sinai das Signal zur religiösen konzentrierung wurde; s. mein Kampf um Babel und Bibel * S. 20; Hommel, Die altor. Denkmäler und das AT ? Anhang.

6, Unser Wort ,,Gott“ stammt auch aus dem Heidentum, ebenso der 3 sós des Neuen Testamentes; vgl. hierzu jetzt auch Erbt, Hebräer S. 39.

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druck legt die Überlieferung auf das sittliche Verhältnis zur Gottheit, das ein absolutes Novum gegenüber Polytheismus und Astralreligion bedeutet. „Wandle vor mir und sei fromm“ 17, I. ,,Jahve, vor dem ich wandle" 24, 40. Die Erzählung hebt in allen Überlieferungsteilen hervor, wie Abrahams Verhalten ihn zum Freunde Gottes und zum Segenbringer für die Zukunft macht.

Wie hat nun Abraham seine religiöse Propaganda betrieben? Gewis ähnlich, wie Paulus in Athen oder wie die christlichen Missionare im heidnischen Germanien. Er knüpfte an handene Heiligtümer und Kulte an, mit besonderer Vorliebe an ,,heilige Bäume" (S. 191 ff.)! Der Orakelbaum More 12, 6 in der Nähe der kanaanäischen Kultstätte Sichem und der Orakelbaum Mamre in Hebron i Mos 13, 18 sind Weltenbäume 2. Hier sammelte er Gläubige. Dem Sinne nach wird Luthers Übersetzung das Richtige treffen: „Er predigte den Namen des Herrn."

Die jüdische Legende malt das weiter aus. Wir heben eine Sage hervor, die auffällig an das Milieu der Sinuhe-Geschichte (s. S. 298 ff.) erinnert:

Abraham gründete zunächst ein Asyl für unstäte Wanderer’ und bewirtete sie. Statt Lohn und Dank zu nehmen, wies er sie auf den Herrn des Hauses. „Wo finden wir dieses gütige Wesen?" fragen die Wanderer. „Es ist der Gott, der Himmel und Erde gemacht hat.“ Und wenn man wissen wollte, wie jenes allmächtige Wesen anzubeten sei, so habe er sie die Worte gelehrt (die noch heute die Anfangsformel des jüdischen Tischgebetes bilden, wenn drei oder mehr Männer miteinander essen): „Gelobet sei der Ewige, der Gebenedeite für und für; gelobet sei der Weltengott, von dessen Gute wir gespeist.“ Vgl. Beer, Leben Abrahams 56. 174.

Selbstverständlich nehmen wir nicht an, daß die Religion Israels nur an dem „dünnen Faden der Lrzeit“ hängt. Wie die Sittlichkeit ihre Geschichte hat in Israel, so hat sich auch die Religion entfaltet. Nur wird man sich die Entwicklung auch hier nicht gradlinig, sondern in Wellenlinien zu denken haben +

11 Vos 21, 33: „Er pflanzte eine Tamariske in Beerseba und rief dort den Namen Jahve als 'el ‘olam an.“

?) Nach Winckler F. III, 406 sind beide identisch: More Mamre, der eine gehört der Überlieferung an, die Abraham im Süden wohnen läßt Hebron), die andre der Überlieferung, die seine Geschichte im Norden sucht (Sichem); vgl. auch S. 348. Der Baum von More 172 Belehrung, wie Thorai entspricht dem Baum des Erkennens is. S. 191 f.).

3, Vgl. S. 375 die Asyl-Gründung Jakobs.

* Andrerseits können wir den Faden nicht zerschneiden, der nach der Überlieferung die Geschichte der religiösen Gemeinschaft, die später national „Kinder Israel“ heißt, mit Abraham als Religionsstifter („Vater der Gläubigen“, verbindet, wenn auch nicht im ethnologischen Sinne

Jeremias, A. Test. 2. Aufl.

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