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i Mos 39, 20. Josef in Gefangenschaft. Er kommt in das bêt-hasor, ins Gefangenenhaus des Königs. Da er nicht in flagranti ertappt worden ist, bleibt er am Leben, wird aber Königssklave (arad Šarri). So bei J. Die andre Quelle (E) hat die Verführungsgeschichte nicht ?. Hier ist Josef Diener im Hause des sar-tabbahîm und hat dort die Staatsgefangenen zu versorgen.

i Mos 40. Josef wird berühmt durch Traumdeutungen. Er ist ja bereits nach 37, 19 der ba'al halomôt. Traumdeutungen sind in Babylonien (Gudea, Nabonid!) wie in Ägypten von hoher Bedeutung. Im Altertum sind die Chaldäer und die Ägypter die Traumdeuter (Astrologen). Tacitus sagt, das die ägyptischen Priester Traumdeuter waren, Herodot erzählt von einem Traume des Priesters Ptah, der das Weltreich Ramses II. vorausverkündigt hat. Eine Inschrift von Karnak berichtet, Merneptah I. habe einen Traum gehabt, in dem er eine Statue des Ptah gesehen hat. Die habe sich vor ihn hingestellt und ihn gehindert, mit seinem Heere gegen die Feinde zu ziehen, die vom Mittelmeere in Ägypten eindrangen.

Die Traumbücher auf unseren Messen und Märkten bezeugen bis heute, daß Traumdeuten speziell als „ägyptische Weisheit“ gilt. Lane, Sitten und Gebräuche der heutigen Ägypter ? II, S. 81f. sagt: „Die Ägypter setzen großes Vertrauen auf Träume und lassen sich oft in den wichtigsten Angelegenheiten des Lebens von denselben leiten. Sie besitzen zwei große und berühmte Werke über Traumauslegung. Diese Bücher werden selbst von manchen Gelehrten mit unbedingtem Vertrauen zu Rate gezogen.“ Der „Hofphilosoph“, den der Khedive aus Höflichkeit gegen den deutschen Kaiser samt seiner Waffensammlung 1896 zur Industrieausstellung nach Berlin geschickt hatte, war vor allem, wovon ich mich selbst überzeugte, Traumdeuter.

Übersetzung), daß der Flüchtling den Göttern begegnete, die Mitleid mit ihm hatten. „Der Sonnengott sagte zu Chnum: , Schaffe doch eine Frau für Bata, damit er nicht allein sei.' Chnum machte ihm eine Genossin, die an ihrem Leibe schöner war, als alle Frauen im ganzen Lande; jeder Gott war in ihr. Die sieben Hathorgöttinnen (vgl. zu diesen Erman, Äg. Rel. S. 82) kamen, um sie zu besehen. Sie sagten aus einem Munde: „Sie stirbt eines gewaltsamen Todes.' Er verliebte sich ganz in sie, sie wohnte in seinem Hause usu.“ Die Flucht-Erzählung enthält die Motive der drei Hindernisse, die den Verfolger aufhalten und die Stucken an allen Ecken der Welt nachgewiesen hat.

1) Vgl. Cod. Hamm. 129-132. Winckler l. c. weist auf $ 129: Wenn der Ehemann sein Weib verschont, soll der König auch den Sklaven leben lassen; aber er ist fortan Königssklave. Vgl. S. 425.

2) J hat die Anekdote um der Motive willen angehängt.
3) S. Ebers, Ägypten und die Bücher Mosis S. 321f.

Die Färbung der Traumerzählung ist ägyptisch. Shu ,,Gras“ i Mos +1, 2 ist ägyptisches Lehnwort'. Wenn der Nil (bezeichnet als jeôr, Fluß assyr. ja’uru, die semitische Bezeichnung ist wohl gewählt, weil sie einem der ägyptischen Namen des Nil ähnlich klang) ? der Schauplatz des ersten Traumes ist, so wird vorausgesetzt, daß die Leser wissen, daß in dem fast regenlosen Lande der Nil mit seinen Überschwemmungen gleichsam der Träger der Fruchtbarkeit ist. „O daß der Nil mir Speise verschaffen möge, Nahrung, jedes Gewächs zu seiner Zeit“, sagt ein alter Text. „Der Nil ist es, der alle Menschen durch Nahrung und Speise erhält“ (Erman, Ägypten S. 566). Die „sieben Kühe“ gehören der Mythologie an. Nach Diodorus Siculus 1, 51 ist das männliche Rind Symbol des Nil und dem Osiris, dem Erfinder des Ackerbaues (vgl. ib. I, 21), heilig, vgl. Abb. zu 2 Mos 32 f. Der Osiris-Stier erscheint oft in Begleitung von sieben Kühen, z. B. auf den Vignetten des 110. Kapitels des alten und neuen Totenbuchs. Die zugehörige Textstelle bittet Osiris, daß entweder er, oder die sieben Kühe mit dem Stier, dessen Namen er weiß, ihn im Tode mit Nahrung versorgen möchten. Osiris aber entspricht Marduk! Sieben Ähren, die auf einem Halme wachsen, sind bei dem ägyptischen Weizen (triticum compositum) vorstellbar. Der Ostwind, der die Ähren versengen soll, stimmt zu dem gefürchteten Chamsin, der aus den südöstlichen Wüstengegenden kommt und noch heute Februar bis Juni die Vegetation bedroht.

„Mundschenk und oberster Bäcker" erscheinen als hohe Beamte. Die ägyptische Literatur nennt unter den höheren Beamten des königlichen Hof haltes wiederholt den ,,Schenktischschreiber" und den ,,Süßigkeitenbereiter". Im Grabe Ramses III. fand man an den Wänden die Darstellung einer vollständigen königlichen Bäckerei?, auch bei den Grabungen der Deutschen Orientgesellschaft (s. die Bäckerei im Museum der Leipziger Universität). Der irdische Hofstaat entspricht dem himmlischen Hofstaat. Die beiden entsprechen dem himmlischen Bäcker und Mundschenk, s. S. 54. 168. Von dem mythologischen Symbolismus, der hier in die Geschichte hineinspielt, war S. 384 die Rede. I Mos 41, 14. Josef ließ sich scheren, wechselte se

seine Kleider und begab sich hincin zum Pharao. Das Scheren, bez. Rasieren des Kopfes, ist ägyptische Etikette, aber durch die Köpfe aus Telloh (s. Abb. 84) auch für Alt-Babylonien bezeugt. Vielleicht sind auch die assyrischen Haartrachten nur Perrücken. Auch der heutige Orientale rasiert den Kopft. Die Erzählung

*) S. Ebers, Ägypten und die Bücher Mosis, 338 f.
2) S. Frdr. Delitzsch, Hebrew Language, S. 25, Anm.
3) Wiedergegeben z. B. bei Erman 1. c. S. 269.

*) Die ägyptischen Denkmäler zeigen Darstellungen des sehr gesuchten Barbierhandwerkes. Ein sehr altes Gedicht nennt den Barbier,

macht den Eindruck, als komme dem Pharao göttliche Verehrung zu.

I Mos 41, 29ff. Die Kornkammern in Ägypten für die Zeit der Teuerung. Ähnliche Vorgänge werden in der ägyptischen Literatur an folgenden Stellen berichtet:

1. An den Abhängen von Beni Hassan findet sich in den Inschriften, die Ameni, ein Beamter des Pharao Usertesen I., bei Lebzeiten am Eingange seines Grabmals' anbringen ließ, folgender Bericht 1:

„Es entstanden Jahre der Hungersnot. Da pflügte ich alle Äcker des ,Ziegengaus“ (Besitztum des Amenii bis zu seinen südlichen und nördlichen Grenzen. Ich ernährte seine (des Usertesen Untertanen, ich besorgte ihre Speise, so daß kein Hungriger unter ihnen war. Ich gab den Witwen ebenso, wie denen, die keinen Mann besitzen, nicht bevorzugte ich die Großen vor den Kleinen bei allem, was ich gab.

Wenn aber große Nilüberschwemmungen entstanden, die Getreide und Spelt und alle möglichen anderen Sachen bringen, so nahm ich nicht den Rückstand des Ackersmanns 2

2. Die Inschrift eines Grabdenkmals in El-Kab, die einem gewissen Baba gilt (veröffentlicht bei Lepsius, Denkmäler), sagt:

„Ich sammelte die Ernte ein als ein Freund des Erntegottes. Ich war wachsam in der Zeit des Säens. Als aber eine mehrjährige Hungersnot ausbrach, verteilte ich der Stadt in jedem Hungerjahre Getreide.“

3. Eine ägyptische Hungersnot aus dem Anfang des 13nachchristlichen Jahrhunderts schildert Abdallatif (de Sacy, Abdallatif S. 360 ff.) mit allen ihren Schrecken. Eine siebenjährige Hungersnot soll zum letzten Male für die Jahre 1064 bis 1071 unsrer Zeitrechnung unter dem Chalifat von El-Mustansir Billah nachzuweisen sein 3.

Weitere Beispiele sind S. 393f. aufgeführt.

Josef Janhamu? Wenn Josef im Sinne der spätägyptischen Überlieferung zu Amenophis IV. gehört (vgl. die S. 405 f. besprochene Verwechslung, die Osarsiph-Josef mit Moses zusammenbringt), so erklärt

der von Straße zu Straße geht, um Kunden zu suchen, unter den sell)ständigen, nicht leibeigenen und nicht im Dienst des Staates stehenden Handwerkern. Die Museen zeigen uns kunstvoll gearbeitete ägyptische Rasiermesser.

1) Veröffentlicht in Egyptian Explor. Found I, 8, Übersetzung nach G. Steindorff.

2; D. h. ich forderte nicht den in den Hungerjahren rückständig gebliebenen Pachtzins ein.

3) S. Sayce, Alte Denkmäler 60.

sich die Rolle, die Heliopolis (On) in der biblischen Josefsgeschichte spielt. Josef ist nach 41, 45 der Schwiegersohn des Hohenpriesters von On. Heliopolis-On aber, der Kultort, an dem der Sonnengott Ra unter dem Bilde der Sonnenscheibe (Aten) verehrt wurde, ist sicher der Ausgangspunkt der monotheistischen Reform gewesen. Auch der Name Potiphar (,,Geschenk des Sonnengottes Ra“), den der Hohepriester von On mit dem Käufer des Josef gemeinsam hat, würde im Sinne des Aten-Kultus zu erklären sein.

Vor allem aber gewinnt dann eine Gestalt hohe Bedeutung, die in den Tell-Amarna-Tafeln als Machthaber bedeutsam herVortritt. Es ist Janhamu, der Resident von Jarimuta. Dem Namen nach ist er ein Semit. Im kosmopolitischen neuen Reiche ist es nichts Seltenes, daß ein Ausländer zu hohen Ehren kommt. Wenn dieser Mann auch nicht identisch ist mit dem Josef der Tradition, wie man vermutet hat, so bietet doch sein Bild eine wichtige Illustration für die biblische Vorstellung von dem ägyptischen Josef und zeigt, daß das Milieu der Geschichte gut ägyptisch ist 1.

Dieser Janhamu verwaltet in den Briefen des Rib-Addi voni Gobal das Land Jarimuta, das für die Küstenländer des östlichen Mittelmeeres zurzeit die Kornkammer bildet. Nach den Briefen ist das Land vom Hafen von Gobal aus erreichbar, und man mußte sein Gebiet berühren, wenn zur Hauptstadt Chut-Aten wollte, es liegt also im Nildelta? Möglich, daß es identisch ist mit der Landschaft Gosen, jedenfalls lag es in der Nähe. Janhamu ist ein semitischer Name. Er kennt die Verhältnisse in Kanaan, der Statthalter von Jerusalem bittet einmal, Janhamu möchte nach Jerusalem gesendet werden, dort

man

*) Marquart I. c. S. 680 hat zuerst mit Nachdruck darauf aufmerksam gemacht. Er zieht freilich Folgerungen, bei denen für den historischen Kern der biblischen Überlieferung nicht viel übrig bleibt. S. ferner H. Winckler KAT: S. 21 und Abraham als Babylonier, Josef als Ägypter.

2) C. Niebuhr MVAG 1896 S. 208 ff. hat die Bedeutung von Jarimuta bestimmt: er identifizierte es mit dem gesamten Nildelta, was natürlich aufzugeben ist.

3) H. Winckler F. III 215 hat es wahrscheinlich gemacht, daß die biblische Überlieferung davon weiß. Jos 10, 41 = 12, ió nennt „das ganze Land Gosen“ unter den Eroberungen Josuas. Das ist natürlich ein Einschub. Aber wie ist er entstanden? Da in Kap. 10 die Eroberung von Jarmut erzählt wird, so könnte das einen Leser, der die Bedeutung des Namens Jarimuta Gosen gekannt hat, veranlaßt haben, den Zusatz zu machen.

Ordnung zu schaffen. Im ägyptischen Reiche verfügte er als Bevollmächtigter des Königs über unumschränkte Gewalt. Von ihm hängt es ab, ob die Kornkammern für die Bittenden geöffnet werden. Silber und Holz, ja Knaben und Mädchen müssen gesendet werden, wenn man Getreide aus Jarimuta haben will. Wir geben einige Stellen aus den Briefen wieder, die Janhamu und die Kornkammern von Jarimuta betreffen:

In Nr. 69 (Winckler, Keilinschriftl. Biblioth. V) heißt es: „Janhamu .... nahm für Silber ihre Söhne .... nach dem Lande Jarimuta“. Und vorher: „Was soll ich meinen Bauern zu essen geben? Dahin sind ihre Söhne, Töchter und das Holzwerk ihrer Häuser, weil wir sie nach Jarimuta geben mußten für unsern Lebensbedarf. Ferner höre der König die Worte seines getreuen Knechtes und schicke Getreide in Schiffen zur Erhaltung seines Knechtes und seiner Stadt.“ Nr. 74: ... alles wurde weggegeben nach Jarimuta für meinen Lebensbedarf.“ Nr. 79 (vgl. Nr. 69): „Dahin sind Knaben, Mädchen, das Holz der Häuser, weil sie gegeben wurden nach Jarimuta für Nahrung (Nr. 69: zur Erhaltung ihres Lebens).“ In Nr. 61 wird vorausgesetzt, daß eine Geisel, von Rib-Addi von Gobal dem Pharao gesandt, in dem Hause des mächtigen Janhamu geblieben ist.

Die Züge der Josefsgeschichte, die von den Brüdern berichten, die als Geiseln zurückbleiben sollen, und die Sorge um den Knaben Benjamin stimmen zu dem Inhalt dieser Briefe. i Mos 47, 13 if. wird die Agrarpolitik Josefs geschildert, die auffällig an die des Janhamu erinnert.

Die Investitur Josefs 41, 42 ff., sowie die 1 Mos 43, 32 vorausgesetzten Speisesitten sind spezifisch ägyptisch, s. Gunkel z. St., Holzinger z. St. Die Namen 41, 45 m2 DS und no sind beide gut ägyptisch. Der erste bedeutet nach Steindorff: „Es spricht Gott und er lebt“, der andre bedeutet Ns-nt, d. i. die der Göttin Neit (Lokalgöttin von Sais) gehörige. Nach Spiegelberg 1. c. 53 sind die Namen Potiphar und :: res vor der 20. Dynastie (1200 v. Chr.) nicht nachweisbar, wohl aber der

אָסְנַת Name

i Mos 44, 2. 5. 15 erscheint der Becher Josefs als Zauberbecher! Es ist Josefs gewöhnlicher Trinkbecher. Aber 44, 15 wird vorausgesetzt, daß er sich auf die schwarzen Künste versteht?

1) S. Dillmann z. St. und vgl. Hunger, Becherwahrsagung bei den Babyloniern in Leipz. Semit. Studien I, 1, S. 4. Die gnostischen Naassener bringen den Becher Anakreons mit dem Becher Josefs in Verbindung, s. Müller, System der Kosmologie 211.

2) Vgl. H. Winckler, Abraham als Babylonier und Josef als Ägypter, der aus der Darstellung Josefs als eines Ägypters weitgehende Schlußfolgerungen für den Sinn der Erzählung zieht.

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