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Minäische Elemente im mosaischen Ritualgesetz.

In dem midianitischen Fürsten Jethro (Reguel)' erkannten wir einen ,,Minäer aus Mușri“? Nach 2 Mos 18, 19 ff. hat er entscheidenden Anteil an den von Moses aufgestellten Rechtsgrundsätzen?. Da wir annehmen durften, daß ihr Kult am Sinai mit dem israelitischen irgendwie zusammenhängt, so ist es von Bedeutung, daß die minäischen und sabäischen Inschriften eine Reihe kultischer termini aufweisen, die in dem mosaischen Kultus wiederkehren :

a) aus den minäischen Inschriften im biblischen Midian (el Öla): lawi'u und lawi'ât Priester und Priesterin.

Man beachte dazu, daß 2 Mos 4, 14 Aaron, der die erbliche Priesterschaft bekommt, als Levit bezeichnet wird. Übrigens kannte wohl auch der altisraelitische Kultus Levitinnen, die später erst um naheliegender Mißstände willen abgeschafft wurden; Sanherib nennt unter den besonderen Tributgaben an Sanherib aus Jerusalem Musikanten und Musikantinnen, s. S. 527. Das sind doch sicher Tempelmusiker.

Mašlam-Altar Ort des Šalem-Opfer?

baššala weihen (eig. Opferfleisch kochen :) s. unten sabäisch mabšal. Die Jahre werden hier, wie zeitweilig bei den Sabäern, nach Kabiren (kabiri, d. h. Oberpriestern gerechnet

b) Aus den sabäischen Inschriften in Harim, das zum ehemaligen minäischen Dschof gehörte:

Hal, 156, vgl. 151 die Sonnengöttin Dât-Himaj, d. i. die „Herrin des heiligen Geheges" (Hommel, Grundriß 144).

Bronzetafel Gl. 1054 (Wiener Hofmuseum): „Weil ihr am 3. Tage des Festes und noch dazu während sie unrein war, ein Mann genaht war“, vgl. 2 Mos 19, 15 (Hommel, Grundriß 144, der noch die folgenden Parallelen erwähnt):

tannahaja ,,er brachte Dankopfer“ (vgl. hebr. An???), mabšal Heiligtum (eig. Ort, wo das Opferfleisch gekocht wird? vgl. Ez 46, 23).

aḥdâr „Opferhöfe“ (vgl. hebr. ḥaşêr Vorhof), makânat (Opfergerät) (Abb. 179 S. 535 Hal. 485 Gl. 1076), die mekónah von 1 Kg 7, 27 ff. Jer 52, 17 ff. vgl. kên 2 Mos 30, 18 u. ö. das Gestell des Beckens im Vorhofe.

ahlâj wahrscheinlich die süßen Brote, hebr. ḥallôt.

) In der jüdischen Legende, Beer, Leben Mosis S. 56, hat er sieben Namen. Minäische Priester haben nach den Inschriften wiederholt zwei Namen, s. Nielsen, Die altarabische Mondreligion. Verwandte Namen kennen die Inschriften der Sabäer, die als Erben der minäischen Kultur zu gelten haben ís. S. 262 f.): 0909, bnr u. a.

2) So nennen die südarabischen Texte die nördlichen Minäer: Ma'ân Musrân.

3) S. MVAG 1901, 29. Schon daraus mußte man schließen, daß es sich nicht um einen „Beduinen“ handeln kann. Von einem solchen hätte sich Moses gewiß nicht dreinreden lassen. Nach der jüdischen Sage (Beer, I. c. S. 60) war Jethro vorher Bilderschriftkundiger und Ratgeber am ägyptischen Hofe. Er ist verbannt vom Hofe wie Sinuhe (S. 298) und wie Moses selbst!

*, Vgl. allerdings hierzu Grimme, Lit. Rundschau 1904, 347.

Jeremias, A. Test. 2. Aufl.

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Zwanzigstes Kapitel.

„Stiftshütte“ und „Bundeslade“,

2 Mos 25—31. An die Erlebnisse am Sinai schließt der Redactor des Pentateuch Berichte über das am Sinai begründete Heiligtum an.

Der „Gott der Väter“, zu dessen Offenbarungsstätte am Gottesberge die Hebräer gewandert sind, wird künftig in einem Zeltheiligtum dem Volke gegenwärtig sein und seinen Willen

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von

) Wir geben das Folgende etwas ausführlicher, als es dem Plane des Buches entsprechen würde, da der Gegenstand im Mittelpunkt des Interesses steht. Gegen das Buch von M. Dibelius, Die Lade Jahve's 1906 (dort die Literatur) und die zustimmenden Ausführungen von Gunkel, Ztschr. f. Missionsw. u. Religionsw. 1906, wendet sich Budde's Abhandlung in Theol. Stud. u. Krit. 1906, 489ff., indem er in seiner klaren und vornehmen Weise Abweichungen von der herrschenden Lehrmeinung zurückweist. Dibelius zeigt einen gesunden Sinn für Auffindung der alten Elemente. Aber die Schule, der seine Methode angehört, benutzt vorläufig nur Einzelheiten des einheitlichen altorientalischen Weltbildes. Die Übersicht über das gesamte Material wird die Methode umstoßen. Die kritische Voraussetzung bei Dibelius weicht von dem herrschenden (übrigens seinem Verfasser später zurückgezogenen) Urteile Vatkes vom Jahre 1835, daß „wir berechtigt sind, die Nachrichten von der mosaischen Stiftshütte und Bundeslade für Dichtung zu erklären, die erst später nach dem Vorbilde des Tempels, dessen Typus man von Mose und von Jehova selbst herleiten wollte, entworfen wurde“ (Religion des A. T., S. 333) insofern ab, als er die geschichtliche Existenz der Lade und des Zeltes in Israel hinaufrückt. Aber mit dem mosaischen Kultus soll sie nichts zu tun haben. Sie ist in Kanaan angefertigt oder übernommen worden. Dabei wird wenigstens mit der Anschauung gebrochen, nach der die Lade ursprünglich einem fetischistischen Kult gedient haben soll (S. 118). An der Hypothese einer Fiktion durch den Priesterkodex, gegen die z. B. auch Kittel, Geschichte der Hebräer I, 216 sich ausgesprochen hatte, mußte schon der Umstand irre machen, daß der zweite Tempel, dem die neue Gemeindeordnung gelten sollte, gar keine Lade im Heiligtum gehabt hat, wie auch den geistigen Leitern nach Jer 3, 16 gar nichts an einem Ersatz für dieses Heiligtum gelegen war.

2) S. zum Folgenden Klostermanns entscheidende Untersuchungen Pentateuch II, 1906, 67 ff. Ib. S. 67 (vgl. I, 15 ff. 1883, Gesch. Isr. 76): „Der Pentateuch hat als maßgebendes Gemeindebuch Rezensionen erfahren, die in praktischer Verständigkeit das Mißdeutbare umschrieben und störende Differenzen ausglichen."

2 Mos 25ff. Das ,,Zelt der Versammlung“ nach himmlischem Modell.

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kundtun, nachdem er sich durch die Rettung aus Ägypten als der Erlösergott erwiesen und durch das auf steinernen Tafeln kodifizierte Gesetz seine göttliche Herrschaft über das Volk normiert hat.

Moses hat in visionären Erlebnissen auf dem Gottesberge das Gesetz Gottes erfahren und hat das Modell zu dem Heiligtum der künftigen sakramentalen Gegenwart Gottes im Geiste geschaut. Die Offenbarung knüpft an einen Grundgedanken der orientalischen religiösen Weltanschauung an, nach dem jedes Heiligtum Abbild des himmlischen Heiligtums ist. S. 51 ff. war davon die Rede 1 Moses soll das Heiligtum nach dem himmlischen Modell bauen. 25, 9: Genau nach dem Modell (un) der Wohnung und aller ihrer Geräte, das ich dir zeige (gezeigt habc), sollt ihr es errichten, vgl. 25, 40 (auf Lade, Tisch, Leuchter und Räucheraltar? bezüglich): „Sich zu und mache sie entsprechend ihrem Modell, das dir zu schauen gezeigt wurde." Die Gottesrede 25, 1 ff., die die Anweisungen zur Ausführung des Baues gibt, setzt eine Erzählung über die entsprechende Vision auf dem Berge voraus, die in dem uns vorliegenden Texte ausgefallen ist. Die Ausführung der heiligen Bauhütte ist kunstverständigen Männern übergeben, denen Jahve ,,Einsicht gegeben hat“, 2 Mos 31, I ff., 36, 1. Über die Möglichkeit eines Kunstbauwerks in Midian ist kein Wort zu verlieren 3.

Das Heiligtum heißt ’ohel moʻed ,,Zelt der Versammlung“ (Sept. ornvroð uaorvoiov) und allgemein 1110 ;-09 4 „Wohnung Jahve's“. Es sind zwei Namen für dieselbe Sache. Den besondern Namen 'ohel moʻed setzt Moses nach 33, 7 fest, weil darin das Orakel Jahve's erteilt wird: „Wer irgend Jahve befragen wollte, der begab sich zu dem ohel moʻed hinaus vor das Lager.Ohel mo'ed heißt „Zelt der Versammlung. Die Israeliten mögen dabei an die Versammlung des Volkes gedacht haben, wie ja die großen Feste 075 hießen". Aber der

1) Vgl. BNT 62 ff., ferner Apg 7, 44.

2) 25, 38 ist, wie Klostermann gezeigt hat, der Rest der Bauangabe für den Räucheraltar. Auch der Opferaltar entspricht einem himmlischen, auf dem Berge vorgezeigten Modell 27, 8 vgl. 26, 30.

3) Auch Gunkel (l. c.) nimmt im Gegensatz zu Dibelius Anfertigung in mosaischer Zeit an.

6) Vgl. auch Jos 18, 1; 22, 19. Beide Bezeichnungen in Parallele z. B. 4 Mos 3, 38.

5) 2 Mos 40, 34 erklärt den Namen: weil Gott hier verabredetermaßen gefunden werden kann.

religionsgeschichtliche Ursprung des Namens (ebenso wie bei har moʻed Jes 14, 14, Zion als irdisches Abbild des himmlischen Gottesberges), liegt in der orientalischen Vorstellung vom himmlischen bez. irdischen Heiligtum, in dem sich die Götter zum Zweck der Schicksalsbestimmung versammeln: 'ohel moʻed ist eigentlich ,,Zelt der Versammlung (zum Zweck der Schicksalsbestimmung)".

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Im 'ohel mo'ed steht nach PC an erster Stelle (2 Mos 30, 26) die „Lade", - - ; (Sept. î ziporos toð uagtvolov)', angefertigt aus Akazienholz, „,dem einzigen Bauholz, das es auf dem Sinai gab“?, das übrigens als „Lebensholz“ galt. Sie enthält die Tafeln des Bundes (an ans, auch einfach

1) 2 Sa 7, 2. 6. 7, wonach die Lade von jeher im Zelt war, gilt, weil deuteronomisch überarbeitet, nicht als beweiskräftig.

2) Der Fiktionshypothese gilt das natürlich als Raffinement der Dichtung, ebenso wie der Umstand, daß ,,Bronze“ statt Eisen im PC als Material gilt. Das ist stark modern gedacht.

3, Sept. Szov on.uror u. 2 Mos 26, 32 etc. orbloäon.110i, Säulen von Akazienholz. Nach Kircher, Oedip. Aegypt. III, c. 2 war es in Ägypten dem Sonnengott heilig.

---- ,,Bund" genannt) 1 5 Mos 10, Iff.? Wir bezweifeln nicht, , daß diese Angaben des Pentateuchs der historischen Wirklichkeit vom Sinai an entspricht. Die auf den Tafeln niedergelegten Satzungen Gottes entsprechen den Schicksalstafeln, die im babylonischen Schicksalsgemach bei der Versammlung der Götter beschrieben werden? Bei der Prozession Marduks, dem die Schicksalstafeln (tup-šimâti) verliehen worden sind, wird eine Art Monstranz (parak simâti, vgl. die Kästen Abb. 2 ff.) von Dul-azagga in Esagila aus nach dem Opfer- oder Hochzeitshaus auf einem Götterschiff gefahren *; Hommel vermutet, das in diesem parak. šimâti die tup-šimâti (Schicksalstafeln als himmlische Gesetze) aufbewahrt wurden, wie in der Bundeslade die Gesetzestafeln. Es scheint mir, als ob unser Text eine alte Terminologie verriete, nach der die Lade mit den Tafeln auch im mosaischen Kultus parakku (paroket) hiefs. Entspricht etwa 3 Mos 24, 3 paroket ha- eduth direkt dem babylonischen parak šimâti? Ebenso würde dann 2 Mos 27, 21 zu beurteilen sein. Wie dort der Räucheraltar 6, so soll hier der Leuchter neben der Lade im Heiligtum Aufstellung finden?

Die Lade ist aber nicht nur Behälter für die steinernen Tafeln, sondern sie gilt symbolisch als Thron Jahve's. Das zeigt klar und deutlich Jer 3, 16f.: Einst wird die Lade mit dem Gesct: Jahre's nicmand mehr in den Sinn kommen; viclinchr wird man su jener Zeit Jerusalem ,Thron Jahve's'

1) Vgl. 1 kg 8, 9 und s. Klostermanns Kommentar zu dieser Stelle.

2) Die Tafeln heißen auch ,,Tafeln der 'eduth“ 2 Mos 32, 15(= Tafeln der berith 5 Mos 9, 151. 'Eduth sind die schriftlich fixierten Zeugnisse des göttlichen Willens, Jos 4, 16 heißt die Lade „Lade der 'eduth“ als die für die Steintafeln gebaute Kiste. In 'eduth hörte das Sprachgefühl des Volkes denselben Begriff, wie in moʻed, s. Klostermann I. c. 69.

3) Vgl. S. 46. Die ATAO', S. 262 f. mitgeteilte hiermit in Verbindung stehende Vermutung über die Anordnung des Dekalogs nach den Planeten (anschließend an Wincklers Bemerkungen Krit. Schr. II, 65) ziehe ich vorläufig unter Vorbehalt einer späteren näheren Begründung zurück.

*) Nach Mitteilung Hommel's aus einem ungedruckten für die Expository Times bestimmten Aufsatz, in dem die Verwandtschaft der Gesetztafel-Lade mit dem die tup-šimâti wahrscheinlich enthaltenden parak šimâti nachgewiesen werden soll. 5) Syrisch perakka „Götzenschrein“.

6) Der zu den alten Kultstücken des 'ohel mo'ed gehört, s. S. 435.

*) 2 Mos 26, 34 hat Sept. kapporet, der hebräische Text hat paroket. Zu 30, 6 sagt Sept.: ,,vor die paroket, die die Lade bedeckt“, der hebräische Text fügt als Dublette hinzu: „vor die kapporet, die die Lade bedeckt“. Auch hier bezeichnete paroket („Vorhang“, eig. das „Absondernde“) im ursprünglichen Texte vielleicht den heiligen Schrein. Es besteht etymologischer, vielleicht aber auch kultischer Zusammenhang mit parakku.

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