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Bei den grundsätzlichen Ausführungen S. 74ff. über das Verhältnis der mythologischen Motive zu den Geschichtstatsachen wurde die besonders schwierige vorkönigliche Zeit vorläufig außer Betracht gelassen. Hier heißt es im Einzelfalle : sub iudice lis. Und es ergeht dem Erklärer wie Plutarch', der im Theseus seinem Freunde Sossius Senecio mit feinem Humor schreibt:

„Es wäre freilich zu wünschen, daß das Mythologische sich mit Hilfe der Kritik gänzlich absondern ließe und die Gestalt der Geschichte annähme. Sollte es aber sich trotzig gegen die Glaubwürdigkeit sträuben und sich mit der Wahrscheinlichkeit durchaus nicht vereinigen lassen“, so hoffe ich, daß die Leser billig genug sein werden, die Erzählung so entfernter Begebenheiten mit Nachsicht aufzunehmen."

Ri 3, 12 ff. Ehud tritt als Retter auf (3, 15) und tötet den moabitischen Tyrannen Eglon.

* Ehud ist linkshändig. Er ist ein Benjaminit (s. Budde z. St.). 20,16 sind die 700 Benjaminiten, die den Frauenraub ausführen (s. S. 399) links händig. Der Sinn des Motivs (daß ein solches vorliegt, wird niemand bestreiten können) ist mir noch nicht klar trotz Stucken, Astralmythen 256, Winckler, Gesch. Isr. II, 121f., die den linkshändigen Ziu-Tyr, dem der Fenriwolf die rechte Hand abbiß, und den linkshändigen Mucius Scaevola heranziehen. Vielleicht deutet auch sein Name ein astralmythologisches Motiv an; denn A-hu-ud ist II R 47, 220 ein Beiname des Jupiter (Gudbir) bez. Merkur (s. S. 17). Mit der linken Hand führt Ehud das mythische zweischneidige Schwert (s. S. 219), mit dem er den Tyrannen tötet. Daß die Motive die Geschichtlichkeit der Gestalt Ehuds aufheben, nimmt wohl Winckler gegen Gesch. Isr. I1, 121f.) jetzt nicht mehr an. *

3, 31 Samgar, dessen Geschichte wohl aus guten Gründen (vgl. die Charakteristik seiner Zeit 5, 6) unterdrückt wurde, ist überzählig im Schema der Zwölf, s. S. 471. Zum Ochsenstecken s. S. 481.

4, iff. Debora 3 vernichtet den kanaanäischen Feldherrn Sisera.

Motive des Drachenkampfes verbergen sich in dem rätselhaften na 4, 18, mit dem Debora Sisera zudeckt; es erinnert an das Jagdnetz Marduk-Orions zum Einfangen der Tiâmat. Noch deutlicher ist das Netz-Motiv in der Judithgeschichte, Judith 13, 9. 15 und vor allem 16, 20, wo das scheinbar harmlose Fliegennetz als Weihgeschenk aufgehängt wird. Ein gutes Beispiel für die Verknüpfung einfacher Vorgänge mit mythologischen Motiven. Ein Drachenkampf-Motiv liegt ferner in der

Plutarch war Apollo-Priester und kannte sehr wohl den Sinn der mythologischen Motive.

2) Vgl. die Beispiele S. 480 Anm. 4.
3) Vgl. S. 471 und 480.

eigenartigen Waffe, dem Hammer, mit dem Debora Siseras Haupt zerschmettert, während er trinkt' (vgl. den Namen des Erretters Judas Makkab, dessen Beiname ebenfalls den Hammer als Heldenwaffe angibt, s. Abb. 161 den Hammer im Drachenkampf und vgl. zum Tešup-MardukHammer S. 112). Die andere Waffe des Drachenkämpfers ist der Blitz; Barak, den die Geschichte als Feldherrn im Kampfe gegen Sisera nennt und der wohl der eigentliche „Richter“ jener Zeit ist, heißt „der Blitz" (phöniz. barkas, vgl. den Beinamen des karthagischen Helden Hamilkar Barkas).

Ri 5, 4, s. S. 325 Anm. 1; 415.

Ri 5, 20 l'om Himmel her kämpften die Sterne, von ihren Standorten kämpfte das l'olk Siseras.

So ist wohl der Sinn mit Winckler Gesch. Isr. II, 131 zu fassen. S. 166 danach zu korrigieren. Es ist die Gegenpartei Jahve's. Wie Tiâmat mit ihren Helfershelfern, den Tierkreisbildern des früheren Äon (S. 133 Anm. 1), gegen Marduk kämpft, so erscheinen hier die Sterne an ihren Standorten (rista zu lesen, s. hierzu S. 548. 5601, d. h. ebenfalls die Tierkreisbilder auf der Seite des Tyrannen Sisera. Die Ausmalung des Kampfes und Sieges Jahve's wie Jes 24, 21 ff., s. S. 179. 569.

Ri 5, 28, 30 eine kulturhistorisch höchst interessante Szene in dem alten Heldenliede aus dem Harem in Siseras väterlichem Palaste. Die Verse könnten in 1001 Nacht stehen.

Ri 6, II-8, 35. Gideon (Jerubba'al) aus Ophra in Manasse.

* Die Vorgeschichte, der Berufungsgeschichte Simsons (13, 2 ff.) verwandt, enthält einige der Motive, die uns im altorientalischen Mythus von der Berufung des Königs und Erretters begegneten. Gideon ist aus niederem Geschlecht 6, 15 (vgl. S. 408). Er ist ein Erwählter Gottes und wird als „tapfrer Held“ zum Kampfe, den Gott selber führen wird, berufen (vgl. 7, 18 „hie Schwert Jahve's und Gideon“). Der Engel Jahve's findet ihn auf der Weizentenne 6, u vgl. 37 (Variante zur Berufung vom Pfluge weg bei Saul und Elisa S. 484. 538, zum Sinn vgl. S. 53). *

Ri 6, 24 (Altar Jahve - Šalem), s. S. 386.

Ri 6, 25 ff. bietet ein Beispiel für die Umwandlung einer heidnischen Kultstätte in Kanaan in eine Kultstätte Jahve's 4. Gideon reißt den auf dem Hügel stehenden Altar

1) S. Budde z. St.

2) Zu Makkab und Barkas s. Winckler F. III, 82; mein Kampf um Babel und Bibel + 32.

3) Gideon und Jerubba'al, ursprünglich wohl zwei „Richter“, vielleicht dem Schema der zwölf zuliebe zusammengezogen. Die Quellenscheidung (s. vor allem Budde im Kommentar) kommt für die uns hier interessierenden Fragen nicht in Betracht.

*) Daß die Geschichte etwa im Sinne deuteronomischer Reform erfunden sei, um den Namen Jerubbaʻal zu erklären, halten wir für ausgeschlossen. Das „Zeit- und Ortskolorit“ ist echt. S. Budde S. 56, der das Stück E. zuschreibt (warum aber keine frühe Schicht?“).

Baals ein und zerschlägt die daneben stehende Ašera (s. unten), baut Jahve einen Altar Jahve's, und opfert darauf einen siebenjährigen Stier. Die Wut des Volkes beschwichtigt Gideons Vater: ,,Ist Baal ein Gott, so streite er für sich.“ Der Vorgang ist religionsgeschichtlich zu vergleichen mit dem Umhauen der Wotan -Eiche bei Geismar durch Winfried - Bonifatius. Die Heiden warten auf das Eingreifen Wotans. Aus dem Holze der Eiche wird eine Petrikapelle gebaut. Das Verhalten des Volkes bei Gideons Tat illustriert übrigens die Tatsache, daß die Volksreligion durchaus heidnisch war." Reine Jahve-Religion im Sinne der mosaischen Zeit fand sich wohl bei führenden Geistern in kleinen Kreisen, aus denen der nebî' stammt, der 6, 8 Gideon ermutigt. Die Jahvereligion Gideons, von der die eine Quelle zu berichten weiß, zeigt robuste Formen; sie bietet ein Beispiel für die Jahve-Volksreligion (S. 338). Das Opfer (minha) bedeutet ihm ein reales Speisen der Gottheit 6, 18 ff.; das Anschauen des Engels Jahve's, dessen Zauberstab die Opfergabe in Flammen setzt, und der in der Opferflamme emporzusteigen scheint, hat tötliche Wirkung; Jahve erscheint als zorniger Gott (6, 39).

Den Jahve - Altar nennt Gideon synkretistisch Jahve-Salem (vgl. hierzu S. 348 ff. 386); die Orakelbefragung, für die 6, 36 ff. ein merkwürdiges Beispiel gibt (auch 6, 32 ist wohl Orakel vorausgesetzt) legt Wert auf Mirakel ?.

Ri 6, 28. Die von Gideon gefällte (gespaltene) Ašera ist als Holzbild gleich dem Abb. 41 wiedergegebenen Marmorbild zu denken: ein Pfahl, dessen oberes Ende in den Kopf der Göttin ausläuft.

Ri 7, 2 ff. wird die Würdigkeit zur Heeresfolge (6,35) durch eine eigentümliche Handlung festgestellt. Die Geschichte spielt in Sichem, wie der Auszug Abrahams. Wie bei Abrahams hanikîm (S. 348) handelt es sich hier um eine auserlesene Schar (serûfim Ri 7, 4)! Das „Wasserlecken gleich Hunden“ ent

1) Die Anfertigung eines ,,Ephod“ durch Jerubba'al gehört wohl einer andern Person an. Es wird sich um ein rein heidnisches Bild handeln (baʻal im Namen des Helden); der jetzige Text scheint die Sache abzumildern, als handle es sich um ein Bild Jahve's.

2) Die Geschichte ist innerhalb der Religion Israels zu beurteilen, etwa wie jene römische Legende von Liberius und Johannes, die nach einem gleichzeitigen Traumgesicht die Kirche S. Maria Maggiore dort bauen sollten, wo sie am Morgen des 4. Aug. 352 frisch gefallenen Schnee fanden.

3) So mit Erbt, Die Hebräer 76; vgl. bereits Stucken, Astralmythen 137. spricht einer nicht näher bekannten kultischen Handlung am heiligen Wasser von Sichem, einem Geheimkult, an dem die erkannt werden, die würdige Kampfgenossen des Retters und Drachenkämpfers Gideon sein werden.

* Motive des Mythus, der die Kämpfe als Erscheinungen des Kreislaufs auffaßt, liegen 8, 14 vor, wo 77, d. i. 72 + 5 (Kreislauf 72, dazu 5 Epagomenen) Leute von Sukkoth zur Vernichtung proskribiert werden. Die gleiche Bedeutung hat die Zahl der Söhne Gideons: 70 (8, 30) + 2 Abimelech und Jotam); vgl. dazu die 70 Söhne Ahabs 2 Kg 1o, I u. 7.

Das Teilen des Heeres in drei Haufen Ri 7, 16, vgl. 3, 13 bei Abimelech wurde S. 348 als Motiv des Mondkampfes besprochen. MondMotive zeigt ferner der Traum von dem ins Lager der Feinde rollenden Gerstenbrot (gedeutet als das Schwert Gideons"). Es stellt den Mond dar. Monderscheinungen bringen in Kriegslegenden oft das Heerlager in Verwirrung « Beispiele aus der orientalischen Legende bei Mücke, Vom Euphrat zum Tiber, S. 96). Das Blasen der Posaunen und der Lärm mit den zerschlagenen Krügen 7, 16 ff. sollen den Traum in der nächsten Nacht verwirklichen. Auch das ist Motiv des Mondkampfes (s. Winckler, Gesch. Isr. II, 139). Das Lärmen und Blasen ist zu beurteilen wie das Umblasen der Mauern von Jericho, s. S. 468 f. Der Sinn ist: der Drache, der in der Mondfinsternis oder im dreitägigen Schwarzmond gesehen wird, wird durch Lärmen und Posaunenblasen vertrieben. In der Kriegsgeschichte ist der Feind der Monddrache. Das Schwert Gideons ist wie die Sichel Jahve's (Jes 27, 1, S. 179) der siegende Neumond. *

Ri 7, 19 (Nachtwachen) s. S. 420.

Ri 8, 18-21 vgl. 2 Sa 21, 1-14. Hier ist Blutrache vorausgesetzt, die erst dort überwunden ist, wo die staatliche Gewalt die Rechtsgüter sichert, wobei es sich also weniger um einen ethischen als um einen sozialen Fortschritt handelt 1. Das Rechtsleben der Israeliten ist religiös normiert unter dem Grundsatz, daß Gott der höchste Bluträcher ist (Ps 9, 13, vgl. 1 Mos 9, 5f.; 3 Mos 24, 17; 4 Mos 35, 18 ff.). Darum finden wir hier keine eigentliche Blutrache. Jedenfalls ist sie eingeschränkt durch das Asylrecht, s. oben S. 426. Daß I Mos 27, 45 Blutrache vorausgesetzt sein soll, leuchtet mir nicht ein. In den ,,Gesetzen Hammurabis" ist die Strafvollstreckung unter schärfster Anwendung des ius talionis staatlich geordnet. Als Rest der Blutrache erscheinen hier die merkwürdigen Bestimmungen, nach denen unter Umständen ein möglichst gleichwertiges Familienglied (Sohn oder Tochter) für die Tat haftet, vgl. hierzu S. 426.

Die Blutrache kommt, wie die Kabbala unter Berufung auf 1 Mos 4, 10 sagt, aus der Vorstellung, daß das Blut des Gemordeten in Auf

1) S. S. 426, Anm. 2.

wallung ist, solange er nicht unter der Erde ruht, besonders wenn der Mörder in die Nähe kommt; vgl. die Volksanschauung, nach der dann die Wunden wieder bluten (Hagen an Siegfrieds Leiche) und nach der der Geist des Gemordeten nicht zur Ruhe kommt, solange nicht der Mörder durch den Bluträcher (Goël) gerichtet ist. Deshalb wird er auch nach dem Talmud am Orte der Tat mit seinen Kleidern und mit dem anhaftenden Blutschmutz „der Rache wegen“ begraben.

Mond-Amulette an den Hälsen der Kamele, s. zu 2 Kg 23, 5 und Abb. 37. Auch in Kanaan ist eine auffällige Neigung zu Schmucksachen in alter Zeit nachzuweisen. Sellin fand in einem dürftigen Hause bei der Leiche einer Frau zehn Schmuckstücke.

Ri 9, 5. Abimelech dingt für 70 Sekel aus dem Tempel des Baal-berit in Sichem eine Schar und ermordet die 70 Söhne Jerubba'als auf einem Opfer-)stein. Die Hinschlachtung soll rituellen Charakter tragen, aber sie ist nicht als Menschenopfer anzusehen, sondern zu beurteilen, wie etwa der S. 454 erwähnte Bericht Asurbanipals, nach dem Leute als Totenopfer hingeschlachtet wurden.

Ri 9, 7 ff. erzählt der entronnene Jotham den Sichemiten die Fabel von den Bäumen, die sich einen König wählten. Abimelech ist König (s. S. 464), nicht ,,Richter". Die Fabel stammt aus dem Volksmundet. Als Literaturgattung ist die Fabel natürlich auch Gemeingut des gesamten Orients. In den epischen Dichtungen der Babylonier vom Helden Ninib 2 K 1333 wird erzählt:

„Er bestieg einen Berg und säete Samen weithin aus. Einstimmig beriefen die Pfanzen seinen Namen zur Königsherr

schaft über sich, in ihrer Mitte wie ein großer Wildochs erhebt er seine Hörnert.“

Ri 9, 13. „Wein, der Götter und Menschen fröhlich macht.“ Nicht an Trankopfer ist zu denken Budde z. St.), sondern an mythologische Vorstellungen von Göttermahlzeiten, wie im Epos Enuma eliš, s. S. 199.

Ri 9, 45. Die Stadt zerstörte er und streute Salz (Schwefel?) darauf, s. S. 362. Ri 9, 46 (El-berit), s. S. 350.

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1) S. Budde, Richter z. St. Eine andre Fabel 2 Kg 14, 9.

2) Er heißt „Sproß, 'Meinen Vater kenne ich nicht'", S. zu dem Motiv S. 349; 408 ff.

*, Hrozný in MVAG 1903, 198 ff.

4) Wie es scheint, sollen auch hier die Pflanzen als Menschen verstanden werden. Der Zusammenhang ist dunkel.

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