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Ri 11, 30 ff. Die Opferung der Tochter Jephta's. Der gegenwärtige Text verhüllt den Tatbestand der Überlieferung, nach dem es sich um Opferung der Jungfrau handelt. Die rabbinische Erklärung scheut sich nicht, die Tatsache anzuerkennen. Sie stellt die Opferung mit der Opferung Isaaks zusammen, vergleicht sogar die Opferung des Sohnes des heidnischen Königs 2 Kg 3, 272.

Die Opferung ist in den Formen des Tammuz- Ištar-Kultus zu denken. Zwei Monate betrauert Jephta's Tochter auf den Bergen mit ihren Gefährtinnen „ihr Sterben im Jungfrauenalter“. Das ist ein Doppelmonat, entsprechend einer der sechs Jahreszeiten im vorislamischen Kalender.3 Die kultische Sitte, die alljährlich viertägige Feier zum Gedächtnis an Jephta's Tochter fordert (11, 39 f.), sieht in der Geopferten die himmlische Virgo selbst, die ins Totenreich sinkt (oder täglich als Abendstern, vgl. S. 10), aber auch wieder emporsteigt (s. S. 110). Für die Samaritaner bezeugt ausdrücklich den Kultus der Tochter Jephta's als Kore (= Ištar), Epiphanius adv. haeres. III, 2, 1055 (ed. Patavius): „In Sichem, dem jetzigen Neapolis, opfern die Einwohner auf den Namen der Kore, offenbar unter Beziehung auf die Tochter Jephta's, die einst der Gottheit zum Opfer geweiht worden ist.“ Die vier Tage werden sich als 3+1 erklären: 3 Tage Totenklage und am 4. Tage Freudenfeier der „Auferstehung“ (s. S. 33 Abb. 15 und S. 86 ff.). *

Ri 12, 5f. Šibboleth als Erkennungszeichen. Es handelt sich zunächst um die Aussprache des Zischlautes als Erkennungszeichen. Aber vielleicht ist die Parole nicht zufällig gewählt, sondern zu erklären aus der Jahve-Volksreligion, die heidnischen Aberglauben mit dem Jahve-Kult vermengte. Mit Šibboleth, „die Ähre“ kann Ištar bezeichnet sein, die himmlische Virgo mit der Ähre, deren volkstümlicher Kult durch die voraufgehende Erzählung von der Feier der Opferung von Jephta's Tochter bezeugt ist.

Ri 12, 9 (dreißig Söhne und dreißig Töchter) s. S. 479.

Ri 13 ff. Simson. Auch den Geschichten von Simson liegt gewiß die israelitische Überlieferung über eine besonders reckenhafte Gestalt der vorköniglichen Periode der Geschichte Israels zugrunde. Die Geschichten von diesem Erretter aus der Philisternot sind besonders reich mit den Motiven der orientalischen Erlösererwartung ausgestattet.

1. Der Vater heißt Manoah (Erlöser-Motivname, s. S. 244. 250). Die Frau war unfruchtbar (17763, Motivwort, das nur im Zusammenhang mit der Errettererwartung gebraucht wird, s. S. 342 Anm. 6 und 370 Anm. 5).

1) Vgl. Thaannit 34.

2) Aus Jer 19, 5 wird dann geschlossen, daß Gott die Opferung nicht gebilligt habe.

3) S. 59, vgl. die sechs Altersstufen unsrer Kalendersymbolik.

2. Die wunderbare Geburt durch die unfruchtbare Mutter wird durch göttliche Botschaft verkündigt. Der Neugeborne soll von Mutterleibe an ein Naziräer sein und als solcher wird er ein Erretter (373 Motivwort) Israels sein.

3. Die astralmythologischen Motive, die den Erretter kennzeichnen, können vom Sonnen- oder Mondlauf genommen sein oder sie können Tammuz - Ištar-Motive (Kreislauf) sein, s. S. 79. Hier sind Sonnenmotive hervorgehoben. Šimšon ist Kosewort und heißt „Sönnchen“,

4. Simson heiratet eine Philisterin, cp. 14. Bei der Hochzeit?, die 7 Tage währte (wie die Hochzeit bei Jakob und Lea, s. Mos 29, 27), hat Simson 30 Brautgesellen und verspricht denen, die das Rätsel lösen, 30 Unterkleider. und 30 Festgewänder: 30 Mann in Askalon erschlägt er und nimmt ihre Kleider als Beute zur Einlösung des Versprechens. Im Kreislauf, den das Leben des Helden wiederspiegelt, ist der Hochzeits

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punkt der Punkt der Sommersonnenwende. Dazu gehört das Motiv, des Rätselratens 3. Das Hochzeitsrätsel Simsons (14, 14) lautet:

,,Speise ging aus von dem Fresser,

Und Süßigkeit ging aus von dem Starken.“ Die Pointe paßt ebensowenig, wie die Fabel Ri 9, 7 ff. Es ist um der Motive willen aus dem Vorrat der Volksanekdoten herausgeholt und eingefügt. Die Angabe, daß sie drei Tage vergeblich raten und am vierten Tage die Lösung haben (3+is. S. 88), deutet darauf, daß es sich um ein Motiv des Sonne-Mondkampfs handelt bei der Geschichte, die nach

1) Der Ort Şorʻa, der als Geburtsort angegeben wird, liegt in der Nähe von Bet-Semeš. Dort waren Sonnen-Mythen wohlbekannt. Nach Winckler KB V, 298 ist es das Şarha der Amarnabriefe.

?, In Thimnat, wo auch die Juda-Thamar-Geschichte spielt, i Mos 38, 13 ff. Ištar-Motiv auch hier.

3) Rätsel der Sphinx, Rätsel beim Adoniskult.

14, 5 ff. dem Rätsel zugrunde liegen soll. Ein Löwenkampf verschafft ihm die Liebe des Mädchens. Mit Hilfe des Geistes Jahve's hat er ihn zerrissen! Im Aas des Löwen findet er dann Honig. Der Löwe ist der Repräsentant des himmlischen Nordpunkts (s. S. 21), am Tierkreis des Sonnenwendepunkts. Die Tötung des Löwen ist Gewinnung der Weltherrschaft, dasselbe bedeutet der Honig. „Milch und Honig“ ist einer der typischen Ausdrücke für die Zusammenfassung des gesamten Kosmos (wie Weinstock und Feigenbaum, s. S. 250 Anm. 5, eins vertritt die Oberweitshälfte, das andere die Unterweltshälftei?. Der Bienenschuarm gehört auch der Motivenreihe an. Es ist zu beachten, dass Debora, die Retterin, die den Tyrannen tötet, „Biene“ heißt Motivname wie Simson?:. Jedenfalls soll der Vorgang und das daran anknüpfende Rätsel Simson als Tyrannenvertreiber und als rettenden Weltenherrn charakterisieren?

5. Die Geschichte von Simsons Rache an den Philistern Ri 15, i ff. soll als Exempel der Taten des rettenden Sonnenmannes gelten. Wir verstehen die Motive nur teilweise.

Dreihundert eingefangene Füchse" werden je zwei mit brennenden Fackeln zwischen den Schwänzen in die Felder der Philister gejagt. Ist die Geschichte auf eine Linie zu stellen mit dem Motiv der brennenden Felder in der Absalomgeschichte 2 Sam 14, 30 f., die völlig rätselhaft ist? Die Verbrennung des Weibes samt ihrem Vater gehört dazu. Es sieht mir aus wie ein Feuerflut-Motiv. In der Geschichte von Sodom und Gomorrha und bei dem Gegenstück Ri 19 f. is. S. 360 ff.) geht auch das Motiv des verletzten Gastrechts voraus und das Motiv der sexuellen Vergewaltigung wie hier, wo Simson die Aufnahme verweigert wird und sein Weib 30 Gesellen ausgeliefert wurde. Der Sinn wäre dann: Simson bringt die Feuerflut, das Gericht des Untergangs über die Philister. 300 (30 x 10) rote Füchse mit Brandfackeln würden dann die Welten-Sommersonnenwende anzeigen.

Daß es sich um ein bekanntes Motiv handelt, zeigt Ovid Fasten VI, 681 ff. (18. und 19. April): Füchse niit lodernden Bränden auf den Rücken werden durch die Fluren gejagt, daß die Saaten verbrennen. Dabei bemerkt Ovid, daß am Feste der Ceres Füchse verbrannt werden. Der Hundsstern gilt als Fuchs, und Robigo, dem man den Brand im Getreide zuschreibt (Ovid, Fasten IV, 911 ff.) ist der Hundsstern.

6. Die Heldentat bei Lechi 15, 8 ff. Simson ist in der Höhle verborgen. 3000 Judäer (Motivzahl kommen; man fesselt ihn mit zwei neuen Stricken und bringt ihn aus der Höhle herauf auf den Felsen.

1) Der Erretter ist Löwenkämpfer. Das kehrt auch in der Davidsgeschichte wieder. Asurbanipal läßt sich in seinem Palaste als Held darstellen, der zu Fuß mit den Händen den Löwen zerreißt, s. Abb. 163. Gilgameš ist Löwentöter, s. S. 266 Abb. 78 u. ff.

2) Simson ist den Honig. Vgl. Jes 7, 15 (s. 2. St.) das Motiv des erwarteten Erretters: „Milch und Honig wird er essen."

3) Anders, wie ich während des Druckes sehe, Winckler in dem eben erschienenen Septemberheft von OLZ, Sp. 490. Die Motive können sehr wohl vieldeutig sein.

+) Daß auch der Erzähler ein solches Jagdkunststück nicht als geschichtlich aufgefaßt wissen will, liegt doch wohl klar auf der Hand. Ebenso wird niemand ernstlich behaupten, daß Bienen, die gegen Gerüche äußerst empfindlich sind, in einem Tieraas sich anbauen.

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Er zerreißt die Stricke und erschlägt mit einem Eselskinnbacken 1000 Mann. Aus dem gespaltenen Eselskinnbacken wurde er dann durch ein Wunder getränkt, „so daß seine Lebensgeister zurückkommen und er wieder auflebt“. Der Eselskinnbacken ist das Gegenstück zu dem Ochsenstecken, mit dem Samgar 3, 31 sechshundert Philister schlug „und Israel errettete“. In den Waffen steckt je ein Motiv des Erretters'. Das Wunderwasser ist das Gegenstück zum Honig nach dem Löwenkampf 14, 9. Beidemale handelt es sich um die Erquickung des Helden nach dem Kampfe?

7. Simson bei der Buhlerin in Gaza 16, i ff. Um Mitternacht faßt er die beiden Torflügel des Stadttores und trägt sie auf den Gipfel des Berges. Auch hier handelt es sich um ein Motiv des Tyrannenbesiegers. Die Tradition, nach der frühmittelalterliche Bilder die Szene als Gegenstück zum Goliathkampf darstellten, hat dies Motiv gekannt?. Die beiden Torflügel bedeuten dasselbe, wie die beiden Tempelsäulen in Asdod. Der Held hebt die von den Tyrannen beherrschte Welt aus den Angeln (den beiden Toren und Säulen entsprechen Ost- und Westpunkt der Welt, wie Jakin und Boas) als Bringer eines neuen Äon.

8. Simson und Delila 16, 4 ff.?. Der übermenschlich starke Held zerreißt sieben frische Schnüre, die ihn binden sollen; ebenso zerreißt er neue Stricke, mit denen noch keine Arbeit getan ist; den Webepflock, an den seine sieben Locken gebunden sind, reißt er aus der Erde. Aber als die sieben Locken von seinem Haare geschoren sind, wurde er schwächer und schwächer. Die Philister stachen ihm die Augen aus und warfen ihn ins Gefängnis.

Der Erretter, der in die Unterwelt steigt, ehe die neue Zeit anbricht, trägt hier besonders deutlich Sonnenmotive. Die Haare entsprechen den Sonnenstrahlen (S. 371). Abgeschnittene Haare und Blindheit und Gefängnis (S. 384) charakterisieren die Wintersonne, die dunkle Hälfte des Kreislaufs. Bei der Festfeier (Opferfest des Dagon, wohl Neujahrsfest, man achte auf das Trunkenheitsmotiv 16, 25) wird er aus dem Gefängnis geholt. Er faßt die beiden Säulen des Tempels, „eine mit der Rechten, die andre mit der Linken“, und der Tempel stürzt za

1) Ochs und Esel repräsentieren die beiden Welthälften, bez. Kreislaufhälften; so ist z. B. das Gegenstück des Osiris - Marduk-Stiers der eselköpfige Typhon. Ochs und Esel an der Krippe des Erlösers in der christlichen Legende sind durch Jes 1, 3 nicht genügend erklärt. Das Esel-Motiv in den fragmentarischen Geschichten der Richter, die sämtlich als Retter gelten, ist sehr auffällig. Von Abdon heißt es 12, 13 ff.: Er hatte 40 Söhne und 30 Enkel, die auf siebzig Eselsfüllen ritten. Jair Ri 10, 3 ff. hatte 30 Söhne, die auf 30 Eselsfüllen ritten und 30 Städte besaßen.

2) Z. B. auf den berühmten Bildern des Gasthofs „Stern“ in Ötz in Tirol, die im 15. Jahrhundert renoviert wurden.

3) Die Frage, ob der Einschnitt 15, 20 anzeigt, daß eine andre Quelle für diese und die vorhergehende Geschichte vorliegt, ist ohne Belang. Die Geschichten stammen sämtlich aus einer Überlieferungsquelle und haben alle einen Zweck: Simson als Typus des erwarteten Erretters zu charakterisieren. Jeremias, A. Test. 2. Aufl.

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sammen.

Die feindliche Welt ist untergegangen. Simson wird in der Gruft Manoahs (s. oben S. 478) begraben. Man hat zu ergänzen: aber er wird emporsteigen und die neue Zeit heraufbringen.

Die Verwandtschaft mit Gilgameš, dem Helden mit sieben Locken (s. Abb. 78), der Löwen tötet (s. Abb. 78 ff.), und durch Ištar ins Elend kommt, habe ich bereits in Izdubar-Nimrod (1891), S. 70 hervorgehoben. Die Verwandtschaft liegt darin, daß beide Erretter-Typen sind, und zwar mit Sonnen-Motiven ausgestattet. Auch Herakles ist in diesem Sinne eine verwandte Gestalt'. Eusebius hielt sehr begreiflich Herakles für eine „heidnische Nachahmung Simsons". Es ist sehr wahrscheinlich, daß unser Richterbuch aus einer Überlieferung geschöpft hat, die zwölf Taten des Simson kannte.

Ri 21, 7 ff. (der Raub der Mädchen in Siloh), s. S. 399.

Vierundzwanzigstes Kapitel.

Samuel, Saul, David, Salomo.

Samuel. i Sa iff. * Samuels Geburt und Berufung. Das Motiv der wunderbaren Geburt leitet die Geschichte ein, wie die Geschichte Simsons Ri 13, 2 ff. und Gideons Ri 6, 11 ff., s. S. 474, die die neue Zeit bringen. Die Mutter ist unfruchtbar (zu dem Motiv, das im Liede wiederkehrt 2, 50, s. S. 342; 370)?. Durch Orakelspruch in Siloh wird ihr der Sohn verheißen. Der Name Šemu'el, der 1, 20 gleich dem Namen Saul, als der „Erbetene“ (ša’ûl) gedeutet wird, obwohl er etwas andres bedeutet?, soll ihn wohl nicht nur als das erbetene Kind, sondern als den ersehnten Erretter bezeichnen. Als Gottgeweihter wird der Knabe zum Heiligtum gebracht. „So lange er lebt, sei er ša'ûl Jahve's.“ „Bei Jahve wächst der Knabe heran.“ 3, 4 ff. erzählt, wie Jahve persönlich ihn beruft. 3, 19: „Und Jahve war mit ihm.“ „Er wuchs heran und nahm zu an Gunst bei Gott und bei Menschen.“ Eine neue Zeit bricht an (vgl. 3, i mit 3, 21). Samuel ist also auch eine Errettergestalt. *

Das ,,Lied der Hannah“ handelt von der Erlösererwartung. Es ist auf das Auftreten Samuels angewendet, wie die ähnlichen Erlöser

*) In Izdubar-Nimrod S. 70 habe ich gegenüber dem Urteil v. Wilamowitz-Möllendorff (Euripides, Herakles), „es sei bodenlos, in altorientalischen Sagen Herakles zu suchen“, gezeigt, daß gerade die Bestandteile des Herakles - Mythus, die als Urbestand angesehen werden, mit dem altorientalischen Mythus zusammenstimmen.

2) Man beachte den zarten Zug 1, 8, der die Stellung der Frau illustriert. Elkana sagt: „Bin ich dir nicht mehr wert, denn zehn Söhne?

3) Eigentlich Zusammensetzung aus Diaj und 3x s. KAT: 225; zu ša'ûl „der Befragte“ s. S. 485.

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