Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub

(S. 379 Anm. 2) in Verbindung gebracht. Saul ist eifersüchtig auf den Kriegsmann. Michal, die Tochter Sauls, warnt und rettet den Helden'.

Winckler, Gesch. Isr. II, 170f. hat auf die Geschichte des Königs Sandracottus hingewiesen, der aus niederem Geschlechte ist, vor König Nandra, der ihm nach dem Leben trachtet, flieht, auf einen Traumbefehl hin eine Räuberbande sammelt, mit ihnen den Befreiungskrieg gegen den Statthalter Alexanders führt und so zum König wird (Justin 15, 4, 15ff.); ferner auf die Alexanderlegende, nach der Alexander den Kleitos in sinnloser Wut (in Eifersucht, weil Philippus' Taten zu seinen Ungunsten durch Kleitos verherrlicht wurden) init dem Speere zu durchbohren sucht. Die Berührungen sind nicht zufällig. Wir haben bereits an vielen Beispielen gesehen, daß die orientalische Geschichtserzählung die gleichen Motive hervorzuheben liebt. Aber die Sache liegt nun nicht so, daß mit diesen Motiven einfach Geschichten aus den Fingern gesogen werden (,daß die Erzähler die orientalische Legende in gleicher Weise geplündert haben“, wie Winckler einmal S. 139 sich ausdrückt), sondern die Überliefe. rungsstoffe können dabei sehr wohl historisch sein. Man versuche nur, irgendwelche Geschichtsepisode etwa aus der Antike, die ohne die Motiv-Kunst erzählt ist, mit Hilfe der bekannten Motive auszustatten, und man wird sehen, wie die Wirklichkeit allenthalben zu Hilfe kommt. Selbstverständlich ist auch der Fall möglich, daß reine Dichtung mit Hilfe der Motive vorliegt. Aber die Glaubwürdigkeit der biblischen Erzählung mit ihrer tiefen sittlichen und religiösen Tendenz ist denn doch gewichtiger, als

z. B. die der Alexanderlegende. Abb. 166: E-SAR, der mächtiges König,

i Sa 14, 21 (Hebräer), König von Ud-NUNki (Adab).

s. S. 365 Anm. 2. Gefunden in den Tempeltrümmern von Bismya

i Sa 17, I ff. David in Babylonien.

und Goliath. Im Vgl. S. 486 f. Anm. 2 und unten Anm. 3.

Philisterkrieg bietet sich 1, S. Winckler, Gesch. Isr. II. 170. Zur Rettungsgeschichte s. S. 376. .?) Er flieht und wird dann, da er umkehrt, wirklich durchbohrt.

3) DA-LU = dannu „, mächtig“, wie oft in den altbab. Königsinschriften (ich verdanke die richtige Erklärung H. Zimmern), von den Amerikanern DA-UDU gelesen und als „sumerischer König David" erklärt! Inschrift veröffentlicht Am. Journ. Sem. Lang. 1904/5, p. 59.

[graphic]

einer zum Zweikampf dar. Dasselbe hören wir oft in den antiken Kriegsgeschichten z. B. bei Homer. Für die Kunst der Erzählung ist der eine die Zusammenfassung der gesamten feindlichen Macht. Die Ausmalung seiner Gestalt erhält die Züge der Unterweltsmacht, der winterlichen Seite des Kreislaufes, des Chaosdrachen. Der Sieger erhält die Züge des lichten Jahrgottes, des Erretters, der die neue Zeit bringt 1.

* 1. Der Name Goliath würde einem babylonischen gallitu (gallatu) entsprechen, das „Meer“ bedeutet. Man soll also vielleicht bereits beim Namen Goliath an die Drachengestalt (= Tehom - Tiamat) denken?.

2. Er tritt vierzig Tage „früh und spät" hervor, 17, 16. Wir kennen die vierzig Tage als Inbegriff der Winterzeit vor Frühjahrsbeginn, S. S. 62.

3. In der Angabe seiner Länge (sechs Ellen und eine Spanne) liegt das andre Darstellungsmittel der Winterszeit. Statt der vierzig Tage der Aquinoktialstürme vertreten die 5'/. Epagomenen die Winterszeit, die Neujahr vorangeht, oft zu fünf oder sechs abgerundet. Der Winterriese hat die entsprechende Motivzahl (in der Körperlänge oder als Mann mit sechs Fingern und sechs Zehen (so der Riese nach 2 Sa 21, 20, s. S. 490). Der Hersteller unserer Erzählung hat das Motiv nicht mehr verstanden und verballhornt: sechs und eine Spanne, statt fünf und eine Spanne'. Vgl. auch S. 466 Anm. 6.

4. Beim Auftreten braucht er höhnende Worte, 17, 10. 23. 26. 36. Das ist regelmäßig wiederkehrende Formel beim Drachenkampf, vgl. S. 135 (Tiâmat verhöhnt Marduk) und zu Da 7 S. 595 f.

David tritt Goliath als Drachenkämpfer entgegen":

1. Dem Sieger wird 17, 25 II) die Königstochter zur Frau angeboten. Motiv der ausgebotenen Königstochter beim Drachenkampf, s. S. 379 Anm. 2.

2. David rühmt sich, bereits als Knabe Löwen und Bären getötet zu haben. Zum Helden als Löwentöter s. S. 266 (Abb.78) und S. 479 f. (Abb. 163).

3. Die Hervorhebung der Kleinheit Davids', dem keine Rüstung paßt, 17, 38 ff. entspricht dem Motiv, das wir am deutlichsten im Däum

"; Vgl. Winckler, Gesch. Isr. II, 172 ff., der die Motive des Drachenkampfes in der Goliathgeschichte ausgewiesen hat.

2) So Peiser, MVAG 1901, 73, vgl. mar-galitu „Tochter des Meeres“ Perle.

) Dasselbe Motiv bei Strabo XIII, 2f., wo Antemenidas die Babylonier aus großer Not befreit, indem er einen riesigen Krieger mit dem Schwerte tötet, der fünf königliche Ellen weniger eine Spanne mas (vier Epagomenen des Mondjahres statt der fünf des Sonnen-Mondjahres?). Bei Herodot ist der Erbauer des Athoskanals, der als Heros verehrt wird, „fünf Ellen weniger vier Finger“ groß. Beispiele zitiert nach Winckler 1. c.

6) Zwei Erzählungstypen mit I und II bezeichnet, s. S. 487.

5) Wie der „kleine, geschmeidige“ Alexander den Riesen Poros tötet, Pseudo-Kallisthenes III, 4 (Winckler, Gesch. Isr. II, 176).

lingsmärchen finden!. Im Jahresmythus wird zuweilen dem Riesen, der die fünf Zusatztage vor Beginn des Frühlings verkörpert, ein Kleiner gegenübergestellt, der dem Bruchteil entspricht, der bei Berechnung des ausgeglichenen Sonnen-Mondjahres dem Frühling vorangeht: 1. das zu fünf hinzukommt (s. oben). Die fünf glatten Steine 17, 40 entsprechen übrigens ebenfalls dem zu überwindenden Winterriesen.

4. Der Sieger tritt auf (nicht „neben“, wie bei Kautzsch übersetzt ist) den erschlagenen Riesen 17, 51. Das ist ständiges Motiv des

Drachenkampfes, s. S. 136 u. 561; vgl.
Abb. 33 u. 46.

5. Er hängt das Schwert Goliaths als Trophäe im Heiligtum auf, s. S. 491.

6. David schlägt dem Riesen den Kopf ab (und trägt ihn als Triumphstück)?

7. Nach dem Sieg wird im Lobgesång der Erretter gepriesen.

Daß es sich hier um eine feststehende Motiv - Erzählung handelt, der natürlich ein faktisches Erlebnis aus Davids Leben zugrunde liegen kann, die aber ebensogut in die Biographie Davids frei eingefügt sein kann, zeigt 2 Sa 21, 19, wo nicht David, sondern Elhanan, der Sohn Jairs aus Bethlehem, „der Goliath und Gath erschlug, dessen Speerschaft einem Weberbaum glich“, und 21, 16, wo

Jonathan einen Riesen erlegte, der Abb. 167:

je sechs Finger und sechs Zehen Relief von den Toren von Sendschirli.

hatte und Israel verhöhnte (vgl. die Variante i Chr 21 (20), 4 ff.); ferner 2 Sa 23, 21, wo Benaja als Löwentöter und Riesenbesieger geschildert wird: er ging einem der Riesen mit einem Stock entgegen (wie David 1 Sa 17, 40. 43), entriß ihm den Speer und tötete

[graphic]

1) Daß unsre Märchen voll von astralmythologischen Motiven sind, wird man auf die Dauer nicht bestreiten können (zu Dornröschen s. S. 416, zu Blaubart S. 381, es sind nur zufällige Beispiele). Die Übereinstimmung vieler Märchen mit 1001 Nacht ist ja längst aufgefallen. Viele Stoffe kamen aus dem Orient zur Zeit der Kreuzzüge und durch die Araber, die nach Europa Bildung vermittelten.

2) Dem Leichnam wird der Kopf abgeschlagen. Das heben beide Erzählungstypen hervor (I: 17, 46 und 54; II: 17, 51 und 57; zur Quellenscheidung 17, 50 und 51 s. Klostermann S. 73), vgl. das Bild vom Tore von Sendschirli Abb. 167, das einen Triumphator mit dem Kopfe des Feindes zeigt. Der abgeschlagene Kopf ist Motiv des Mondkampfes, wie S. 485 besprochen wurde. Neben den Motiven des Kampfes zwischen Wintermacht und Frühling (vgl. oben zu den vierzig Tagen) wurde auch das des Sonne-Mondkampfes angeschlagen. Goliath erscheint auch als besiegter Schwarzmond - Drache.

i Sa 17, 1 ff. – 28, 17 ff.

David und Goliath. David und Saul.

491

ihn mit dem Speerel. Man sieht, daß jedem Helden dergleichen „Drachenkämpfe“ nachgesagt wurden.

Aber wir sind der Geschichte bereits auf ganz anderm Gebiete begegnet, nämlich in der aus der Zeit um 2000 stammenden SinuheGeschichte S. 299, wo der ägyptische Held in Kanaan den riesigen Feind tötet unter ganz verwandten Umständen.

i Sa 15, 3 ff. Vollstreckung des Bannes ist zunächst durchaus nicht ein heiliger Vorgang. Er konnte nur im theokratischen Sinne so gedeutet werden. Als rigorosen Kriegsgebrauch finden wir die Verhängung des Bannes oft in den assyrischen Kriegsannalen.

i Sa 15, 32 ff. vgl. Ri 8, 21. Man beachte die antike Todesverachtung

1 Sa 16, 14 ff. Saul wird durch einen ,,von Jahve ausgesandten bösen Geist gequält“. Das ist als Resultat ärztlicher Diagnose zu verstehen, vgl. auch 18, 10; 19, 9 im Sinne der Weltanschauung, die Dämonen als Krankheitserreger ansah. 2 Sa 24, 13 ff. ist die „Pest“ ein Engel Jahve's. Als Heilmittel wird gegen den Melancholie-Dämon Musik empfohlen.

i Sa 19, 12 — 16 (Teraphîm), s. S. 376. i Sa 19, 13, S. S. 372. 1 Sa 20, 6, s. S. 430. - 1 Sa 26, 19f. (Riechen), s. S. 246.

i Sa 21, 9 das Schwert Goliaths wird als Trophäe im Heiligtum aufgehängt: Im Gilgameš-Epos wird das gleiche berichtet: Gilgameš hängt die Siegestrophäe im Heiligtum auf. Ebenso wird die Rüstung Sauls im Ištar-Tempel der Philister i Sa 31, 10 aufgehängt, s. S. 485. Das Schwert Goliaths „eingehüllt in das Gewand“ im Heiligtum finden wir dann 21, 9 wieder.

i Sa 28, 7ff. Saul bei der Totenbeschwörerin? zu Endor. Eine verwandte Erzählung kennt die babylonische Literatur in dem Epos von Gilgameš, der den Geist seines Freundes Eabani aus der Totenwelt beschwört 3. Eabani ,, fährt aus dem Loch der Unterwelt wie ein Wind empor“; Samuel ist ein „aus der Erde emporsteigender elohim“. Auch an den Besuch des Odysseus in der Unterwelt zur Befragung des Teiresias ist mit Recht erinnert worden i Stellen wie 2 Mos

1) S. Winckler, Gesch. Isr. II, 172.

2) išša ba alat ôb; in meinem Bab. - assyr. Vorst. vom Leben nach dem Tode S. 102 (1887) wies ich auf den babylonischen Syllabar Sb 36 1 hin, dessen Ideogramm, als abûtu gedeutet, mit dem Personen-Determinativ êlû mušėlû êkimmu, „der den Totengeist heraufführt“), Totenbeschwörer bedeutet. Babylonien und Kanaan haben Wort und Sache gemeinsam.

3, S. mein Hölle und Paradies? AO I, 3?, S. 27 ff.
*) Winckler, Geschichte Isr. II, 168.

22, 18, wo von der Ausrottung der Hexen die Rede ist, geben aber der Geschichte realen Boden.

i Sa 31, 10, s. S. 381 Anm. 1.

2 Sa 5, 21 Fortführung fremder Götterstatuen durch David. Das ist die Form der Eroberung wie in Assyrien, s. S. 268 u. 496.

2 Sa 5, 24 Das Rauschen in den Wipfeln der Baka-Hölzer ist Zeichen Jahve's 1.

2 Sa 21, 9ff. Sieben Söhne Sauls werden vor Jahve aufgehängt (vgl. S. 470) ,,in den ersten Tagen der Ernte". Rispa lagert im Trauergewand auf dem Felsen „vom Beginn der Ernte bis zum ersten Regenfall" und verscheucht die Raubtiere von den Leichen. Eine israelitische Niobe 2.

Salomo. Salomos eigentlicher Name ist nach 2 Sa 12, 25 Jedidja 3. Die Überlieferung stellt ihn als Friedensfürsten dem Kriegsherrn David gegenüber und betont seine Bautätigkeit (über das Verhältnis zu Hiram von Tyrus s. S. 508) und seine Weisheit.

i Kg 2, 46. Die Bergwerke Salomos. Die duvaotevuara der Septuaginta sind falsche Übersetzung eines zu supponierenden hebräischen bat. Es sind die Bergwerke Salomos im Libanongebiet gemeint, die i Kg 4, 16 in Ba'alat stecken: Befana war Statthalter in Ašer und gesetzt über) die Bergwerke. Wirklicher Statthalter kann er nur in einer Provinz sein. Auch die Metallgiessereien, die Salomo i Kg 7, 46 hat, sind wohl hier zu suchen.

i Kg 3, 16ff. Das salomonische Urteil. Die gleiche Geschichte ist auf einem pompejanischen Wandgemälde dargestellt, s. Abb. 168. Daß es sich um eine biblische Abbildung etwa in einem jüdischen Hause handelt, ist ganz ausgeschlossen durch die Darstellung der Figuren als Karrikaturen (Pyg

1) S. Öttli, Geschichte Israels S. 284.

2) S. Winckler, Gesch. Isr. II, 241 f. und vgl. zu Niobe Roscher Lexikon III, 372 ff.

3) Der Name entspricht auch in der Form dem arabisch bezeugten Salâmâ. Auch der tyrische Gottesname Šalmajấti ist verwandt: Abimilki von Tyrus in den Amarna-Briefen ist Diener Šalmajâti's und Tyrus ist die Stadt Šalmajâti's, s. Winckler KAT 3 236, Erbt, Die Hebräer S. 74, 152.

* In den sabäischen Inschriften Glasers vom Dammbruch zu Mareb bedeutet za ,,den Felsen durchbrechen“,

5) S. Winckler, Gesch. Isr. II, 261 Anm. 2.

« ͹˹Թõ
 »