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nicht auf Geschichtserzählung an, sondern auf die religiösen Vorgänge, weshalb ja auch die Geschichtsbücher in der jüdischen Tradition „die früheren Propheten“ heißen. Bruchstücke wie 2 Kg 8 zeigen, wie genau die älteren Quellen über die Beziehungen zur umgebenden Welt orientiert waren, und die Völkertafel i Mos 10 setzt eine erstaunlich gute Kenntnis der politischen Geographie und der Völkerbewegungen im 8. Jahrhundert voraus 1. Elias ist mit den Verhältnissen in Tyrus so gut vertraut, wie mit den Verhältnissen Israels. Er erscheint geradezu als Untertan von Tyrus. Und Elisa unterhält lebhafte Beziehungen zu Damaskus. Vor allem aber zeigen die Orakel der sog. Schriftpropheten?, daß die führenden Männer in Israel und Juda sich auf das lebhafteste mit der Politik ihrer Zeit beschäftigten und daß sie in engem Verkehr mit der Völkerwelt standen.

Ehe die Keilschriftmonumente entziffert wurden, die aus den Palästen von Niniveh und teilweise auch aus babylonischen Trümmerhügeln zutage gefördert wurden, boten die handschriftlichen Quellen für die Geschichte Assyriens und Babyloniens für die Zeit von der Mitte des 8. Jahrhunderts bis 538, d. h. für die Periode der politischen Abhängigkeit Israel - Judas von den Reichen am Tigris und Euphrat ein sonderbares Bild. Es gab Punkte in der Chronologie, die mit voller Sicherheit bestimmt werden konnten. Aber die Nachrichten über die Begebenheiten selbst waren überaus dürftig.

Als ganz unbrauchbar erwiesen sich die erhaltenen Exzerpte aus Diodor und die Erzählungen des Ktesias über die Geschichte Ninivehs und des medischen Reiches, die 2000 Jahre lang die Geschichte Assyriens in Verwirrung gebracht haben.

Es kamen in Betracht:

a) Der astronomische „Kanon des Ptolemäus" in seinem ersten Abschnitt bis Cyrus. Er enthält astronomische Termin-Kalender von Nabonassar an”, die bei jedem Königsjahr angeben, was sich astronomisch ereignet hat. Die babylonischen Aufzeichnungen kamen nach Ägypten, wurden hier fortgesetzt, (von Hipparch?) mit Zahlen versehen, und bis mehrere Jahrhunderte n. Chr. weiter geführt. Claudius Ptolemäus gebührt die Ehre der Namengebung, weil er die Listen gesammelt und unverfälscht überliefert hat. Für 747–538 sind Mondfinsternisse angegeben,

1) S. S. 252 ff. und Karte I.

2) Daß in der erhaltenen Literatur Amos als erster Schriftprophet erscheint, ist rein zufällig. Auch die frühere Zeit hat gewiß schriftliche Aufzeichnungen ihrer Propheten besessen.

3) S. S. 68 f. und vgl. noch Syncellus, Chronogr. 267: dró Napavaoápov τους χρόνους της των αστέρων κινήσεως Χαλδαίοι ηκρίβωσαν. .

die später kontrolliert und dem julianischen Kalender entsprechend gefunden wurden.

b) Fragmente und Notizen aus Berosus' chaldäischer Geschichte. Er war Zeitgenosse Alexanders und schrieb im Dienste der Seleuciden seine drei Bücher Χαλδαϊκά und Βαβυλωνιακά. Da er Priester im MardukTempel von Babylon war, standen ihm reichlich Urkunden zur Verfügung. Die Keilschriftmonumente haben seine Zuverlässigkeit glänzend bezeugt.

c) Notizen aus Abydenus, soweit sie Babylon betreffen. Er ist jünger als Berosus, schrieb nach Moses von Chorene „Ursprünge“ (wahrscheinlich 'Aozaiokoyıxá), nach Eusebius chaldäische, assyrische und medische Geschichte.

d) Herodots Notizen über die Geschichte der Meder, Lyder, Babylonier, Ägypter, wie er sie gutgläubig von Einheimischen gehört hat.

e) Für die Geschichte von Tyrus drei Bruchstücke der Schriften des Menander von Ephesus bei Josephus, c. Apion. I, 117 (113!) bis 125 (Ant. 8, 144); I, 158 (Ant. 9, 283).

Josephus selbst konnte nur herangezogen werden, wenn es sich darum handelte, einen anderweit geführten Beweis zu verstärken. Chronographen wie Eusebius und Syncellus waren unbrauchbar. Ihre Schriften ruhten nicht auf guten Quellen. Das Wenige, was sie wußten, zwängten sie gewaltsam in ihr System, und Echtes war von Falschem nicht zu unterscheiden.

Reiches Quellenmaterial für die Beurteilung der mittlern Königszeit brachten die assyrischen Inschriften. Es verdient, hervorgehoben zu werden, daß in den ersten Zeiten der Entzifferung die Angaben der Bibel viel zur Aufhellung der assyrischen Annalen beigetragen haben. Die Übereinstimmung beider Quellen war so verblüffend, daß ein bekannter, bibelunfreundlicher Kritiker schrieb: schon die Behauptung dieser Übereinstimmung sei Beweis genug, daß die Entzifferung nicht als zuverlässig gelten dürfe!

Seit der Mitte des 10. Jahrhunderts besitzen wir Urkunden assyrischer Könige, die nicht mehr abbrechen; nur für die Zeit 781–754 versagen die Königsinschriften.

Mit 893 setzt die lim u- Liste ein', in die später babylonische Listen und Chroniken eingreifen. Sie ist für die mittlere israelitische Königszeitnahezu vollständig. Nach einer bis jetzt nur für Assyrien (nicht für Babylonien) nachweisbaren Sitte sind die Regierungsjahre der Könige der Reihe nach durch je einen limu bezeichnet. Was die Archontenverzeichnisse für das Studium der hellenischen Geschichte und die Konsularfasten für die römische Geschichte, sind die nach griechischem Vorbilde benannten assyrischen Eponymenlisten für die Geschichte Vorderasiens. Das uns erhaltene Exemplar hat mit Adadnirari II., dem Sohne des uns nur dem Namen nach bekannten Tiglatpileser II. begonnen. Er hat bis 890 (891) regiert. Unser Bruchstück beginnt mit 893. Wahrscheinlich begann die Liste mit 911. Mit diesem Jahre scheint ein neuer saros (= 600 Jahre) begonnen zu haben. Der nächste saros - Beginn fällt 312/11 und eröffnet die Seleuciden-Ära. Die Bruchstücke reichen bis 666, ergänzen also den ptolemäischen Kanon der Jahre 747–555 bez. 538.

1) KB I, 204 ff.

Von besonderer Wichtigkeit ist der Teil der Listen, der in einer besondern Kolumne die wichtigsten Tatsachen des betreffenden Jahres mitteilt. So heißt es beim 9. Jahr Asurdans: „Im Monat Sivan erlitt die Sonne eine Verfinsterung.“ Man konnte berechnen, daß sich die Angabe nur auf die totale Sonnenfinsternis beziehen kann, die am 26. Juni 763 in Niniveh zu beobachten war. Damit ergab sich für Asurdan, dessen Regierungsjahre man nach der Liste abzählen konnte, als Regierungszeit 772—-754. Die vorhergehenden und nachfolgenden Könige konnten nach ihren Regierungszeiten hiernach auf das bestimmteste festgestellt werden.

Zu den limu- Listen kommen ergänzend hinzu: 1. die sog. „synchronistische Geschichte“, ein diplomatisches Aktenstück, ein Auszug aus Archiven, gewisse Abmachungen zwischen Assyrien und Babylon betreffend '; 2. die babylonischen Chroniken (aus der Bibliothek Asurbanipals, also Abschrift eines babylonischen Originals) ?; 3. eine babylonische Königsliste!

Die staatsrechtlichen Ansprüche auf Syrien

bis zum Karmel. Um 1500 reicht die Macht der ägyptischen Könige (18. Dynastie) bis nach Mesopotamien. Bereits Thutmes III., mit dem wohl die Vorherrschaft über Kanaan auf Ägypten überging (s. S. 300 f.), hatte die Hettiter zu Tributzahlungen gezwungen. In der Amarna-Zeit erscheinen die Hettiter als mächtige Feinde der Ägypter.

Der Silbertafelvertrag, der zwischen dem Hettiterkönig Chattusar und Pharao Ramses II. nach langen kriegerischen Verwicklungen um 1270 zu gegenseitiger Hilfsleistung + abgeschlossen wurde, scheint den Hettitern Syrien bis zum Karmel zugestanden zu haben. Reichlich hundert Jahre später trat der assyrische König Tukulti-apil-ešara (Tiglatpileser) I., unter dem Assyrien für kurze Zeit herrschende Großmacht wurde, in die Rechte der Hettiter. Er unterwirft die Hettiter im Norden und Nordosten, überschreitet den Euphrat, besetzt das Land bis an den Taurus und unternimmt es, nach dem Vorbild der alt

1) KB I, 194 ff. 2) KB II, 273 ff., neu veröffentlicht von Delitzsch, Abh. d. Kgl. Sächs. Ges. der Wissenschaften 1906. 3) KB II, 288.

*) Übersetzt und besprochen zuletzt von Messerschmidt AO IV, 1?, S. 6 ff., vgl. S. 302.

6) Sanherib erwähnt in der Inschrift von Bawian Z. 50 ein Ereignis, das 418 Jahre vor seiner Eroberung Babylons (689) geschehen sei. Das gibt für die Regierung Tiglatpilesers die feste Jahreszahl 1107. Die Inschriften über die ersten sechs Jahre seiner Regierung (KB I, 14 ff., dazu der hierher gehörige zerbrochene Obelisk 125 ff.) sind bis jetzt unsre Haupt-Geschichtsquellen für diese Zeit.

6) Grotteninschrift nahe der Euphratquelle III R 4, Nr. 6; KB I, 481.

babylonischen Könige, den über Karkemiš, Aleppo, Hamath führenden Weg nach den Mittelmeerhäfen freizulegen. Er besiegt den Hettiterkönig [....-Tešup und dringt bis an die phönizische Küste vor. Bei seiner Hofhaltung in Arvad 1 empfängt er eine Gesandtschaft des ägyptischen Königs. Dann zieht er die phönizische Küste entlang und hat wohl das erste assyrische Bildnis am Nahr el Kelb (Ba'li-ra'si) angebracht 2. Durch diesen politischen Akt ist das alte Hettitergebiet, das bis an den Karmel reicht, an den assyrischen Großkönig übergegangen. Das ist wichtig für das Verständnis der späteren assyrischen Ansprüche bei den Kämpfen mit Israel.

Nun klafft in unsern Überlieferungen eine Lücke von 100 Jahren. Salmanassar II. erwähnt aus dieser Zeit die Anstrengungen eines seiner Vorgänger Assur-(h)irbî, die Eroberungen in Syrien und Phönizien festzuhalten, und berichtet, daß er gleich Assur-irbî sein Bildnis am Meere errichtet habe 3.

Die Bildung der Kleinstaaten am Mittelmeer.

Während dieser Zeit der Schwäche Ägyptens und der assyrischen Hettiterkämpfe haben sich die Völker am Mittelmeere verhältnismäßig frei und selbständig entwickeln können Es entstanden phönizische Stadtkönigtümer, eine Zeitlang, wie es scheint, unter der Vorherrschaft von Sidon, später von Tyrus. An der südlichen Küste (etwa von Dor ab südlich) konsolidierte sich der philistäische Staat, der einer Niederlassung von Resten der sog. „Seevölker“ seine Entstehung verdankt. Im Jordanlande vollendete sich die Bildung des Staates Israel-Juda, es entstanden die Staaten Edom, Moab, Ammon. In Syrien entstanden in den alten Hettitergebieten aramäische Staaten. Bereits seit der Mitte des 2. Jahrtausends zeigen sich die Spuren der

1) Diese nördlichste Phönizier-Stadt wird später bei den assyrischen Kriegszügen nicht erwähnt. Sie blieb unter assyrischer Oberhoheit.

2, S. S. 292.

3) Das wären also Nr. 2 und 3 der am Nahr el Kelb zu suchenden assyrischen Bildnisse. Nr. i war das eben erwähnte Denkmal Tiglatpileser I.

*, Das merkwürdigste kulturelle Zeugnis für diese Zeit freier Entfaltung ist die Einführung der hebräischen Buchstabenschrift an Stelle der für die Amarna-Zeit und für später noch bezeugten babylonischen Silben- und Wortschrist. Die Buchstabenschrift ist bezeugt für das nördliche Syrien durch die in Sendschirli gefundene Panammû- Inschrift und für das spätere Bibelland durch den Mesa-Stein.

öj S. S. 318 Anm. 2, vgl. 309 Anm. 2.

Aramaja!. Um 1000 v. Chr. haben Syrien und Mesopotamien, das bis dahin von Hettitern überflutet war, eine vorwiegend aramäische Bevölkerung. Nur Palästina selbst ist nicht aramaisiert worden. Aber auch hier zeigt sich der aramäische Einfluss; seit der Zeit der Herrschaft Assyriens (9. Jahrhundert) ist die palästinensische Verkehrsstraße aramäisch. Die wichtigsten aramäischen Staaten mit hettitisch-aramäischer Mischbevölkerung sind:

1. Der Staat Patin nördlich und südlich vom Orontes-Gebiet. Er ist wahrscheinlich identisch mit dem biblischen PaddanAram. Südlich davon

2. der Staat Hamath,

3. der Staat Damaskus? Für die biblischen Geschichtsschreiber ist Damaskus (Aram Dammasek) der Inbegriff des Aramäertums.

Da die Staaten Israel - Juda zeitweilig unter tyrischer und damaszenischer Oberhoheit gewesen sind, müssen wir unser Augenmerk auf die Geschichte von Damaskus und Tyrus richten, um die politische Geschichte Israels zu verstehen.

Damaskus. Damaskus ist zu allen Zeiten der Riegel Syriens gewesen. Von hier führten die Karawanenstraßen ostwärts nach Babylonien, südwärts nach Arabien, nordwärts nach Mesopotamien, westwärts über die Libanonpässe nach Sidon und Tyrus und die nördlichen Phönizierstädte. Auch die via maris des Jesaias führt über die Jordanquellen nach Damaskus.

Leider sind wir für unsere Kenntnis der Geschichte von Damaskus fast lediglich auf die biblischen und keilinschriftlichen Nachrichten angewiesen. Auf die Auffindung einheimischer damaszenischer Überlieferung ist kaum zu hoffen. Der Name Dimašķ weist auf eine für uns prähistorische nichtsemitische Stadtgründung. Die Bevölkerung der uns hier interessierenden historischen Zeit muß eine hettitisch-aramäische Mischbevölkerung gewesen sein. Aber diese Bevölkerung war Erbin der gleichen

1) Vgl. AO IV: Šanda, Die Aramäer.

2) Südlich von Damaskus der kleine Staat Soba (assyrisch Șubiti, in der Bibel neben Maʻaka und Rehob 2 Sa 10, 1-14 genannt). Die Exegese nahm früher auf Grund von 2 Sa 8 und 10, vgl. mit 1 Kg 11, 23 irrtümlich ein großes aramäisches Reich Soba an, das von David vernichtet worden und vom Aramäerreich Damaskus abgelöst worden sei. Vgl. dazu Winckler, Geschichte Israels I, 138 ff.

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