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Adad - niraris Nachfolger' konnten die Erfolge im Westlande nur mühsam aufrechterhalten. Insbesondere hat eine Revolution, die im Jahre 763 ganz Assyrien erfaßte, die Aufmerksamkeit des assyrischen Großkönigs von den fernen Vasallenländern abgezogen. Damaskus konnte das assyrische Joch wieder abschütteln. Wenn in dieser Zeit Israel sich nicht wieder in das alte Lehnsverhältnis zu Damaskus zurückzwingen ließ, so ist das der starken Regierung Jerobeams II. (785---745) zu danken, der die alten Grenzen „von da an, wo es nach Hamat hineingeht bis zum Meere der Araba“ (2 Kg 14, 25) wiederherstellt?. Seine Nachfolger Menahem (Me-ni-hi-im-me alu Sa-meri-na-ai) und Pekach (Pe-ka-ha) aber haben teils aus Gründen persönlicher Politik, teils aus Furcht, der Sturz von Damaskus könnte auch ihren Untergang bedeuten, wieder zu Damask gehalten. Im Todesjahre Jerobeams hatte nämlich in Assyrien der gewaltige Tiglatpileser III.3 oder Phult (745-727) den Thron bestiegen. Er hatte als Führer einer gegen die Hierarchie gerichteten Bewegung, die von Kelah aus organisiert wurde, die Gewalt in die Hand bekommen. Dieser Phul steht am Anfang der letzten Blüte-Epoche des assyrischen Reiches; er hat die assyrische Macht wie keiner seiner Vorgänger nach dem Westlande ausgedehnt und das aramäische Reich Damaskus vernichtet. Leider sind seine Annalen und unter ihnen besonders die Berichte über die Kämpfe im Westen nur verstümmelt auf uns gekommen. Gut, daß wir die Beischriften des assyrischen

und dann wicdergewonnen wurden. Der glückliche Erfolg sei von Jona ben Amitai vorhergesagt worden. Winckler (KAT” 260. 262, vgl. Ex or. lux II, 1) ist geneigt, den historischen Kern oder besser Hintergrund des Buches Jona hiermit in Verbindung zu bringen, zugleich natürlich unter Preisgabe seiner früheren Ansicht F. II, 260 ff., nach der er gegen Budde die Identifizierung der beiden Jona bestritten hatte.

1) Salmanassar III., 7824-773, der allerdings im letzten Jahre seiner Regierung vor Damaskus erschien, Asurdan 772–755, Asurnirari 754–745.

2) Zu den Grenzen s. S. 506 ff. In der verderbten Stelle 14, 28 scheint die Nachricht zu stecken, daß er Hamat an Israel zurückgebracht, Damaskus geschlagen und die Oberhoheit über Juda bewahrt hat, s. H. Winckler in KAT: S. 262.

3) So schreibt wiederholt seinen Namen die Bibel, genau so auch die Panammû- Inschrift aus Sendschirli (s. Ausgrabungen in Sendschirli, veröffentlicht vom Orient-Komitee zu Berlin I, 55 ff.).

4) Das ist sein babylonischer Name. Die babylonische Königsliste nennt den Namen Pûlu, die Chronik sagt Tukulti-apil-ešarra. Wenn ihn der ptolemäische Kanon als König von Babylon Poros nennt, so liegt derselbe Lautwechsel vor, wie in mâr-galittu („Kind des Meeres“ Perle) und Margarete F. E. Peiser).

Eponymenkanon über die Hauptereignisse des Jahres haben und die Angaben der babylonischen Chronik, die mit dem Jahre 747 einsetzt. Was 2 Kg 16 vom Untergang des Reiches von Damaskus berichtet wird, stimmt, wie im voraus bemerkt sei, mit den Angaben der Tafelschreiber des assyrischen Königs überein. Als Phul die Regierung antrat, waren die palästinensischen Staaten so unabhängig von Assyrien, wie in den Zeiten vor Salmanassar II. Israel (und Juda) hielten, wie gesagt, wieder zu Damaskus. Aber gleich im ersten Jahre seiner Regierung hat sich Phul, nachdem er sich der Herrschaft über Babylonien versichert hat, mit Nachdruck nach dem Westen gewendet. Vor allem mußte er das Königreich Arpad im mittleren Syrien, das seinem Vorgänger Assur-nirari schon zu schaffen gemacht hatte, definitiv zum Gehorsam bringen. Es trennte ihn bei der gegenwärtigen politischen Konstellation von den Mittelmeerhäfen. Und auf diese Häfen ging ja das Verlangen des assyrischen Großkönigs, der hier alte Rechtsansprüche zu erneuern hatte. Für die Jahre 743-740 verzeichnet der Eponymenkanon Züge nach Arpad. Bei dem Jahre 741: „Nach Arpad zog er während dreier Jahre als Eroberer." Die Erinnerung an diesen Eroberungszug spiegelt sich 2 Kg 19, II ff. wieder. Der Staat Arpad wurde 740 assyrische Provinz. Auch Damaskus und die andern syrischen Staaten schickten zunächst angstvoll Tribut ?. Sobald aber Phul sich nach dem Norden wandte, um dort die Reichsgrenzen zu erweitern, versuchten die syrisch-palästinensischen Staaten sich wieder von Assyrien loszumachen. Damaskus übernahm von neuem die Führung. Sobald aber der Assyrerkönig wieder in der Nähe erschien 3, huldigten ihm Reson* von Damaskus, Menahem von Israel und die übrigen Verbündeten. Auch hier wird Juda als Anhängsel zu Israel einfach hinzuzudenken sein. Aber der Gehorsam war nur Schein. Sobald sich Phul abgewendet hatte, konsolidierte sich von neuem das Bündnis unter Damaskus. Während Pekach von Israel wie sein Vorgänger Menahem sich wiederum beteiligte, verweigerte Juda,

1) Vgl. jetzt Šanda, Die Aramäer in AO IVI, S. 17.
2) Auch Menahem 2 Kg 15, 19.

3) 738 kam er nach Syrien, von Panammu von Sam’al d. i. Sendschirli gegen Azrija’u zu Hilfe gerufen, der sich des zu Sa’mal gehörigen Gebietes von Jaudi bemächtigt hatte. Diese Tatsache hat große Verwirrung angerichtet. Man glaubte früher, das sei Azarja von Juda. Der Irrtum ist jetzt beseitigt, s. H. Winckler F. I, iff.: Das syrische Land Jaudi und der angebliche Azarja von Juda. ") Statt des Reşîn dürfte also Resûn zu lesen sein.

5) S. S. 511.

der bisherige Aftervasall Israels, den Anschluß. Juda tritt hier zum ersten Male im Bereiche der assyrischen Inschriften mit Namen auf. König Ahas von Juda (Ja-uha-zi Jaudai)l hatte sich für Assyrien entschieden. Schon sein Vater Jotham wird geneigt gewesen sein, sich der assyrischen Macht anzuschließen. Gewiß wird auch er Phul gehuldigt haben in der Hoffnung, auf diese Weise von der Vormundschaft Israels loszukommen und mit Hilfe Assyriens das David-Reich wiederherzustellen. Er zog sich dadurch die Feindschaft Rezins von Syrien und Pekachs von Israel zu (2 Kg 15, 37), eine Feindschaft, die unter Ahas zur Belagerung Jerusalems führt. Juda sollte mit Waffengewalt genötigt werden, sich dem Bündnis gegen Tiglatpileser anzuschließen; „der Sohn Tab’els“, der nach Jes 7, 6 König in Jerusalem werden soll, ist kein anderer als Rezin? Jesaias hat Ahas im scharfen Gegensatz zur Stimmung des Volkes dringend vor dem Anschluß an Assyrien gewarnt 3. Er solle dem Zorne Syriens und Israels standhalten (Jes 7) und im übrigen glauben und stille sein. Er sieht im Geist, wie die Wasser des Euphrat Juda verschlingen (Jes 8, 5 ff.). Aber sein Zeugnis war vergeblich. Er verschließt es fortan in den Kreis seiner Jünger, wie man Wein in Schläuche verschließt zur Erquickung für künstige Zeiten. Und der Gang der Ereignisse schien den Propheten zunächst ins Unrecht zu setzen.

Der Zug Phuls nach dem Westlande im Jahre 734 befreite Juda aus seiner Not. Nach 2 kg 16, 7 hat Ahas selbst ihn durch eine (außerordentliche ?) Tributsendung um sein Kommen gebeten. Das assyrische Heer zog zunächst gegen Philistäa. Auf dem Wege dahin (Annalen 2271 wurde Israel durchzogen und besetzt. Phul verfolgte dabei zugleich den Zweck, Damaskus von der Hilfeleistung aus dem Süden abzuschneiden. er zieht durch Galiläa und zieht das Gebiet Manasse als damaszenisches Gebiet ein und faßt es mit Teilen des Hauran zur Provinz Soba zusammen. Dieses Ereignis bedeutet den eigentlichen Untergang des Staates Israel. In einer Inschrift+, die die Ereignisse des Jahres 733 schildert, sagt Phul, er habe alle Städte des ,,Hauses Omri“ auf den früheren

"Tontafelinschrift Tiglatpilesers III. (KT3 34) von Nimrud.

2, S. Bredenkamp im kommentar z. Stelle und H. Winckler, Alttestamentliche Untersuchungen, S. 77.

*) Der Auffassung von Wilke, Jesaja und Assur über den Wechsel der assyrischen Politik Jesaias' kann ich mich nicht anschließen. Sie trennt übrigens gewaltsam Jes 7, 14ff. u. 9, 5ff. *, Annalen 227, s. KT3 31.

Feldzügen zum Gebiete seines Landes gezogen, die Bewohner in die Gefangenschaft geführt und nur Samarien (Ephraim) übriggelassen. Zur Illustrierung solcher Kämpfe mögen Abb. 172 f. und 211 ff. dienen. Die Bibel berichtet diese Wegführung 2 Kg 15, 29. Die nördliche Hälfte Israels, Manasse, war also ganz assyrisch. Sagt deshalb Hose a fast nur Ephraim und nicht mehr Israel: Während nun Phul 733 gegen Gaza vorrückte, wurde Pekach in Samarien gestürzt und Hosea (A-u-si-")

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Abb. 172: Sturm auf eine feindliche Festung. Relief aus Khorsabad (Botta).

übernahm mit Genehmigung des assyrischen Königs die Herrschaft. Es heißt in den Inschriften Phuls:

„Pekach ihren König stürzten sie, Hosca setzte ich zur Herrschaft] über sie. 10 Talente Gold .. Talente Silber empting ich als Geschenk."

Durch diese Angabe wird die Situation in 2 Kg 15, 30 (,,Hosea zettelte eine Verschwörung wider Pekach an, ermordete ihn und ward König an seiner Statt“) bestätigt und erläutert. Auch ergibt sich daraus, dass 2 kg 17, 3 Salmanassar korrigiert werden muß in Phul! Ahas von Juda erfüllte dann im folgenden Jahre 733 seine Lehnspflicht gegenüber Assyrien, als Phul zum Vernichtungskampf gegen das isolierte Damaskus heranzog. Wir haben uns vorzustellen, dass Ahas persönlich sich im Gefolge Tiglatpilesers befunden hat während des Siegeszuges, von dem die Tafelschreiber ausführlich erzählen. Die Belagerung von Damaskus, von der 2 kg 16, 9 summarisch berichtet wird, scheint sich durch zwei Jahre hingezogen zu haben 1733 und

1. S. mein Im Kampf um B. u. B.. S. 12. Kittel, Könige z. St. streicht Salmanassar als Glosse, vgl. auch KAT 3 268.

732). Nach der Eroberung der Stadt standen die phönizischen Häfen dem assyrischen Großkönig offen. Lange hat sich dann auch der Rest des Staates Israel nicht halten können.

Hosea von Israel muß bald nach Phuls Tode Salmanassar IV.1 im Einverständnis mit Tyrus und anderen Besitzern von Mittelmeerhäfen Tribut verweigert haben. Wir besitzen leider keine Inschriften aus der Zeit. Sie müßten vom Strafzug gegen das

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Westland und von der dreijährigen Belagerung Samariens (2 Kg 17, 5) erzählen. Die Eroberung der Stadt erfolgte erst unter seinem Nachfolger Sargon (722-705) ? Seine Annalen erzählen gleich im Anfang den Fall Samariens:

„Im Anfang meiner Regierung (722) und in meinem ersten Regierungsjahr Samaria belagerte und eroberte ich ... (3 Zeilen fehlen) 27 290 Einwohner schleppte ich fort, 50 Streitwagen als meine königliche Streitmacht hob ich dort aus. ... stellte ich wieder

1) Tebet 726 bis Tebet 722.

2) Usurpator: s. S. 569 Anm. 1.

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