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her und besiedelte es mehr als früher. Leute aus Ländern, die ich erobert, siedelte ich dort an. Meine Beamten setzte ich als Statthalter über sie. Tribut und Abgabe wie den assyrischen legte ich ihnen auf.“

Wir nennen dieses Ereignis ,, die Wegführung der zehn Stämme“. In Wirklichkeit war die Hauptsache elf Jahre früher geschehen, als Manasse assyrische Provinz wurde (S. 520). Was wir als „Wegführung der zehn Stämme“ bezeichnen, konnte sich nur noch auf Ephraim beziehen, d. h. auf das Gebiet, das im Süden von Juda, im Norden von Galiläa, im Osten vom Jordan begrenzt wurde. Der Bericht 1 Chr 5, 26 und 6 wirft die Berichte der beiden Wegführungen 733 und 722 zusammen, wenn er die Wegführung auch auf die ostjordanischen Stämme bezieht. Die Zahl der Weggeführten gibt Sargon auf 27 290 an. Die Besitzlosen ließ im Lande. Zwei Jahre später hat der Rest der alten Einwohnerschaft unter Führung Ja’u-bi’di’s von Hamath noch einmal sich an einer Erhebung gegen Assyrien beteiligt. Der Er- Abb. 174: König Sargon II. und sein Feldmarschall. folg war, daß auch Hamath nach einer Schlacht bei Karkar und damit der Rest des großen Aramäerstaates assyrische Provinz wurde.

Als Gegenden, in die die Exilierten geführt wurden, nennt 2 Kg 17 Mesopotamien und Medien, nach dem Buche Tobias auch Niniveh selbst. Näheres darüber s. S. 544f. zu den genannten Stellen. Vielleicht sind auch hier die Gebiete der beiden Deportationen von 733 und 722 vermengt.

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Geschichte der Judäer vom Fall Samariens

bis zum l'ntergang Ninivehs. Auch der Fall Samariens hatte die glühenden Hoffnungen der Judäer auf die Wiederaufrichtung eines geeinten Reiches nicht erfüllt. Ahas sah sich gegen Ende seiner Regierung bitter getäuscht. Deshalb hat sein Nachfolger Hiskia mit den Feinden Assyriens geliebäugelt. Die nächste Gelegenheit wird der Philisteraufstand unter dem König Hanûnu von Gaza, den Tiglatpileser - Phul geschont hatte, geboten haben, Jes 14, 23 — 32.

Die Philister hatten sich offenbar durch die vorhin erwähnte Erhebung des Ja’u-bi’di von Hamat, an der auch die Reste der Samaritaner sich beteiligt hatten, ermutigen lassen. Der Aufstand hat ebenfalls ein schlimmes Ende gefunden. Hanûnu wurde mit 9633 Philistern nach Assyrien geschleppt, Rapihu, die Grenzfestung des Gebietes von Gaza am nahal Musri', wurde geschleist. Es erhebt sich die Frage, wie weit Judäa bei diesen Vorgängen im Nachbarlande beteiligt war. In der Steinplattenschrift von Kelah sagt Sargon von sich, ,,er habe das fernliegende Land Ja-u-du unterworfen.“ Wenn Judäa damit gemeint ist, so müßten wir annehmen, dass Hiskia in der Hoffnung auf einen Erfolg der Philister den Tribut an Assyrien eine Zeitlang verweigert hat, dann aber rechtzeitig sich wieder vor dem siegreichen Sargon gedemütigt hat?. Aber es kann auch jenes Ja'udi gemeint sein, von dem oben S. 519 die Rede war. Jedenfalls ist aber in den folgenden Jahren 713 bis 711 Juda bei den Empörungen, die in Mittelsyrien ausbrachen, beteiligt. In den Annalen Sargons wie in der Bibel wird die Beteiligung Judas an einem von der Philisterhafenstadt Asdod ausgehenden Aufstand ausdrücklich erwähnt. Sargon nennt die Beteiligten: u. a. Philistäa (Pi-lis-ti), Juda (Ja-u-di), auch Moab und Edom. Jesaias hat den König vergeblich gewarnt. Der Erfolg konnte kein glücklicher sein. Sargon erzählt, er habe Asdod zur Provinz gemacht und die Bewohner weggeführt 3. Juda hat sich nicht über Strenge beklagen können, wenn es verschont wurde.

Inzwischen war für Hiskia von ganz andrer Seite Hoffnung auf Befreiung von der assyrischen Herrschaft heraufgestiegen. Der gefährlichste Feind Assyriens, Merodachbaladan (s. Abb. 188), der König von Babylon, hatte eine Gesandtschaft zu Hiskia nach Jerusalem geschickt, s. 2 Kg 20; Jes 394 Dieselbe Ge

1, KT? ;8. Die Führung gegen Asur übernahm später Asdod.

9. Vielleicht indem er durch den 2 Kg 18, 8 (versprengtes Stück) bezeugten Zug gegen die Philister sich um Assyrien verdient macht.

3) Ann. 227. Pr. 107. Das stimmt aber nicht, denn bald darauf tritt ein König von Asdod auf, s. S. 527.

ti Assyrisch ša'al šulmi, eig. „nach der Gesundheit erkundigen“, in Wirklichkeit: „seine Dienste anbieten“, „seine Ergebenheit kundtun“, vgl. S. 507. Eine Parallele zu dem Vorgang im wörtlichen Sinne bietet Amarna 10, 14--27. Burnaburiaš von Babylon ist sehr ungehalten, daß sandtschaft wird gewiß auch andre Höfe der syrisch-palästinensischen Kleinstaaten aufgesucht haben, um die Empörung gegen Assyrien zu schüren. Merodachbaladan wollte Babylon zu einer selbständigen Machtstellung verhelfen und nahm deshalb Fühlung mit Assyriens mißmutigen Vasallen. Man hat früher allgemein angenommen, daß diese Gesandtschaft für das Jahr 702 anzusetzen sei. Sie dürfte aber wohl mit den Mißerfolgen zusammenhängen, die Sargon gleich im Anfange seiner Regierung auf babylonischem Gebiete zu verzeichnen hatte. Im Jahre 7211 war er von den Elamitern, den Bundesgenossen der aufständischen Babylonier, geschlagen worden, so verrät uns die babylonische Chronik, während die Annalen von einem Siege prahlen. Sargon hat in der Tat zunächst auf Babylonien verzichten müssen, erst im Jahre 710 kommt er dazu, ernsthaft gegen Merodachbaladan zu rüsten. Wir haben uns also, wie die Dinge jetzt liegen, die Gesandtschaft im Anfange der Regierung Hiskias zu denken, und nehmen an, dass sie zugleich die Glückwünsche zum Regierungsantritte brachte.

Hiskias Hoffnung geht wie einst die Hoffnung des Ahas auf Wiederherstellung des David-Reiches. Babylon sollte jetzt helfen, nachdem Assyrien seine Hilfe versagt hatte. Er baute den Millo auf Sion wieder auf, restaurierte die Mauern und Türme und füllte die Schatzkammern, wie die Chronik sehr glaubhaft berichtet. Eine religiöse Reform, die vom Tempel in Jerusalem ausging, sollte die neue Zeit inaugurieren. In der Nachricht der Chronik wird auch in diesem Falle geschichtliches Gut liegen. Nach 2 Chr 30, 6-11 hat Hiskia damals Boten -- herumziehende ,,Propheten“ (Sprecher) muß man sich vorstellen – durch ganz Israel, durch die Gebiete von Ephraim und Manasse geschickt, die zum Anschluß an Judäa wider Assyrien einladen sollten. Die Boten, die gewiß zugleich für die alte davidische Tradition Propaganda machen sollten, wurden in Israel verlacht und verspottet. Bei Jesaias sind uns die Warnungsstimmen der Propheten aufbewahrt, die die politische Situation klar erkannten und den Anschluß an Babylonien für hochgefährlich hielten. Es ist ja Sargon in der Tat gelungen, Babylonien gründlich zu beugen, sobald es ihm geglückt war, die elamitische Hilfe abzuschneiden. Schon im ersten Jahre des Feldzuges 710 ist er als König von Babylon eingezogen.

Pharao Naphuria ihm nicht hier sein Beileid während seiner Krankheit ausgesprochen hat. V. sagt, er habe gar nichts von der Krankheit gewußt.

1; So nach den Annalen, nach der babylonischen Chronik 720.

Bekanntlich hat Sargon 705 seinen Tod gefunden. Ein Jahr vorher meldet die Eponymenliste die Einweihung seiner Residenz Dur-Šarrukin, nördlich von Niniveh. Bis dahin hatte er in Kelah residiert. Die Umstände seines Todes sind noch nicht ganz aufgeklärt. Die Stellen der assyrischen Urkunden, die davon reden, sind verstümmelt. Wahrscheinlich ist er auf einem Feldzuge eines gewaltsamen Todes gestorben. Denn es heißt K 4730: „Er wurde nicht in seinem Hause begraben." Vielleicht ist das Lied von der Unterwelt, Jes 14, 14-20, dessen Dichter mit den babylonischen Gedankenkreisen wohl vertraut gewesen ist, ursprünglich auf Sargons Tod gemünzt. Sonst könnte noch Sanherib in Betracht kommen. S. z. St. S. 568.

Sargons Sohn und Nachfolger Sanherib (705-681) hat nicht nur alles darangesetzt, die Freiheitsgelüste Babyloniens definitiv zu brechen; er verfolgte vielmehr den abenteuerlichen Plan, Assyriens Herrschaft 1 von der überwiegenden Kulturmacht Babyloniens freizumachen: er wollte Ägypten erobern und mit Umgehung Babyloniens über Ägypten neue Wege eröffnen? Aber grade seine gewaltsame Politik hat die Macht Assyriens erschüttert. Die fernen Vasallenstaaten verweigerten den Tribut. Die biblischen Königsbücher berichten uns, wie auch Juda unter Hiskia die assyrisch-babylonischen Wirren zur Befreiung von der assyrischen Herrschaft zu benutzen gesucht hat.

Der Plan Sanheribs, seine Macht über Arabien nach Ägypten auszudehnen, wurde für die Geschicke Judäas verhängnisvoll. Judäa mußte umklammert werden, denn es lag an der Südgrenze der assyrischen Besitzungen.

Der biblische Bericht redet von drei Feldzügen Sanheribs gegen Jerusalem.

I. Im Jahre 701 zog Sanherib, nachdem er Babylon vorläufig zur Ruhe gebracht hatte, nach dem Westlande 3. Nur Tyrus, das Sanherib vergeblich belagerte, und Hiskia leisteten Widerstand in der Hoffnung auf die Hilfe der Scheichs von Musri und Meluhhi.

Über diesen Feldzug berichtet der biblische Bericht:

„Im vierzehnten Jahre des Königs Hiskia zog Sanherib, der König von Assyrien, wider alle festen Städte Judas und nahm sie ein. Da

1) Er unterdrückt Kelah und macht Niniveh zur glänzenden Residenz, s. S. 272 f.

2, Asarhaddon hatte das gleiche Ziel mit Hilfe Babyloniens erstrebt. Unter Asurbanipal ging Ägypten für Assyrien verloren. Vgl. die merkwürdige Stelle Jes 19, 23 f.

3, S. Prašek, Sanheribs Feldzüge gegen Juda, MVAG 1903, 113 ff., wo die übrige Literatur angegeben ist. Vgl. auch Nagl, Die nachdavidische Königsgeschichte.

sandte Hiskia, der König von Juda, an den König von Assyrien nach Lachis und ließ sagen: Ich habe mich vergangen; ziehe wieder ab von mir; was du mir auflegst, will ich tragen! Da legte der König von Assyrien Hiskia 300 Talente Silber und 30 Talente Gold auf.“ 2 Kg 18, 13-16.

Hiskia mußte, um diese Riesensumme aufzubringen, Tempelund Palastschatz angreifen, ja sogar die Goldbleche von den Tempeltoren abreißen, 2 Kg 18, 16. Der assyrische Bericht erzählt die gleichen Ereignisse folgendermaßen 1:

Und von Hizkia, dem Judäer, der sich nicht unter mein Joch gebeugt hatte, belagerte ich 46 feste Städte, mit Mauern versehene, die kleineren Städte in ihrer Umgebung ohne Zahl; mit der Niedertretung der Wälle (?) und dem Ansturm der Widder (), dem Angriff der zûkšepâ-Truppen, Breschen, Beilen (?) und Äxten belagerte und eroberte ich (sie); 200 150 Men en, jung, alt, männlich und weiblich, Rosse, Maultiere, Esel, Kamele, Rinder und Kleinvieh ohne Zahl führte ich von ihnen heraus und rechnete sie als Beute. Ihn selbst sperrte ich wie einen Käfigvogel in Jerusalem, seiner Residenz, ein; feste Plätze

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1) KT 2 45f. 2) S. 524 Anm. 4.
3) iršu bațlati (vgl. Delitzsch, Handw. 171a).

4) Die Bemerkung ist für die Geschichte der vorexilischen Tempelmusik in Jerusalem sehr wichtig und blieb bisher unbeachtet. 1 Sa 2, 22b wird echt sein mit seiner Erwähnung der Tempelweiber in Siloh. Mischna Erachin VIII, 4 redet auch von kanaanitischen Tempelsklavinnen in Jerusalem.

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