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meiner Hauptstadt, mir nachbringen. Zur Ablieferung seines Tributs und Erklärung der Untertänigkeit schickte er seine Gesandten.

Beide Berichte bezeugen, daß Jerusalem bei diesem Feldzuge nicht wirklich belagert worden ist, Sanherib war jedenfalls damals gar nicht in der Lage, das mächtige Jerusalem einzunehmen. Er mußte das Gros seiner Streitkräfte nach der Heimat zurückschicken, weil in Babylon neue L'nruhen ausgebrochen waren. Darum hat er sich jedenfalls damit begnügt,

Jerusalem zu zernieren und

einem festen Punkte aus in Schach zu halten. Dieser feste Punkt muß nach dem biblischen Bericht Lakiš 1

gewesen sein, das bei dem heutigen Tell-elhasî, südlich von der von Gaza nach Jerusalem führenden Straße lag Die assyrische In

schrift nennt zwar Abb. 176: Sanherib thront vor Lakiš und empfängt Tribut.

Lakis nicht, aber

eine Relief inschrift, die den König auf dem Throne zeigt, während Tributträger vor ihm erscheinen, sagt (s. Abb. 176):

„Sanherib, der König der Welt, der König von Assyrien, setzte sich auf den Thron, und die Gefangenen aus Lakiš zogen vor ihm auf.“

Sie bezeugt, daß Lakiš bei dieser Gelegenheit eine solche Rolle gespielt hat. Man fragt nun aber bei der Sachlage: warum hat Hiskia sich zu der demütigenden Tributleistung verstanden? Die Lösung des Rätsels ist vielleicht in den Erfolgen Sanheribs gegen Babylon zu suchen, von der Hiskia während der Zernierung Jerusalems Kunde bekam. Hiskia, durch den Verlust seiner judäischen Städte an sich schon geängstigt, beugte sich nach

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1) Sitz eines vorisraelitischen kanaanäischen Königtums nach Jos 10.3. Min, 3 ist doch wohl dasselbe Lakiš gemeint. Dort ist von einem Wagen ohne Rosse die Rede, der Anlaß zur Sünde wird. Es ist doch wohl ein Prozessionswagen. Ein Gegenstück zur Bundeslade:

der Unterjochung Babyloniens vor den Vertretern des Königs, die von Lakiš aus erschienen (2 Kg 18, 14 zwingt nicht zu der Annahme, das Sanherib noch persönlich in Lakiš war) und leistete den Tribut und zwar schickte er ihn (und auch das spricht für unsre Auffassung) mit einer Deputation, die Hiskias Unterwürfigkeit beteuern mußte, nach Niniveh! Wir nehmen also auf Grund der Inschriften an, dass zwischen 2 Kg 18, 13 und 14 die glücklichen Erfolge Sanheribs in Babylon und eine langedauernde Zernierung Jerusalems zu denken sind. Ob die Tributsummen 30 Talente Gold und 300 Talente Silber nach der Bibel und 30 Talente Gold und 800 Talente Silber nach den Inschriften einander gleich sind, wissen wir nicht, da wir die assyrischen Geldwerte nicht genügend kennen. Diese Unterwerfung Hiskias registriert die Inschrift Sanheribs vom Nebi Yunus-Hügel' mit den Worten:

„Ich warf nieder den weiten Bezirk Juda; seinem König Hiskia legte ich Gehorsam auf.“

II. Die 2 Kg 18, 17 --- 19, 8 geschilderte Szene fassen wir als Episode des eben besprochenen Feldzugs auf?. Sie berichtet die von Lakiš aus mit Hiskia gepflogene Unterhandlung. Die Rede des Rabsak ist Produkt einer nachträglichen poetischen Ausschmückung. Die der Rede zugrunde liegende Annahme, daß Hiskia damals schon auf Ägypten vertraut habe, das einem Rohrstabe gleicht, der dem in die Hand fährt, der sich darauf stützt, ist wohl aus der Situation des späteren Feldzugs herübergenommen, der 2 Kg 19, 9ff. geschildert wird, eine Situation, die erst 691 eintrat, als Tirhaka, der 3. äthiopische König, zur Regierung kam und Assyrien bedrohte. Als die Boten, die von Hiskia Tribut und Unterwerfung fordern sollten, kamen, war Sanherib bereits von Lakiš abgezogen (nach Libna). Wir wissen nicht, wo Libna lag. Aber die Angabe wird zu der oben besprochenen Annahme stimmen: Sanherib mußte mit dem Gros seines Heeres von Lakiš abziehen und heimkehren, weil in Babylonien neue Wirren ausgebrochen waren.

III. Der 3. Abschnitt der Königsbücher 2 Kg 19, 9-37 (vgl. Jes 37, 9—37) redet von einem späteren Feldzug Sanheribs, der in die Zeit nach der Zerstörung Babylons fallen muß. Er ist

1) S. KT 2 47.

2) Jes 36–37, 8 liegen die beiden Stücke 2 Kg 18, 13-16 und 18, 17-19, 8 zusamm

nmengearbeitet vor. Für die Quellenscheidung sind von grundlegender Bedeutung die Untersuchungen von B. Stade, Zeitschrist für altt. Wissensch. 1886, 173 f. Jeremias, A. Test. 2. Aufl.

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durch Tirhakas Auftreten gekennzeichnet, der erst 691 zur Regierung kam. Von diesem Feldzug haben wir keine assyrischen Nachrichten. Sanherib wurde kurz darauf ermordet 1. Das letzte, was die Annalen von seinen Taten berichten, ist die Zerstörung Babylons. Die Tafelschreiber hatten um so weniger Veranlassung, den Zug zu schildern, als er kläglich verlaufen war. Die Keilschriftforscher und Geschichtsschreiber haben sich also vergeblich bemüht, den biblischen Bericht von dem unglücklichen Ausgang mit den Annalen Sanheribs in Einklang zu bringen. G. Rawlinson aber hatte bereits vor 40 Jahren erkannt, daß der biblische Bericht einem Feldzuge angehört, von dem Sanheribs Annalen gar nichts berichten.

Sanherib sah sich auf einem Zuge im Westlande (nach 691) plötzlich von Tirhaka, dem 3. der äthiopischen Könige (seit 691 nach ägyptischen Nachrichten), bedroht. Er schickte Boten nach Jerusalem und verlangte Übergabe der Stadt.

In diese Situation fällt das zweite hochbedeutsame Auftreten des Jesaias. Hiskia sendet zu dem Propheten und fragt an, wie er sich der Forderung der Assyrer gegenüber, die das Vertrauen auf Jahve verlachen, verhalten soll. Der König gehorcht der Stimme des Propheten und antwortet ablehnend.

Jesaias' Voraussage 2 Kg 19, 32--- 34, Sanherib solle in die Tore Jerusalems nicht einziehen, ja es solle nicht einmal zur Belagerung kommen, ging in besonderer Weise in Erfüllung (2 Kg 19, 35 f. vgl. 2 Chr 32, 21):

„In derselbigen Nacht aber ging der Engel Jahves aus (allegorischer Ausdruck für die Pest) und schlug im Lager der Assyrer 185000 Mann; da brach Sanherib auf und zog ab, kehrte um und blieb in Niniveh.“

Dieses Ereignis, das als ein besonderes Eingreifen Gottes empfunden werden mußte, brachte Jesaias in hohes Ansehen.

Wenn 2 Chr 32, 9 nicht einen Irrtum enthält, der aus der Verwirrung in dem Verbindungsverse 2 Kg 18, 9 herrühren könnte, waren auch diesmal die Verhandlungen mit Jerusalem von Lakiš aus eingeleitet worden. Die Bibel verbindet mit dem Berichte die Mitteilung von der Ermordung Sanheribs (681).

1) Gegen die Annahme zweier Feldzüge sprechen sich aus Nagel, Der Zug des Sanherib (1902), Wilken, Jesaia und Asur. Tirhaka soll 701, achtzehn Jahre vor seiner Thronbesteigung in Ägypten, als König von Kuš (hier Äthiopien) aufgetreten sein. Das ist geschichtlich unmöglich. Wenn es sich um einen Feldzug handelt, so wäre Tirhaka irrtümliche Glosse. Aber dann ist die direkte Verbindung der Erzählung mit Sanheribs Tod unerklärlich. Zwischen 701 und dem Tode S. liegt die stolzeste Tat seines Lebens: die Eroberung und Zerstörung Babylons.

Ende 682 wurde Sanherib von einem seiner Söhne ermordet. Die babylonische Chronik erzählt:

„Am 20. Tebet tötete den Sanherib, den König von Assyrien, sein Sohn in einem Aufruhr.“

Der Ort der Ermordung wird Babylon gewesen scin. Denn Asurbanipal erzählt, er habe bei der Eroberung Babylons bei den Bildern der Schutzgottheiten (also am Tempeleingang), bei denen Sanherib ermordet wurde, Leute als Totenopfer hingeschlachtet. Man wird aber kaum annehmen wollen, daß sie zu dem Zwecke nach Niniveh geschleppt wurden. Der spezielle Tatort wird der Marduk-Tempel gewesen sein. Der biblische Bericht widerspricht dem nicht (2 Kg 19, 37): Er kchrte zurück und blieb in Niniveh. Und als er anbetete im Tempel Nisroks, scines Gottes, da erschlugen ihn ...“ Zwischen den beiden Sätzen wird eine Lücke zu denken sein. Der Name Nisrok ist in der üblichen Weise aus Marduk verstümmelt. Die zwei Söhne des biblischen Berichts beruhen auf Mißverständnis; die Bibel hat wahrscheinlich zwei Namen derselben Person überliefert.

Sanherib muß es kurz vor seinem Tode noch (nach dem Tode Hiskias ?) gelungen sein, Jerusalem zum Gehorsam zu bringen. Denn Hiskias Nachfolger Manasse hat wieder Tribut nach Niniveh geschickt. Unter den Vasallenfürsten, die Asarhaddon (s. Abb. 181), Sanheribs Sohn und Nachfolger (681 bis 668), Tribut bringen, erscheint Me-na-si-e šar (König) Ja-u-di (Asurbanipal nennt ihn Mi-in-si-e). Nach 2 Chr 33, II muste er in Babylon erscheinen, um sich zu rechtfertigen. Es wird ihm leicht geworden sein, seine ,,Unschuld“ zu beweisen, da Asarhaddons Politik im Widerspruch zu der seines Vorgängers stand. Er ist Asarhaddon treu geblieben. Wenn er nach 2 Kg 21, 16 „Jerusalem mit unschuldigem Blut erfüllte“, so bedeutet das wohl die Ausrottung der anti-assyrischen Partei. Das wird in diesem Falle die Jahve-Partei gewesen sein. Im Gegensatz zu ihr und zu Hiskias Politik führt Manasse assyrische Kulte ein. Insbesondere stellt er das Ašera-Bild wieder auf (21, 7), das Hiskia (18, 4) beseitigt hatte.

Als dann Asarhaddon gegen Ägypten zog (671 wurde Tirhaka geschlagen und Memphis erobert), hat Manasse gleich den übrigen Palästinensern Hilfstruppen stellen müssen. Der Zug ging durch sagenumwobene Länderstrecken Arabiens, die die Phantasie mit Fabelwesen bevölkerte. Asarhaddons Inschrift erzählt von zweiköpfigen Schlangen und anderen merkwürdigen geflügelten Tierarten, die Tod und Entsetzen in sein Heer

*) Die babylonische Chronik nennt nur einen Sohn, ebenso Berosus, nach Polyhistor: Ardumuzanus, nach Abydenus: Adramelus, s. KAT3 84. Die armenische Heldensage feiert die beiden biblischen Mörder wegen 2 Kg 19, 37 als Nationalhelden, s. S. 253, Anm. 3.

brachten, bis Marduk, der große Herr, zu Hilfe kam und die Truppen neu belebte. Jes 30, 6 scheint eine judäische Erinnerung an die Schrecken eines solchen Feldzuges wiederzugeben:

„Durch ein Land der N und Angst, wie sie] dort Löwe und Löwin, Ottern und fliegende Drachen (bringen), schleppen sie ihre

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Abb. 177: König Asurbanipal und Gemahlin in weinumrankter Laube.

Reichtümer auf dem Rücken von Eseln und ihre Schätze auf den Höckern von Kamelen zu einem Volke, das nichts nützt! Ägyptens Hilfe ist ja eitel und nichtig.“

Bei einem neuen ägyptischen Feldzuge gegen Tirhaka ist Asarhaddon gestorben i. J. 668. Sein Sohn Asurbanipal (s. Abb. 177) setzte die Kämpfe gegen Tirhakas Neffen Tanut - Ammon fort und eroberte Theben. Auch ihm mußte Manasse Heeresfolge leisten. Bald aber machten Schwierigkeiten in der Heimat es Asurbanipal unmöglich,

seinen Siegen im Süden Nachdruck zu Abb. 178: Cameo Nebukad

Bild unecht, griechi- geben. Es begannen die Vernichtungsscher Charakter 1.

kämpfe gegen Assyrien, die mit dem Falle

Ninivehs endigten (s. oben S. 272 f.). 1) Umschrift: Merodach, seinem Herrn, hat N., König von B., zu seinem Leben dies geschenkt. Im Haager Museum ein ähnlicher Stein ohne Kopf. Man hält beide für die Augen einer von Nebukadnezar geweihten Marduk-Statue; in spätgriechischer Zeit wurde dann in das eine Exemplar der Kopf eingesetzt.

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nezars.

Berl. Museum.

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