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Der Nordpunkt des irdischen Alls wie des himmlischen Alls ist aber zugleich Gottessitz, der Sitz des obersten Gottes (s. S. 20) Arallû auch Harsagkurkura, šad mâtâte, genannt, der „Länderberg“. Daß die Israeliten die Vorstellung kannten, zeigt Jes 14, 13: dort redet der babylonische Weltherrscher vom Versammlungsberg im äußersten Norden. Auch Ez 28, 14 ist bei dem „heiligen Berge Gottes“, der mit ,,Feuersteinen“ bedeckt ist, und vom Kerub bewacht wird, an den Gottessitz im Norden gedacht. Ps 48 erscheint Jahve in Flammen leuchtend auf seinem heiligen Berge, der Nordberg? zittert vor ihm. Der Zion ist das irdische Abbild dieses Gottessitzes für die Judäer, s. S. 49 Anm. 3; 179; 190. Jes 29, 7f. enthält ein Wortspiel, das den Arallû als Gottessitz und zugleich als Höllenort im Sinne hat: ,, Irel, Irel, Burg, da David sich niederlich! Füget Jahr auf fahr, die Feste sollen kriisen, dann will ich bedrängen den Aril; is soll Geklage und klagen sein und er soll wii cin rechter Arel scin." Jahve will den Zion, der ein Arêl, ein Gottesberg sein sollte, bedrängen, daß er ,,ein rechter Arel“ sei, das heißt ein Höllenberg voll Klagegeschrei 3.

Hi 38, 4--7, s. S. 173.

Die Ilarmonie der Sphären. Hi 38, 7 vgl. S. 166; 172. Der Jubelgesang der Sterne und Planeten bei der Schöpfung erinnert an die Stelle des babylonischen Mythus, an der es heißt, nachdem Marduk die Finsternis besiegt hat: „Als das seine Väter sahen, freuten sie sich, jauchzten“ aber es verbirgt sich darin wohl auch der Gedanke von der ,,Harmonie der Sphären“. Die Erscheinung beruht auf dem Grundgesetz der prästabilierten Harmonie, s. S. 42 ff. 50 ff. Wie die Farben und Metalle, so entsprechen auch die Töne den Planetent. Dass die Lehre älter ist als die griechische

1) 7990 77. Zu dem entsprechenden 75a 3nx s. S.435f. Vgl. auch S. 565.

2) Ps 48, 3 ;*D3 - zu lesen Glosse: ;D$ 1799", s. Winckler, Gesch. Isr. II, 129f.

s) S. meine Babyl.-assyr. Vorstellungen vom Leben nach dem Tode

S. 123.

*) Von den Planeten gehen Tonschwingungen aus beim Wandel durch den Tierkreis (vgl. S. 15f.). Auf ihre sieben Töne werden die Harmonien der Musik zurückgeführt mit den sieben Tönen der Oktave. Da der siebente Ton dem Planeten Nergal, dem Unglücks- und Teufelsplaneten, gehört, verbietet in der christlichen Ära die Kirchenmusik ( noch heute in der schottischen Musica sacrai die Septime.

Philosophie, und dass sie vom Orient nach Griechenland gekommen ist, wo sie weitergebildet wurde, steht außer Zweifel. Der Vermittler scheint Pythagoras gewesen zu sein, bei dem orientalische Entlehnungen ausdrücklich bezeugt sind. Die alten Übersetzer des Alten Testaments haben recht mit ihrer Annahme, dass auch die alttestamentlichen Dichter diese altorientalische poetische Anschauung kannten, wenn sie auch die Anklänge an unrechter Stelle vermuteten. Aquila übersetzt die Stelle HL 6, 9, die in Wirklichkeit sagt: rein wie die Sonne" mit den Worten: „tönend wie die Sonne. Die Vulgata übersetzt Hi 38, 37: concentum coeli quis dormire faciet, „wer wird die Musik des Himmels zum Schweigen bringen." (Die Stelle sagt in Wirklichkeit: „wer gießt des Himmels Krüge aus.“). Zwei andere Stellen reden in der Tat von der Musik des Weltkörpers: Ez 1, 24; dort heißt es von den Keruben (das sind die Planeten der vier Hauptstationen des Tierkreises): Und ich hörte das Rauschen ihrer Flügel wie das Rauschen gewaltiger Il'asser, wie din Donner des Allmächtigen", Ps 19, 1-5 Die Himmel crzählen die Herrlichkeit Gottes: in alle Lande giht ihre Stimme aus und ihre Worte bis ans Ende des Erdkrcises."

Im Mittelalter hat sich gegenüber gelehrter theologischer Anfeindung die Lehre von der Harmonie der Sphären in die darstellende Kunst zurückgezogen, aber im Zeitalter der Reformation ist sie von den Theologen? und Astronomen neu ausgestaltet worden, während die Poesie gern auf ihre älteste Gestalt zurückgegriffen hat. Dante teilt den Himmelskörpern selige Lenker zu, die die Himmelskreise regieren und deren Gesang ein Nachklang vom Sphärenlied ist. So sagt Raphael im Prolog des Faust:

Die Sonne tönt nach alter Weise
In Brudersphären Wettgesang,
Und ihre vorgeschriebne Reise
Vollendet sie mit Donnergang.

1) So ist zu verbessern; die alten Übersetzer haben qóryos! Gunkel, Ausgewählte Psalmen: „Über alle Welt geht aus ihr Gespei!" Man traut seinen Augen nicht.

2) Luther sagt zu Mt 15, 34, Pythagoras rede von einer überaus lieblichen Harmonie des Himmels, gleich als ob er den Hiob gelesen hätte. Und zu i Mos 2, 21: Pythagoras hat gesagt, daß die gleiche und ordentliche Bewegung der Sphären unter dem Firmament einen schönen und lieblichen Gesang von sich gebe; weil ihn aber die Leute täglich hören, werden sie dagegen taub: gleich wie die Leute, so da nahe am Wasser Nilo wohnen, des großen Rauschens und Krachens des Wassers, weil sie es täglich hören, nicht achten.

Hi 38, 14.

Das Bild des Lebens, das aus der nächtlichen Erde am Morgen hervortritt, wird mit dem Reliefbild verglichen, das der auf Ton abgerollte Siegelzylinder mit seinen Bildern hervorbringt. Ein Bild, für das uns erst die Kenntnis der mannigfaltigen babylonischen Siegelzylinder Verständnis gibt.

Hi 38, 31 ff. Kîma sind kaum die Plejaden. Etwa der Stern Arcturus, der beim großen Bären (als Bärenführer) steht ?? Kesîl = Orion, s. S. 266. Sept. 'Doklov, bei Hi 9, 9 aber "Eonepos. Lösest du die Stränge des Kesil?" Der Orion ist als an den Himmel gebundener Riese gedacht, s. zu i Mos 10, 9. Sicher handelt es sich um Gestirne oder Sternbilder, an die sich bekannte Mythen knüpfen. Mazzarột (s. zu 2 Kg 21, 5, babylonisch manzaltu ,,Standort") sind die Mondstationen bez. die Sonnenhäuser am Tierkreis. - 'Êš (mitsamt ihren Söhnen). vais lies wiss, das freilich nur arabisch bezeugt ist. Es sind die Tierkreisbilder ursprünglich Chaosungeheuer, vgl. S. 133, Anm. I und Gunkel, Schöpfung und Chaos 140. Die Bahre? (der große Bär, bekanntlich auch als Bahre vorgestellt): Und tröstest du die Totenbahre samt ihren Kindern, vgl. Stucken, Astralmythen 34. kennst du den mišťâr des Himmels.", s. S. 44, Anm. 2. Es ist das Buch der Offenbarungen Gottes im Himmel. V. 36 ist Parallelglied: „Oder kannst du ihn auf die Erde malen."

Hi 38, 33 (Schrift des Himmels), s. S. 44 ff. Hi 39, 6, s. S. 362. Hi 40, 14 ff., s. S. 396.

Die Psalmen. Zwischen den poetischen Formen der biblischen und babylonischen Lieder besteht enge Verwandtschaft. Das Volk Israel hat auf allen Gebieten des Könnens und Wissens die Kulturvölker Vorderasiens zu Lehrmeistern gehabt. Sobald es schriftstellerisch tätig war, ergab es sich ganz von selbst, daß man sich in alten längst festentwickelten Formen ausdrückte. Andrerseits kann man an der religiösen Lyrik der Psalmen besonders deutlich sehen, dass die religiöse Gedanken- und Empfindungswelt in Israel unendlich viel tiefer ist, als in Babylonien und Ägypten.

Zur vorderasiatischen Instrumentalmusik vgl. die von Fr. Jeremias bearbeitete Einleitung zu den Psalmen in Haupts Sacred Books. Babylonische und assyrische Musikinstrumente illustrieren die Abb. 182 und 183.

') Auch der Sirius (Stern in Geigers jüd. Ztschr. 1865, 258 ff.).

Ps 2, 7, s. S. 357 Anm. 3. Ps , 6, s, S. 362. Ps I9, I fe, s. S. 166. 174 und S. 559. Ps 23, 5, s. S. 168 Anm. 3. Ps 24, 2, s. S. 165 ; 75: Ps 36, 6f, s. S. I75; I76.

Ps 44, 24. Wache auf, warum schläfst du, Herr.Vgl. IV R 23, col 1, Z. 26 ff.':

„Der Herr, welcher schläft, wie lange wird er schlafen? Der große Berg, der Vater, der Gott Mul-lilla (Bel), welcher schläft, wie lange wird er schlafen? Der Hirte, der Bestimmer der Geschicke, welcher schläft, wie lange wird er schlafen?"

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Trommel.

Abb. 183—185: Doppel - Flöte.

Cymbel.
Von Palast - Reliefs aus Asurbanipals Zeit.

S. 422.

Die Umkehrung des Gedankens wäre in Babylonien nicht denkbar: ,,Hüter Israels, der nicht schläft noch schlummert" Ps 121, 4.

Ps 51, s. S. 2 lo. Ps bo, s. S. 379. Ps 69, 16, s. S. 383. Ps 72, 10, s. S. 261. Ps 74, I3, s. S. 166 ; 179. Ps 76, 3, s. S. 349.

Ps 8I, 4, S. Ps 87, 4, s. S. 180 Anm. 1. Ps 89, II, s. S. 180. Ps 89, I ff., s. S. 178.

Ps 91, 13: auf Drachen treten, s. Abb. 33 und 46, ferner S. 136 und 490 (1 Sa 17, 51) Test. Lev. 18:

Beliar wird gebunden werden und der Priester-Messias wird seinen Kindern Gewalt geben, auf die bösen Geister zu treten.

Ps 104, s. S. 160 Anm. 1; 162; 176; 182. Ps 104, 4, s. S. 373 Anm. 1. Ps 104, 12, s. S. 164 Anm. 3. Ps 10, s. S. 35I.

Für die Erklärung des liturgischen Begriffes šîr hammasalôt (Ps 120-134, Luther: Stufenpsalmen) ist die religiöse Vorstellung vom Hinaufsteigen zum Gottessitz entscheidend. Wie der Babylonier in seiner Weise den Stufenturm emporsteigt, um sich der Gottheit zu nahen (S. 52), so ist die Wanderung

?) S. Hommel, Aufs. und Abh. 229. Jeremias, A. Test. 2. Aufl.

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der Pilger nach dem Zion-Berge eine Wanderung zum Sitz Gottes (2 Mos 34, 24, vgl. auch die Pilgerfahrt zum Sinai S. 421). Die Wanderlieder wurden gewiß auf bestimmter Station beim ,,Hinaufziehen nach Jerusalem“ gesungen.

Ps 137, 7, s. S. 38o. Ps 148, 8, s. S. 373 Anm. 1.

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Sprüche Salomonis.

Die Zurückführung der Spruchdichtung als Literaturgattung auf ägyptischen Einfluß, die neuerdings befürwortet worden ist, verkennt die Einheitlichkeit der vorderasiatischen Kultur, in die Ägypten eingeschlossen ist. Es gilt auch hier, was S. 560 zu der Psalmendichtung bemerkt wurde. Alte Môšelîm führt 4 Mos 21, 27 ff. auf. In Israel mag die Literaturgattung in den Zeiten des großen Weltverkehrs, die unter David und Salomo begann, besondere Anregungen empfangen haben. Vielleicht hat auf diesem Ge

biete Arabien seinen geistigen Einfluß Mai geltend gemacht. Salomo als Spruch

dichter wird ebenso historisch sein, wie die Überlieferung von David dem Psalmsänger. Die Benennung der

Spruchsammlung in majorem gloriam Altbabyl. Fragment aus Telloh. Elfsaitige Harfel.

des Salomo entspricht allgemeiner

literarischer Gepflogenheit des Orients. Daß die Sprüche sämtlich von Salomo und seiner Umgebung stammen, meint auch der Sammler nicht, wie die Überschriften einzelner Gruppen zeigen.

Die personifizierte Weisheit ist in der Tehom sitzend gedacht, wie im babylonischen Mythus, s. S. 43; 96; 175.

Zu Spr 2, 16-19 hat Peiser OLZ 1900, 450 f. die Vermutung aufgestellt, daß die Schilderung der weiblichen Verführerin auf jener babylonischen Dichtung beruht, in der das Hinabsinken Ištars in die Unterwelt geschildert wird:

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Abb. 186:

) Ps 12, 1: 8 Saiten; 92, 4: 10 Saiten; Harfe mit 7 Saiten ist z. B. Erachin 13b bezeugt. Die frühere Annahme, daß die II-saitige Harfe griechischen Ursprungs sei, ist durch das Telloh-Denkmal widerlegt.

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