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„Die da verläßt den Freund ihrer Jugend!
(und den Bund ihres Gottes verlassen hat),
denn zum Tode sinkt sie (nämlich ihr Haus),
zu den Rephaim (Todesschatten) führen ihre Pfade,
zum Hause', von dem niemand, der hineingeht, wiederkehrt,
und nicht erreicht Lebenswege.“
Spr 3, 18, s. S. 191.

5, 3-5 erinnert an die Antwort, mit der Gilgameš die Verführungskünste der Ištar in der VI. Tafel des Gilgameš-Epos zurückweist. Vgl. hierzu auch Spr. 7, 27: ,,Weg der Unterwelt ist ihr (der Huren) I laus, der hinabführt zu des Todes Kammern". Die Unterweltsvorstellungen der Sprüche entsprechen der babylonischen Totenwelt; vgl. 9, 18 ,,Er weiß nicht, daß daselbst Rephaim sind, und ihre Gäste in den Tiefen des Scheol"); 21, 6: ,,Wer vom Pfade der Weisen abirrt, der wird bleiben in der Gemeinde der Rephaim."

Spr 8, 22-31, s. S. 173. Spr 9, I, s. S. 184. Spru, 30, s. S. 192. - Spr 13, 12, s. S. 192. — Spr 30, 7 ff. (Spruch in Rätselformi vgl. S. 495f.

Das Hohelied. In der vorliegenden Gestalt ist das Hohelied, wie die Überschrift zeigt (šîr hašširîm), als einheitliches Ganze gemeint ohne Rücksicht auf literarische Entstehung. Die allegorisch-messianische Deutung in der christlichen Kirche seit Origenes, im Mittelalter ist das Buch Kern und Stern der Mystik), läßt sich literarhistorisch natürlich nicht rechtfertigen, wohl aber würde sie religiös verständlich, wenn sich nachweisen ließe, daß die Synagoge in dem Hochzeitsliede Motive der Erlösererwartung erkannt? (ähnlich verhält es sich mit dem Hochzeitslied Psalm 45) und so die Dichtung als Ausdruck der Messiashoffnung, der Hoffnung inniger Verbindung Gottes mit der Gemeinde aufgefaßt hat. Wie es scheint, gab es in der jüdischen Auffassung zuei Strömungen: den einen galt das Lied als weltliche Dichtung (52a), den andern als ein überaus heiliges Buch (c-w-p 27:P). Man lese die wertvolle Einleitung zu Fz. Delitzsch's Auslegung des Hohenliedes.

HL I, 5. Zelte der ķedar (s. S. 371) und Zeltdecken der Salamier (nicht Salomos), das in den nabatäischen Inschriften (Euting, Nab. Inschrift. 2) genannte Brudervolk der Nabatäer, s. Winckler F II, 545 ff.

HL 6, 4. 10 statt 28:7 ist vielleicht Nergalót zu lesen, neben Morgenröte, Sonne und Mond bezeichnete es dann die ,,Zwillinge". Das Epitheton „furchtbar“ stimmt zu ihrer Verbindung mit Ninib und Nergal.

HL 6, 9 s. S. 559.

) Tammuz heißt hamer sihrutiša, der Gemahl der Jugend der Ištar.

2) Sehr beachtenswert sind in dieser Richtung die Aufstellungen von Erbt, Die Hebräer S. 196 ff.

3) S. Winckler F I 293, Jensen Kosm. 64 und vgl. oben S. 104.

Der Prediger Salomonis repräsentiert in seinen Grundbestandteilen eine pessimistische Schrift, die in Widerspruch zu der Anschauung der JahveReligion steht und die an die S. 210 f. charakterisierte pessimistische Stimmung babylonischer Dichter erinnert. Die Schrift unseres Kanon ist eine polemische Überarbeitung jener Schrift im Sinne der prophetischen Religion 1.

Eine interessante Parallele zu den epikuräischen Ratschlägen bietet ein Epenfragment aus einem Gilgameš-Epos 2:

„Gilgameš, warum rennst du herum?
Das Leben, das du suchst, wirst du doch nicht finden.
Als die Götter die Menschen schufen,
haben sie den Tod den Menschen auferlegt,
und behielten das Leben in ihren Händen.
Du, Gilgameš, sättige deinen Leib,
Tag und Nacht freu du dich,
täglich mach ein Freudenfest;
Tag und Nacht sei ausgelassen und vergnügt.
Sauber mögen deine Kleider sein,
rein sei dein Kopf und wasche dich mit Wasser.
Schau auf den Kleinen, den deine Hand ergreift,
das Weib freue sich in deinem Schoße.“

Achtundzwanzigstes Kapitel.

Glossen zu den Propheten.

Jes 1, 9, s. S. 324.

Jes I, II. 16f. vgl. Ps 51, 19. Die Stelle mag das Verhältnis der israelitischen und babylonischen Religion illustrieren. Hier vergeistigte, dort naturalistische Religion. Was soll mir die Menge eurer Schlacht- „O Ištar) was sollen wir dir

opfer?" spricht Jahve. „Ich bin satt geben? Fette Rinder, feiste der Widderbrandopfer und des Fettes Schafe?“ „Nicht will ich essen der Mastkälber .... Waschet euch, fette Rinder, feiste Schafe; reiniget euch! Schafft mir eure bösen man möge mir geben prächTaten aus den Augen! Höret auf, tiges Aussehen der Frauen, Böses zu tun! Lernet Gutes tun!" Schönheit der Männer.“

1) S. Paul Haupt, Koheleth oder Weltschmerz in der Bibel, Leipzig 1905. 2) VA. Th. 4105, bespr. von Meißner MVAG 1902, i ff.

,,Die rechten Schlachtopfer für Gott Craig, Rel. Texts II, 19, sind ein zerbrochener Geist; ein zer s. Zimmern KAT' 595, Anm. 1. brochenes und zerschlagenes Herz. wirst du, Gott, nicht verschmähen!"

Jes i, 18, s. S. 372, Anm. 6.

Jes 2, 2. Hinter dem Zukunftsbilde verbirgt sich die Vorstellung von dem mythischen ,,Berg der Versammlung“ wie Jes 14, 13 har moʻed (s. S. 558). Im Neuen Testament erscheint er Apk 21, 101. Das Gegenstück ist der Versammlungsberg

der Unterweltsmächte, den ich Apk 16, 16 wiederzufinden glaube (Harmagedon, verderbt

harmo'ed).

Jes 6, iff. Jesaias sieht in der Vision den himmlischen Tempel. Die Schilderung der Scraphim entspricht den Genien, die babylonische Bilder zeigen, s. Abb.65 ff. 122. 187 vgl. S. 218.

Abb. 187: Genius auf einem Relief des Königs Asurnașirpal, Der Name ist kaum

der trinkend in seinem Palaste sitzt (Nimrud). mit dem Namen Sarrab(p)u zu vergleichen, den ,,im Westlande Nergal führt nacle II R 54, 76 cd (s. Zimmern KAT 3 415). Es wird wie Kerubim (s. S. 218) ein allgemeiner Name für die Engel sein, die den Verkehr zwischen der himmlischen und irdischen Welt vermitteln. Der Lobgesang:

,,Heilig heilig ist Jahve Sebaoth,

alle Lande erfüllt seine Herrlichkeit kabôd." entspricht den Grundgedanken der mosaischen Religion, s. S. 422.

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aus

1) Auch Mt 4 und hierzu BNT 95.

Jes 8, 11-13 wird der Grundsatz, der Jesaias' Seele in entscheidender Stunde bewegt, wiederholt, und 30, 11 zeigt, daß hier der springende Punkt lag im Kampf gegen ein in Heidentum versunkenes Volk. Hier liegt das Charakteristikum der JahveReligion im Gegensatz zu jeder Paganisierung, wie sie die Volksreligion (S. 338) zu allen Zeiten in Israel zeigt.

Jes 7, 14 ff. Eine Jungfrau wird einen Sohn gebären, den sie Gott mit unsnennen wird. Es ist der Retter der Zukunft, der 9, 5 aufgetreten ist und der dort die mis'ra auf seiner Schulter trägt 1 Jesaias ist in tiefer Erregung dem König gegenüber getreten, um ihn vor unseligem Bündnis zu warnen und sein Vertrauen auf die Hilfe Jahve's zu wecken. Seine Worte sind abgerissen und rätselhaft. Sie kündigen ein goldenes Zeitalter an. Es handelt sich um das Kommen des Erretters wie in dem Gemälde der Endzeit Apk 12. Die Jungfrau ist im Sinne der den ganzen Orient beherrschenden, in Israel prophetisch vertieften Erlösererwartung die himmlische Jungfrau? Ob der Prophet an ein in naher Zukunft zu erwartendes oder endgeschichtliches Ereignis denkt, ist zunächst gleichgültig. Den prophetischen Bildern fehlt die Perspektive. Wenn er an eine Königstochter dachte, so war ihm diese die Repräsentantin der himmlischen Jungfrau. Man könnte auch an die „Tochter Zion“ bei Micha denken, die die Geburt des rettenden Königs aus Bethlehem erwartet (s. zu Mi 4f).

Milch und Honig wird er essen. Auch das ist ein feststehendes Motiv der anbrechenden Segenszeit", wie Mi 4, 4: es wird jeder unter seinem ,,Ileinstock und Frigenbaumsitzen. Und zwar wird dies goldene Zeitalter eintreten, wenn der Erwartete das Böse perwerfin und das Gute erwählen lernt. Das heißt nicht, „wenn er zwei, drei Jahre alt ist“ 4, sondern wenn

1) Was ist das? Keinesfalls zunächst Abstraktum (,,Herrschaft“, „Hoheit“), wie dann in der Anwendung v. 6. Ist es der Krönungsmantel, wie Offbg: 19, 16 (zum Kleid als Inbegriff der Weltherrschaft s. S. 497)? Vgl. die interessante Investitur Eljakims als Erlöserkönig 22, 21 ff.; er trägt den Davids-Schlüssel auf der Schulter. 22, 22 erinnert an das Entstehen und Verschwinden bei der Berufung Marduks S. 162.

2) Vgl. S. 108 f. BNT 35 ff. Die außerbiblische Welt hält sich an das Horoskop der Wintersonnenwende: die Jungfrau geht im Osten auf mit dem Kind auf dem Arm, vom Drachen verfolgt. Die biblische Weltanschauung wartet auf den wunderbar von Gott Gesendeten, auf uéya της ευσεβείας μυστήριον. .

3) S. BNT S. 47, Anm. I.

4) So die Kommentare, z. B. Duhm, z. St., das ist nach moderner kindererziehung geurteilt. Jes 8, 4 redet von solchem Kindesalter (wenn

er wehrhaftig ist, wenn er weiß, wofür es zu kämpfen gilt ! Dann wird er auftreten, und das goldene Zeitalter bricht an?

Jes 8, 1, s. S. 424. Jes 8, 7, s. S. 202. Jes 9, II, s. S. 189 Anm. 4. Jes 10, 9, s. S. 270. Jes 11, 6-8, s. S. 215 Anm. 2.

Jes 10, 4. Beltis und Osiris hier zu finden, halten wir mit Winckler OLZ 1902, Sp. 385, für unmöglich.

Jes 10, 9. Kalno 3 ist wie Am 6, 2 Kalné (nach dem Zusammenhange syrische Stadt) das nordsyrische Kullani der Keilinschriften, das ist wahrscheinlich die Hauptstadt des Landes Ja’udi 4. Im Jahre 738 hat Tiglatpileser III. die Stadt erobert.

Jes II, 12. Von einer Wegführung von Israeliten nach Elam, Sinear und Hamat wissen wir nichts Bestimmtes. Die unter Tiglatpileser-Phul Weggeführten können dahin gekommen sein. Schrader KAT? z. St. weist darauf hin, daß Sargon nach Khors. 138f. Hettiter in elamitische Gebiete und Bewohner des Westlandes nach Sinear-Babylonien wegführt; Khors. 49-56 berichtet von einer Ansiedlung von Armeniern in Hamath.

Jes 13, 7, s. S. 255.

Jes 13, 10 ff., Verfinsterung der Gestirne als Zeichen der Fluchzeit, wie in den Bildern Joels und Ez 32, 7 ff. Das gleiche Motiv kennen babylonische Texte; so der Text Reisner, Hymnen 131, wo die Fluchzeit geschildert wird, in der in Tierund Menschenwelt die Verwandten einander verstoßen:

Der Mond geht über dem Lande glänzend nicht auf;
Sonne und Mond gehen über dem Lande glänzend nicht auf 5.

einer noch nicht ,,Vater“ und „Mutter“ sagen kann). Duhm hat übrigens nebenher die richtige Empfindung: „der Verfasser nimmt vielleicht an, daß der Knabe eine besondere eschatologische Größe sei, etwa der Messias, über dessen Jugendschicksale er durch Exegese eine interessante Einzelheit gefunden zu haben glaubt.“ Nicht um Exegese handelt es sich, sondern um Kenntnis der allgemein verbreiteten Motive der Erlösererwartung

1) 5 Mos 1, 39 ist der Ausdruck in dem gleichen Sinne gebraucht.

*) Man vergleiche die Begrüßung des wunderbaren Knaben, der das goldene Zeitalter und den neuen Weltkreislauf bringt, in der berühmten 4. Idylle des Vergilius. Wenn er zum Manne herangereist ist, „wird wieder ein großer Achilles gen Troja gesandt.“ Die Motive des Weltenfrühlings sind auch hier dieselben wie in den babylonischen Texten (vgl. BNT 318.) und in den prophetischen Reden der Bibel. Wie Jes 11,6 ff. wird der Friede in der Tierwelt und wunderbare Fruchtbarkeit auch bei Vergil verheißen.

3) Zu lesen Kalnî, vgl. S. 270. Zu dem babylonischen Kalneh i Mos 10, 10 s. ebenfalls S. 270.

“) Jaudi in den Inschriften von Sendschirli s. S. 519 Anm. 3.

5) Von Zimmern KAT 3 393 in diesen Zusammenhang gestellt. Zur Fluchzeit s. auch BNT 97 f. und zur Verfinsterung der Sonne 103.

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