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Zur Verehrung des „höchsten Gottes“ im Kosmos, ferner zum monarchischen Polytheismus der Volksreligion und zur Theologie der babylonischen Bußpsalmen s. meine Monotheistischen Strömungen innerhalb der babylonischen Religion, Leipzig, J. C. Hinrichs 1904.

Die Popularisierung der Lehre liegt in den Kalenderfesten, von denen wir auf babylonischem Boden bisher nur wenig Zeugnisse haben, und in der Mythologie.

III. Kalenderfeste. Das Neujahrsfest des babylonischen Zeitalters ist Frühlingsfest. In vorbabylonischer Zeit, z. B. als Fest der Bau zu Gudeas Zeit, muß es Herbstfest gewesen sein (Fest des Nebo), wie der Name Tišri, d. h. „Anfang“, noch zeigt. Als höchstes Fest erscheint das Neujahrsfest schon im babylonischen Sintfutbericht 1

Der Held des Festes, das babylonisch Zagmuk d. h. reš šatti, Jahresanfang, oder Akstu-Fest heißt, ist im babylonischen Zeitalter , der Sonnensohn“ Marduk. Er hat den Winter besiegt, der als Wasserdrache erscheint (entsprechend dem Sieg über Kingu bez. Tiamat bei dem Beginn des gegenwärtigen Äons). Darum fällt das Fest in die Tag- und Nachtgleiche (šitkulu).

Aus assyrischer Zeit ist die dramatische Feier des Sieges über den Winter bezeugt?. Kingu (vgl. Abb. 26 f. S. 81), durch ein Schaf reprä

der Idee vor. Der personifizierte Logos ist der Offenbarer Gottes ganz im Sinne von Nabû, der Verkündiger (im letzten Grunde Verkündigung des neuen Zeitalters, der Erlösung). Mos i verbirgt sich die Vorstellung in dem „Worte“, das das Licht schafft (vgl. Jo i, i ff.: Im Anfang war der Logos, in ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen). Moses war ein Nebo im israelitisch-religiösen Sinne (zum ,,Nebo“ als Todesberg s. später), vgl. ; Mos 18, 15: „Einen nebî wie mich etc.“ Ich halte es nicht für unmöglich, daß man z. B. im babylonisierten Samarien noch an solche Beziehungen gedacht hat, vgl. Jo 4, 19: „Herr ich sehe, daß du nooq nms (nebî, ohne Artikel) bist.“ Nebo als Erretter entspricht altbabylonischer Auffassung. Es würde also ein Archaismus vorliegen, wie er zur Zeit der chaldäischen Herrscher beliebt war (s. S. 125). Nach babylonischer Lehre ist Marduk der Bringer der neuen Zeit. Im Äon der Urwelt entspricht dem Sohne Eas Mummu, der Sohn von Apsû und Tiâmat, der mit Tiamat die neue Welt schafft. Er begegnete uns bereits bei Damascius, der Morus als vontós zoouos, die intelligible Welt erklärt, ferner im Namen der babylonischen Weisheitsschule bît mummu S. 7, er wird uns weiter begegnen im Beinamen Eas als Mummu bân kala, der „alles Gestaltende“.

1) S. 31 vgl. S. 26.

2) K 3476 CT XV, 44 und 43, s. meine Monoth. Strömungen S. 24 nach H. Zimmerns Mitteilung.

sentiert, wird auf brennendem Kohlenbecken verbrannt. Der „Sänger" rezitiert während des Spiels. Die Austreibung, Ersäufung, Verbrennung des Winters findet sich in der ganzen Welt.

Die gleiche Bedeutung hat das Osiris-Spiel in Ägypten, s. mein BNT 19. In einem Frauengrabe in Antinoe in Oberägypten fand Gayet ein barkenähnliches Marionettentheater auf Holz und Kupferblech, auf dem Szenen aus dem Leben des Osiris dargestellt wurden. Näheres über solche Festspiele entnehmen wir dem Buche Ermans, Die ägyptische Religion' und der Veröffentlichung Schäfers, die Mysterien des Osiris in Abydos.

Auf einem Denkstein der Berl. Königl. Sammlung’ erfahren wir, daß ein vornehmer Schatzbeamter, der unter dem König Sesostris III. in Abydos zu tun hatte, in priesterlicher Würde als „Herr über die Geheimnisse“ an den Festen des Osiris teilnahm: Ich veranstaltete den Auszug des Wep-wawets, als er ging, um seinem

Vater (Osiris) zu helfen. Ich schlug die zurück, die sich gegen die Neschemetbarke auflehnten,

und warf die Feinde des Osiris nieder. Ich veranstaltete den „großen Auszug“ + und folgte dem Gott auf seinem

Schritte. Ich ließ das Gottesschiff fahren, und Toth .... die Fahrt. Ich versah die „Er (Osiris) erscheint in Wahrheit“ genannte Barke des

Herrn von Abydos mit einer Kajüte und legte ihm seinen schönen

Schmuck an, damit er sich nach der Stätte Peker begebe. Ich leitete die Wege des Gottes zu seinem Grabe in Peker. Ich rächte den Wenen-nofen (Osiris) an jenem Tage des großen Kampfes

und warf alle seine Feinde nieder auf dem Gewässer von Nedif. Ich ließ ihn einziehen in das Schiff (wrt). Es trug seine Schönheit. Ich machte das Herz der Bewohner des Ostens weit vor Freude und

brachte Jubel in die Bewohner des Westens, als sie die Schönheit der Neschemetbarke sahen. Sie landete in Abydos und brachte Osiris, den ersten derer im Westen, den Herrn von

Abydos zu seinem Palaste. König Ramses IV. zündete in Abydos am Grabe des Osiris Licht an am Tage, wo man seine Mumie balsamierte. Er wehrte den Set von

1) Erman 1. c. sagt wiederholt von den Texten: „deren Sinn uns entgeht“. Der Schlüssel liegt in der Astrallehre, s. meinen Aufsatz „Der Alte Orient und die ägyptische Religion“ in Wiss. Beilage zur Lpzg. Ztg. 1905, Nr. 91. Es handelt sich um Kampf zwischen Oberwelt und Unterwelt (Titanenkampf), um Tod, Auferstehung und Glorifizierung des Osiris, dessen Inkarnation der König ist, der das neue Zeitalter bringen wird.

2) Schäfer in Sethes Untersuchungen IV, 2 Lpz. 1904.

3) Als Schakal dargestellt, zu dessen Füßen sich eine Schlange windet.

*) Vgl. den „Auszug“ beim Marduk-Fest. Sonnenwende oder Tagesgleiche. In der Sommersonnenwende bez. Herbsttagesgleiche stirbt Osiris. Darauf folgt die Totenklage, die Herodot II, 61 beschreibt. Wintersonnenwende bez. Frühjahrstagesgleiche ist Jubelfest. Davon berichtet der Schluß des Textes.

ihm ab, als er seine Glieder rauben wollte'. Er setzte seinen Sohn Horus als seinen Thronerben ein. Und bei dem Feste des Horus in Abydos bespie derselbe König sein Auge, nachdem es von seinem Bezwinger geraubt worden war. Er gab ihm den Thron seines Vaters und sein Erbe im ganzen Lande. Er machte sein Wort wahr am Tage, wo man richtet. Er ließ ihn Ägypten und das rote Land durchziehen als den Vertreter des Har-achte. Bei einer anderen Feier, dem Feste der Aufrichtung des Osirispfeilers, das ursprünglich in Memphis gefeiert wurde, wurde ein solcher Pfeiler an Stricken in die Höhe gezogen, bis er aufrecht stand; es war der Osiris, den man so erhob, nachdem man an den Tagen vorher sein Begräbnis dargestellt hatte? Daran schlossen sich dann allerlei mimische Handlungen an". Ein Teil der Menge tanzte und sprang; andere gingen aufeinander los und der eine rief: ich habe den Horus ergriffen, wieder andere Haufen prügelten sich mit Stöcken und Fäusten, sie stellten Leute der beiden Städte Pe und Dep vor, aus denen die alte Hauptstadt Buto bestand. Und endlich wurden vier Herden von Ochsen und Eseln viermal um die Stadt getrieben. Diese Feier wird später auch mit einer andern verbunden, die sich auf die Thronbesteigung des irdischen Königs bezieht, mit seinen Jubiläen, dem berühmten Setfeste, das man das erste Mal dreißig Jahre nach der Erhebung zum Thronfolger feierte und dann aller drei Jahre wiederholte.

Auch an andrer Stelle entnehmen wir dem von Erman dargebotenen Stoff den Beweis dafür, daß die ägyptische Götterlehre in Kalenderfesten ihren Ausdruck fand und in dieser Gestalt Zug um Zug mit der „babyIonischen“ Lehre identisch ist. Erman sagt S. 51:

„In der Regel gab es ein oder mehrere Hauptfeste, die an bestimmten Tagen gefeiert wurden, an denen wichtige Ereignisse der Göttersage stattgefunden hatten, etwa am Tage, wo der Gott geboren war, oder an dem Tage, wo er seinen Feind besiegt hatte. Daneben beging man noch die Anfänge der Zeitabschnittet, wie den Neujahrstag oder die Ersten der Monate.“

Auch hier ist der Sinn durchaus nicht dunkel. Die Sage des Gottes ist die populäre Lehre über sein Wesen, die sein himmlisches Tun wiederspiegelt. Der Neujahrstag ist der Tag, an dem der Jahrgott immer von neuem siegt. Die Ersten der Monate haben dieselbe Bedeutung für den Mondlauf (Hilal), s. S. 32 f.

Von den entsprechenden Feiern des Todes und des Sieges beim Kultus des Tammuz, Attis und Balder wird S. 89ff. u. S. 114 ff. die Rede sein.

1) Zerstückelungsmotiv, s. mein Babylonisches im Neuen Testament S. 121.

2) Kreuzigung des Osiris und Auferstehungsfest. Vgl. bei Julius Firmicus Die Kreuzigung des Attis.

3) Zu den Festen vgl. Herodot II, 59 ff. (dazu Wiedemanns Kommentierung). Herodot sagt, es stelle die Heimkehr des „Ares“ (wohl Horus) aus der Fremde dar, der mit seinen Dienern den Zugang zu seiner Mutter erkämpft, der er beiwohnen will. Dieser Inzest ist Motiv der Welterneuerung (S. 7) und im Kalenderfest Frühjahrsmotiv. Die Prügelszenen sind also auch hier Winteraustreibung:

*, Denkstein I-cher-nofrets 2. 14 (Schäfer 1. c. S. 17).

Die Mythen von dem Sieg über die 5, oder über den Riesen, bei dem geflissentlich die Zahl 5', hervorgehoben wird', zeigen, daß man in den Mythen und Spielen die Epago menen Ausgleich von 360 und 36511 Tag: als Repräsentanten der bösen Wintermacht ansah?; die OrionMotive der Tyrannenvertreibung beweisen dasselbe für die Anwendung auf den Auf- und Niedergang des Orion. Insbesondere aber gelten die Plejaden als Repräsentanten der Wintermacht. Die .40 Tage“, die dem Aufgang der Plejaden im Stier vorausgehen, sind die Zeiten der Äquinoktialstürme, s. S. 62. 101. Pantomimisch scheint das Fest dadurch gefeiert worden zu sein, daß die Priesterinnen des Vebo-Tempels bei Sommerbeginn feierlich in den Tempel Marduks zogen, wie umgekehrt bei Winterbeginn die Priesterinnen des Marduk-Tempels in den NeboTempel zogen, um den Wechsel der Jahreshälfte darzustellen, vgl. S. 26.

Insofern der Jahrgott stirbt und aufersteht, ist das Neujahrsfest das Fest der Auferstehung. Darum heisst es auch das Fest des Aufstehens (tabu Marduks. Es bildet dann den Gegensatz zur Trauerfeier des sterbenden Jahrgottes. Vielleicht hängt damit die Bezeichnung Marduks zusammen: „Der das erhabene Haus des Todesschattens niederwirft“ 3.

Der Sieger über die Wintermacht erhält zum Lohn die Leitung der Weltgeschicke. Darum ist das Frühlingsfest zu Neujahr zugleich Fest der Schicksalsbestimmung Marduk ist muším šímâte. Am Neujahrsfeste ziehen die Götter nach Babylon und versammeln sich im Schicksalsgemach (Duazag im Lbšugina). Auch Nebo kommt herbei. Er, der ursprünglich Herr der Geschicke ist, dient im babylonischen Zeitalter als Schreiber. So bestimmen die Götter die Geschicke. Dic stellvertretende entsprechende Handlung des Königs, der am Neujahrstag im Tempel Marduks erschien, um ,, die Hände Bels zu ergreifen“, ist durch das assyrische pûru akrur ,,ich warf

; Z. B. die Motive in den Erzählungen von Goliath, der vierzig Tage Israel höhnte Plejadenzahlı ı Sa 17. und 16 Ellen und eine Hand breit groß war istatt 5't, wie aus der Variante i Chr 12 (1), 23 hervorgeht), und vom indischen Riesenkönig in der Alexanderlegende, der über fünf Ellen groß ist. Weitere Beispiele Ex or. lux II, 2, S. 62, Anm. 41.

2, Vgl. S. 40 und 59. Ägyptisch bezeugt in der Pyramide Pepi's II: „Als die Götter geboren wurden an den fünf Epagomenen“; vgl. S. 28 Anm. 2. Das Sakäenfest Berosus bei Athenäus, Fragm. hist. gr. II, 495) ist Tammuz-Fest Sonnenwende, nicht Neujahrsfest im Frühling. Es dauert 5 Tage, also Epagomenenfest. Der Sogarns ist Xarrenkönig.

3) șallutum K 3351 (BA V, 330).

+. Eine Spur davon hat sich in den Zwölfnächten mit ihren Schicksalsträumen erhalten. Die 12 sind Epagomenen gleich den 5. wenn es gilt 354 und 366 auszugleichen. – Zum Charakteristikum des Neujahrsfestes gilt das Trinken. Das Vorbild dazu liegt im Trinkgelage der Götter nach dem Siege über Tiâmat, wie es im Epos Enuma eliš geschildert ist. Ob dabei von „umhertaumeln“ die Rede ist (egûl, ist nicht sicher.

das Los" bezeugt, wobei wohl an das Auslosen der limu zu denken ist! Ein Hauptakt des Festes ist der Auszug Marduks. Auf der Prozessionsstraße, die auf beiden Seiten von Tiergestalten in Ziegelrelief geschmückt war (s. Abb. 39 und 58), wird das Götterschiff (auf Rädern feierlich in Prozession gefahren. Auf diesen Auszug bezieht sich 2 der folgende Hymnus:

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Abb. 28: Stier (rêmu) in Ziegelrelief. Von der Torlaibung des Ištar-Tores in Babylon.

Auf, zieh aus, o Bel, der König erwartet dich;

auf, zieh aus, unsre Belit, der König erwartet dich. Es zieht aus Bel von Babel, es beugen sich die Länder vor ihm;

es zieht aus Șarpanit, Kräuter zündet man an voller Duft; es zieht aus Tašmet, Räucherbecken zündet man an voll

Zypressen. Seite an Seite der Ištar von Babel

auf der Flöte, der Assinu-Priester und der Kurgaru-Priester,

spielen, ja spielen sie. Auf den Wiedereinzug bezieht sich der folgende Gesang 3: O Herr, bei deinem Einzug in das Haus [freue] dein Haus [sich

deiner): ehrwürdiger Herr Marduk, bei deinem Einzug in das Haus

[freue] dein Haus (sich deiner) ... Ruhe, Herr, ruhe, Herr, dein Haus (freue sich deiner];

ruhe, Herr von Babel, dein Haus [freue sich deiner) .. 1) Ursprung des Purim - Festes, s. Peiser KB IV, 106 und vgl. Winckler F II, 334f.

:) Nach Zimmern AO VII, 3, 9. K 9876 (Bezold Cat. III, 1046). 3) Ib. S. 10, Weißbach, Miszellen Nr. 13.

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