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die Grundgedanken, die den Jahvismus oder Monotheismus in Gegen. fat, zu der herrschenden orientalischen Weltanschauung legen, nicht in Juda allein entstanden seien und vor allem nicht dort allein gepflegt seien, so wäre der Jahvismus feine frucht einer Offenbarung von oben, fondern, wie der genannte Gelehrte selbst hernach sagt, eine Ent. widelungsstufe aus einem hochentwicelten Polytheismus". Dieser Behauptung ist nach allen Seiten zu widersprechen; denn der Jahvismus ist nicht erst aus Mofens Zeit bekannt, sondern so alt, als Menschen auf dieser Erde leben. Ferner ist unerhört, daß Polytheisten nicht neue Götter, sondern einen Gott hervorbringen sollen ). Dagegen spricht die Geschichte mit allen ihren Tatsachen, auch die der Chinesen und Indier.

Ebenso unhaltbar ist Wincklers andere Behauptung ?), daß es im Volksmund teine Ueberlieferung über vorgeschichtliche Ereignisse gebe: „Ein reiner Nomadenstamm hat keine Ueberlieferung und damit keine Geschichte", während doch grade die Nomaden, die des Schreibens unkundig sind, ein außergewöhnliches und fast unfehlbares Gedächtnis für die Ueberlieferungen aus ihrer Vorgeschichte haben.

Wollen wir den Tatsachen einigermaßen gerecht werden, so haben wir sechs Zeiträume zu unterscheiden, in denen Babylonier und Hebräer mit einander in Berührung tamen, nämlich

1. die Urzeit, da beide noch ein Volf waren;
2. die Zeit der Einwanderung der Nordsemiten in das bis dahin

fumero-afkadische Babylonien;
3. die Zeit Abrahams und Josuas oder der ersten und zweiten Ein-

wanderung der Hebräer in Kanaan, das zwar dem Einfluß Babyloniens, aber der Herrschaft Aegyptens unterstand, wozu die

Briefe aus dem Tell el Amarna zu vergleichen sind; 4. die Zeit nach der Spaltung des Reiches, wo Israel und Juda

zwischen Hegypten und Assur-Babel hin und her schwankten; 5. die Zeit des Aufenthalts in der Gefangenschaft unter Ussur und

Babel; 6. die Zeit der Untertänigkeit von Galiläa, Samaria, Judäa und

Peräa unter babylonischer, alt- und neupersischer Herrschaft.

Unter den letztgenannten verstehe ich die Herrschaft der Seleukiden.

Daneben ging zu verschiedenen Zeiten eine mehr oder weniger gewaltsame Vermischung beider Völker ihre verderblichen Wege, namentlich durch die Sklaverei. Es fonnte also durch lange Zeiten und bei vielen Gelegenheiten babylonischer Einfluß in Israel sich geltend machen; und wir werden begreifen, warum das Volk der Hebräer durch sein Gefeß und die Propheten vor allem fremden Wesen gewarnt wurde; aber erst nach seiner Rüttehr aus der babylonischen Gefangenschaft verfchloß sich in Juda ein jedes Tor für fremden Einfluß. So ift es bis heute nicht erwiesen, daß die Hebräer ihren Sabbat, ihr Priestertum, ihre Opfer, ihr Geset, ihre heiligen Geschichten von der Schöpfung, vom Sündenfall, von der Sintflut, ihre Vorstellungen vom Paradies, von Engeln und Teufeln aus Babel überkommen haben, wenn auch H. Zimmern hierüber fein Wort mehr verlieren will, als wäre jede Vermutung und jede Annahme gleich einer bewiesenen Tatsache. Wo nur eine Aehnlichkeit oder Uebereinstimmung auf seiten beider Völker entdect worden ist, läßt sich fast in jedem einzelnen Falle die berechtigte frage aufwerfen, ob nicht die sämtlichen Einwanderer dies oder jenes nach Babel mitgebracht, also ebenso lange als die Babylonier selbst gehabt haben? Jedenfalls aber haben sie die Vorstellung vom Paradies nidyt aus Babel, wo sie überhaupt weder früher noch später gefunden wird. Vielmehr nannten die perser also die königlichen Gärten, die in dem weiten persischen Reiche, später auch in Palästina, angelegt wurden. Die Vorstellung vom Paradies im biblischen Sinn ist ebenso alt, wie die von den himmlischen Geistern. Sie geht bis an den Anfang der Menschheit zurüc.

1) Vergl. Ed. König a a. 0, S. i. 26. 2) K. Ü. T. S. 212.

Hat nun E. Schrader mit seiner Behauptung recht, der Sabbat sei weder eine hebräische Einrichtung noch eine aramäische Sitte, so haben Abraham und seine Leute auch den Sabbat nicht aus Südbabylonien mitgebracht; denn dort war er nicht bekannt. Aber Sayce meint '), fieben sei eine heilige Zahl, deren magische Tugenden die Semiten von ihren atkadischen Vorfahren übernahmen. Er sagt: „Als der chaldäische Noah aus der Sintflut errettet wurde, da war das erste, das er tat, daß er einen Altar baute und je sieben Gefäße, von denen jedes den dritten Teil eines Epha enthielt, über eine Schicht von Schilf, fichtenholz und Dornen setzte." Aber abgesehn von der Erfindung der aktadischen Vorfahren der Semiten, was geht das Opfer des chaldäischen Noah den Sabbat an?

Das göttliche Gebot selbst ) weist einen unbefangenen Hörer auf die Tatsache hin, daß wir in dem Sabbat weder etwas babylonisches noch etwas hebräisches noch etwas aramäisches erkennen dürfen. Das Gebot selbst stellt den Sabbat als eine schöpfungsmäßige, alle Mienschen angehende Ordnung hin, die so alt wie das Menschengeschlecht selbst ist, wenn sie auch nicht bei allen Völkern gefunden wird, weil sie mit dem lebendigen Gott auch seine Ordnungen verloren hatten.

Wenn dann bei Wiederholung des Gesetzes ?) das Sabbatgebot mit der Errettung des Volkes Israel aus Aegypten in Verbindung gebracht wird, so begründet sich diese Aenderung in mehrfacher Weise. Einmal wirkt das Erfordernis, daß dem neuen, in vierzigjähriger Wüstenwanderung herangewachsenen Bolt Sabbat für Sabbat die große Gottestat seiner Errettung aus der schweren ägyptischen Dienstbarkeit in das Bes dächtnis eingeprägt werden mußte, weil Israel hierdurch ein freies Volt und ein Volk Gottes geworden war "), während seine Väter, die den Uuszug aus Aegypten erlebt hatten, eines solchen Hinweises nicht bedurften. Zum andern entspricht es ganz der Sachlage, wenn vom Sinai herab das Gebot über alle Länder und Völker ergeht; aber in der täglichen Anwendung auf das nationale Israel insonderheit gerichtet wird.

1) Urquhart I, S. 155. 2) Er. 20. 8—11. Gen. 2, 3. Jerem. U. T. O. S. 86. 3) Deut. 5, 15.

Uebrigens sind die Babylonier selbst ganz verschiedener Meinung über Wert und Bedeutung des Sabbats. Dem einen ist er ein jum nukh libbi, „ein Tag der Ruhe des Herzens in Gott“, wie Coß schön übersetzt hat. fr. Delißích 2) aber denkt an das unruhige Herz der Götter, das der Besänftigung am Sabbat bedarf. Sayce übersekt: „ein Tag der Ruhe für das Herz“, auch nicht übel. Andern Babyloniern aber ist der Sabbat ein Unglüdstag, eine Äuffassung, die Sayee in die akkadische Zeit weist. Er liest udu khilgal, „ein ungiltiger Tag“, fr. Delißich aber ud hul gal, „ein böser Tag". Wieder andern Auslegern gilt der Sabbat als ein Tag der Vollendung, wozu Gen. 2, 2 verglichen werden kann. Nach Pinches endlich, der ein Keilschriftfragment mit der sumero-akkadischen Bezeichnung der Tage und daneben die assyrische Uebersekung veröffentlicht hat, gibt es für die Babylonier einen Tag der Reinigung, einen Tag der Waschung und mehrere andere Festtage im Monat. Der 15. Tag wird in der assyrischen Uebersekung sabattu genannt. Es war aber dieser Tag nach Pinches kein Tag der Ruhe im gemeinen Sinn, sone dern der Tag des Vollmonds, indem der erste eines jeden Monats Weumond war, ein Tag der Ruhe nur als der „Tag der Beschwichtigung der erzärnten Götter“, also ein Tag besonderer Opfer und Gebete, womit Pinches die Ansicht von Delihich und Bezold näher bestimmt, während die assyrischen Hemerologien wieder den Sabbatumu lemnu einen bösen Tag“ nennen. Auch die Redeweise „6 Tage und 7 Nächte“, die im Gilgamis-Epos mehrere Male vorkommt, kann auf den Sabbat gedeutet werden.

Diese Darlegung zu schließen, müssen wir sagen: Die Sumeros Akkadier hatten zur Zeit, da die Semiten bei ihnen einwanderten, die Herkunft und die ursprüngliche Bedeutung des Sabbats bereits vers gessen; die zugewanderten Semiten aber waren fast ebenso arm, weil der überhandnehmende Götterdienst den Ruhes und Festtag des lebendigen Gottes schon durch die vielen festtage der sichtbaren Götter mehr und mehr verdrängt hatte, wie das in der Natur der Sache liegt. Deshalb aber können wir gar nicht, wie fr. Delişích „die in unsrer Sabbats- bez.

2 1. Vortrag Š. 62. So auch K. Bezold N. u. 8. S. 108.

Exod. 19, 4–6.

Sonntagsruhe beschlossene Segensfülle den alten Kulturvöltern am Euphrat und Tigris" verdanken; denn was sie selbst nicht hatten, tonnten sie auch andern nicht geben.

Daneben aber steht es fest, daß der assyrische König, der „Hirte der großen Völter“, am 7., 14., 21. und 28. Tag des Monats kein gebratenes Fleisch und kein gesalzenes Brot effen durfte; denn als Oberpriester mußte er den hemerologien oder Kulturgeseßen der Priester gehorsam jein. Auch durfte er an diesen Tagen seinen Zeibrod nicht wechseln noch weiße Gewänder anlegen, keinen Wagen besteigen, fein Opfer bringen, keine Entscheidung fällen. Beachtet man dieses Verbot, so kann in Asiya rien sicher der Sabbat nicht als ein Tag zur Beschwichtigung der großen Götter aufgefaßt worden sein; denn auch der Magier durfte an ver. borgenen Orten nicht wahrsagen, der Arzt die Kranken nicht besuchen. noch Urzneien verordnen. Eine Verfluchung am Sabbat vorzunehmen, wurde nicht passend gefunden; denn es war ja ein böser Tag. 'Nur Zahlung zu leisten war nicht verboten ). Mit allen diesen Bestimmungen gelangen wir nicht zu einem Tag religiöser freude und geist-lichen Segens, wie der Sabbat in Israel tatsächlich auftritt, vielmehr entsprechen namentlich die assyrischen Bestimmungen der Auffassung des Sabbats als eines bösen Tages, wo jeder sich hüten muß, den Jorn der Götter noch mehr zu reizen statt ihn zu beschwichtigen. Solchen Bestimmungen sieht der Talmud viel ähnlicher als die Bibel; sie machen aus dem Sabbat einen fasten-, Buß- und Trauertag, während das Volf Jsrael an diesem Tage der großen Taten seines Bottes fröhlich gedachte, sodaß dieser Tag ein ewiges Bundeszeichen zwischen Gott und seinem Volk sein sollte und geworden ist ?). So wird es dabei bleiben, daß die ursprüngliche Bedeutung des Sabbats nur bei den Hebräern erhalten blieb und, soweit nötig, später wieder hergestellt wurde, während die Sumero-Akkadier und die bei ihnen wohnenden Semiten den Segen und die Freude des Sabbats durch Einwirkung ihres Gößendienstes vollständig verloren hatten.

Doch die Schwärmer für Babylon gehen weiter und meinen, nicht nur der Sabbat, sondern das ganze Geset Israels sei von den Babys loniern entlehnt, denn faum waren die Geletke hammurabis bekannt geworden, so wurde das sog. Bundesbuch 3) mit diesen neu entdecten Gefeßen verglichen. Unmittelbar vor dem Bundesbuch stehen aber die heiligen zehn Gebote, die fr. Delitzsch 4) als „des heiligen Gottes ureigenste Offenbarung" anerkennt. Sie sind gewiß die Brundlage aller menschlichen Gesebe, der Richter aller Sittlichkeit und Religion. So hebt denn das Bundesbuch im Anschluß an das erste Gebot mit dem

W K. B. IV, S. 271.
2) Eç. 31, 12.
3) Er. 20, 22-23, 33.
4) II. Vortrag, S. 18.

Verbot jedes Gößendienstes an und fährt fort mit Bestimmungen über den Bau der Altäre des unsichtbaren Gottes. Dann wird das Recht der Sklaven und Sklavinnen verkündet, während die folgenden Bestimmungen als Uusführung des sechsten Gebotes ") Leib und Leben des Menschen schüßen. Sodann wird das ahte Gebot bestätigt und das Eigentum gegen Diebstahl, Raub und Veruntreuung gesichert. Betr. des siebenten Gebotes wird die Ehre der Jungfrau geschüßt und die widernatürliche Unzucht mit Strafe bedroht. Dann wird die Strafe für die Zauberinnen und für alle Gößendiener festgesett. Es folgen Gesetze zu gunsten der fremdlinge, der Witwen, Waisen und Armen, Verordnungen über Behandlung falscher Anklagen, über Verhütung von Sachs beschädigung, Sorge für gerechtes Urteil, Shuß der fremdlinge, JahressabbathPassahfeier und doppeltes Erntefest. Endlich wird dem Volk Israel Sieg über die Kanaaniter verheißen und wiederholt vor dem Gößendienst gewarnt.

Wenn diese Geseße, die das Volk Israel durch Moseh erhielt, sidy in einzelnen Stücken mit den Gefeßen Hammurabis nicht nur berühren, fondern hier und da fast wörtlich übereinstimmen; und wenn man daraufhin eilfertig die Behauptung aufstellt, die Hebräer hätten ihre Geseße aus Babel erhalten, so ist mit solcher Behauptung die wirkliche Sachlage nicht erhellt, die Frage nach dem beiderseitigen Verhältnis nicht gelöst und abgetan. Davon abgesehn, daß dem Gesekeskoder Hammurabis sumero-akkadische Geseße 3) vorausgehen und zugrunde liegen, müssen wir daran festhalten, daß viele Gefeße Israels, vor allen die heiligen zehn Gebote, viel älter sind als Moseh und Hammurabi, jo alt wie die Menschheit selbst :). Aber wie der König Hammurabi die Geseke, die in seinem Volke galten, zu ihrer Sicherung auf eine Felsensäule schreiben ließ, so wurden dem Volle Israel Gottes Gebote, auf steinerne Tafeln geschrieben, neu und unverfälscht übergeben. Ob nun Moseh sich, wie H. Winckler und A. Jeremias 4) annahmen, dabei der babylonischen Keilschrift bedient hat, oder ob, wie mir wahrscheinlicher dünkt, die GeTeße Israels in der hieratischen Schrift der Aegypter, in deren Weisheit Mojeh unterrichtet war 5), geschrieben wurden; darauf kommt hier nichts an. Die Zeit, in der die Geseße Hammurabis aufgezeichnet wurden, wird damals ihren Anfang genommen haben, als der Nordfemite Tharah mit seinem Hirtenstamme Babylonien bereits wieder verlassen hatte; denn diese Gefeße sind fast ohne Ausnahme aus einem leßhaften und acerbautreibenden Volke hervorgegangen und für ein reiße haftes Volt bestimmt. Jene Uuswanderer aber verschlossen sich wie

1) Nach biblischer Zählung. 2) Veröffentlicht von H. Windler, G. H. 4. Uufl. 3) Vergl. das zum 4. Bebot Gesagte. 4) U. T. 0. S. 263. 5) Ex. 2. 10. 24, 4. 34, 28. Deut. 31, 9. Apostelg. 7, 22.

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