Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub

Uuf diese erste Wegführung des jüdischen Voltes, die, wenn nicht nach Affyrien, so doch in die Sklaverei führte, deutet vermutlich Jes. 37, 31, wo von den „Erretteten“ aus dem Hause Juda geredet wird. Ift in der wiedergegebenen Inschrift keine Lüde, so läßt der Großkönig dody mehreres verschweigen. Warum nahm er denn Jerusalem nicht ein, da er die Stadt doch hart belagert hatte? Die Inschrift fährt fort:

„Seine Städte, die ich geplündert hatte, riß ich von seinen Landen los und gab sie dem Mitinti, dem König von Usdudu, dem Padi, König von Amfaruna, und Sillibel, dem König der Stadt Hazitu ") ind nerkleinerte jo Tein Reich ). Zu den früheren Abgaben fügte ich noch eine Zahlung hinzu als Gebühr für die Oberhoheit und legte sie ihm auf.“

„Den Hazikiau ergriff furcht vor der Majestät meiner Herrschaft, und die urbu) und seine auserwählten Krieger, die er zur Verteidigung von Ursalimmu, der Stadt seines Reiches, hereingeführt hatte, und als seine Wachen....). Mit 30 Talenten Goldes, 800 Talenten Silbers, Poslbaren ... gutli, Daggasi, großen Karfunkeln, elfenbeinernen Ruhebetten, Ufu- und Urfarinnuholz allerlei kostbaren Dingen und seinen Töchtern, seinen Palaftfrauen, Sängern und Sängerinnen ließ er mir nach Ninive, der Stadt meiner Herrschaft, bringen; und er fandte seinen Boten, mir die Gaben darzubringen und mir zu huldigen.“

In 2. Kön. 18, 14 werden nur 300 Zentner Silber erwähnt; aber der jüdische Zentner verhält sich zum assyrischen wie 8 zu 3, also find 300 jüdische gleich 800 assyrische Zentner.

Nachdem alle seine Festungen von Sanherib eingenommen waren, hatte der König Hiskija um frieden gebeten und Tribut versprochen, zu dessen Zahlung er den Tempelschak heranziehen mußte. Uber Sanherib traute ihm nicht und wollte sich der Hauptstadt versichern; auch erhob er gegen Hiskija den Vorwurf, er habe Befehl gegeben, die Bollwerke des großen Stadttores zu erneuern. Demgemäß sandte er seinen Tartan mit großen Streitkräften gegen Jerusalem, indem er zur Entschuldigung seines Ueberfalles Hiskija anklagte, er sei von ihm abgefallen und habe ein Bündnis mit Uegypten, „dem zerstoßenen Rohrstab", geschlossen 5).

Als aber Sanherib die Kunde erhielt, Thirhaka, der König von Aethiopien, ziehe heran, versuchte er noch einmal, Hiskija durch gute Worte zur Unterwerfung zu bringen und von dem Vertrauen auf seinen Gott, der ihn betrügen werde, abzuwenden %). Dies geschah um 701 v. Chr., da Sanherib vor Libna lag. Die Belagerung von Lachis aber hatte er aufgeben müssen, weil sein Herr bereits empfindliche Verluste erlitten hatte. Auf einem Relief zu Minive las Layard: -----

1) Gaza. other 2) 2. Kön. 18, 13. 1193) E. Schrader übersetzt „Urabien".

4) Diese Stelle wird verschieden übersetzt: „meuterten“, „ftreckten die Waffen“, ergriffen die Flucht“, denen er Soldzahlung bewilligt hatte".

5) 2. Kön. 18, 21. 6) 2. Kön. 19. 10.

„Sanherib, der König des Ulls, König von Uffur, setzte sich auf seinen Chron und mustert die Beute von Lafisch.“

Das zugehörige Stadtbild zeigt 24 Türme. In der rechten Hand hält der König zwei Pfeile, die linke stüßt sich auf den Bogen. In den Seitenlehnen des Thrones stehen die Bilder von 2 mal 12 Gefangenen. Das Untlik des Königs trägt den Ausdruck der strengen Unerbittlich: keit, des kalten erbarmungslosen Kriegsmannes.

In der biblischen Erzählung von diesem neuen Zug gegen Jerusalem werden Tartan, Erzkämmerer und Erzíchenke als die Diener des Königs genannt, die von Cachis her die asiyrischen Truppen heranführten, um dem neuen Unterwerfungsvertrag schnellere ännahme zu verschaffen. Das assyrische turtanu bezeichnet den Oberbefehlshaber, Rabsarasu oder Rabsarish ist der Oberste der Hauptleute, wie es in einem Kaufvertrag heißt: „in dem Eponymat des Rabsarish Nabusarusur.“ Rabjaka ist kein assyrisches, sondern ein sumerisches Wort, das noch in einer Inschrift Tiglatpilesars II. gebraucht wird. So heißt der Vertreter des Großkönigs in allen Verhandlungen, und nicht anders tritt er 2. Kön. 18 auf, wo er in seines Herrn Namen zu dem jüdischen Volk hebräisch redet. Aber warum bitten die Diener Hiskijas, der Erz: (denk möge syrisch, d. i. aramäisch, mit ihnen reden, da sie doch auch hebräisch und assyrisch verstanden, das drei nahe mit einander verwandte Dialekte der semitischen Sprache sind ? Ich bin der Meinung, daß bereits damals die hebräisdie Sprache für eine heilige Sprache galt, die wohl im Heiligtum bei dem Gebet und Cob Gottes gebraucht wird und werden darf, aber nicht in dieser weltlichen Sache. Umgekehrt aber redet Paulus mit Recht zu seinem Volk nicht auf griechisch und nidit aramäisch, sondern auf hebräisch; denn er hat zu ihm von heiligen Din

[ocr errors]

Als dann Thirhaka das Heer der Hegypter gegen Sanherib geführt, aber durch diesen „mit der Hilfe Asurs, seines Herrn“ eine vollständige Niederlage erlitten hatte, schritt Sanherib, obwohl er nun freie Hand hatte, doch nicht zur ernstlidien Bestürmung Jerusalems, sondern ließ die Stadt nur durch das Heer des Rabjaka belagern. Dieses wurde aber von einem furchtbaren Schlag getroffen, über den Josephus nach Berosus (?) also berichtet ?):

[ocr errors]

„Als Sanherib von dem ägyptischen Krieg nach Jerusalen zurückehrte, fand er sein Heer unter Rabjaka in großer Gefahr; denn Gott hatte eine großartige Krankheit unter das Heer gesandt, und in der ersten Nacht der Belagerung starben 185 000 Mann mit ihren hauptleuten und führern. Der König hatte große Schreden und entsetzliche Angst bei diesem Unglück; und da er sehr für sein eignes Heer fürdtete, floh er mit den noch übrigen Streitkräften in sein Reich und nach seiner Stadt Ninive. Und als er dort eine kleine Weile ) gewohnt hatte, ward er

1) Upostelgesch. 21, 40.
2) Jüd. Ultert. 1, 5.
3) Jn Wirklichkeit waren es mehrere Jahre.

verräterisch angegriffen und starb durch die Hand seiner älteren Söhne Adrammelech und Sareser und wurde in seinem eigenen Tempel erschlagen, der Urasta beißt. Diese seine Söhne wurden wegen des Mordes ihres Vaters von den Bürgern ver. trieben und flohen nach Armenien, während Afsarachaddas das Reich Sanheribs einnahm.“

So erzählt Josephus weniger nach Berosus als nach der Bibel, die diese Begebenheiten mit wenig Worten abtut'); nur las Josephus anstatt Nisroch Uraska vermutlich aus einer fehlerhaften übschrift der Septuaginta, und dag er aus einem Gott einen Tempel gemacht hat. Andre vergleichen für Nisroch den Gott Nusku, Wellhausen denkt an ein Verschreiben für Usur. 6. Nagel urteilt in seiner Monographie ?) über den assyrischen Bericht der Ereignisse, daß ihm Glaubwürdigkeit nicht im allgemeinen abzusprechen sei: „Nur am Schluß ist offenbar ein für den Gang der Ereignisse sehr bedeutsames, für die Affyrer aber wenig ehrenvolles Moment mit Stillsdyweigen übergangen worden." Und später urteilt er über den biblischen Bericht: „Dieser bringt ja nicht wieder eines assyrischen Hofhistoriographen eine parteiische Verän. derung der Tatsachen mit sich. Wohl ist nach ihm Jahve der Urheber alles Geschehens. Aber dieser Gott verleiht seinem Volt nicht blos Sieg, sondern er läßt auch Rot und Bedrängnis über dasselbe kommen. Somit darf der biblisdie Bericht als eine durchaus zuverlässige historische Quelle angesehen werden."

H. Windler erinnert betr. Sareser an einen König Saratirassur, der zu den Sargoniden gehört, aber sonst nicht bekannt ist, und meint, der Königsmord sei zu Babel in Ejagila, dem Tempel Marduks, aus Rache dafür geschehen, daß Sanherib diesen Tempel zerstört hatte. Aber wie kamen des Königs Söhne dazu, für die beleidigten Babylonier eine zutreten, und was suchte Sanherib in einem zerstörten Tempel ? Dazu deutet kein Bericht an, daß Sanherib nach Babel gezogen sei. Doch wir werden hierauf noch einmal zurüdkommen.

Herodot, der auch diesen feldzug Sanheribs erzählt, hat sich dabei von der Ueberlieferung täuschen lassen; denn er flicht in seine Erzählung das bekannte Märchen von den Mäusen ein, das sich auf eine Begebenheit aus dem Jahr 1350 v. Chr. bezieht ). Doch bleibt auch bei ihm der Kern der Wahrheit unversehrt, daß Sanherib, durch ein schweres Unglüc getroffen, von der Belagerung Jerusalems plößlich abstand und mit den noch übrigen Truppen in die Heimat zurückehrte. Nur ein so harter Schlag, wie ihn die hl. Schrist berichtet, kann die weitere folge erklären, daß Babylonien und Elam sich sofort gegen Sanherib erhoben.

[ocr errors]

1) 2. Kön. 19, 35—37. 2) Zug des Sanherib S. 38 und 79. 3) Tiele a. a. O. S. 292.

Ehe aber das Ende dieses großen Königs nach assyrisch-babylo. nischen Berichten dargelegt wird, verdient seine Wirksamkeit im Innern des Reiches beleuchtet zu werden. Mehr als seine Vorgänger tat er namentlich für die Reichshauptstadt. Auf einem Toncylinder läßt der König sie hoch erheben:

„Die erhabene Stadt, die Lieblingsstadt Istars, die bleibende Stätte, den Grundstein der Ewigkeit, den kunstreichen Ort, worin jegliches Kunstwerk, alles (dätzbare und schöne zusammengebracht ist, worin von der Urzeit her die Könige, die Vorfahren meiner Väter, die Herrschaft über Assyrien ausgeübt und den Tribut der fürsten der vier Himmelsgegenden empfangen haben ").“

Dieser Priestergesang leidet nicht nur an Uebertreibungen, die man dem Orientalen verzeihen muß, sondern er verfehlt sich auch mehrere Miale gegen historische Tatsachen. „Der Grundstein der Ewigkeit“ brach hernach überraschend schnell in sich zusammen. Die Vorfahren Sanheribs haben bekanntlich von Assur aus regiert, das jedenfalls älter als Ninive ist.

Die große Stadt Ninive aber litt häufig an Wassermangel. Diesem Uebelstand abzuhelfen, führte Sanherib das Quellwasser von 18 Bergstädten in 18 Kanälen nach der Stadt Kisiri und von da in einer Leitung nach Ninive. Um die Stadt herum baute er berghohe Mauern und Wälle. Seinen kostbaren Königspalast umgab er mit einem Park, darin auserwählte Pflanzen und seltene Tiere gehalten wurden; denn er wollte keinem seiner Vorgänger nachstehn. Die Prismainschrift berichtet:

„In jenen Tagen, nachdem ich die Mauer Ninives beendet und es zum Erstaunen aller Völfer geschmückt hatte, riß ich einen Palast ganz nieder, dessen Grund. lage schwach geworden und dessen oberer Teil zertrümmert war. Eine große Menge Baumaterial nahm ich aus der Grundlage. Den Teil der Stadt, der um ihn her lag, fügte ich ihm hinzu. Den Platz des alten Palastes füllte ich mit Erde aus dem flußbett auf. Den untern Grund erhob ich 200 tipsi über die Oberfläche.“

„Weil der Tibilti bei seinem Unschwellen die alten Grabhügel der Stadt zerstört und ihre verborgenen Grabkammern *) dem Sonnenlicht ausgesetzt hatte, auch seit langer Zeit bis an den Palast herangekommen war und bei hohem Wasserstand in deffen Grundstein eine Bresche gerissen und seinen Grundstein zerstört hatte, habe ich jenen kleinen Palast in seiner ganzen Ausdehnung niedergerissen, den Lauf des Tibilti geändert, die Verwüstung hergestellt und den Wasserabfluß geregelt. Sein Strombett füllte ic? unten mit Rohr, oben mit mächtigen Steinblöden aus, die mit Erdped verbunden wurden, und ließ ein Stück Land 454 Ellen lang und 289 Ellen breit aus dem Wasser hervortreten und austrocknen."

Ju dem auf diese Weise gewonnenen Terrain wurde noch ein Platz von 240 mal 288 Ellen hinzugenommen.

Ob Sanherib auch die Palastschule von Ninive gegründet hat, ist zweifelhaft. Sie wird inschriftlich erwähnt“):

1) Nach fr. Delitzsch.
2) Urm oder Nebenfluß des Choser.
3) Uuch die Affyrer pflegten ihre Toten in der Erde beizusetzen.
4) Dieselbe Insdrift in andrer Uebersetzung i. S. 104.

„Belibi, den Sohn des gelehrten Mannes in der Nähe Suanna'), der als ein junges Kind in meinem Palast “) erzogen worden war, setzte ich über das Reich von Sumer und Ukkad."

Sanheribs Palast in Ninive übertraf alle früheren Palastbauten durch die weite Uusdehnung seiner Hallen, Säle und Höfe. Die Bildwerke auf den Wänden zeigen den bedeutenden Kunstfortschritt, daß man jetzt den Bildwerken einen Hintergrund gibt.

Ninive wurde häufig, wie wir schon aus einer Inschrift Sanheribs vernahmen, von einer Wassersnot bedroht und betroffen, indem der Tigris mit seinen Nebenflüssen über seine Ufer trat und die Stadt teilweise unter Wasser seşte. Dies zu verhindern, wurde der Strom eingedeiht.

Die Prismainschrift erzählt auch von dem Bau eines Arsenales, das in Khattistil ausgeführt wurde, wahrscheinlich durch phönikische Bauleiter und Handwerker. Die Zedern dazu wurden aus dem Khamanugebirg genommen und die Balken mit Bronze überzogen, ebenso die Türflügel. Die Stierkolosse an den Türen wurden aus weißem Marmor des Baladnigebirges gefertigt. In das Zeughaus kamen Rosie, Maultiere, Kälber, ibili, Wagen, Karren, Köcher, Bogen, Pfeile und anderes Gerät, dazu Geschirre für Rosie und Maultiere. Um Schluß der Inschrift heißit es:

„Wer meinen Schriftzug und Namen verändert, den möge Ajur, der große Herr, der Vater der Götter, feindlich heimsuchen, Szepter und Thron ihm nehmen und seine Regierung verderben. Am 20. Adar des Urchontats von Belimurani, dem Statthalter von Gargamis.“

Dieser flud, richtet sich gegen gekrönte Häupter; denn Sanherib weiß, daß die Feinde der orientalischen Herrscher nicht in Hütten, sondern in Palästen wohnen. Ueber sein Ende berichtet die babylonische Chronik:

„Am 20. Tebet wurde Sanherib von seinem Sohn in einer Empörung er. schlagen. Er regierte 23 Jahre über Uffyrien. Vom 20. Tebet bis zum 2. Udar dauerte der Uufruhr in Ussyrien. Um 18. Siwan bestieg sein Sohn Usarhaddon den Thron von Usiyrien.“

Es wagt die babylonische Chronik nicht, Sanherib oder seinen Sohn Ujarhaddon als König von Babylonien anzuerkennen, obwohl dieje Reichshälfte aufs tiefste gedemütigt und die Hauptstadt zerstört war.

Uebersehen wir die verschiedenen Berichte über das Ende des Großkönigs, so weiss die Bibel nebst ihren Ueberseßungen und Josephus von zwei Mlördern, die babylonische Chronik und Ubydenus reden von einem. Abydenus behauptet, Sanherib sei von seinem Sohn Adramalus, d. i. Ádramelech, erschlagen worden, und nach ihm habe sein Sohn Nergilus regiert, der von Arardis, d. i. Usarhaddon, getötet wor

1) Sumerischer Name von Babel.
2) Vergl. Daniel 1, 3—5.

« ͹˹Թõ
 »