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Ueber den Bau eines Kanals nach der Stadt Sippara läßt er berichten:

„Nabopolassar, der König von Babylon, den Nebos und Mardufs Hand geleitet, bin ich. Marduk, der große Herr, vertraute mir seinen schweren Auftrag an, die Städte herzustellen, die Tempelstätten zu erneuern, also: Sippar, die hehre Stadt, von Samas und Malkatu geliebt,' der Euphrat hatte sich von ihr entfernt. Jch, der Günstling ihrer hoheit... demiitig, unterwürfig, die Götter fürchtend, ließ den líanal udkibnun graben, kunstvolle Wasserbecken für Samas, meinen Herrn, rid: tete ich ein. Die Ufer des Kanals baute ich mit Asphalt und Ziegelsteinen. Dem Samas, meinem Herrn, weihte ich ein Wasserbehältnis.“

Samas bezeichnet hier zugleich die eine Hälfte von Sippar, die den Tempel des Samas enthielt. Ihr wurde durch den Kanal das Wasser des Euphrat wieder zugeführt ?).

Auch von Nabopolassar wissen wir nicht, wie er sein Ceben beschlossen hat. Er war Chaldäer, und nach seinem Tode trat der Oberste der Magier oder Chaldäer so lange an die Spike der Reichsverwaltung, bis Nebukadnezar, des Königs Sohn, von seinem Feldzug gegen Aegypten zurüdgekehrt war.

Nebukadnezar II. babyl. Nabutudurusur, d. i. Nebo schüte den Hut oder Nebo schübe die Arbeit, im A. T. Nebukadnezar oder Plebukadrezar, bei den 70 Nabuchodonoforor, herrschte 605--562 v. Chr. über das neubabylonische Reich. Bei dem Tode seines Vaters weilte er in Palästina und zog mehrere Male gegen Jerusalem ?). Das erste Mal hatte er den König Jojakim, wie oben erwähnt, gefangen genommen und nach Babel geichidt. Das zweite mal nahm er die heiligen Gefäße aus dem Tempel des lebendigen Gottes und ließ sie zusammensdılagen. Das dritte Mal führte er den König Jojachin und die Edeln des Volkes, Zimmerleute (?) und Schmiede mit sich; es war um das Jahr 599 v. Chr. das vierte Mal zerstörte er die wieder abtrünnige Stadt, nachdem sein Feldhauptmann diefelbe zwei Jahre lang belagert hatte, 588 v. Chr. Der König Zedekia, den Nebukadnezar eingesetzt hatte, blieb 8 Jahrz ihm untertänig, bis Pharao Hophra ihm Hilfe gegen Babel zusagte; aber das Heer der Regvpter wurde geschlagen und Jerusalem erobert. Auf der Flucht wurde Zedekia ergriffen und vor den König nach Ribla gebracht. Dort wurden seine Kinder mit assyrischer Grausamkeit vor den Augen des Vaters abgeschlachtet, er selbst in Ketten nach Babel gebracht und geblendet. Die Stadt Jerusalem verbrannte der oberste Scarfrichter oder Rab-tabachim samt dem Tempel, nachdem er alle goldnen, silbernen und ehernen Gefäße und Zierate als Beute mit sich genommen. Vom jüdischen Volke wurde wiederum ein Teil in die G fangenschaft nach Babel geführt, über die Zurückgebliebenen feßte der

1) Vergl. S. 135. Nehnliche Urbeiten ließ schon Hammurabi ausführen. 2) 2. Kön. 24. 2. Chron. 36. Jer. 25.

Vönig den Gedalja als Statthalter und gab ihm eine babylonische Leibwache. Trokdem war er nach kurzer Zeit von den Juden ermordet. Wieder wurde ein Teil des Volkes nach Babel gebracht, ein andrer Teil floh vor der Rache des Königs nach Aegypten. Zwei Aufrührer, Ahab und Zedekia"), wurden in Babel verbrannt.

Die folgenden Ereignisse beschreiben babylonische Aufzeichnungen. Ein schwarzer Basaltblock trägt 620 Zeilen, ein Toncylinder aus Senfereh 51. Auf einer großen Steinplatte liest man:

„Nebukadnezar, König von Babylon, der erhabene fiirst, der Liebling Mar. dufs, der hehre Oberpriester, der Liebling Nebos, der besonnene, der sich Weisheit aneignete, der auf den Wandel ihrer Gottheit bedacht ist, ihre Herrschaft fürchtet, der unermüdliche Statthalter, der an die Ausstattung von Esagila und Ezida täglich denkt, auf Huld fiir Babel und Borsippa beständig bedadt ist, der Weise, der Beter, der erstgeborene Sohn von Nabopolassar bin ich ?).“

Unzählige Tonziegel aus den Ruinen von Babel und andern Städten tragen den Stempel:

„Ich bin Nebukadnezar, König von Babylon, Wiedererbauer der Tempel Esagila und Ezida, erstgeborener Sohn des Nabopolassar, Königs von Babylonien.“

Auf einem Feldzug gegen Aegypten, dem zweiten oder dritten, den er unternahm, wurden die phönikischen Städte meist rasch unterworfen; nur Tyrus widerstand den Angriffen des babylonischen Heeres 13 Jahre lang, 587--575 v. Chr. Dann ergab fid, die Stadt und gestand dem

sich König von Babel das Recht zu, ihren König einzusetzen.

572 v. Chr. zog Nebukadnezar wieder gegen Vegypten, besiegte den Pharao Hophra oder Upries von neuem, drang bis Aethiopien *) vor und fette feinen Feldherrn Amasis als Statthalter von Unterägypten ein; dod bald erkannte er ihn als treulos und befriegte ihn nach wenigen Jahren, weil er seine Herrschaft auch über Syrien und Palästina auszudehnen bestrebt war. Nebukadnezar kam ihm zuvor, verwüstete ganz Unterägypten, insbesondere die Gegen von On, Joan, Moph und No, und kehrte nach Babel zurück, ohne Amasis zu seiner Pflicht zurückgeführt zu haben.

Einen Feldzug gegen Elam unternahm Nebukadnezar im Sommer 569 und bezwang als „Träger des mächtigen Bogens" dieses Volk der Bogenschüßen, obwohl die Zeichen nicht günstig waren. Auf einem Grenzstein wird berichtet:

„Im Monat Tammuz unternahm er den Zug, die Macht der Hitze sengte wie feuer, und die Glut der Wege zürigelte wie flammen. Wasser war nicht vor. banden, abgeschnitten ) waren die Brunnen, die Kraft der großen Rosse nalm ab,

1) Jer. 29, 21 20.
2) K. B. III, b, 11.
3) Hesek. 29, 10 20.

4) Diese Uebersetung scheint mir nicht richtig; man sollte erwarten „ausge. trocknet“, „versiecht“.

des tapfern Mannes Mut wich zurüd. Da zog hin der mächtige König, die Götter trugen ihn. Es rückt aus Nebukadnezar, der keinen Nebenbuhler hat')."

Von seiner Tätigkeit im Innern des Reiches läßt der König auf der Steininschrift berichten:

„In seinem ) erhabenen Dienst habe ich ferne Länder und Gebirge vom obern Meer bis zum untern Meer, steile Wege, verschlossene Pfade, wo der Schritt gehemmt wurde, wo man nicht fuß fassen konnte, unwegsame Straßen, quellenlose Wege durchzogen, das Cand regiert, die Einwohner gedeihen lassen, die schlechten und Bösen unter den Einwohnern in die ferne geführt, Silber, Gold, kostbare geschnittene Steine, Bronze, Musukannuholz, Gedernholz, allerlei Kostbarkeiten brachte ich nach meiner Stadt Babel vor ihn *)."

für sich ließ Nebukadnezar drei Paläste erbauen. Einen von ihnen umgaben die berühmten hängenden Gärten. Im zweiten, h. el kasr gen., läßt die Deutsche Orientgesellschaft nahgraben. Der dritte stand im Norden der Stadt und trug die Aufschrift: „Nabukudurriusur liblut lubabbir senin esagila, d. i. es lebe Nebukadnezar, es lebe lang der Schirmherr von Esagila." Viele Inschriften berichten von diesen und andern Bauten des Königs, auch von dem gewaltigen Stufenturm, den sein Vater zu bauen begonnen hatte. Ihn besudite und beschrieb fast 1000 Jahre später der Grieche Harpokration. Eine Inschrift aus Birs Nimrud aber bezeugt, daß dieser Turm bereits 42 Menschenalter vor Nebukadnezar, also schon vor Hammurabi, erbaut war. Er blieb Kultusstätte bis in das 4. Jahrhundert nach Chr. Von Ktesiphon, der Hauptstadt des neupersischen Reiches, war er 94 Kilometer entfernt. Sein Unterbau bedeckte eine Fläche von ca. 40 000 Quadratmeter, die Seitenmauern des Unterbaues waren gegen 22 Meter hoch. Auf diesem gewaltigen Unterbau erhob sich der viereckige Turm in 6 Absäken, deren jeder 6 Meter hoch war. Auf dem obersten aber stand das Heiligtum des Bel-Marduk 4 Meter hoch, sodaß die ganze Höhe etwa 72 Meter betrug. 365 Stufen führten bis zum Heiligtum, 305 silberne und 60 goldne, ein Abbild des Jahres nach seinen wechselnden Tagen. Die ? Stockwerke leuchteten in 7 Farben: schwarz, orange, rot, gold, weiß, blau, silber, gedeutet auf die Gestirne Jupiter, Mars, Sonne, Venus, Merkur und Mond. Davon sagt die Inschrift:

„Der Tempel der ? Sphären Himmels und der Erde, Eur VII anfi, Haus der 7 Orakelverkünder, die Ziggurat von Borsippa, die ein früherer König gebaut, 42 Ellen hocaufgeführt, aber nicht bis zur höchsten Spitze vollendet hatte, war seit fernen Tagen eingestürzt, durch Rogen und linwetter zum Scutthaufen geworden."

Ihn wiederherzustellen befahl der große Gott Marduk. So benutta der König die alten noch erhaltenen Grundmauern und an einem günftigen Tage im Monat des Heiles ließ er das Mauerwerk des Uufbaues

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1) Nach fr. Hommel, A. u. A., S. 365. 2) Der Mardut. 3) In Marduts Schatzkammern.

verbinden und feinen Namen auf den Kranz des Mauerwerf's schreiben. Wie in den fernen Tagen errichtete er die Spite des Stufenturmes.

Ein anderer Tempel hieß der große Tempel Himmels und der Erden", die Wohnung Bels, Eas und Marduks. Von diesem sagt der König in einer Inschrift:

„Gleichwie ich die furcht deiner Gottheit lieb habe, auf deine Herrschaft achte, so nimm das Uufheben meiner Hände gnädig an, erhöre meine Gebete. Ich bin 1. der König, der fürsorgende, der dein Herz erfreut, der tätige Machthaber, der fiir olle deine Städte forat. Möge auf dein Geheiß, barmherziger Marduk, das Haus, das ich gebaut, in Ewigkeit dauern und ich mich mit seiner fülle sättigen. Möge id darin ins Greisenalter gelangen, von den Königen der Himmelsgegenden, von allen Menschenfindern möge ich schwere Abgaben darin empfangen."

Wie bei andern Insdiriften wissen wir auch hier nicht, was auf Rechnung der Schriftgelehrten kommt, und was des Königs eigne Worte sind; im lebten Fall ftreift der Schluf der Insdrift an Größenwahn.

Am Tempel Efagila ließ Nebukadnezar alle unterworfenen Völker arbeiten, und der Bau ward vollendet, sodaß auf der aus azurblauen Ziegeln hergestellten obersten Etage des Turmes der dem Gott Mardut erbaute azurblaue Tempel hineinragte in des Himmels azurfarbenen Aether", wie der von und für Babylon begeisterte fr. Delitsch schildert"). In diesem Heiligtum des Gottes stand ein goldnes Ruhebett, auf dem eine frau die Nacht zubrachte ?).

Ueber einen Traum des Könias, feinen Größenwahn, seine Demütigung und Erhebung berichtet das Buch Daniel, in dem nach Meinung einiger Gelehrten eine babylonische Sage frei umgestaltet sein soll, fodaf fie diesem Buch des jüdischen Propheten wieder weniger Glaubwürdig: feit zubilligen wie dem Griechen Abydenus. Ein gerechtes Urteil wird darin auslaufen, daß Daniel und Abydenus fo gut wie gar nichts mit einander zu tun haben; denn die babylonische Sage macht den König zu einem Propheten, der von irgend einem Gott ergriffen weissagt“), nämlich den Untergang feines eignen Reiches durch das persische Maultier vorhersagt und meint, „weder Bel noch Beltis vermögen etwas gegen die Schiffalsgöttinnen". Sodann wünscht der König diesem perfischen Maultier alles Elend, das ein Ceben in der Einöde mit sich bringt, wo weder Städte noch die Fußspuren eines Menschen angetroffen werden, wo die wilden Tiere weiden und Vögel umherschweifen, während er (der Feind) in Felsklüften und Schluchten umherirrt".

Megasthenes aber, der erste Beamte des Königs Seleufus von Syrien, gibt um 300 v. Chr. dies als Wortlaut der Pöniglichen Weiss sagung ): ,,Kommen wird ein Derser, ein Maultier, der eure eignen Götter zu Verbündeten haben und euch línechtschaft bringen wird, nicht

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1) Mitteil. v. 1901, 7, S. 8. 2) Veral. Tiele a. a. 0. S. 444 nach Herodot. 3) Euseb. praep. evangel. 9, 41. 4) fr. hommel, Grundriß, S. 237.

ohne Mitschuld des Sohnes einer Mederin, des Stolzes der Asjyrer. Daß ihn doch eine Charybdis) oder ein Meer gänzlich vernichten möchte, ehe seine Volfsgenossen verderben; oder daß er sich wegbegebe und in der Wüste umhergetrieben würde, wo feine Städte sind und keine Menschen hinkommen, wo die wilden Tiere ihre Nahrung suchen und Vögel umherfliegen. Daß er doch in Felsen und Klüften einjam umherschweifen möchte, und daß ich, ehe dies Unglück mein Volk trifft, meine Tage beschließen könnte."

Nach dem Buch Daniel hatte der König im Traum sein eigenes Bild gesehen in einem mächtigen Baum, der seine Aeste weit ausbreitete und früchte trug, davon alles zu essen hatte; aber ein heiliger Wächter fuhr vom Himmel herab, der sprach: „Hauet den Baum um; doch laßt den Stock mit seinen Wurzeln in der Erde bleiben." „Das menschlide Herz foll von ihm genommen und ein viehisches Herz foll ihm gegeben werden, bis daß sieben Zeiten über ihm um sind." Den Traum aber konnte niemand deuten, als Daniel, der Oberste unter den Magiern, in dem der König den Geist der heiligen Götter erkennt. Also stellt die griechisch-babylonische Sage den König als einen gottbegeisterten Propheten dar, der über den Feind feines Volfes und Reiches weissagt, ihn verflucht und wünscht, daß er es nicht erleben möge; Daniel dagegen läßt den König einen Traum erzählen und legt ihn dann aus. Wo ist eine Aehnlichkeit zwischen diesen beiden Berichten festzustellen? Rur dogmatische Befangenheit wird das Buch Daniel verwerfen und die Fabeln der Griechen vorziehen. Aber selbst ein Gelehrter wie A. Jeremias ?) meint, Rabunaid sei während der Regierung Belsazars in Temä gefangen gehalten worden, und auf ihn als Gefangenen sei die Erzählung rom Wahnsinn Nebuřadnezars zu beziehen, in der die Melancholie der Gefangenschaft drastisch geschildert werden solle, während das Buch Daniel weder von Gefangenschaft noch von Mielancholie etwas weiß, sondern vom richtigen Größenwahn berichtet, der bei Nabunaid gar nicht paßt, wohl aber bei Nebukadnezar, der in seinem Palast wandelte und sprach: „Das ist die große Babel, die ich erbaut habe zum königlichen Hause durch, meine große Macht zu Ehren meiner Herrlichkeit"; und er sprach dies Wort des Größenwahns zu einer Zeit, da das Volk Gottes mit feinen Propheten in Stadt und Cand des Königs weilten und nicht stumm

Auf andere Spuren des Wahnsinns wird noch hingewiesen werden. Was aber die angekündigte Strafe des Königs betrifft, daß sein Königreich von ihm genommen, daß er von den Leuten verstoßen werden und bei den Tieren bleiben folle, wo man ihn Gras effen lassen werde wie die Ochsen 3); so ist dazu ein Zitat bei H. Winckler zu vergleichen:

1) Zeigt das griechische Gewand der Sage an. 2) A. T. O., S. 362. 3) Dan. 4, 28—29.

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