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sänftigen. Verwirf nicht deine Stadt Nippur. „Herr ruhe“ möge sie zu dir sagen. Sippar verwirf nicht. Herr ruhe“ möge sie zu dir sagen. Babel, die Stadt deiner freude, verwirf nicht. „Herr ruhe“ möge sie zu dir sagen. Dein Haus blicke an, deine Stadt blicke an. „Herr ruhe“ möge sie zu dir sagen. Die Riegel Babels, das Saloß Ejagilas, die Ziegel Ezidas bringe zurück an ihren Ort. Die Götter des Himmels und der Erde, „Herr ruhe“ mögen sie zu dir sagen."

Diese Citanei wurde augenscheinlich von mehreren Chören der Priester und Priesterschüler im Wechselgesang aufgeführt. Sang und Gegensang sind nach dem Kehrreim leicht zu unterscheiden. Sein dreimoliger Wechsel zeigt an, daß die Citanei in drei Teile zerfällt, einer so inhaltsleer wie der andere. Ein assyrisches Eremplar hat am Schluß die Worte:

„Usurbanaplu, den Hirten, deinen Pfleger, erhalte am Leben. Erhöre seine Gebete. Gründe fest in freundlichkeit den Grund seines Königtums. Er halte das Szepter des Vaters auf ewige Zeiten.“

Daß die Gebete und Hymnen, an die Götter gerichtet, gedankenarm sind, darf niemand wundern. Diese Götter haben einen Mund, aber sie fönnen zu ihren Anbetern nicht reden. Diese sind ganz auf sich selbst angewiesen. Wo keine Offenbarung möglich ist, wird menschliche Dich tung zur Notwendigkeit. Das ist deutlich an einem Hymnus zu sehen, der an Bel gerichtet ist.

„O Vater Bel, o Herr des Landes. Das Mutterschaf verstößt sein Lamm, die Ziege ihr Zidklein. Wie lange noch soll in deiner treuen Stadt die Mutter ihren Sohn verstoßen, das Weib seinen Mann verstoßen? O Vater Bel, Himmel und Erde sind niedergeworfen. Licht ist nicht vorhanden. O herr des Landes. Die Sonne geht über die Lande nicht glänzend auf. Vater Bei, der Mond geht über die Lande nicht leuchtend auf. ' Sonne und Mond gehen über die Lande nicht glänzend auf.“

Bei diesem Hymnus und ähnlichen Stüden ist man versucht, die frage zu stellen, ob nicht vielleicht ein Priesterschüler der Verfasser sei. Wer kann oder will dafür einstehn, daß das nicht der Fall sei? Aber wir wollen hiermit auch die Reihe der Lieder, Gebete ), fürbitten und liturgischen Gesänge schließen, da der geneigte Leser Mittel genug empfangen hat, sich selbst ein Bild über die babylonisch-assyrische frömmigkeit und religiöses Leben bilden zu können.

Doch ist noch des fastens zu gedenken, das zu dem Gebet hinzukommt und fleißig geübt wird. Der fastende versagt sich reine Speise, reines Quellwasser. Er enthält sich der Mitfeier von Festen, er nimmt keinen Teil an lauter freude, er schließt sich selbst von dem Schönen und der freude dieses Lebens aus. Er schließt seine Augen, als wären sie versiegelt, oder hebt sie kaum über den Erdboden und wandelt nicht herrschergleich, sondern demütig dahin. Aber dieses fasten wird dem betreffenden Gott wie ein Opfer und andre Gabe im Gebet vorgehalten, damit er sich erweichen und zur Erzeigung seiner Güte durch Dankbarkeit und Anerkennung der Verdienste des Bittenden bewegen lasje.

1) Was Knudtzon „Gebete an den Sonnengott“ nennt, verdient eher den Namen „Vorbereitung der Orakel". Wir werden sie später kennen lernen.

Die Gerechtigkeit aber erfordert es, daß wir nicht nur die helleren Seiten des religiösen Lebens aufdecken, sondern auch zu den dunklen Tiefen hinabsteigen. Das ist die Herrschaft des Aberglaubens. In Babylonien wie in Asiyrien war der Glaube an gute Geister und die furcht vor den bösen Geistern, die dem Menschen allerlei Üebel antun, allgemein verbreitet. Da wir von den Geistern selbst schon Kenntnis genommen haben, wird es sich hier um das Verhalten der Menschen ihnen gegenüber handeln. Wir hören aber in der gesamten babylonischassyrischen Steinliteratur von nichts mehr, als von den mannigfaltigen Mitteln, wie sich die Menschen gegen die Wirkungen der bösen Geister schüßen können.

Mia hatte wohl Amulette und Talismane, aber am meisten wurden Beschwörungen und Zaubersprüche gebraucht, unter denen die Jauber von Äunki-Eridu und ihre Beschwörung als stets wirkjam sehr berühmt waren.

Die Amulette und Talismane wurden entweder an der Lagerstätte oder an den Wänden des Hauses, wo ein Kranker lag, oder an dem Kranken selbst befestigt, weil man die Erwartung hegte, die bösen Geister würden sich vor ihrem Anblick zurückziehn. Zu den Talismanen ge hören auch die Kanephoren, Bilder von Korbträgerinnen, die nach der Entdeckung von de Sarcy in Tell Coh in Hohlräumen von 80 Zentimeter Länge, Höhe und Breite in den Eden der Paläste aufgestellt wurden, um die Gebäude und ihre Bewohner gegen allerlei Feinde zu schüßen.

Zu den ältesten Steininschriften, die wir aus Babylonien und Asjyrien überkommen haben, gehören die vielen tausend Zaubersprüdx und Beschwörungen, die in sumero-akkadischer Sprache geschrieben sind. Einer lautet:

„Die Bannsprüdye (?) des Gottes Ea sind in meiner Hand, das gismanu, die erhabene Waffe des Himmels ist in meiner Hand, die Dattelblüte der großen Ge bote (? eher Bäume) halte ich in meiner Hand ').“

Dieser Spruch wurde, wie ich vermute, von den alten Babyloniern hergesagt, wenn sie ihre weiblichen Dattelbäume bestiegen, um deren Blüten mit dem Blütenstaub der männlichen Blüte' künstlich zu be fruchten. Das war ihnen ein Zauberwerk, weil sie den natürlichen Hero gang noch nicht erkannten. Wenn aber H. Zimmern 2) meint, die Be fruchtung hätten die Winde besorgt, so irrt er sich. Ob die Winde in vorigen Zeiten stärker geweht haben als in unsern Tagen, weiß ich nicht; aber sicher ist, daß der Berber in Nordafrika, der Tamule in Indien täglich seine Palmbäume zur Zeit der Blüte besteigt, das gismanu in

1 K. 3. T., S. 631.
2) fr. hommel, Grundriß, S. 371.

feiner Hand, nämlich den männlichen Blütenwedel. In Nervi sieht man schöne alte Dattelpalmen, aber sie tragen nur leere Hülsen, weil die Pervianer entweder dem Wind vertrauen oder die künstliche Befruchtung nicht verstehen, während die Leute von Bordighera und auf Sizilien wohlschmecfende reife Datteln erzielen. Ein andrer Spruch lautet:

,,feuer, Held, im Land erhaben, tapfrer Sohn der Wassertiefe, im Land erhaben. feuer, deine helle glänzende flamme macıt Cicht im Hause der finsternis. Von allem, was einen Namen hat, bestimmt es das Geschick. Des Kupfers und des Zinnes Schmelzer bist du, des Goldes und des Silbers Läuterer bist du, der Göttin Pinkasi") Genosse bist du, des feindes Brust wendest du bei Nacht zurück ... Der Mensch, der Sohn seines Gottes, sein Leib werde rein, wie der Himmel strahle er, wie die Erde glänze er, wie die Mitte des Himmels leuchte er; der feindliche Spruch lasse sich seitwärts von ihm nieder ?).“

Dieser Feuerspruch wurde vermutlich bei der Reinigung derer gebraucht, die sich irgendwie, z. B. durch Berührung eines Toten oder eines Gebannten, verunreinigt hatten. Sie wurden vermutlich einem Räucherverfahren ausgesetzt. Und wie bei einem jeglichen Stoff, der in's Feuer gebracht wird, eine Veränderung oder Verwandlung vor sich geht, so soll der Rauch

) oder das Feuer eine Veränderung des Unreinen hervorbringen. Zu gleicher Zeit sehen wir aus diesem Spruch, daß die Erfindung der Bronze sehr alt ist, daß die Sumero-Akkadier schon Gold und Silber schmelzen konnten.

Zahlreich sind die Beschwörungen der Cabartu. Da heißt es:

,,Erste Beschwörung Cabartus, Tochter Anus. Zweite Beschwörung, Schwester der Straßengöttin. Dritte Beschwörung: Schwert, das den Kopf zerschmettert. Vierte Beschwörung: Die das Holz anzündet. fiinfte: Göttin, deren Gesicht schrecklid ist. Sechste: Unvertraute der Göttin Irinna. Siebte Beschwörung: Bei den großen Göttern sei beschworen, mit dem Vogel des Himmels mögest du entfliegen. Ritual: Auf einen Ziegelstein sollst du sie schreiben, an den Hals des Kindes ihn legen. Beschwörung: Labartu, Tochter Unus, bei dem Namen der Göttin genannt, Jningöttin, Herrscherin, herrin der Schwarzköpfigen, bei dem Himmel sei beschwo. ren, bei der Erde sei beschworen. Ich habe dir einen schwarzen Hund als deinen Diener gegeben, ich habe dir Quellwasser ausgegossen mache dich davon, gehe weg aus dem Leibe dieses Kindes, des Sohnes seines Gottes. Ich beschwöre dich bei Unu und Unatu, bei Bel und Belit, bei Ijtar und Ununita, bei den großen Göttern des Himmels und der Erde, daß du nicht nach diesem Hause zurückkehrest.“

Ein anderes Ritual gibt die Anweisung:

„Eine Cabartu sollst du gleich einer Gefangnen machen, eine Zurüstung zurüsteri, zwölf Brote von mehl ihr vorlegen, Quellwasser ihr ausgießen, einer: schwarzen Hund ihr geben, drei Tage zu Häupten des Kranken sie ) setzen, das Herz eines jungen Schweines ihrem Mund vorlegen, bahru-früchte ihr ausịchütten, Wel und Speisen ihr zu essen geben" Beschwörung: Ergrimmt ist sie, schrecklich, furchtbar. Ueberschreitet sie einen fluß, so wird das Wasser trüb. Steht sie an einer Wand, so schmiert sie Schmutz an. Tritt sie zum Greis heran, so muß er sterben. Tritt sie an den Mann, so wird sein Sinn umnachtet. Tritt sie zum

1) Ninkigal oder Ereskigal.
2) fr. Hommel, B. u. Ã., S. 192.

3) Die Puppe der Labartu, die wie eine Gefangene gefesselt war. S. 385.

Vergl.

Weib heran, so nennt man sie Labartu. Critt sie zum Kind heran, so nennt man fie Rabtamme. Weil du gekommen bist und fastest die Gestalt seines Gesichtes, padtest die Körperkräfte, ergriffit die Glieder, zerschneideft die Sehnen, bindest die Gelenke, machst die Gesichtsfarbe blaß, veränderit die Leibesgestalt, legst Leid auf brennst den Leib wie feuer: dich zu entfernen und zu verjagen, daß du nicht wiederfommst zu dem Leibe des N. N., beschwöre ich dich bei Unu, dem Vater der großen Götter, beschwöre bei Bel, dem großen Berg, beschwöre bei Ea, dem König der Wassertiefe, dem Schöpfer des Weltalls, dem Herrn der Gesamtheit, beschwöre bei der Herrin der Götter, der großen Königin, der Bildnerin der Schöpfung, beídwöre bei Sin, dem Herrn der Königsmüte, der Entscheidungen entscheidet, der Zeiden sehn läßt, beschwöre bei Samas, dem Lichte des, das droben und drunten ist, dem Schöpfer der Welt, beschwöre bei Marduk, dem Herrn der Beschwörungskunst, be. dywöre bei Ninib, dem ersten unter den Göttern, seinen Brüdern bei Ninahakuddn, der Herrin der Beschwörung, bei Ninkarak, der Machthaberin von Ekur, bei Jstar, der Herrin der Länder, bei Ubsukinna, dem Wohnsitz der Entscheidung der großen Götter in Elur, sei beschworen, daß du nicht zu N. N., dem Sohn des N. N., zuridtehrst“ 20. 20.

Eine andere formel lautet:

„Den brennenden Geift der Eingeweide, der den Menschen verzehrt, den Geist der Eingeweide, der übles wirkt

, beschwöre, o Geist des Himmels, o Geist der Erde, beschwöre ihn. Möge Ninkigal, die Battin des Ninazu, ihr Ungesicht anders wohin wenden. Möge der schädliche Geist ausfahren und sich seitwärts niederlassen. Möge der gnädige Kurub und der gnädige Dämon sich auf seinen Leib setzen").“

Die bösen Geister, die den Menschen schaden, kommen nach Un schauung der Babylonier und Affyrer aus der Unterwelt. Gegen sie werden die Geister der oberen Welt zu Hilfe gerufen. Bei Kranken spricht man:

„N. N. ist krank. Die Herzpflanze ist in Makon entsproffen, Sin riß sie aus und hat sie auf den Berg gepflanzt. Samas hat die Pflanze vom Berg herabgebracht und in die Ebene gepflanzt. Ihre Wurzel füllt den Érdboden, ihre Hörner stoßen an den Himmel; und sie hat gefaßt das Herz des Samas in seinem Hause

. hat gefaßt das Herz des Sin in den Wolken, gefaßt das Herz der Ziege in der Hürde, gefaßt das Herz des Efels in der Herde, gefaßt das Herz des Hundes im Zwinger, gefaßt das Herz des Schweines im Koben, gefaßt das Herz des Mannes in der freudenstätte, gefaßt das Herz des Mädchens in der Schlafkammer, gefaßt das Herz des N. N., Sohnes des N. Å. Wohin er sie gelegt hat, weiß er 3)."

Sehr bezeichnend ist die Gesellschaft, in die hier Sin und Samas gebracht werden. Die von Menschen erdichteten Götter müssen sich alles von ihren Meistern gefallen lassen. Wie weit in dieser Richtung foldk heidnische Gottlosigkeit und Gottvergessenheit hinabsteigen kann in den finstern Abgrund der Blasphemie, zeigen die folgenden Sprüche:

„Wind der Glut, Wind, Wind. Verwandter der Götter bist du, Wind, der du zwischen Kot und Harn ausgingst, dessen Stuhl bei den Göttern, deinen Brüder, aufgestellt ist.“

..Jch werfe einen Zauber auf die Cochter des Ea. 3ck_werfe einen Zauber auf die Tochter des Unu. Ich werfe ihn auf die Tochter der Gottheit. Weswegen, weswegen? Des Banches wegen, des Innern wegen, des Kranten wegen. Be

1) Nach Sayce bei Urquhart a. a. O. 2) Dieser und die folgenden Sprüche nach Küchler a. a. 0.

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schwörung, Zauberspruch. Rituelle Handlung: Weiße Wolle sollst du zu einem Band spinnen, sieben Knoten binden, sein binden, so wird er genesen.“

Genau so sind bis in unser 20. Jahrhundert nach Chr. die sympathetischen Heilungen beschaffen, die leider noch immer in Stadt und Land gebraucht werden. Das Glied, das mit dem Knotenband gebunden werden soll, ist selbstverständlich nicht genannt, weil die Zauberanweisung für verschiedene fälle ausreichen soll.

„Die Ziege ist gelb, gelb ist die Ziege. Im grünen Garten sind grüne Pflan. zen. Er hat ihr hingeworfen einen Zweig von Cirra. Er hat ihr hingeworfen einen Stengel von Haldapanu. Zauberspruch. Uljauttu. Zauberspruch des Ea.

. Befdwörung. Zauberspruch."

Was dann den Sinn dieses Spruches betrifft, so liegt er noch ganz im Dunkeln.

„Geift des Urufi ), der sein Zauberschiff über seinen fluß fetzen läßt, be. schwöre. Geist des Babbara, des Königs, des Richters der Götter, beschwöre. Geist der Ninni *), der auf Geheiß kein einziger von den Ununafi widerstrebt, beschwöre. Geist der Gur), der Mutter des Dugga, beschwöre. Geist des Nindar"), des Hirten der Herrscherinnen, beschwöre. Geist des Gibil, des Machthabers auf der Erde, beschwöre. Geist der sieben Tore der Erde, beschwöre. Geist der sieben Riegel der Erde, beschwöre. Geist des Nagab, des gewaltigen Torwächters der Erde, beschwöre. Geist der Rusbisa, der Gattin des Namtar, beschwöre. Geist der Gadimkurazag, der Tochter der Wassertiefe, beschwöre “).“

Hier werden zur Seite der höchsten Götter die Geister der Erdtore, Erdriegel usw. gestellt. Der Zauberer holt seine Helfer, wo er sie findet.

„Gisbarra, der Sohn des Enkimagh ), der Vernichter der Dämonen, und der Held Nindar mögen zum Schutz des Lebens zu seinen Häupten sich niederlassen. Um sein Leben zu verlängern mögen sie sich nicht von ihm trennen. Geist des Himmels beschwöre. Geist der Erde beldwöre).

„Wer bist du, Geiferhere, in deren Herzen das Wort meines Unglüds wohnt, auf deren Junge meine Verzauberung entstand, auf deren Lippen meine Vergiftung entstand, in deren fußtapfen der Tod steht? Du here, ich pace deinen Mund, ich packe deine funkelnden Augen, packe deine behenden Füße, packe deine ausschreitenden Kniee, pace deine fuchtelnden Hände, binde dir die Hände auf den Rüden. Der leuchtende Mondgott vernichte deinen Körper, werfe dich in einen Schlund von Waffer und feuer. Wie der Umkreis dieses Siegels (?) möge dein Gesicht, du Here, fahl werden und erblassen.“

Das eigentliche Gegenmittel gegen die arge Hererei, das den rhetorischen Uebungen vermutlich mit dem „Umkreis des Siegels" angegeben wird, bleibt einstweilen noch dunkel. Vielleicht ist es der Feuertod, der nach einem Prozeßverfahren an der „Rachepuppe“ vollzogen wurde.

1) Sin. 2) Iftar. 3) Bau, die Mutter Eas. 4) Ninib. 5) fr. hommel, Sem. V. u. S. I, S. 361. 6) Ea. 7) fr. hommel, Sem .V. u. S. 1, S. 393.

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