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ein toter Gegenstand und keine menschliche Handlung. Daher lautet eine Anweisung zum Gebrauch des mamit, in dem ich eine Figur oder Puppe aus Ton erkenne, wie sie auch sonst bei Beschwörungen gebraucht wurden:

„Nimm ein weißes Tuch. Darein lege das mamit und tue es in des Kranken rechte Hand. Dann nimm ein schwarzes ēndy und binde es um seine linke Hand. Ulle die bösen Geister und die Sünden, die er begangen hat, werden ihren Halt an ihm verlassen und nicht mehr zurückkehren").“

Ein Amulet, das einem kranten Kind um den Hals gehängt wurde, trägt folgende Inschrift:

„Beschwörung. Die Labartu, Tochter Unus, ist ihr Name erstens. Zweitens heißt sie Schwester der Straßengottheiten, drittens Dolch, der das Herz trifft, viertens die das Holz entzündet; fünftens Göttin, deren Anilitz fahl ist; sechstens Handlangerin der Göttin Jrnini; siebtens bei dem Namen der Götter, der Götter sei beschworen: Wie Vögel am Himmel flieg fort ?).“.

Die letzte Anrede ist an das Zahnweh, den Kopfschmerz oder ein andres Ceiden des Kindes gerichtet. Noch heute legt man auch in chriftlichen Häusern dem Kind, das mit dem Zahnen not hat, ein rotes Band mit einem Jahn oder andern Amulet um den Hals, damit das Gahnen leichter vor sich gehe. Immer wieder der alte Überglaube.

Ein Siegelamulet ist in mehreren Stücken erhalten. Die Gelehrten *) lesen seine Inschrift:

„Siegel des Urzana, des Königs von Musasir, der Stadt des Vogel Strauß, deffen Mund gleich der Schlange auf böfen Bergen geöffnet ist.“

Musafir war eine armenische Stadt. Das Reliefbild des Siegelcylinders stellt einen Genius mit vier Flügeln und Mienschenkopf dar, der einen Vogel mit schlangenartigem Hals erwürgt. Vielleicht war sold ) ein Amulett geschäßt als hilfreich gegen den Biß giftiger Schlangen.

Ein andres Relief zeigt einen Genius mit vier Flügeln, der gegen zwei Ungeheuer kämpft. Als besonders kräftig galt das Ámulet aus Üsnanstein, dem Stein der Beschwörung, der Õnade und des Vertrauens, der Krankheit wegnimmt, Ungemach fernhält. Solche Amulette wurden am Hals getragen.

Nach dem babylonischen Volksglauben stehen vor dem Tore der Hölle steinerne Stierbilder, die auch angerufen wurden, wie ein akkadisches fragment mit assyrischer Uebersekung davon Zeugnis gibt. Die Gläubigen beten also:

„Q großer Stier, sehr großer Stier, der vor den heiligen Toren stampft, und das innere auftut, Spender des Ueberflusses, der den Gott Nirba ^) unterstützt, der den angebauten feldern ihre Herrlichkeit gibt; meine reinen Hände opfern dir. Du bist der Stier, gezeugt von dem Gott Zu, und bei dem Eingang in das Grab .

1) Nach Sayce bei Urquhart a. a. O.
2) Mitteil. 1901, 9, S. 14, in andrer Uebersetzung S. 273.
3) U. Jeremias in 3. f. A., Bd. I.
4) Der Gott des Uderbaues.

trägst du. für die Ewigteit hat die Herrin des magischen Ringes dich unsterblich gemacht ')"

Von hier an ist die Tafel so beschädigt, daß nur einzelne Worte der Schrift lesbar sind, die feinen gewissen Sinn ergeben.

Hierher sind auch die Zauberfnoten zu ziehen, die je sieben auf sieben von der Here geknüpft werden, während der Leib des Kranten siebenmal mit dem Reinigungsöl gesalbt wird. Die Zauberei, die mit Knüpfen von Knoten getrieben wurde, nannte man nertu, die mit Tränken derbundene tispu.

Von den Babyloniern lernten auch die in Südbabylonien eingewanderten Aramäer, wie man durch Beschwörung die bösen Geister entweder aus ihren Wohnungen vertreibt oder sie bestimmt, sich ruhig zu ver: halten, wie man sie bindet und versiegelt. So fand man in dem bezeich neten Land verschiedene Tongefäße mit aramäischen Inschriften dieses Inhalts. Aber sie gehören sämtlich jener späteren Zeit an, wo in den babylonischen Schulen jüdische und mandäisch-gnostische Gedanken ver schmolzen wurden, wodurch die Anfänge der Kabbala entstanden ?). So liest man auf einem jener Gefäße:

...In deinem (Gottes) Namen mache ich ein Heilmittel vom Himmel dem Ushtabuj, dem Sohn des Uchathabu aus Daithos mit dem Erbarmen des Himmels. Umen. "Umen. Sela. Gebunden, gebunden, gebunden sollen sein die männlichen Beister und die weiblichen Jstarten und die bösen Geister, Mächte des Widersprudis, die fürsten des Götenhauses, die Teufel alle von West und Ost

, Nord und Süd. Bebunden, gebunden sollen sein alle bösen Zauberer und alle, die Gewalttaten ver. tiben. Gebunden und versiegelt sollen sein alle Verbannungen, Verfluchungen, Be schwörungen und Verwünschungen. Gebunden feien die Engel des Bornes, die Engel des Götzenhauses und des Irrtums, ihr alle, die gewaltigen fürsten und die barten fürsten, die zahllosen Krankheiten und Leiden, der Schwären, die Hautflechte, die Entstellung, die Krätze, der Uusschlag, schlechte flüssigkeit, die aus dem Ort des Truges in den Leib fließt, der Geist der Leichname, der Geist der Toten, der Geist der Krankheiten und der Gespenster, gebunden sollt ihr alle sein vor Ichtabuj, dem Sohn des Uchathabu. Behet und entfernt euch auf Berge und Höhen und auf das unreine Vieho). Wenn ihr am 1. Nisan kommt, geht weg von Ähtabuj, dem Sohn des Uchathabu, im Namen Gabriels, der Elpassas genannt wird, und im Namen Michaels, der Demuthja genannt wird, und im Namen Elbanmaz und im Namen Elbabaz. Beim großen Kidron und Man. Amen. Daß ihn die fliegen des Brandes nicht umgeben, und wenn sie ihn umgeben, jei dieses heilsame Werk, dieser Unblick eine Heilung und Beruhigung. Derfchaffet Ruhe dem Uchtabuj, dem Sohn des Uchathabu, von allen Bannflüchen, Verflut. ungen, Beschwörungen und Verwünschungen, vom Aussatz und von allem bösen. Umen. Umen. Sela."

Es war aber dem frommen und dem gleichgiltigen Babylonier und Affyrer bei jedem Unternehmen doch darum zu tun, zu erfahren, was die Götter dazu sagen, was ihr Wille und ihre Meinung sei?

Einst wurde der König Asurbanipal in seinem Herzen von banger Sorge bewegt. Uber seine ernsten Gedanken verscheuchte der Anblic

1) Sayce bei Urquhart a. a. O. 2) Wohlstein, 3. f. U. 1893, S. 322. Nach ihm auch die Beispiele. 3) Vergl. Matth. 8, 28. Mart. 5, 12. Euf. 8, 32.

seines Hofastrologen Nebaa, der sich vor dem Herrscher auf den Boden niederwirft. Sein Bericht lautet: ,,Glüc verheißt der Stand der Ben stirne. Mond und Sonne find am Morgen nicht mehr zusammen ge. sehn worden. Jupiter und Venus verkünden großes Unheil für Elam, Königsmord von Verwandtenhand. Des Königs Herz möge sich freuen. Größere Beute, als die Jagd ergibt, versprechen heute die Sterne." Mit diesem Gedicht kennzeichnet Bezold '), wie die Astrologie oder falsch angewandte Wissenschaft der Astronomie zur Wahrsagekunst geworden ist, die guten Gewinn abwarf. Die fragen nach dem Willen der Götter bezogen sich in den meisten Fällen darauf, welcher Tag oder Stunde für dieses oder jenes Unternehmen günstig oder glüdverheißend sei. Es war das noch lange später geübte Tagewählen, das den Hiraeliten verbotene Shonen *). Dabei handelt es sich nicht um fromme efühle oder Ver

?) langen nach der Gottheit, sondern um klingenden Gewinn im Handel, um möglichst großen Vorteil im Geschäft.

Die Antworten, die auf solche fragen von den Priestern oder Magiern erteilt wurden, Omina oder Orakel genannt, werden zum Teil auf Aussprüche alter Weisen, die noch vor der großen Flut lebten, zurüdgeführt :). Von diesen Orakeln ist uns eine große Anzahl, man sagt an 20 000, durch die Keilschriften erhalten worden. Mehrere von ihnen werden später mitgeteilt werden, wo von dem Wirken der Ustrologen besonders zu handeln ist.

Aber nicht allein aus den Sternen suchte man den Willen der Götter zu erforschen. Die Wahrsager beobachteten auch den Flug der Vögel, den Westerbau der Schwalben; sie beschauten die Eingeweide der Opfer tiere u. a.

So hat man eine aus Stein gehauene Schafleber gefunden, die mit seltsamen Linien bedeckt ist, quadratisch eingeteilt, sodaß man vermutet, hier werde eine Anweisung für die Untersuchung der Schafleber gegeben.

Jedes noch so geringfügige Ereignis wurde für den Blid in die Zukunft verwertet. Das bloße Erscheinen eines Tieres an einem Tore oder in einem Tempel hatte gewiß etwas zu bedeuten. Zeigte sich gar ein Löwe oder ein fuchs in der Nähe eines Menschen, lief eine Hyäne Hauses oder im Innern des Tempels erschienen, ob sie züngelten oder zischten; ob der Skorpion sich auf einem Ruhebett oder auf dem Weg gezeigt, ob er die Zehe eines Menschen am rechten oder linken fuß mit seinem giftigen Stachel getroffen; wie die Motten am wollenen Kleid genagt, wie die Heusdyrecken in die Häuser eindrangen, wie die fisde schwammen, und was das zweigeschwänzte Zuririttum ') anrichtete, das alles war bedeutungsvoll.

noch heute ein Hase über den Weg, erschien ein Ochre in einem Torweg, zeigte ein Hund besondere Bewegungen oder fein fell besondere Farben, begegnete einem ein Hund oder ein Kalb, brüllten die Ochsen, wieherten die Pferde, begatteten sich Schafe mit Hunden oder Schweinen, Ochsen mit Pferden, waren die Hörner der Tiere eigentümlich gebogen, alles wurde beobachtet und zum Wahrsagen benuşt“). Sehr wichtig erschienen auch die Bewegungen der Schlangen, ob sie am Eingang eines

1) B. u. N., S. 78.
2) Lev. 19, 26. Jes. 2, 6.
3) A. Jeremias, Á. T. O., S. 118.
4) Nach Bezold, B. u. N., S. 84.

Die Wahrsagepriester, baru oder barutu genannt, sahen auch auf das Wasser und in den Kelch. Hydromantie und Kiylikomantie sind schon aus der Zeit des Königs Hammurabi bezeugt. Die baru beobachteten Trinkschalen, die mit reinem Wasser gefüllt waren, hinter dem die Sonne stand. Das aufgeworfene Sesamöl zerfällt entweder in kleine aufsteigende Tropfen oder es bildet am Boden der flachen Schale eine Urt Hügel.

Die aufsteigenden Tropfen vereinigen sich an der Ober: fläche des Wassers zu einer linsenförmigen Scheibe, die eine Reihe von Farbenringen zeigt. Diese sind desto lebhafter gefärbt, je schräger das Licht darauf fällt. Dort, wo die Oelschicht am dünnsten ist, am Rand der Scheibe, erscheint sie schwarz, der erste Ring rot, der dritte grün. Jit die Oberfläche des Wassers hier und da mit Schmuß bedeckt, so wandern die farbigen Ringe und der Muttertropfen im Zentrum oder die am Hand stehenden Tochtertröpfchen oder kleine Fettaugen nach der reinen Stelle.

Das mit Macht auf das Wasser geworfene Oel sinkt in demselben zunächst auf den Boden, steigt dann in einzelnen Tropfen in die Höhe, die jich dort vereinigen und Ringe bilden können, auch Hörner oder einen Stern; oder der Gelarm ist wie eine Gurkenranke gewunden oder wie ein Schafschwanz gezadt. Auch Cuftblasen können entstehen, wenn das Oel mit Kraft auf das Wasser geworfen wird. Wieder andre Er scheinungen treten auf, wenn auf die Oelschicht andres Wasser gegosjen wird ?).

Bei der Mannigfaltigkeit der Lichterscheinungen, die in der Physik als Interferenzfarben, wo ein Lichtstrahl gespalten wird und verschieden lange Wege zurücklegt, wohl bekannt sind und von unsern Kindern an den Seifenblasen beobachtet werden, hatte die Einbildungskraft und der forschende Verstand der baru einen recht weiten Spielraum, wie unsre Jugend, wenn sie zu Neujahr flüssiges Blei in das Wasser gießt und aus den Gestalten des hartgewordenen Bleies die Zukunft oder die Schickungen des angefangenen Jahres zu erraten sucht. Aber was hier als Spielerei getrieben wird, beschäftigte den baru mit vollem Ernst.

Es gab in Babylonien und Aliyrien kein Geschäft noch Arbeit, die nicht unter dem Einfluß des Götterglaubens und damit unter den

1) Noch unbekanntes Tier. 2) Nach 6. Quinde, 3. f. A. 1904, S. 229.

Priestern gestanden hätte. Selbst das Bereiten der Ziegel aus Lehm. oder Ton hatte seine religiöse Ordnung. So bezeugt eine Inschrift des Königs Sargon:

„In dem Monat des ersten Sommers, dem Monat der königlichen Zwillinge, der der Monat des Ziegelmachers genannt wird nach dem Gesetz des Unu, Bel und Ea, des Gottes mit dem hellen Ūuge, daß Ziegel in demselben gemacht werden sollen, um eine Stadt oder ein Haus zu bauen; am Tage der Unrufung . . . . habe ich seine Ziegel streichen lassen. Dem Laban, dem Herrn der Ziegelgrundlage (darunter kann man sich nichts rechtes denken; vielleicht Ton- oder Lehmgruben?), und dem Nergal, dem Sohn des Bel, habe ich Schafe zum Opfer gebracht. Ich habe mit flöten spielen lassen und meine Hände in Anrufung erhoben."

Schon Gudea, der Patefi von Sirpurla, ließ den Ton zu seinen Ziegeln an einem reinen Ort entnehmen und die Steine am Licht der Sonne bereiten ).

Die mannigfaltigen Mittel, durch die ein babylonischer oder asiyrischer Priester eingebildete oder wirkliche Krankheiten und menschliche Leiden aller bekämpft, haben wir kennen gelernt; aber endlich siegt doch der Tod, und wir haben noch zu vernehmen, wie des Todes Reich und Macht in Babylonien und Ajiyrien verstanden wird.

Einige forscher haben die schon erwähnten Tafeln der Gnade, der Sünde und der guten Werke auf das Gericht über die abgeschiedenen Seelen bezogen und damit eine Gleichung für ähnliche Aussagen der hl. Schrift gewonnen. Aber die Vorstellungen der Babylonier und Asjyrer von dem Leben der Seelen nach dem Tode sind außerordentlich unsicher und wechselnd, ein Hinweis darauf, daß wir hier von Peiner ursprüng: lichen Ueberlieferung reden dürfen. So sind denn die Alten bei dem Blid in das finstere Todestal ganz auf ihre eigene Vorstellungskraft und Dichtung angewiesen. Jit doch uns Christen fogar troß aller Offenbarungen Gottes im alten und neuen Bund das Leben der Seele nach dem Tod oder im Todeszustand von der göttlichen Weisheit mit dichtem Schleier bedeckt worden. Wie viel weniger werden die Heiden alter und neuer Zeit davon zu sagen haben.

Wenn nun neuere Gelehrte 2) meinen, das Gilgamis-Epos sei dazii gedichtet, um über Tod und Ceben im Jenseits zu belehren und mit hoffnung der Auferstehung zu erfüllen, weil Gilgamis sowohl Richter in der Unterwelt ist als auch den jährlich neu erstehenden Sonnengott darstellt, jo können wir dem nicht beipflichten; denn wir haben in dem genannten Epos so gut wie gar nichts über das Leben im Jenseits gefunden, we. nigstens nicht mehr als in dem Märchen von der Höllenfahrt der Jftar.

h. Zimmern *) aber hält die Meinung fest, die Tafeln der Gnade und der guten Werke feien dieselben, wie die Schidsalstafel, darauf Nabu am Neujahrstag das Lebensgeschid der Menschen aufschreibt. Aber

1) K. B. III, S. 57.
2) Bczold, B. u. N., S. 110.
3) K. U. T., S. 402.

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