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bei besondern festlichteiten zur Seite des Königs oder des töniglichen Chrones einzunehmen hatten. Die Bedeutung ihres Umtsnamens ift noch dunkel. Uus ihnen wurden die obersten Heerführer des Königs erwählt, sie leiteten auch die Verwaltung des ganzen Reiches.

Ihren Gehalt empfingen alle diese Beamte nicht in barem Geld, das erst unter den perfern verbreitet wurde, sondern als sattuttu, womit auch eine Opfergabe bezeichnet wird, also Naturalien, unter denen Datteln besonders oft genannt werden, indem sie ein vorzügliches Nahrungs. mittel waren.

Die Verwaltung zerfiel in Afiyrien in zwei Hauptteile, das alte Reich und die später eroberten Länder, die ihre angestammten Fürsten nur so lange behielten, als diese den festgeseßten Tribut zahlten und im Kriegsfall ihre Streitmacht dem Großkönig zu Hilfe schidten. Der Statthalter hatte dieselben Verpflichtungen. Er mußte alle Ubgaben in Gold, Silber und Metallen, in Pferden und allerlei Vieh, Räucherwerk und dergleichen durch seine Boten, amalu enzu, einfordern und an den Große tönig abliefern. Die ihm unterstehenden assyrischen Untertanen zweiten Ranges mußten frondienste aller Urt leisten, zumal bei dem Bau öffentlicher Wege und Gebäude. Nur die freistädte entrichteten keine Abgaben.

Auch bei den Statthaltern gab es verschiedene Rangstufen. Alle hatten über die Zustände in ihren Bezirten on den Großtönig zu berichten und seine Befehle einzuholen. fiel ein unterworfenes Volt wieder ab und wurde der Tribut nicht gezahlt, so wurde ein solches Volk als im Aufruhr begriffen angefehn und behandelt, der König abgeurteilt, das Land dem assyrischen Reiche einperleibt und von Statthaltern oder Satrapen verwaltet; denn sein König hatte bei den Göttern geschworen, dem Großtönig Treue zu halten. Das Brechen aber des Eidschwures mamitu, hebr. mameh, galt als eine der schwersten Missetaten, gegen die Götter selbst gerichtet, und wurde mit ausgesuchten Martern gestraft.

Undre tönigliche Beamte waren der Rabbilub, Mapiritali, Salat, Tutulu, der Schwertträger, der Bogenspanner, die Stadtkommandanten, Hauptleute über fünfzig, Oberweingärtner, Deichvögte, Oberhirten, Zeugmeister, Obertamelhüter, Oberziegler, Generale, Wegeaufseher, Uufseher der Bauern, der Rohrpflanzungen, der Wildparte, der könig. lichen Forste u. a.).

Die Polizei hatte für die Sicherheit des Königs und des Staates zu sorgen; aber häufig war sie dann grade nicht am Plaße, wenn die Person des Königs wirtlich bedroht war, oder sie spielte gar, wie man das heute noch im nächsten Morgenland erlebt, mit den Verschworenen unter einze Dede, und die Verschwörung wurde angezeigt, wenn der König tot war.

Es gab auch geheime Polizei, die selbst über Vorgänge im Ausland dem König Bericht erstattete. So als Hosea, der leßte König von Israel,

1) Dergl. Ciele a. a. O., S. 514.

sich nach Uegypten um Hilfe gewandt hatte, war man in Assyrien alsobald von seinem Abfall unterrichtet. Er wurde zu einer Unterredung mit den Räten des Großtönigs berufen, folgte und kehrte nicht wieder in sein Reich zurüd. Er war nach der Weise der Assyrer ganz ftill beiseite geschafft worden.

Eine Affyrien eigentümliche und recht wichtige Staatseinrichtung war der sog. Limmu. Nach diesem Recht bezeichnete der König ein jedes Jahr mit dem Namen eines höheren Beamten, damit es in aller späteren Zeit nach ihm genannt werde, ähnlich wie in Griechenland die Archonten, in Rom die Konsuln dem Jahr seinen Namen gaben, daher in Griechenland die betr. Archonten Eponymoi genannt wurden. In Ujiyrien konnte der König selbst Limmu sein, in seinem ersten Res gierungsjahr mußte er es sogar sein. Diese Einrichtung war besonders für das handeltreibende Volk wichtig, da die genaue Angabe der Zeit für die Giltigkeit von Verträgen und andere Urkunden oftmals entscheidend ist. Ihr Ursprung ist dunkel. Der uralte Brauch, den die neuesten forschungen entdeckt haben wollen, der bei andrer Veranlassung schon einmal berührt wurde, soll darin bestanden haben, daß die alten Könige bereits göttliche Verehrung erfuhren, aber immer nur ein Jahr regieren durften, um dann wie ein Weisel der Bienen eines gewaltsamen Todes zu sterben. Aber dieser Brauch trägt das Zeichen der Unwahrschein lichkeit offen an sich und bringt kein Cicht in das Dunkel.

Die Limmu wurden in chronologischen Annalen aufgezeichnet, und für zweihundertachtundzwanzig Jahre ist folcher Eponymenkanon uns erhalten. Er gibt für diese Zeit einen im ganzen zuverlässigen Unhalt für die Berechnung und leistet also der Geschichtschreibung noch heute gute Dienste. Troßdem kommt es vor, daß die Regierungszeit eines Königs um fünf, zehn oder mehr Jahre verschieden bestimmt wirs. Aber manche Gelehrte halten diesen Eponymenkanon trozdem für ganz unfehlbar und bleiben, wie Oppert klagt, bei der Mode, die Aussagen der Bücher der Könige und der Chronika als ungenau zu behandeln, während grade „sie die wirkliche Grundlage unserer geschichtlichen Kenntnis über den Gegenstand find, sodaß die vermeinte feilschriftliche Chronologie sich vor der mathematischen Genauigkeit der hl. Schrift beugen muß". Jedenfalls vergessen die Gelehrten, welche die Annalen über die hl. Schrift feben, wie vielen Einfluß in Afiyrien die Parteiung, Aufruhr, Herrschsucht, Aberglauben aller Art auf die öffentlichen Ungelegenheiten und damit auch auf die Geschichtschreibung hatten.

Waren in Affyrien die obersten Beamten und Heerführer eine ftete Gefahr für den König, so in Babylonien die Magier oder Chaldäer, aus deren Mitte häufig der König hervorging, der zum Dank für seine Erhebung sich dem Willen seiner Kastenbrüder gefügig zeigen sollte.

2. Redtsleben. Die steinerne Gefeßsommlung des babylonischen Königs hammurabi, die bis 1901 nur bruchstückweise bekannt war, enthält meist strafrechtliche Bestimmungen, sodaß nur die kleinere Hälfte dem Privatrecht dient. Die Strafabmessungen dieser alten Zeit sind hart und grausam. Allgemein ist der Gebrauch der Tortur, um den Angeklagten zum Geftändnis seiner Schuld zu nötigen. Die angedrohten Strafen bestehen in Schlägen, Gefängnis, Tötung durch Ertränken, wilde Tiere ?), Schwert, Pfählung (andre sagen Kreuzigung) oder feuer. Ein Weib, das ihren Gatten hat töten lassen, wird gepfählt ?).

Die meisten Strafbestimmungen beruhen auf dem Grundsatz der Vergeltung: Auge um Auge, Zahn um Zahn, Knochen um Knochen. Der Baumeister muß sterben, deffen Bau einstürzt und den Herrn des Hauses tötet. Schlägt aber das einstürzende Haus den Sohn des Befißers tot, so muß der Sohn des Baumeisters sterben 3). Die Tötung eines Sklaven wird mit leichterer Strafe bedroht, weil er als Sache bes trachtet wird; daher kann sein Verlust durch Hingabe eines andern Sklaven gut gemacht werden *).

Ein altes sumerisches Gesek bestimmt:

„Wenn ein Aufseher einen Sklaven mißhandelt, daß dieser stirbt oder sonst zu Scaden kommt, so soll er als Milch (Entschädigung) für die verlorene Hand. arbeit (des Sklaven) für jeden Tag ein Bar Getreide geben," nämlich dem beschädigten Herrn des Sklaven.

Wird ein Vertrag gebrochen, so fällt die als Faustpfand gezahlte Summe an den Tempel. Wer Tempel- oder Krongut stiehlt, muß des Todes sterben. Wird der Räuber nicht ergriffen, so wird der Beraubte unter Eid genommen, und die Gemeinde muß den Beraubten schadlos halten 5); aber man weiß nicht, welche Gemeinde verpflichtet ist, die des Räubers oder des Beraubten?

Ist ein Schuldner zahlungsunfähig, so muß er dem Gläubiger als Sklave dienen. Jeder haftet für seine Schulden mit Eigentum, familie und eigner Person. Wie kurz Klage und Prozeßverfahren damals waren, zeigt u. a. folgende Niederschrift:

„Dillilitum sprach zu dem Richter des Königs von Babylon, Rabunaid: „Im Ab des ersten Jahres des Nergalsarujur, des Königs von Babylon, habe ich meinen Sklaven Bazuzu für 4 Mine 6 Sekel Geld an Nabuachiiddin verkauft. Einen Schein hat er erhoben, aber Geld hat er nicht gegeben.“ Die Richter forderten den Nabuachiiddin und ließen ihn vortreten. Nabuachiiddin zeigte den Rich. tern den Vertrag, den er mit Dililitum geschlossen und den Preis für Bazuzu, den e bezahlt hatte. Als Jeugen wurden die Söhne der Klägerin, Nabusumilifir und Jdillu, von dem Richter dernommen; sie bezeugten, daß ihre Mutter Dillilitum das Geld richtig empfangen habe. Die Richter 'berieten und entschieden gegex Dillilitum und gaben das Geld an Nabuadiiddin. Bei der Entscheidung dieses Rechtsstreites haben geurteilt“

1) Dan. 3, 6. 2) H. G. B. $ 153. 3) Ebenda § 229 u. 230. 4) Ebenda ş 231. 5) Ebenda 23.

Nun folgen die Namen der Richter und der Schreiber und das Datum:

„am 12. sebat des ersten Jahres des Nabunaid.“

Es wurde die Grundlosigkeit der Klage schnell offenbar, da die eignen Söhne der Klägerin die Zahlung des Beldes bezeugten.

Oder es heißt:

„Entscheidung des Usuryallim und des Salmuase betr. des Sulmueres, des Sklaven des Usurfallim. Sie klagten und traten vor Nirisar, den Richter. Ueber ein einhalb Minen Silber entschied der Richter. Wenn einer gegen den ander tlagt, soll er_zehn Minen Silber geben an Usur, den Herrn feines Rechtsftreites. Im Monat Tammuz des Jahres des Limmu Afurgimillitar ')."

In assyrischen Entscheidungen ist der Tatbestand nicht so klar dargestellt wie in den babylonischen. Man vergleiche nur die folgende dunkle Entscheidung des Nabuachiiddin betr. Kanunis, des Verwalters:

Im Monat Tebet wird Adadbelrijua an die Stelle der Sulmui treten. Seine Stladin ging fort. Wenn er nicht kommt, so soll Sulmui eine Sklavin für die Sklavin stellen. Nabuachiiddin ist Bürge, daß die Sulmui bis zum 1. Tebet dieses tut. Wenn sie das Weib nicht liefert, jo fou Nabuachiiddin an den Kanuni eine Sklapin anstatt dieser Sklavin ftellen."

folgen die Namen der Zeugen. Datum:
„Den 20.

... des Jahres des Limmu Marduksarusur.“ In der Tat ist solch eine richterliche Entscheidung ohne besondere Erläuterung nicht zu verstehn.

Ob Hammurabis Gefeße oder andre uns bekannte babylonische Rechte auch in Affyrien zur Geltung und Anwendung gekommen sind. war eine ungelöfte frage, bis in der Bibliothek Usurbanipals Gesekesformeln in sumerischer und assyrischer Sprache gefunden wurden, dazu noch Verträge aus der Zeit Hammurabis und ganze Stüde aus dessen Gesetzsammlung, die, wenn nicht mit einem Male, so doch nach und nach auch in Affyrien Geltung erlangte und schriftlich wie mündlich von Gea schlecht zu Geschlecht fortgepflanzt wurde ?).

Die affyrischen Rechtsausdrüde find aber nicht von den Babyloniern entlehnt ?), ein Zeichen, daß neben den babylonischen Gefeßen auch eine eigne" afiyrische Rechtsentwidlung vor sich ging. Uuch in Babylonien waren schon vor dem Koder Hammurabis Gefeße gesammelt worden,

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wie die s umerischen Hausgereße "), die bei ihrem geringen Umfang hier mitgeteilt werden können:

„für immer, für die Zulunft. 1. Wenn ein Sohn zu seinem Vater sagt „du bist nicht mein Vater", so soll er ihm die Narbe (das Zeichen des Sllaven) schneiden, ihn zum Sklaven machen und für Geld verkaufen. 2. Wenn ein Sohn zu seiner Mutter sagt „du bist nicht meine Mutter“, so soll man ihm die Narbe schneiden, ihn in der Stadt herumführen und aus dem Hause vertreiben. 3. Wenn ein Vater zu seinem Sohn sagt „du bist nicht mein Sohn“, so muß er (der Sohn) Haus und Hof verlassen (denn der Vater wird wohl wissen, warum er das sagte). 4. Wenn eine Mutter zu ihrem Sohn sagt „du bist nicht mein Sohn“, so muß er (der Sohn) Haus und Hausgeräte verlassen. 5. Wenn eine Ehefrau fich von ihrem Ehemann lossagt und sagt du bist nicht mein Mann“, so soll man sie in den Fluß werfen. 6. Wenn ein Ehemann zu seiner Ehefrau sagt „du bist nicht meine frau", Yo soll er eine halbe Mine Silber zahlen. 2. Wenn jemand einen Stlaven mietet, und (dieser) stirbt, kommt abhanden, entlauft, wird eingesperrt oder erfranft. jo foll er als Milch (Entschädigung) für ihn täglich ein Bar (kleines Maß) Getreide erlegen )."

Andere altbabylonische Geseße sind uns in neubabylonischer fasfung erhalten, aber nur acht von den fünfzehn Säßen sind gut erhalten, die andern sind durch Verstümmelung unlesbar geworden:

„Ein Mann, der die Tafel des feldbesitzers und die Urkunde auf einen andern Namen gesiegelt und dabei weder einen Vertrag der Vollmacht abgeschloffen noch eine Abschrift der Cafel genommen hat, der Mann, auf dessen Namen Tafel und Urkunde geschrieben sind, wird jenes feld oder haus nehmen. 2. Wenn ein Mann eine Sklavin für Geld verkauft, während Zugrecht für sie vorlag, und sie weggeführt wird, so soll der Verkäufer gemäß dem Schein das Geld dem Käufer erstatten. Hat fie Kinder geboren, wird er für jedes einen halben Sefel Silber geben. 3. Wenn jemand seine Tochter dem Sohn eines andern gibt, und der Vater alles, was er in der Urkunde angegeben hat, (gibt), und sie haben gegenseitig eine Urkunde aus. gestellt, so können sie ihre Urkunde nicht ungiltig machen. Der Vater fann Vor. behalt auf irgend etwas, worüber er seinem Sohn den Vertrag ausgestellt hat, und den er seinem Schwäher gezeigt, nicht machen. Wenn die Ehefrau des Vaters stirbt. er eine zweite frau nimmt, diese ihm Kinder gebiert, so sollen die Kinder der zwei. ten frau ein Drittel vom Rest seines Dermögens erhalten. 4. Ein Mann, der seiner Tochter ein Mitgift dersprochen oder urtundlich verschrieben hat, dessen Vermögen fich aber hernach verringerte, sou die Mitgift gemäß dem Vermögen, das ihm geblieben ist, seiner Tochter geben, ohne daß Schwiegervater und Schwiegersohn beiderseitig Ungiltigkeitsflage erheben können. 5. Wenn jemand seiner Tochter eine Mitgift gegeben hat, und fie stirbt, ehe sie Sohn oder Cochter geboren hat, so fällt ihre Mitgift an das Haus ihres Vaters zurüd, 6. Eine Frau, deren Mitgift ihr Mann empfangen hat, aber er stirbt, ehe sie Sohn oder Tochter geboren hat, so foll man ihr die Mitgift vom Vermögen ihres Mannes underkürzt geben. Wenn der Mann ihr Geschenke gegeben hat, so soll sie die Gescente ihres Iñanes samt ihrer Mitgift nehmen und forttragen. Wenn sie teine Mitgift gehabt hatte, soll der Richter das Dermögen des Mannes berechnen, um ihr gemäß dem Vermögen des Mannes etwas zu geben. 2. Wenn jemand eine frau nimmt, und sie ihm Kinder gebiert, dann aber der Mann stirbt, und diese frau in eines andern Haus einzutreten beschließt, jo foll sie die Mitgift, die sie aus ihrem Vaterhaus gebracht und alles, was der Mann ihr geschentt hat, erhalten, und der Mann ihres Herzens sie heiraten. So lange sie lebt, soll sie Unterhalt nebst . ... dort erhalten. Wenn sie (ihrem) Manne Kinder (gebiert), so follen nach ihrem Code ihre Kinder und die früheren Kinder ihre Mitgift (erhalten) ... Der Reft dieser Tafel ift perdorben und unleser

1) H. Windler, G. h. S, 43. 2) Vergl. S. 295.

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