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So werden äußere und innerliche Bedingungen der Ereignisse und Zustände nicht außer acht gelassen, wie von manchem geschieht, der folches tadelt.

Wie aber Hammurabi, von dem Krieg im Westland zurückgekehrt, den Krieg mit Élam aufnahm und sein Land frei machte, darüber schweigen die Urkunden; aber wir dürfen erkennen, das dieser Mann nach beiden Seiten hervorragendes leistete. Er war der König, der „das Land der Elamiter, der Widersacher, niederwirft“, der aber auch „die Kämpfe zur Ruhe bringt, der die Aufruhrstämme zur Sättigung führt, der die Streiter vernichtet wie ein Bild aus Ton, der da öffnet die Unwegsamkeit unzulänglicher Berge“. So schildert Hammurabi selbst seine Tätigkeit in Krieg und frieden.

Unter ihm hielt die Gründung von Städten mit der Ausdehnung und Verbesserung des Aderbaues gleichen Schritt. Aber die Viehhirten wurden von allen Seiten bedrängt, das Weiden der Schafe und Rinder besonders durch die vielen Kanäle, die mehr und mehr das Land nach? allen Seiten durchschnitten, sehr erschwert "), wenn nicht unmöglich gemnacht. Der König läßt darüber auf mehreren Tafeln berichten. Die erste Inschrift nämlid, lautet weiter :

„Ich erhöhte die Mauer von Sippar mit Erdmassen wie einen großen Berg. Mit Rohrdidicht umgab ich sie. Den Kanal udkipnun (aradhtu?) grub ich nach Sippar hin und errichtete für denselben einen Sicherheitsdeich.“

Auf einer Alabastertafel ließ der König schreiben:

„Hammurabi, der mächtige König, König von Babel, König der vier Welt. gegenden, der den Sieg Marduks gewinnt, der Hirte, der das Herz dieses Bottes crfreut, bin ich. Als die Götter El und Bel (mir) das Volk von Sumer und Akkad zu beherrschen verliehen, mich mit der Oberhoheit über sie belehnten, grub id den Kanal Nar Hammurabi, den Segen des Volkes, welcher dem Volt von Sumer und Utkad Wasser in fülle zuführt. Seine Ufer zu beiden Seiten bestimmte ich für die Emährung, indem ich Scheffel von Korn ausgos. Ihre zahlreichen Scharen versammelte ich. Was ihnen zur Speise und Trank dienen sollte, übergab ich ihnen. Mit Segen und Ueberfluß beschenfte ich sie, in behaglicher Wohnung ließ ich sie wohnen.“

Wenn hier Hammurabi sich einen Hirten nennt, so wird ein Ehrentitel gewonnen, wenn der entsprechende Allgemeinberuf mehr und mehr aufhört. Doch gab es zu seiner Zeit noch einige Hirten alten Schlages wie in Gubrun am Jdinnafluß, andre am Uggimdufluß, andre auch in der Gegend von Carsa und Girsu ?). Die Inschrift fährt fort:

„Folgendes tun wir fund und zu wissen. Hammurabi, der starke König, der Verehrer der großen Götter, bin ich. Mit Hilfe der gewaltigen Kräfte, die Marduk mir verliehen, erbaute ich ein hohes Schloß mit großen Türmen, deren Spitzen bergegleich emporragen, am Ausgang des Nar Hammurabi, des Segens des Volfes. Dieses Schloß nannte ich „Schloß des Sinmuballit“, des Vaters, meines Erzeugers. Zu Ehren des Sinmuballit, meines Erzeugers, legte ich seinen Grund nach den himmelsgegenden."

1) H. Windler, B. u. U., S. 305.
2) fr. hommel, Grundriß, S. 288.

Das Wasser der Ströme Euphrat und Tigris, das in diesen Kanälen weithin durch das meist ebene Land geleitet wurde, das den fleiß des Landmanns mit hundertfältiger Ernte belohnte, konnte auch verderblich wirken; wie das Beispiel der Stadt Umlias beweist, die im Monat Arachjamna durch eine Ueberschwemmung des Tigris zerstört wurde. Da dieser Strom mit seinem starken fall besonders gefährlich war, ließ Hammurabi an seinen Ufern Dämme oder Deiche anlegen, Karajamas genannt.

Daß ein Teil der in Babylonien aus Arabien eingewanderten Se. miten wieder auswanderte und sich unter Tharah und Abram eine neue Heimat suchte, ist bereits erwähnt worden. 'An dieser Tatsache haben, wie wir fahen mehrfache Gründe mitgewirkt, vor allem die Hebung des Uderbaues unter der Regierung Hammurabis. Uber ein A&erbau treibendes Voll ist feßhaft und muß feßhaft sein. Ein feßhaftes Volk schafft sich bald bestimmte Gefeße. Die Freiheit des Einzelnen wird zum Wohl des Ganzen beschränkt. Aber solcher Beschränkung geht der freiheit liebende Komade aus dem Wege. Und noch eins. hatten die einge. wanderten Semiten nicht nur die Neigung zum Gößendienst, sondern auch diesen selbst mitgebracht, wie auch die Stammesgenossen Ábrams andern Göttern dienten '), so trafen sie diesen Abfall von dem lebendigen Gott bei dem unterworfenen Voll von Sumer und Aftad schon voll. zogen, sodaß dem, der nicht an dem volkstümlichen Dienst der fast unzähligen babylonischen Götter teilnehmen wollte, nichts andres übrig blieb, als diese zweite Heimat zu verlassen und sich eine dritte zu suchen.

Auch Hammurabi war wie sein Volt groß im Aberglauben. Er baute Ebarra, den Tempel des Samas, wieder auf, nachdem derselbe durch die Gewalt der Winde und Regenstürme zu fall gebracht war. Darüber hat der König Nabunaid aufzeichnen lassen:

„Der Grundstein von dem Hause des Gottes Samas und der Ui ward wieder gefunden, und die Mauern kamen zum Vorschein. Die Schrift des Namens von Hammurabi, des alten Königs, der 700 Jahre vor Burnaburias Ebarra erbaut und den Stufenturm für Samas errichtet hatte, sah ich. Da erschraf ich, und Schrecken überfiel mich, ich erhob meine Hände und betete.

Uuch den Tempel des Jamama in Kis, Emeteursag genannt, und den der Jstar ließ der König erneuern.

Erst im 31. Jahre seiner Regierung war es Hammurabi gelungen, in einem siegreichen Krieg gegen Jamutbal ?), den König von Elam, das vereinigte Babylonien unabhängig zu machen; und in diese nun folgende friedenszeit wird das größte Kulturwerk des großen Königs fallen, seine Gesetgebung. Wie wir bereits bemerkten, war das familienrecht der Sumero - Akkadier bereits aufgezeichnet. Hammurabi aber sammelte alle für die beiden nun verschmolzenen Völter, die Sumero

1) Jos. 24, 2. 3) Ändere erklären J. für einen Teil von Elam.

UMadier und die Semiten, geltenden Rechte, wie sie in den 7 Jahrhun. derten ihres Zusammenlebens ausgebildet waren, und ließ sie zum ewigen Gedächtnis und unauslöschlicher Geltung auf Felsen schreiben ?). Einer derselben, der uns erhalten ist, trägt zum Zeugnis über die dide finsternis, die auch auf diesen Heiden lag, die Gestalt eines Phallus ?). Dieser Diorit-felsbloď wurde, wir wissen nicht wie lange nach seiner Beschreibung und Aufrichtung, von Elamitern, die ihn vermutlich für ein Götterbild hielten, aus Erech geraubt und nach Elam gebracht, wo er bis zum Jahr 1901 unter Schutt verborgen gelegen hat, wohl gegen 3000 Jahre oder gar noch länger! Da fand ihn J. de Morgan. 44 Zeilen laufen auf ihm senkrecht von oben nach unten, 16 auf der Vorderseite, 28 auf der Rüdseite. Eine französische Ueberseßung gab P. V. Scheil, eine deutsche Professor H. Winckler heraus. Auf dem Stein ist auch ein Bild in Hautrelief ausgemeißelt, das nach einigen Forschern Marduk, nach andern Samas als den Gott darstellt, der die „Rolle des Gesekes" an Hammurabi darreicht. Dabei wird ganz vergessen, daß es in Babylon feine Schriftrollen, sondern nur Tafeln und Prismen, Cylinder, allerlei Gefäße und Felsen gibt, auf die man schreibt, nur keine Papyrus- oder Pergamentrollen. Aber sollte es nicht möglich sein, daß weder Marduk noch Samas, sondern hammurabi selbst in der sigenden Gestalt abgebildet ist

, der seinen Herrscherstab oder Szepter dem Gehorsam pflichtigen Untertan entgegenstredt. J. Jeremias ?) hält das Bild für den Gott Samas, der in seiner rechten Hand einen Schreibgriffel und einen freisförmigen Gegenstand hält. Also erfährt das undeutliche Bild mehrfache Deutungen.

Es gab aber, wie oben erwähnt, mehrere folcher Steine mit Ge. sebesinschriften und auch Abschriften dieser Geseke auf Tafeln, wie solche wenigstens in Bruchstücken uns erhalten sind, noch aus der Zeit des Königs Asurbanipal.

In der Einleitung oder Uebersicht dieser Geseke nehmen des Königs Titel und Taten den größten Raum ein. Ihn haben die hehren Götter Unu und Bel berufen, ihn, der Reichtum und Ueberfluß über sein Volk ausschüttet, daß er wie die Sonne die Schwarzköpfigen erleuchte" 4). Mit diesem Schmeichelwort scheint der König alle seine Untertanen zusammen zu begreifen; aber ist er nicht selbst ein Schwarzkopf gewesen? Doch stolz wie die Sonne schaut er vom hohen Königsthron auf das gemeine Volk herab.

Er nennt sich den tapfern König, der die vier Weltgegenden bekämpfte, der den Namen Babels groß machte, der Ur bereicherte. Unu,

1) Nach H. Winckler. 6. d. H., S. 7 wurden mehrere beschrieben.
2) u. Jeremias, U. T. O., Ś. 262.
3) M. u. H., S. 4.
4) Die Worter. lauten: nisi falmat faktadu.

der erhabene, der König der Anunaki, der Geister der unteren dunkeln Welt, und Bel, der Herr von Himmel und Erde, der das Schiksal des Landes feftfeßt, hatten Marduk, dem Herrschersohn Eas, die Herrschaft über die irdische Menschheit zuerteilt und unter den Igigi, den Geistern der oberen lichten Welt, ihn groß gemacht und in Babel ein ewiges Königtum begründet, dessen Grundlagen wie Himmel und Erde feftgelegt sind. Dieser Mardul ist es, der den Hammurabi sandte die Menschen zu regieren, dem Land Rechtsschuß zu teil werden zu lassen; und er legte Recht und Gerechtigkeit in den Mund der Leute und schuf das Wohlbefinden seiner Untertanen.

Vermutlich will der König hier sagen, daß er seine Untertanen diese Gefeße auswendig lernen und hersagen ließ, worin spätere Gefeßgeber ihm klugerweise nachgefolgt find, ihre Gefeße volkstümlich und dauerhaft zu machen. Dies fonnte in Babel um so leichter erreicht werden, als diese Gefeße wahrscheinlich aus den Annalen eines Gerichtshofes stammen und zwar eines höheren Gerichtes, dessen Entscheidungen auf fichrer babylonischer Rechtsgewohnheit beruhten. Sicher find fie nicht aus Spekulation hervorgegangen ").

Der erste Saß dieser ältesten Gesetzsammlung der Welt lautet nach H. Windler:

„Wenn jemand einen andern umstridt, einen Bann auf ihn wirft, es aber nicht beweisen tann, so foll der, der ihn umstridt hat, getötet werden."

Umstriden oder den Bann auf jemand werfen bedeutet gegen je. mand Jauberei gebrauchen. Von dieser Geheimkunft gab es in Babylonien hauptsächlich zwei Arten, nertu und kispu genannt. Bei der einen wird der Zauber durch geknüpfte Knoten, bei der andern durch einen Tranf bewirkt, wovon im 7. Abschnitt des weiteren gehandelt wird. Bezeichnend ist für den einzigen babylonischen Gefeßeskoder, denn von einem ,,Buch" kann man hier doch nicht sprechen, daß er sogleich mit dem heidnischen Aberglauben der Zauberei beginnt, aber nicht um ihn zu verbieten, sondern um sich mit ihm auseinander zu seßen, weil wohl seine zeitweise Ehrlosigkeit und Gefährlichkeit, aber nicht seine Gottwidrigkeit und Unsittlichkeit erkannt ist.

Der zweite Saß ordnet eine Art von Gottesurteil an und läßt an der Zauberei etwas ehrenrühriges erkennen. Er lautet:

„Wenn jemand einem andern Zauberei vorwirft, es aber nicht beweisen fann, und derjenige, dem die Zauberei vorgeworfen ist, zum fluß geht und in den Fluß springt; wenn der fluß ihn verschlingt, so soll der, der ihn bezichtigt hat, sein Haus in Besitz nehmen. Wenn aber der Fluß jenen für unschuldig erweist

, und er under. sehrt bleibt, so soll der, der ihm die Zauberei vorgeworfen hat, getötet werden, und der, der in den Fluß gesprungen ist, soll das Haus seines Verleumders in Besitz nehmen."

1) Dergl. J. Jeremias, M. u. H., S. 11.

Dies ist offenbar ein sehr bedentliche Bestimmung, wodurch nicht wenige zum Vorwurf der Zauberei verleitet werden mußten, weil ein großer Vorteil in Aussicht gestellt war, wenn der Fluß so wollte.

Der 3., 4. und 5. Saß handeln von dem Zeugnis vor Gericht und bestimmen die Strafe für ein fehlerhaftes Urteil des Prozeßrichters. Es wurde aber das Amt des Richters von dem Priesteramt eingeschlossen, oder es traten die Aeltesten (fibu gen. hebr. sekenim) in diese Tätigkeit ein, die für gewöhnlich nur als Zeugen oder Sachverständige beteiligt waren "). Der 6. Saß lautet:

„Wenn jemand Besitz von Gott oder Hof stiehlt, so soll er getötet werden.“

Wenn hier fein einzelner Göße oder Gößentempel als Eigentümer genannt, sondern oon Gottesbesit d. h. von heiligem, für den Gottes. dienst abgesonderten Besitz im allgemeinen geredet wird, so läßt sich hier sehr wohl eine Spur des Monotheismus erbliden, der auch bei den Sumero-Akkadiern die ursprüngliche Religion war. Schwört man doch in dieser Zeit nicht bei einer der vielen Gottheiten, sondern bei Gott allein oder früher bei Gott und dem König 2). Man vergleiche die Säße 20. 103. 107. 121. Hier liegt ein zweiter Beweis des ursprüng. lichen Monotheismus vor.

Zu bemerken ist noch, daß zunächst hier nicht der Diebstahl im allgemeinen mit Strafe bedroht wird, sondern nur der qualifizierte, der den Besitz der Tempel oder des Königs angreift. Erst die folgenden Säße bis 41 handeln von dem Diebstahl andrer Art und feßen die Strafen dafür fest; dann von verlorenem Gut, von Kauf und Verkauf der Sklaven, von Raub u. a. m.

Einen Einblic in den babylonischen Gerechtigkeitssinn gewährt der 25. Sak:

„Wenn im Hause jemandes feuer ausbricht, und jemand, der zu löschen kommt, auf das Eigentum des Herrn sein Uuge wirft und das Eigentum des Haus. hernn nimmt, jo foll er in dasselbe feuer geworfen werden.“

Es ist gemeint, daß der Dieb in flagranti ertappt wird. Aber er hatte immer die Ausrede, daß er das ergriffene Gut ,,retten“ wollte.

Der 26. Saß bedroht den Untertan . der sich dem Kriegsdienst entzieht, mit Todesstrafe. Ein folder beschädigt durch seine Fahnenflucht das Reich, den König. Demnach war der Kriegsdienst eine Pflicht sämtlicher freier Männer, wie auch sonst im alten Orient und Occident, während die Sklaven von dieser Leistung befreit waren. Die Alten waren flug genug, nicht nur die Gefahr zu erkennen, die in der Bewaffnung und Waffenübung der Sklaven lag, sondern sie sorgten auch mit dieser Maßregel für Akerbau, Handwerk, Gewerbe und Handel, daß diese im Kriegsfall ohne Unterbrechung von den Sklaven weitergeführt

1) Vergl. J. Jeremias, M. u. H., S. 32.
2 h. Windler, Bab. u. ., S. 27, Anm.

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