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bluttriefend (s. Münter, Gesch. d. Einf. d. Christ. in Dän. u. Norw. I, p. 437). In dieser Poesie des Mordes ist der religiöse Anklang charakteristisch. Gibbon bemerkt mit Recht, dass die Religion der Germanen weit eher zur Entflammung, als zur Mässigung ihrer Leidenschaften beitrug (decl. and fall II, p. 254). Odin ist es, der Fürsten verfeindet und dem Frieden wehrt. Da schleuderte Odin den Spiess ins Volk, da wurde Mord in der Welt zuerst," heisst es in der Edda.

Turner erwähnt des Lodbrokar-Quida, als eines Gedichtes, in welchem der fürchterlichsten Einzelheiten menschlicher Grausamkeit mit Entzücken gedacht wird.

Solche Anschauungen hatte Adam von Bremen vor Augen, als er schrieb: Die Dänen haben viele Eigenthümlichkeiten, welche sowohl dem Gesetz, als der Sitte und dem Recht und der Billigkeit zuwiderlaufen (IV, 6).

Mallet sagt über die alten Dänen: sie hatten eine Vorstellungsweise, welche der unsrigen gerade entgegengesetzt ist. Sie gingen von dem Princip der Ungleichheit der Menschen aus, wie unsere Rechtsgelehrten von dem ihrer Gleichheit, und folgerten, dass die Schwachen kein Recht hätten auf das, was sie nicht vertheidigen könnten (Intr. à l'hist. de Dan. p. 130).

Aehnlich Dahlmann von den alten Isländern: wenn einem der Neuanbauer in Island das Ackerloos seines Nachbarn besser gefiel, als das seine, so forderte er ihn zum Zweikampf und trat, wenn dieser ihn abschlug, in den rechtlichen Besitz des Begehrten ein (Gesch. v. Dån. I, p. 157). Zum Beispiel: Isofr hiess ein Mann. Er kam hierher (nach Island) nach der Zeit des Landnehmens und forderte von Vilbaldr sein Land oder den Zweikampf. Vilbaldr wollte aber nicht kämpfen und zog von Buland ab. Hallkell fuhr nach Island und forderte von Grimr sein Land oder den Zweikampf. Grimr ging mit Hallkell zum Zweikampf und fiel da (aus Landns. cit. bei Maurer, Entst. d. Isl. Staats p. 52). Dieselbe Anschauung findet sich bei den Dogrips und andern nordamerikanischen Stämmen, wo die Frauen das Eigenthum des Stärkern sind. Man nimmt dort an, dass jeder Mann das gesetzliche und sittliche Recht hat, sich die Frau eines schwächern Mannes anzueignen (Lubbock, Vorgeschichtl. Zeit p. 219).

Bekannt ist des Pomponius Mela „jus in viribus habent“. Auch wir sagen: „Macht ist Recht, Macht geht vor Recht", aber in einem wesentlich andern Sinn. Wir meinen: Macht ist, sittlich betrachtet, nicht Recht, sollte nicht Recht sein. Aber, wie die Welt nun einmal ist, thatsächlich geht Macht vor Recht. Somit beträfe die Verschiedenheit zwischen heute und damals weniger den Thatbestand, als seine Beurtheilung

Konsequenterweise sind anfangs nur Reiche und Mächtige unsterblich, während die Geringen entweder gar keine oder nur eine untergeordnete Fortdauer haben. In der Ynlingasaga sagt Odin: mit soviel Gütern würde jeder nach Walhall kommen, als er auf dem Scheiterhaufen gehabt habe (cap. VII). Man musste, bemerkt Wilhelm Müller, in Walhall, wollte man geehrt sein, mit Gefolge erscheinen und Schätze mitbringen, welche deshalb dem Todten mit ins Grab gegeben wurden (Altd. Religion p. 409). Alle Vornehmen, sagt Mariner von den Bewohnern Tonga Islands, haben Seelen, welche nach dem Tode in Bolotoo wohnen, nicht nach Maassgabe ihres moralischen Verdienstes, sondern nach ihrem Rang in dieser Welt. Aber die Geringen haben entweder gar keine Seelen oder sterbliche. Als Mariner ihnen Einiges von der christlichen Lehre über die ewigen Strafen sagte, erwiderten sie: sehr schlimm in der That für die Papala ngies, d. i. Europäer (T. Jsl. II. p. 99). Auch die Natchez behielten sich ganz allein das Recht vor, in die Sonne, woher sie entsprungen, zurückzukehren. Die Unterthanen, welche sie die Stinkenden nannten, überliessen sie ihrem Schicksal. Aehnliche Begriffe haben die Bewohner von Ota heite: Nur die Seelen der Häupter versammeln sich in der Sonne, wo sie Brodfrüchte, Hunde- und Schweinefleisch, gehörig zubereitet, im Ueberfluss vorfinden. Die Seelen der Leibeigenen hingegen wandern in Thiere oder werden von Vögeln verzehrt oder kommen sonst um (Meiners, Gesch. d. Rel. II, p. 770). Ebenso ist bei den Sumatranen die Fortdauer nach dem Tode ein Privilegium der Vornehmen. Auch die alten Preussen glaubten, dass, wenn Jemand in diesem Leben vornehm oder gering, reich oder arm, mächtig oder schwach sei, er dasselbe nach der Auferstehung im Jenseits sein würde (Gesch. Preuss. v. Joh. Voigt I, p. 572).

Solche Völker würden sagen: es ist leichter, dass ein Tau durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Armer ins Himmelreich kommt.

Mit dieser, so zu sagen, moralischen Klassifikation der Menschen in Vornehme und Geringe, Mächtige und Schwache stimmt es überein, dass die älteste Bedeutung des Wortes „gut“ vornehm, mächtig, reich, diejenige des Wortes „schlecht" gering, schwach, arm ist. So sagt P. E. Müller in seiner isländischen Historiographie: „Einige von den guten d. h. wohlhabenden Bauern konnten dem Goden auf dem Thing starken Widerstand leisten.“ Nicht anders im griechischen Alterthum. Der Ausdruck gut, bemerkt Grote, bezeichnet in seiner ältesten Bedeutung den Mann von Geburt, Reichthum, Ansehen, dessen Arm Kraft hat, zu vernichten oder zu beschützen, während das entgegengesetzte Epitheton den Armen, Geringen, Schwachen bezeichnet. Die Beziehung dieser Ausdrücke auf die Macht, nicht auf den Werth ist ihr ältester Sinn in der griechischen Sprache (history of Gr. II. p. 86. cf. Welcker, Theognidis Reliquiae, Proleg. p. XXII, Camerarius ad v. 19 (53): Σημειωτέον, ότι τους έσθλους ως επί πλείστον, καθάπερ οι άλλοι τους αγαθούς, λέγει ο ποιητής τους δυνάμει τε και πλούτο περιβλέπτους και επ' ανδρία μάλιστα έπαινον και τιμήν έσχηκότας ώσπερ δειλους και κακούς τους ταπεινούς και ακτήμονας και ατίμους, εν οις και πλείστον το πονηρόν ένεστι).

Ueberhaupt sind die Anschauungen des heroischen Zeitalters der Griechen der hier geschilderten Denkweise nicht unähnlich. Grote charakterisirt dieselben durch einen Vergleich mit den Thraciern einerseits und dem historischen Griechenland andererseits: Die Thracier verkauften ihre Kinder als Sklaven, betrachteten Räuberei nicht blos als zulässig, sondern als die einzig ehrenvolle Art zu leben und vor allem fühlten sie Entzücken bei zwecklosem Blutvergiessen. So waren die Thracier zur Zeit des Thucydides und Herodot, und das homerische Zeitalter steht in der Mitte zwischen der Bildungsstufe, welche diese beiden Geschichtsforscher noch in Thracien sahen und derjenigen, auf welcher sie ihre eigenen civilisirten Landsleute erblickten. Abgesehen indessen von der Wirksamkeit einiger Privatverbindungen (der Verbindlichkeit gegen Freunde, Gastfreunde, Schutzflehende, Verwandte) begegnen wir in der homerischen Gesellschaft kaum irgend welchen sittlichen Mächten. Die berichteten Thaten und Abenteuer setzen eine Gemeinschaft voraus, in welcher Wildheit, Raublust und die aggressiven Neigungen überhaupt durch keine Gewissensscrupeln (internal counterbalancing scruples) aufgehalten werden. Wilde Brutalitäten werden mit offenbarer Gleichgültigkeit bewunderten Helden zugeschrieben. Die Berühmtheit des Autolykus in der Laufbahn der Räuberei und des Eidbruchs werden mit derselben unaffektirten Bewunderung erzählt, wie die Weisheit Nestors oder die Stärke des Ajax. Homers Hymnus auf Hermes zeigt die Bewunderung, welche man berühmten Dieben zollte. Der Beruf eines Seeräubers ist anerkannt und ehrenvoll, sodass ein Wirth, welcher seinen Gast nach dem Zweck der Reise fragt, Bereicherung durch Seeräuberei unter den Zwecken aufzählt, welche seinem Geist in ungezwungener Weise sich darbieten. Es existirt keine Verpflichtung des Menschen gegen den Menschen als solchen. Gesinnungen dieser Art findet man weder in der wirklichen Welt, noch in der Phantasie der Dichter (hist. of Greece II, p. 107, 119).

§ 10.

Folgerungen. Die Meinung der Philosophen, dass ein Bewusstsein, welches Grausamkeit tadelt, Wohlwollen lobt, in allen Menschen vorhanden sei, ist demnach falsch. Wenn Mackintosh sagt: es existirt kein Mensch, der nicht mit mehr Befriedigung auf Akte des Wohlwollens blickte, als auf Akte der Grausamkeit,

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