Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub

Annahme einer Geldentschädigung bewogen hatten (Loi sal. p. 622).

8

8 Der dänische Gelehrte Calonius macht eine wichtige Unterscheidung zwischen zwei Arten der „Friedlosigkeit“: 1) Die ältere. Sie ist keine Strafe, sondern beabsichtigt nur, den Thäter aus dem Gesichtskreis des Rächers zu entfernen, damit, nachdem die Wuth desselben sich einigermassen besänftigt hat, an die Stelle der Rache ihre Beilegung durch Geld treten möchte. 2) Die jüngere. Sie proscribirt, bestraft den Thäter. Calonius sagt: Sciendum ergo, primis nostratium haud secus ac ceterarum barbararum gentium legislatoribus, id in praecipua quadam cura elaborandum fuisse, ut reprimeretur et tepesceret sensim vehementissima, quam homines, e statu. naturali in civitatem ineuntes, in hanc secum attulerant privatae ultionis exercendae rabies. Nachdem er dann aus einander gesetzt hat, dass dies schwer zu erreichen war, weil es für schimpflich galt, auf seine Rache Verzicht zu leisten und statt ihrer Geld zu nehmen, fährt er fort: Cum actor ad recipiendam mulctam cogi non posset, sanguinaria autem judicia exercere in legum nondum esset potestate hoc unum reliquum erat, ut causam inter partes armis disceptandam permitterent. Atque inde ad seriora tempora in jure nostro superstites manserunt formulae: tha a Malsäghandin vald hvat han will hälder hämna äller widh botum taka, IX 2 ManhBl. UplL. Quia tamen occasiones restaurandae cruentae scenae removendas putarent, reum pacis intra id in quo deliquerat territorium respectu actoris ejusque propinquorum expertem pronunciabant (tha skal han fridhlös fara um alt thet thingmötit, sum han war fridhlös giör a, ok egh widharin, III 3 DrBl. ÖGL. Ugildi firi rättum arwum, V 6 ibid.) et in exilium non quidem in peregrinas regiones sed extra territorii fines ire jusserant, quo sic ab una parte actor, praerepta sibi ulciscendi opportunitate, ad sedatiorem paullatim mentem rediret, et compositioni admittendae faciliores praeberet aures, ab altera vero reus, si prius transactionem recusasset taedio exilii et familiae suae invisendae desiderio ad pacem petendain et mulctam stipulandam adduceretur. Interim hic, quod durante exsilio a persecutione actoris nunquam fere esset securus, dicebatur esse in Wandrädom (V. BardBl. WGL.) vel i Manhaettum (K. Magni Stadga i Skenninge 1335. § 2) „constitutus in vitae discrimine“, faidosum, a fegd, bellum, aliarum barbararum gentium leges appellant. Exilium ergo, a serius introducta proscriptionis poena, quae reum (Biltogher, Utlägher) patria expulerat, probe distinguendum (cfr. XVII. Thingm. Bl. WGB.) reo injuncti supplicii rationem minime habuit, sed remedium potius fuit, qua partes utrinque ad C. Die Höhe der zu zahlenden Summe hing von der Macht des Verletzten als des Fordernden ab. War seine Macht gering, so bezahlte man nicht eben viel dafür, dass er den Versuch, Rache zu nehmen, aufgab. War er hingegen mächtig, zu einer nachhaltigen und umfangreichen Rache befähigt, so musste man, sollte er auf seine Rache Verzicht leisten, viel ausgeben. Für die Verletzung oder Tödtung Mächtiger hatte man also mehr zu bezahlen, als für die Todtung geringer Leute, - eine Verschiedenheit, welche später in die Rechtsbücher überging (cf. § 17).

Da Rache zu nehmen süss und ehrenvoll war, und je mehr Rache, desto rühmlicher, so musste es gleichfalls ehrend sein, wenn Jemand für seine Verzichtleistung auf Rache grosse Summen erhielt: denn darin spricht sich eben die Anerkennung aus, dass er machtvoll zur Rache sei. So wird in der Nialssaga den Verwandten des erschlagenen Hauskuld, um sie zu ehren, das Dreifache der gewöhnlichen Mannbusse bezahlt (Nials. C. 122). Nichts zu bekommen für die Verletzung seiner selbst oder der Seinigen, war dem entsprechend höchst schimpflich: man wurde für machtlos gehalten, Rache zu nehmen. In der Edda verspottet Loki den Thyr, weil er der Gattin desselben ein Kind gemacht habe, ohne ihm auch nur Pfennigsbusse dafür zu bezahlen (Olgisdrecka 40). In

amicitiam renovandam allicerentur. Commonstrant id satis leges, quae semper exuli favent et quantum in ipsis sollicite curant, ne is temere in manus sui inimici incideret (de prisco in patria jure servorum § 30). In dem Sinne jener älteren Friedlosigkeit interpretirt Pardessus auch die Stelle Lex. Sal. tit. 57. & 5. Quis corpus jam sepultum effoderit aut expoliaverit Wargus sit, id est expulsus de eodem pago usque dum parentibus defuncti convenerit, ut et ipsi parentes rogati sint(=rogaverint), ut liceat ei, infra patriam esse.

der Nialssaga entgegnet ein Sohn Nial's dem Flosi, welcher Nial einen bartlosen Kerl genannt hat: mein Vater ist ein Mann; denn er hat Söhne von seinem Weibe, und seine Blutsfreunde sind nicht erschlagen worden, ohne dass er sich gericht oder Geld für sie empfangen hätte. Die nämliche Gesinnung spricht aus folgender Episode der Nialssaga. A mund, der blinde und uneheliche Sohn eines Getödteten, kommt zu dem Mörder seines Vaters und sagt zu ihm: „Ich möchte wissen, welche Summe Geldes Du mir für meinen Vater bezahlen willst? Ich bin unehelich gezeugt und habe kein Geld abbekommen“. (Zwischen dem Mörder und den Verwandten des Erschlagenen war also die Rache schon beigelegt; der Mörder hatte bezahlt und die Verwandtschaft das Geld unter sich vertheilt. Der uneheliche Sohn jedoch war leer ausgegangen und empfand dies als eine Schmach, welche ihm der Mörder angethan hatte). Jener erwidert: „Ich habe für Deines Vaters Tod den vollen Preis bezahlt. Seine Brüder nahmen das Geld." ,,Es geht mich nichts an," entgegnet Amund, „dass Du an sie bezahlt hast. Ich weiss, dass Ihr jetzt Freunde seid. Aber ich frage, was Du mir bezahlen willst ? ,,Nichts," erwidert der Andere. ,,Wie vermagst Du mich nur“, sagt Amund, „,80 in das Herz zu treffen! Alles jedoch, was ich sagen kann, ist dies: wenn ich mit dem Licht meiner Augen begabt wäre, würde ich entweder eine Geldsühne für meinen Vater erlangen oder Rache.“ Damit geht er fort. Aber an der Thüre kehrt er plötzlich um; seine Augen sind geöffnet; er läuft zurück und erschlägt den andern. Als er dann fortgehend an die Stelle kommt, an welcher sich seine Augen geöffnet hatten, schlossen sie sich wieder und er blieb für die übrige Zeit seines Lebens blind (cap. 105).

Rache oder doch ein hohes Aequivalent derselben zu erlangen, ist also süss und ruhmvoll, das Gegentheil bitter und schmachvoll. Da trotziger Stolz, bemerkt Wilda, ein Hauptzug des germanischen Charakters war, so sieht man, dass aus diesem Gesichtspunkte betrachtet die Busszahlung etwas Befriedigendes haben musste, eine satisfactio war, wie sie von Tacitus und in den alten Volksrechten genannt wird (Strafr. d. Germ. p. 315).

Charakteristisch ist auch folgende Unterredung zwischen Nial und seinem Knecht Atli: ,,Ich möchte Dich bitten,“ sagt Atli, „dass, wenn ich erschlagen werde, nicht der Preis eines Knechtes für mich bezahlt wird". ,,Nein,“ entgegnet Nial, „Du sollst mit dem Wergeld eines freien Mannes gebüsst werden. Vielleicht aber wird Bergthora (Nial's Gattin) Sorge dafür tragen, dass sogar Rache, Mann gegen Mann, für Dich genommen wird.“ Atli ist auf seinen Nachruhm bedacht. Es ehrt ihn noch im Tode, dass er gerächt wird oder doch ein hohes Abkaufsgeld der Rache – soviel wie für einen frei geborenen Mann - erlegt werden muss.

Dieselbe Anschauungsweise hat den altnordischen Gleichheitseid geschaffen. In ihm musste der Verletzer, wenn die Rache durch Geld beigelegt wurde, schwören, dass, falls er die gleiche Verletzung empfangen hätte, welche er zugefügt hat, dieselbe Abkaufssumme der Rache, welche er nun bezahlt, auch ihn zufriedengestellt haben würde; dass er somit sich nicht höher schätze, nicht für machtvoller zur Rache halte, als den, welchen er verletzt hat (s. Dahlmann, Gesch. v. Dån. I, p. 159; Geijer, Gesch. v. Schwed. I, p. 267; Wilda, Strafr. d. Germ. p. 316).

d. Da das Geld, welches der Verletzte empfängt, ein Aequivalent seiner Rache repräsentirt, so muss es in allen Fällen bezahlt werden, in welchen sonst Rache eintritt, also unterschiedslos bei absichtlichen wie unabsichtlichen Verletzungen.

e. Bei Tödtungen erhält, wenn es zur Beilegung der Rache kommt, jeder von des Todten Geschlecht eine Quote der Abkaufssumme. Luitur etiam homicidium certo armentorum ac pecorum numero recipitque satisfactionem universa domus, sagt Tacitus von den Germanen. — Der Thäter andererseits bezahlt das Geld nicht allein, sondern wird von den Seinigen unterstützt. Dieser Brauch, dass das Geld von dem einen Geschlecht zusammengeschossen wird, während das andere es unter sich vertheilt, entspricht dem Beistand, welchen der Verletzer wie der Beschädigte, falls es zur Rache kommt, bei seinem Geschlechte findet. Bei den Marea zum Beispiel wird der Mörder, sowohl bei Abwehrung der Blutrache, wie beim Aufbringen des Blutpreises von den Seinigen bis zum siebenten Verwandtschaftsgrade unterstützt. Bei den Bogos zahlen alle grossjährigen Glieder der Blutsverwandtschaft des Mörders den Blutpreis zu gleichen Theilen (nach Munzinger). Dasselbe berichtet Herrera von den Mayas von Yukatan, und Burkhardt von den Arabern: Sobald ein Araber mit der Familie, welcher er Blut schuldig ist, einen Vergleich abgeschlossen hat, wendet er sich an seine Verwandten und Freunde mit der Bitte um einen Beitrag an Schafen und Lämmern, damit er im Stande sei, die nöthige Summe zusammen zu bringen (Wah. p. 254).

« ͹˹Թõ
 »