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A. C.

gleich Christen befunden werden, lofgelassen;

161 die Klåger aber ernstlich gestraffet werden.

Dieser Brieff ward zu sepbefüs, in der öffentlic chen allgemeinen Versammlung von gank Afien verlesen. Solchem Befehl ward nachgelebet; und das ganze Rós mische Reich schwebte in einer stillen Ruhe. So gar glücklich war der Anfang der Regierung unsers Kan, fers, und so gečuhig alle Lånder, daß man hätte meynen können, der gelinde Geist des plus wäre in seine bende Nachfolger geflossen, da doch gleichwohl die Naturen dies fer beyden šåyfer fo unterschiedlich als ihre Angesichte waren. r)

Denn Marcus Antoninus war standhafft und bescheiden ; ernsthafft und freundlich; gnädig und ges recht; gelinde gegen andere , ftreng gegen fich felbst; unempfindlich gegen eiteln Ruhm , unveränderlich in seis nem Vornehmen. Er bedachte zuvor was er that, und richtete es bald ins Werck ohne Hefftigkeit oder Eigens finn. Er war ein Feind der Ohren-Blåser ; fromm oh. ne Scheinheiligkeit, måßig in allen Dingen ; gleichmus this Meister von sich selbst. Gehorsam der Vernunfft; unfähig aller Verstellung ; fleißig auf seiner Huth wis der die Eigen - Liebe ; weder ungedultig noch unruhig; schnell zu vergeben alle Beleidigungen wider seine eigene Person, aber unerbittlich, wenn die Nothwendigkeit, (Das war das allgemeine Beste) ihn zwang zu straffen. Seine Geseke waren gleich vor jedermann, und er ließ seinen Unterthanen eine gånkliche Freyheit. Seine Absicht war immer das gemeine Beste , nie seine eigene Luft, Vortheil, oder Ehre. Kurk, fein ganzes Trachys ter. gieng dahin , sich der Regierung GDttes zu unters werffen, denen Menschen Gutes zu thun, die Gerechtigs

feit

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D) Capitolinus, loco citato.

A. C. Feit zu handhaben, und die Wahrheit alleweg zu reden. 161 Dahingegen besaß Lucius Verus keine einßige

von diesen Tugenden. Er war weder in der Liebe noch im Zorn fein felbft måchtig. Und seine gråste Tugend war, daß seine Laster nichts viehisches genug hatten, ihn zum Tyrannen zu machen. Diese Unterschiedlichkeit Der Neigungen, konte man in den ersten Jahren nicht mercken: weil theils die Ehrerbietung, theils die Dances. bahrkeit gegen seinen Bruder ihn vermochten, alle Tücke in seiner Gegenwart zu verbergen. Er stellete sich viela mehr, als wolte er ein Nachfolger der. Weisheit des Antoninus werden; ja er wuste sich in alles so zu schis cken, daß man håtte fagen sollen, riarcus Antoninus regiere gank allein ; denn Verus hatte vor ihm so viel

Shrerbietung, als ein Abgeordneter vor feinen Princis pal, oder ein Statthalter vor den Käyfer. Aber wie es fchwer ist die Laster im Zügel zu halten, wenn der Zwang verschwindet ; also verlohr dieser Pring keine Gelegens heit, dieselben allenthalben wo er frere Hände hatte, blis den zu lassen.

zu Ende dieses ersten Jahrs feiner Regierung, ward Commodus gebohren. Und die Natur schien fich bey der Geburt eines Prinßen zu bewegen, welcher bereinst ihr Schand-Fleck werden folte.s) Als die Mutter noch mit ihm und seinem Bruder als Zwillinge fchwanger gieng, traumete ihr , fie gebåhre gwo Schlans gen, deren die eine einem abscheulichen Ungeheuer åhnlich war. So warð mit Commodus dem Römischen Volck mancherley Unglück gebohren: Die t) Cieber ůberschwemmete ein groffes Stück der Stadt. Sie ertránckete Vieh, und Länderenen , und verursachete theure Zeit. Die beyden Käyfer kamen diesem Uebel durch eine freygebige Austheilung allerhand Lebens-Mit: A.C. tel zu Hülffe. Auf die Ueberschwemmung folgte ein Erds 161 beben, Feuers: Brunft in unterschiedlichen Städten, eine böse und

durch $) Lampridius in Commodo. 1) Capitolinus in Marco.

angesteckte Lufft ; Diese zeugete eine Menge von Ungezieffer, welches was Feuer und Wasser unbeschädigt gelassen hatten, vollends verderbete. Endlich entzündete fich der Krieg an allen Ecken. Die Parther überfielen die Römische Armee in Armenien, unter Anführung ihs res Königes Vologesus, und nachdem sie dieselbe fast in die Pfanne gehauen, drungen sie in Syrien, und verjagten den damahligen Statthalter Attilius Cornelianus. Die Catten verzehreten alles mit

Feuer und Schwerdt in Deutschland, biß an die Graubünthen, und die Brit tannier fingen auch an sich zu empören.

Ben so verwirreten Zeiten, ward Calpurnius 24 A.C: gricola wider die Brittannier, Aufidius Victorinus 162 wieder die Catten, und zum Krieges:Zug wieder die Pars thet, Lucius Verus ernennet; welcher auch kurk dars auf, im Jahr Christi hundert zwey und sechßig seine Reise dahin antrat. Doch erachtete man zu glücklicher Ausfühe rung so grosser Dinge zweyerler nothwendig, den Bens stand GOttes, und die Eintracht der Regenten, beydes erinnerte sich Antoninus zu der Zeit, als er vorher einen Buß- und Beth-Sag ausschreiben hieß , auch vor Abreise seines Collegen, mit demselben eine brüderliche Eintracht verabredete

; wie folches bendes, die zu der Zeit geprägten Müntzen, abermahlbeglauben.

Die nothwendigen Geschäffte erheischten die Ges genwart Marcus Aurelius Antoninus zu Rom; Darum begleitete er seinen Mit-Regenten Verus , nicht weiter als biß Capua, woselbst er under vielen Liebes.

A:C. Bezeugungen von ihm Abschied nahm, auch seiner vors 162 nehmsten Bedienten und Freunde unterschiedliche ihm

als Gefährten beyfügte. Ich weiß nicht ob es geschachi die Soft-Haltung dieses jungen Käyfers Desto ansehnlicher zu machen, oder ob die Absicht dabey war, sich seines Un, ternehmens um desto mehr zu verfichern, und durch die Gegenwart solcher Personen feinen lasterhafften Meie gungen einen Zügel anzulegen ? Gewiß ist es, daß dieses Geleite zu schwach war, die böse Neigung eines lasterhaffe ten Gemüths zu brechen ; Denn Vetus verlohr mit der Gegenwart Antoninus , die vorige Furcht und Ehrers bietung vor demselben ; Er schlug die Niederlage der Römischen Legionen in den Wind, er vergaß daß Sya rien sich empören, und durch seine Wolüste das una schuldigste Gemüth anstecken Fonte; Auch stůrkte ihn die Unmäßigkeit feines rohen Lebens, bald in eine gefährs liche Kranckheit zu Canusium. Antoninus war kaum nach Rom zurück kommen, als die Zeitung ihn vermocha te wieder auffzubrechen, um den Verus zu sehen ; doch unterließ er nicht vor seiner Abreise, in sffentlicher Raths, Versammlung ein Gelübde zu thun, welches er auch being der Rückkehr, feiner Frömmigkeit gemåß vollenzogen hat. u)

Lucius Vecus ward zwar wieder gefund am Leis be, aber fein Gemüth war dergestalt erkrancket, daß es ihn bald wieder in allerhand Laster stürķete. Den Weg dadurch er zog, füllete er mit Denckmahlen seines wüsten Lebens an, und vergaß, als er nach Daphne in die Vors stadt von 2ntiochia kam , daßer Kanser , und dieser Ort der Sammel-Play aller Únanståndlichkeiten fer. Ein jeder ehrbahreč Mensch scheuete damahls diefe Stadt, welche ihre angenehme Gegend, ihre heitere Lufft, ihre

Tdjate u) Capitolinus in Marco. p. 46,

schattigten Wålder, ihre anmuthigen Gärten, ihre luftis A. C. ge Brunnen, und dergleichen, zu einer Lager-Stadt der 162 Wolluft gemacht hatten. Aber Verus bracht auf dies fen Marckt der Unreinigkeit noch mehr unflåtige Wah. ren, die denen Byrern felbft , als den aller verderbtesten Weichlingen, bih dato unbekant gewesen.

Vecus bekriegete die Ehrbarkeit zu Daphne, und fchickte seine Generals zu Felde wieder die Parthet. Sie waren glücklich. Statius Priscus gewann es tarat, Caßius nebst Jartius Verus trieben den Vos logesus in die Flucht, eroberten Seleucia , verbranns ten und plünderten Babylon, samt Ctefiphont, und schleiffeten die prachtige Refidenz der Parther. Shr siegreiches Heer aber muste nach Erlegung mehr als fümff mal hundert tausend Feinde, mit Hunger und Seus chenstreiten, wodurch es auch biß über die Helffte auffges rieben ward, fogar, daß Caßius nur mit einem kleinen Rest wieder nach Syrien kam. Verus hingegen mard Durch dis fremde Glůck so auffgeblasen, daß er nicht erróg thete, sich den Ueberwinder der Armenier und der Pati ther zu nennen; wiewohl er selbst keinen Feind gesehen, und indeffen mehr als tausend mahl von der Wollust war überwunden worden. x)

gnbessen blieb Marcus Antoninus bey den A. C. vernünfftigen Gedancken, daß aller Sieg und Wohle 163 stand der Erden durch die gnådige Vorsehung des Himmels , und durch Eintracht der Regenten bewercks stelliget würde, welches ich nicht umsonst erachte zu wies Derholen, weil ich finde, daß er selbst davon ber Welt ein gedoppeltes Zeugniß geben wollen, indem er etlis che silberne Münhen dieses ein hundert und drey und fechtigsten Jahrs, mit eben demselben Gepräge bemero

den

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x) Capitolinus in Vero7.

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