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durch eine freygebige Austheilung allerhand Lebens-Mit: A.C. tel zu Hülffe. Aufdie Ueberschwemmung folgte ein Erds IÓI beben, Feuers-Brunst in unterschiedlichen Stådten, eine böse und

angesteckte Lufft ; Diese zeugete eine Menge von Ungezieffer, welches was Feuer und Wasser unbeschädigt gelassen hatten, vollends verderbete. Endlich entzündete fich der Krieg an allen Ecken. Die Parther überfielen die Rdmische Armee in 2tmenien, unter Änführung ihs resKöniges Vologesus,und nachdem sie dieselbe fast in die Pfanne gehauen, drungen sie in Syrien, und verjagten den damahligen Statthalter Attilius Cornelianus, Die Catten verzehreten alles mit Feuer und Schwerde in Deutschland, biß an die Graubünthen, und die Britt tannier fingen auch an sich zu empóren.

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Ben fo verwirreten Zeiten, ward Calpurnius 29 A.C: gricola

wider die Brittannier, Aufidius Victorinus 162 wieder die Catten, und zum Krieges-Zug wieder die Pars ther, Lucius

Vetus ernennet; welcher auch kurk dars auf, im Jahr Christi hundert zwey und sechßig seine Reise dahin antrat. Doch erachtete man zu glücklicher Ausfüh. rung so groffer Dinge zweyerlen nothwendig, den Bens stand GOttes, und die Eintracht der Regenten, beydes erinnerte sich Antoninus zu der Zeit, als er vorher einen Buß- und Beth-Tag ausschreiben hieß, auch vor Abreise feines Collegen, mit demselben eine brüderliche Eintracht verabredete ; wie folches bendes, die zu der Zeit geprägten Månken, abermahlbeglauben.

Die nothwendigen Geschäffte erheischten die Ges genwart Marcus Aurelius Antoninus zu Rom; darum begleitete er seinen Mit-Regenten Verus , nicht weiter als biß Capua, woselbst er anker vielen Liebess

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A.C. Bezeugungen von ihm Abschied nahm, auch seiner vors 162 nehmsten Bedienten und Freunde unterschiedliche ihm

als Gefährten beyfügte. ich weiß nicht ob es geschachi Die Hoff-Haltung dieses jungen Käysers Desto ansehnlicher zu machen, oder ob die Absicht daben war, sich seines Uns ternehmens um desto mehr zu versichern, und durch die Gegenwart solcher Personen feinen lasterhafften Neie gungen einen Zügel anzulegen? Gewiß ist es, daß dieses eleite zu fchwach war, die böfe Neigung eines lasterhaffe ten Gemüths zu brechen; denn Derus verlohr mit der Gegenwart Antoninus, die vorige Furcht und Ehrers bietung vor demselben ; Er schlug die Niederlage der Römischen Legionen in den Wind, er vergaß daß Sya rien sich empóren, und durch seine Wolüfte das uns schuldigste Gemüth anstecken fonte ; Auch stůrkte ihn die Unmäßigkeit feines rohen Lebens, bald in eine gefährs liche Kranckheit zu Canufium. Antoninus war kaum nach Rom zurück kommen, als die Zeitung ihn vermocha te wieder auffzubrechen, uni den Verus zu sehen ; doch unterließ er nicht vor feiner Abreise, in offentlicher Raths, Versammlung ein Gelübde zu thun, welches er auch ber der Rückkehr, feiner Frömmigkeit gemäß vollenzogen hat. u)

Lucius Verus ward zwar wieder gefund am Leis be, aber fein Gemüth war dergestalt erkrancket, daß es ihn bald wieder in allerhand Laster stürķete. Den Weg dadurch er zog, füllete er mit Denckmahlen seines wüsten Lebens an, und vergaß, als ernach Daphne in die Vors stadt von Antiochia kam, daß er Kånfer , und dieser Ort der Sammel-Platz aler Unanståndlichkeiten fen. Ein jeder ehrbahrer Mensch fcheuete Damahls diese Stadt, welche ihre angenehme Gegend, ihre heitere Lufft, ihre

Tchate a) Capitolinus in Marco. p. 46,

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schattigten Wälder, ihre anmuthigen Gårten, ihre lustis A.C. ge Brunnen, und dergleichen, zu einer Lager-Stadt der 162 Wolluft gemacht hatten. Aber Verus bracht auf dies sen Marckt der Unreinigkeit noch mehr unflátige Wah. ren, die denen Syrern felbst, als den aller verderbtesien Weichlingen, biß dato unbekant gewesen.

Verus bekriegete die Ehrbarkeit zu Daphne, und schickte feine Generals zu Felde wieder die Parther. Sie waren glücklich. Statius Priscus gervann es tarat, Caßius nebst Jartius Verus trieben den Vos logesus in die Flucht, eroberten Seleucia , verbranns ten und plünderten Babylon, samt Ctefipbont, und schleiffeten die prächtige Refidenk der Parther. Shr siegreiches Heer aber muste nach Erlegung mehr als fünff mal hundert tausend Feinde, mit Hunger und Seus chen streiten, wodurch es auch biß über die Helffte auffges rieben ward, fogar, daß Caßius nur mit einem kleinen Rest wieder nach Syrien kam. Verus hingegen mard Durch dis fremde Glück so auffgeblasen, daß er nicht erros thete, fich den Ueberwinder der Armenier und der Pape ther zu nennen; niewohl er selbst keinen Feind gesehen, und indessen mehr als tausend mahl von der Wolluft war überwunden worden. x)

Onbeffen blieb Marcus Antoninus bey den A. C. vernünfftigen Gedancken, daß aller Sieg und Wohls 163 stand der Erden durch die gnådige Vorsehung des Himmels, und durch Eintracht der Regenten bewercks stelliget tvůrde, welches ich nicht umsonst erachte zu wies Derholen, weil ich finde, daß er selbst davon Der Welt ein gedoppeltes Zeugniß geben wollen, indem er etlis che filberne Münhen dieses ein hundert und drey und fechtigsten Jahrs, mit eben demselben Gepräge bemere

den

x) Capitolinus in Vero 7.

A. C.

A. C. cken lassen, wie im vorigen,

und dadurch denen Liebhabern 164 seiner Tugend eine gedoppelte Hochschåßung seiner Bes

ståndigkeit eingepråget hat. Ichachte die Beschreibung derselben unnöthig zu wiederholen, doch muß ich eine von dem nechstfolgenden Jahr, 164. nach Christi Geburth eine růcken, auf welcher, nach dem Vologesus und die pars ther von dem Caßio überwunden waren, unser Antonio nus Arnieniacus,oder der Armenische benahmet wird. Der auf dem Revers sikende, und sich auf seinen Schild lehnende Gefangene, ist die Vorstellung des überwundea nen Armeniens, wie die Umschrifft zeiget ; und andere Müntzen dieser Zeit beweisen, daß unser Käyser wegen dies fes Sieges, einen öffentlichen Triumph gehalten habe.

Es ist glaublich, daß die Tugenden des Antoninus 165 mehr Antheil an erwehnten Siegen im Orient gehabt had

ben, als die Laster des Verus; Dannenhero hat das Rós
mische Völckrecht, seiner Tugend nicht weniger den Tris
but des Lobes, als seiner Nient-kammer den gebührenden
Schoß zu entrichten. Caßius wie gedacht der Käyserliche
General, war biß in Keropotamien und Assyrien ges
drungen, er hatte Seleucia erobert, und Ctefiphont gera
stóhrt. Doch die Bescheidenheit unsers Antoninus ließ
nicht zu, ihm selbst diesen Ruhm alleine beyzumesser, denn
ich glaube, daß die auf einigen Månken zwischen den Kries
ges-Zeichen stehende Sigur,wo nicht denCaßius felbst, wes
nigstens den Verus vorstellen soll, anzubeuten, daß man
theils der Eintracht der Soldaten, theils der Capfferkeit
ihres Heerführers, diese Siegeschuldig fey. Sogar wol
beobachtete dieser Käyser die Grund-Regel der Gerechtige
keit, daß er den Ruhm seiner Thaten mit seinen Dienern
theilen wolte.
Wäre die Tapfferkeit der Kayserlichen Generale

nicht kråffriger gewesen, als die Aufführung des Mit-Tier A.C.

, genten Verus, so håtte das Nömische Volck nicht so offt 165 Gelegenheit gehabt, dem Antoninus wegen vieler

Mor's genländischen Siege Glück zu wünschen. Und wäre die Sanffimuth unsers Karfers nicht vorsichtiger , als die viehische Unbedachtsamkeit seines Bruders gewesen, so hätte die vorbemeldete Eintracht leicht einen Stoß, und Das gemeine Wesen darüber Schaden gelitten. Allein Antoninus åbersah die Leichtsinnigkeit des Vetus, und war bemühet, durch Vollziehung der Heurath mit Luo cille feiner Tochter, desselben únordentliche Lebens-Art zu hemmen. y) Er vertraute die schöne Lucille seiner Schwester an, um dieselbige nach Syrien zu führen, und er selbst begleitete sie biß

gen Brundufium. Man saget, er fer gar willens gewesen mit zu reifen, habe es aber anstehen lassen, fo bald er gemerckt, daß der Args wohn des Volcks, diese Reise dahin deuten wolte, als gienge er nach Syrien, die Ehre selbst zu haben, alda Den Krieg zu vollenden.

Bevor er von feiner Tochter und Schwester zu Stundusium Abschied nahm, ließ er einen Befehl an die Käyserlichen Statthalter ergehen, diese durchleuchtige Reisenden nirgends-mit dem gewöhnlichen Geprånge zu empfahen, weil der ber solcher Gelegenheit vorfallende Auflauff des Volcs, vielen Menschen pflegte Ungelegen, heit oder Schaden zu verursachen.

Vetus meinte, Antoninus fáme mit seiner Tocha ter ; und weil er besorgte, daß feine wüfte Lebenss Art dem Käyser zu. Ohren káme, dafern derselbe zu. tieff in Syrien gerieth, zog er ihm biß gen Ephesus entgegen. Doch kehrete er mit seiner jungen Gemahlin; wenig Tage nach vollzogenen Beylager, wieder gen

y) Capitolinus in Vero 4.

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