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Als er ihn nun selber befragen wolte, antwortete der Kerl: A. C. Mich frieret so befftig, daß ich nicht ein Wort reg 168 den kan; wolt ihr was von mirerfahren, so lasset mir zuvor Kleider reichen. Antoninus entrüstete sich über seine Frechheit nicht, sondern befahl, was er vera langt ihm zu geben.

Áuch that sich dazumahl ein Krieges-Knecht, durch folgendes tapffere Unternehinen hervor : Er hatte eben die. Wache an der Donau; wie er nun in der Nacht jenseit Des Flusses die Stimme etlicher vom Feinde gefangenen Rómer hörete, warff er sich bewaffnet in den Fluß, schwamm hinüber , eridsete feine Gesellen, und brachte sie glücklich zurück ins Lager.

Im folgenden Jahr erhub sich abermal ein Krieg, 169 welcher gefährlicher als alle vorige war. Die streitbara sten Völcker unter den Teutschen, die triarcomannen und Quaden, griffen zu den Waffen, und erfülleten Das Römische Reich mit Furcht und Schrecken. Die Pert hatte ein grosses Loch in der Römischen Armee gemacht, und man besorgte, fie möchte diesen so tapffern als gewala tigen Feinden nicht gewachsen feyn. Nur állein into: ninus war unverzagt; und verließ sich auf den Beystand des Himmels. Seine erste Sorgfalt zwar, war eine Surcht seiner Frommigkeit ; wiewohl die Wollziehung als die Wirckung eines Heydnischen Aberglaubens angus sehen ist.

Er wolte wider for måchtige Feinde die Götter zu Freunden haben. Deswegen wurden rund um die Stadt viele Proceßionen angeftellet. Die Bilder der Soken wurden sieben Tage lang mit einem besondern Dienst vers ehret. Ja die gewohnlichen Ceremonien wurden mit vies len ausländischen Gebrauchen, und dazu verschriebenen Priestern verdoppelt .

Der

A.C..

Der Isis Dienstward wieder hergestellet, ohnans 169 gesehen diese Göttin feit Augustus Zeiten, anzubeten

verboten, auch ihr Teinpel vom Tiberius zerstöhret, und ihre Priester waren getödtet worden. So ward dec Nömische Aberglaube mit dem Egyptischen vermehret, und so viel Opffer geschlachtet, daß die Spotter, deren Zunge kein Elend bindet, öffentlich darüber mit diesen Worten lacheten : Der Käyser wird bey seiner sicgs reichen Xúckkunfft im gangen Xcich keine Kinder zum Danck-Opffer finden. d)

Hat aber dieser Fluge Käyfer den Aberglauben von der Gottseligkeit zu entscheiten gewust, so glaube ich, daß er durch die vervielfältigte Ceremonien, das ganke Volck zur grössern Andacht auffmuntern wollen, unt desto mehr Gjebet und Wünsche vor den gesegneien Fortgang des Krieges, und seine glückliche Wiederkunfft gen Himmel zu schicken.

Verus giar wäre gern zu Rom geblieben, um seis nen Wollústen defto ungehinderter nach uhangen, wenn ihn Antoninus nicht vermocht hätte, mit zu Felde zu ges hen, um deffen weibische Neigungen mit månnlichen Ges Påfften zu zerstreuen. e) Dannenher brachen bende Kåvser auf, und nahmen ihren Weg über Aquileja. Dhnweit von damnen, griffen sie die miarcomannen an, welche sich daselbst gelagert, und jagten sie mit große fem Verlust aus ihren wohl befestigten Vortheil. Bey diesem Angriff blieb Sucius Victorinus , mit einem grossen Teil der Garde , welche er anführte. f) Dem aber ungeachtet, verfolgten die beyden Kåpfer den bereits befochtenen Vortheil, und drungen fo tieff in die Feinde,

Das d) Capitolinus c. 1 j. in Marco. c) Capitolinus in Vero cap. 9. f) Capitolinus in Marco 6, 14.

daß sie dieselben in Unordnung brachten; worauff viele A.C. ihrer Bundsgenossen ihre ”dicker zuruck berieffen, die 109 Uhrheber der Empórung tódteten, und um Friede bas ten. g)

Hiebey hätte es Verus gerne bewenden tassen, und seine Schnsucht nach den Römischen Lustbarkeiten vers anlassete ihn, den Antoninus mit folgenden Gründen zu bereden: Kanst du , sprach er, auch eines grössern Vortheils gewärtig seyn, als dis Anerbieten uns in die Bånde giebet ? Oder wilt du die Feinde biss zur Verzweiffelung treiben und ihnen dadurch Ger legenheit geben, unsere Schwäche zu erkennen: laft uns vielmehr ihre Unwissenheit und Schrecken zu unsern Jugen anwenden, und denenselben ebe Gelegenheit zur Flucht als zur Rache geben. Aber Antoninus, der die Absicht seiner Rede kante, gab zur Antwort : Daß man sich auf dieser Barbaren Worte nicht verlassen könte ; und daß fie fich stelleten, als wolten

wieder zu ihrer Pflicht kehren, damit sie nur das ihnen obschwebende Ungestům des Krieges von sich abwenden möchten. Man müsse sich ihre ikige Zerrůttung zu Nuke machen, und ihnen nicht Zeit laffen, sich abermal zu versammlen, und stårcker als die Różnifche Armee zu werden ; alsobald beorderte er das Strieges - Heer zum Auffbruch.

Bende Käyfer giengen über die Alpen, verfolgten a.C. die Feinde , schlugen sie zu unterschiedlichen mahlen, 170 und famen ohne grossen Verlust zurück. Auch hättent sie den Rest des Winters zu Aguileja zugebracht, wenn die Pest sie nicht gezwungen hátte, sich von dannen mit der Urinee zu zichen. h). Auf dieser Reife, warb Vea

C 2

CUS g) Capitolinus in Vero c.9. b) Ideen ibidera,

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rus vom Schlag gerühret, und starb zu Altinum 17° Sein Leichnam warð nach Rom geführet, und vom 2ns

toninus aufs prächtigste beståtiget. Es kommt allers dings mit unsers Käyfers Weisheit, und mit seiner Lies be der Unterthanen überein, sich nicht über den Hintritt eines lasterhafften Mit - Regenten zu betrůben. Doch steht es dahinob er, wie ein gewisser Geschicht-Schreibec berichtet, in der öffentlichen

Raths-Versammlung gefas get habe : Daß der Parthische Krieg obne feinen guten Rath nicht so wohlwürde abgelauffen seyn, und daß er zwar bisher die Käyserliche Gewale mit einem Wollüstler getheilet , binkünffiig aber im Sinn båtte, allein, und auf eine ganz andere Weise zu regieren. i) Ich sehe Antoninus zu klug und zu bescheiden vor dergleichen Reden an.

Ohne Zweiffel war dieses die Erfindung seiner Feinde, um dadurch ihrer Låsterung eine Farbe anzus streichen, als ob der Käyser dem Vecus zuvor gekominen, und sich durch einen ihm beygebrachten Gifft,

ausser Ges fahr geseket hatte, von demselben hingerichtet zu werden; oder daß er seinen Leib-Arkt vermocht, ihn durch übermäss siges Aderlaffen aus dem Mittel zu räumen : Dennisotha: ner ungegründeter Argwohn, schickt sich auf unsern ans toninus nicht. So kan es auch woht seyn, daß man die Ursach seines Todes mit gleichem Fuge auf die Faustis ne schiebet , als welche sich solcher Gestalt an ihm, wegen Offenbarung der mit ihr gepflogenen Gemeinschafft, folte gerochen haben.

Gewiß ists, daß die Rache gereikter Damen heims lich um sich greifft, und kan es also wohl seyn, daß der Tod des Verus , (wie die Meisten davor halten) ein Werck seines eignen Weibes k) der Lucille geivesen. A. C. Denn diese fahe die Liebe ihres Gemahls, zu der Fabia 170 seiner leiblichen Schwester, mit scheelen Augen an ; und solches um desto mehr, weil diese unverfchåmte Nebena Liebe ihr nicht so wohl ihren Mann, als den gebührenden Respect entzog. Sie wolte dannenher den vermeynten Schimpff ihrer Verachtung, lieber mit ihrem Gemahl

Werck

i) Capitolinus in Marco, c, 20,

, als mit ihrer

Schwiegerinn sterben sehen, weil diese lektes re durch jenes Ableben desto langer gequálet werden kons te', wenn sie von dem Gipffel ihrer hochmüthigen Einbila dung, in einen Abgrund der Verachtung fallen würde, fo bald die Stůße umgerissen, welche ihren Stolk so hoch erhaben hatte, daß sie nicht gescheuet, sich der Käyferin gleich zu schåßen

Nach Beståttigung des Verus , war unsers Käng fers erste Sorge, des Verstorbenen wollüstige Bediente, vom

Hofe zu entfernen; damit sie nicht etwa eine Pest in den Gemüthern der Römer erwecketen, die verderblicher als die leibliche Seuche wäre, fo fie aus Syrien mit sich gebracht hatten. Damit aber hiedurch das Andencken feines Mit-Regenten nicht beleidiget würde, zerftreuete er felbige hin und wieder, und gab ihnen ansehnliche Aemter, welche zwar den Nahmen einer Belohnung bekamen, aber in der That nichts anders als eine ehrliche Verweia fung waren. 1)

Indessen erregte die Unordnung und Frenheit des Krieges, die Wuth der Henden wider die Christen, lo gar, daß fie des Käyserlichen Befehls ohnerachtet, dies felben.in den entfernten Provinken zu verfolgen beguna ten. * Da ward der heilige polycarpus , Bischoff zu Smyrna, das erste Opffer ihrer Grausamkeit, mit defa

€ 3,

k) Capitolinus in Vero.c. 1o. 1) Idem ibidem. * Vide Eusebii Historiam Ecclef,

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