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te den Antoninus seine Menschen-Liebe, diefe Luft, fo

A.C. wenig als es seyn konte, blutig zu machen.

17 Er gab auch um diese Zeit scharffe Geseke , wieder die Entweihung der Gråber. Und verordnete, daß die Arme auf gemeine Kosten folten beerdiget werden. Seis ne sonderbahre Leutfeligkeit aber bezeuget unter andern folgende Begebenheit: Es hatte sich zu Rom eine Diebss Rotte zusammen gethan , des Vorsakes sich mit der Bürs. ger Guth zu bereichern. Ihr Anführer war auf allers iey Gelegenheit dazu bedacht. Dannenhero stieg er im Gefilde des partis auf einen dafelbst befindlichen Feis gen-Baum, nachdem er dem Volck zuvor durch verschies bene Weisfagungen das Maul auffgesperret hatte. Una ter andern hatte er ihnen eingebildet, daß der Welt Ende vor der Thür sen ; und daß, nachdem man ihn von dies

; fem Feigen-Baum würde gesehen haben herab fallen, und in einen Storch fich verwandeln, alsdenn in kurken ein vom Himmel falendes Feuer die Welt aufreiben würde.

Der leichtgläubige PÅbel hörte diese Weisfagung mit Verwunderung und Schrecken an. Das Volck lieff tåglidh Hauffen weise zu den Feigen-Baum, und gas ben durch die Entfernung von ihren Wohnungen, obged dachten Dieben Gelegenheit ihre Häuser zu besuchen. Endlich erschien der erschreckliche Tag dieser verkündigten Verwandelung; Der Betrüger fiel vom Feigen-Baum; ließ einen versteckten Storch aus feinem Bufem lauffen, und verlohr sich selbst unter die Menge Des umstehenden

Volds. Jederman erstaunete überdis neue Wunder ; and meinte er fåhe den Himmel schon in vollem Feuer ; fogar daß Rom mit Getümmel und Unordnung erfül. let warb. Der Käyser wird hievon benachrichtiget, und låst nach verfügter nöthiger Anftalt, den feinen Prophes

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A. Co ten vor sich kommen, verspricht ihm Gnade, fo er der 171 Handel entdecken würde ; und da er alles bekant hatte, lachte der Käyser herzlich, und hielt ihm fein Wort. c) Die Ueppigkeit der

Römer, kanı grösten Theils von dem unordentlichen Befen ihrer Weiber her ; Diese bes mühete sich Antoninus zu famt der wilden Jugend einzus schrencken, vielleicht unwiffend, ob sein Hauß selber Ans theil an diesem Verderben hätte. Wenigstens erhellet aus denen Briefen, welche er an seine Faustine , kurts por ihrem Ende geschrieben, daß der Käufer die Unords nung seiner eigenen Gemahlin entweder nicht gewust

, oder fich nicht habe

wollen mercken lassen. Doch traue ich das lektere ehe seiner Klugheit zu, und glaube, daß er durch dies se heilfanie Verordnung, feine Faustine zu aller erst bảns digen, und andern zum Erempel machen wollen. Die heilsame Absicht wolte ben dem unverschämten Weibe nichts verfangen, und es erhellet hin und wieder aus un fers Känsers Betrachtungen, daß dieses müsse sein gróstes Hauß Creuk gewesen seyn.

Seine Freunde bezeugten hierüber ihr Mitleiden, und als einer die Frenheit nahm, dein Kånfer zu rathen, daß er sich von seiner Gemahlin, wegen ihrer Liederlich. keit scheiden möchte! Toll der liebreiche Herr geantivors tet haben: d) Somast ich auch den Braut-Schar wieder geben! Antoninus erinnerte fich, daß er von ihren Vater das Käyferthum bekommen, und wolte felbst lieber eine Ungerechtigkeit vertragen, als an dem Kinde feines Wohlthäters, einer Unerkäntlichkeit schuldig wers Den. Und absonderlich weil Faustine, ihrem Herrn e) am meisten zu liebkosen wuste, wenn sie ihm am ungetreuIten war ; ließ sich der Käyfer diese ihre åusserliche Gefale a: Go tigkeit, von einer Entschliessung abhalten, welche mit der 171 Shrerbietung, fo er auch nach dem Tod vor ihrem Vater Antoninus Pius bezeugte, in ihm selbst einen heimlichen Streit erregete. Derowegen entschloß er fich mit der wiederhohlten Betrachtung zu stårcken, daß ein Unara tiger sich selbst beleidige; und wolte durch angeregte gute Verordnung versuchen, ob feines Weibes so wohl, als ander Rómerinnen böse Sitten, durch heilsame Gea fetze zu båndigen wåren?

ften c) Capitolious cap. 13. d) Capitolinus in Marco. pag. 84 c) Vids Antoninum librol, ad feipfume

Badrianus f) hatte schon zu feiner Zeit verboten, fich keiner Cánfften, Gutschen, oder Pferde in den Städa ten zu bedienen. Dieses Verboth verneuete Antonis Hus mit angehängter fchweren Straffe ; denn er wolte nicht zugeben, daß man fokhe Dinge als etwas Gemeis mes brauchen folte, welche Cefar und Auguftus durch ihre Triumphe, von dem gemeinen Gebrauch abgesondert hatter

Er wuste auch, daß es der Fürsten gröster Fehler imd Schaden fer, wenn sie folchen Leuten eine Obriga Feitliche Würde anvertrauen, die es nicht verdienen. Dannenhero fdlug er dergleichen unverbiente Ansus chungen freymüthig ab. Davon kan folgende Antwort jaugen, welche er einer berüchtigten Persohn gab, als dieselbe ihn um eine gewisse Bedienung ansprach: Rechtfertiget euch zuvor mein Freund, von der übeln bacheede , fo jederman über euch ergeben låst! und als jener verfekte : Ich finde gleichwohl wiele Obrigkeitliche Persohnen, die nicht besTer find als idhi Nahm der Käyser solche Freyheit nicht un. gnädig auf, sondern bemühete sich daß man ihm hinfünffo

tig f) Spartianus in Adriano, cap. 29. & Capitoliau ia Marco,

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A.C.

tig dergleichen nicht mit Recht, mehr vorrerffen möchte. I

Er wegerte keinem das gebührende Lob, der sich hatte ums gerneine Wesen verdient gemacht, sondern gebrauchte sie ferner zu solchen Dingen, die ihnen einmal wohl gelungen waren ; führte auch daberg diese Worte offt im Munde: Daß es nicht in dem Vermogen eis nes fúcsten stünde, seine Unterthanen so zu machen wie er sie baben wolte, wobl aber, sich derfelben näglich in solchen Dingen deren sie kúndig wåren, zu bedienen.

Fand er an jemand Verdienste, so wuste er diefels bigen nach Würden anzusehen; und es war ihm eine Lust, wenn er feinen Freunden einen Gefallen erweisen fonte. Drum war er denen so es mit Recht verlangten, zu den gråsten Ehren-Aemtern beförderlich. Die aber eine rus bige Lebens-Art erwehlet hatten, überhauffte er mit Ges schencken. Doch wurden nur die mit solchen Käyserlichen Baben begnadiget , von welchen das gemeine Beste hins wieder seinen Nugen haben konte; zu folge der klugen Res gel feines Vaters Antoninus Pius, welcher zu sagen pflegen: Es sey nichts (chåndlichers , als wenn die öffentlichen Einkünffte solchen Leuten zu Theil würden, die durch ihren Fleiß weder das gemeine Beste befördern, noch die öffentlichen Einkünffte båtten vergrössern helffen.g)

Die Ärmen ließ unfer Kåpfer nie ungeholffen: und war ihm eine so groffe Luft denen Dürfftigen berzusprins gen, daß er es als eine sonderbahre Wohlthat des Hima mels růhmet, der ihm die Gelegenheit und das Vermda gen gegeben, nie keinen Dürfftigen ungeholffen von sich zu lassen! h)

gn Capitolinus in Pio cap. 7.

, . 5. 172

In Bestraffung der Missethaten milderte er zwar A. C. die Schårffe der Gefeße; aber dennoch wolte er die Ges 171 rechtigkeit allenthalben aufs genauste gehandhaber wiss fen: So gar, daß er einst einen gewissen Pretor hart juredete, als er in der Sache einiger Persohnen zu ges schwind oder zu parthenisch verfahren, fagende :. Es ift das allerwenigste so eine bestellte Obrigkeit veco richten Ean, die Gedult zu haben, alle vorkoms mende Sachen mit Fleiß zu untersuchen. Undals etwa ein andrer Richter in einer wichtigen Sache auf gleichen Schlag verfuhr , ließ es zwar des Känsers Gůs tigkeit nicht zu, denfelben feiner Würde gånklich zu ents feßen ; doch konte feine Liebe zur Gerechtigkeit es auch nicht ungestrafft lassen; derowegen suspendirte er ihn eia ne Weile, und ein andrer muste indeffen sein Amt vers walten. So gar bemühete er fich auf alle Weise, die Menschen vom Bösen auf das Gute zu lencken. 'Erbes lohnete ihre gute Thaten, und die bösen deckte er so viel möglich zu durch seine Lindigkeit; oder er fahe sie mit fols chen Züchtigungen an, die nicht so wohl scharff, als heila fain waren. i)

Gleichwie aber der Regenten Sitten einen groffent Einfluß auf die Völcker haben, und denenselben entwes der zu vielem Guten oder zu vielem Bösen Anlaß geben; also wäre die übermåßige Liebe der Weltweißheit unsers Käysers , denen Römern bey nahe schädlich worden. Dennes thaten sich allenthalben so viele můßige Weisen hervor, die dem Antoninus zu gefallen , zwar die Kleia dung solcher Leute, aber nicht ihre Tugenden trugen ; daß ihre Menge anfing der ganken Republick beschwers lich zu seyn. Allein der vernünfftige Käyser wuste biefer Unordnung bald zu steuren; indem er denen so genannten

und 1) Capitolinusin Marco cap. 12, & 24,

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