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und verkleideten Weisen die gewöhnliche Freyheiten ents 171

30g, und diefelbe nebst seiner Gnade, nur denen alleine wiederfahren ließ, die in der That Weise waren, und ihnen Diesen Nahmen nicht so wohl angemasset , als durch eine nůžliche Tugend-Uebung denselben verdienet hatten. k) Er pflegte offt zu sagen: 1) Ein Käyser måste nichts oben hin verrichten; weil eine kleine Saumseligkeit Ges legenheit zu grosfer Unordnung geben könte.

Er ließ denen Advocaten Zeit, alles vorzubringen, was sie konten, ihre Sachen zu beschönen , und achtete es unbesonnen, der Ausführung einer Sache ein Ziel zu ses Ben, Deren man nicht kundig ist. Er wuste, daß die Ges dult ein Stück der Gerechtigkeit ausmache, und daß es besser fer, einen unnüßen Vortrag der Advocaten anzus hören, als dieselbe hindern was nothwendig ist zu sagen. Drum unterfächte er die kleinsten Händel eben so genau, als die wichtigsten, weil nach seiner Meynung die Gerechs tigkeit allenthalben gleich groß seyn måste. Er brachte manchesmahl wohl zwölff Cage über eine Sache zu; blieb alsdenn in der Rath Stube biß in die Nacht, und ging nicht eher aus der Versammlung, biß der Consul nach Gewohnheit geruffen hatte : Wir halten euch nicht långer auf!m)

Dieser fein gedultiger Fleiß ist um desto merckwürs diger, weil er sontt von so schwacher Gesundheit war, daß er nicht die geringste Kålte vertragen, und nur sehr wes nig Speise geniessen konte. Und doch dennoch verfdjob er seines Leibes Pflege bis in die spåte Nacht, genoß auch des Tages über nur ein wenig Theriack, den Magen zu

stårcken, k) Capitolinus in Marco c. 23. 1) Antoninus lib. IV. g. 2. m) Capitolinus in Márco; cap. 18.

Hårcken, damit seine Verrichtungen, und Arbeit fürs A.C.

1 gemeine Beste nie möchten unterbrochen werden. So 171 gar nichts war fåhig ihn an der Pflicht zu hindern, die ee glaubte, feinen Unterthanen schuldig zu seyn, und zu wela cher ihn, wie er felber oft gesagt, sein königliches Amt vers bůnde. n)

Die Zeit hielt er viel zu edel, auch nur einen Aus genblick derfelben, auf Lapperenen zu verwenden. Auch die Stunden waren bey ihm nicht verlohren, welche er ben den öffentlichen Schauspielen zubrachte, Denn er laß in mahrender Zeit, oder unterschrieb. o) Desgleichen

0 trachtete er auf seinen Reisen oder unter den verdrieß, fichften Verrichtungen die Zeit zu gewinnen , und von den Augenblicken einen Vortheil zu machen , welche ana dere entweder zu ihrer Ergókung , oder Ruhe anzuwens den pflegten. Ben solcher Müsse war er mit sid, felbft

) beschäftigt, und alsdenn forderte er von seinen Chaten, von seinen Gedancken, and von seinem Vorhaben Niecha nung.

Diefen müßigen Stunden haben wir fein unvera gleichliches Buch zu dancken, welches iko in teutscher Sprache erscheinet. Die doppelte Unterschrift, des erz ften und des andern Büchleins, bekräftigen was ich fas ge. Das Erste ist unterschrieben zu Carnunte in Pane nonien, als er wider die jarcomannen zu Felde lag Das Andre , in dem Feld - Lager wider die Quaden. Bendes also , unter währenden allerheftigsten Kriegen. Dergleichen wohl angewandte Augenblicke, hatten noch andere vollständigere Wercle hervor gebracht, welche uns aber die Zeit geraubet hat. Darunter ist am mein ften der Verlust feiner Lebens-Beschreibung zu bea

Dau.

D 2 :

n) Xiphilinus ex Dione p. 273.
.) Capitolinus, in Marco Gap 15.

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A.C. dauren , welche er zum Unterricht seines Sohnes selber 171 aufgeseket hatte ; wo dieses Buch von seinem Leben,

nicht etwa die XII. Bücher seiner Betrachtungen über sich selber sind?

Antoninus war der Meynung, daß die grösfeste Macht eines Reichs in dem klugen Rath der Weisen bes stůnde ; Daher fing er nichts wichtiges weder im Krieg noch Frieden, ohne feine Räthe zu fragen an. Jadies fe frug er nicht allein, sondern er wolte auch das Gutbes finden andrer geschickten Leute wissen, deren er eine aus. erkohrne Zahl am Hofe, in der Stadt, und in allen Zünften hatte. Sein Herz war zu edel diese Leute zu seis ner eigenen Meynung zu zwingen, sondern er unterwarf sich selber ihrem vernünftigen Gutdůncken freywillig, fagende : Es ist vernünftiger, daß ich den Xatb fo vieler wacken Leute folge, die alle meine treue Freunde sind, als daß so viele wackere und erfabry me Leute, sich allein nach meinem sEigensinn richs ten! p)

Weil aber die Schmeichler, dis vernünftige Nacha geben, dem hohen Ansehen eines Fürsten als eine Schana, de verwerffen, auch die Eigen-Liebe die Mächtigen leicht zum Eigensinn verleiten kan, wafnete sich dieser grosse Käyser mit folgender Betrachtung wider dieses übel: Daß der Mensch nicht weniger ungezwungen und in seiner völligen Freyheit bleibe, ob er sich gleich der Meynung eines andern unterwirft, weil es als: denn nicht mehr eines andern, sondern seine eigene Meynung wird , indem sein eigener Verstand es por eine Wahrheit achtet. q) So hielt er auch fein Wort ungerbrüchlich. Und

Damit p) Capitolinus in Marco. c. 22, 9 Antoninus, libro IV.

damit er die falsche Regel der Schmeichler zu Schanden A.C. mache, welche ihren Königen einbilden wollen, daß ein 178 Kluger Fürst kein Sclave feiner Zusagen feyn müsse, wenn dieselbe anfangen mit seinem Vortheil zu streiten; sondern daß er sich vielmehr derselben als eine Lockspeise bedienen, und andere damit ins Nekziehen måste. Sols chen rückischen Staats - Leuten, sage ich, hat er folgens de Regel entgegen gefeßt, welche die Aufmercksamkeit als ler grossen Herren, und die Verwunderung der ganken

li Welt verdienet : Süte sich dasjenige als nůblich anzusehen, welches dich nöthigen kan deine Zusas ge zu brechen! r)

So oft es der Länder Wohlstand erforderte , vers ånderte Antoninus ihre Regierung. Dem Burdúns cken des Volcks überließ er nach Augustus Weise, dies jenigen Länder, von welchen man sich nichts zu befürchten hatte, die Verdächtigen aber verfahe er selbst, mit getreus en Statthaltern. s)

Auch bemåhete er sich zu erfahren, was man von feiner Regierung urtheilete, nicht so wohl um diejenigen zu strafen welche zu fren von ihm redeten, als Daraus 311 ersehen, was man an ihm lobe oder tadele ; Damit er abs schaffen möchte, was denen Unterthanen nicht gefiel, und in demjenigen fortfahren, so ihnen bendes nüßlich und angenehme war. Beschuldigte man ihn aber einiges las sters, dessen er sich nicht bewust war, antwortete er seinen Verleumdern entweder schriftlich , oder mündlich, nicht so wohl sich selbst zu rechtfertigen, als die Anklåger za una terrichten, und durch Erwehnung der Umstände von dem Gegentheil zu überzeugen. t)

Grosse 1) Antoninus, libr. III. 9.7. s) Capitolinus in Marco, cap. 20. 1) Capitolinus, ibidem.

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.A.C

Grosse Ehrenbezeugungen waren ihm nicht anges 171 nehm, und er wolte keines weges zugeben, daß man ihm

Tempel oder Altäre aufrichtete : denn er wufte, daß ein Fürst durch wahre Tugenden, aber nicht durch die schmeichellyaften Lob - Reden des Volcks , můste vergots tert werden; ja daß ein gerechter Regent, die gange Welt zum Tempel, und alle ehrliche Menschen zu Pries stern, und zu Dienern hätte.

Anklagern und Verleumdern gab er kein Gehör; und die Angeber neuer Auflagen, verachtete er zugleich mit allen erpresfeten Einfünften. Denen Landpflegern befahl er alle die aufs hårteste 311 straffen, welche von jes mand etwas über die Gebühr forderten. Kurk, alle Völcker lebten unter seinem kanserlichen , und machtigen Regiment, so fren als in einer Republick u)

Unterdeffen hatten die Marcomannen getracha tet, den Käyser durch die geleistete Huldigung einzuschlafs fern, damit sie von seiner Entfernung den Vortheil háta ten, hernachmals init verdoppelter Macht und Wuth im Felde zu erscheinen. Man hatteum destomehr Uhrsach, sich vor sie zu fürchten, weil sie alle Völcker von Illyrien an, bis mitten in Gallien auf ihre Seite gebracht hats fen. Da nun überdem die Römische Armce theils durch die Pest, theils durch viele Kriege geschwächet , und der kayserliche Schak durch grosse Ausgaben erschöpfet war, fiehet ein jeder leicht, daß Äntoninus damahlen in eis nem Bedrang gewesen, dergleichen er noch nie erfahren hatte.

Dem Mangel des Volcks half er durch Werbung aller Fechter, Banditen, aus Dalmatien und Darda, nien, wie auch aller Leibeigenen ab; welches feit dem zweyten Punischen Kriege nicht geschehen war. Doch

ift u) Capitolinusin Marco c, 11.

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